Straßen von gestern, 4 Audio-CDs - Tennenbaum, Silvia
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Straßen von gestern, 4 Audio-CDs

300 Min.

Silvia Tennenbaum 

Gesprochen von Elisabeth Schwarz
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Straßen von gestern, 4 Audio-CDs

Frankfurter Westend, Anfang des 20. Jahrhunderts: Hier beginnt die Geschichte der Wertheims. Einer alteingesessenen Frankfurter Familie, die fest im liberalen deutsch-jüdischen Bürgertum verankert ist. Wohlhabend, gebildet und dem Leben zugewandt, durchleben die Familienmitglieder im Laufe der Zeit nicht nur innere sondern auch äußere Krisen: den Tod des Familienoberhauptes Moritz, den Ausbruch des ersten Weltkrieges ... Es sind schwierige Zeiten, doch die Familie hält fest zusammen. Als jedoch das "Dritte Reich" seinen Schatten über Deutschland wirft, werden auch die Wertheims Opfer des mörderischen Regimes und seiner Handlanger.


Produktinformation

  • Verlag: Audiobuch
  • ISBN-13: 9783899644395
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3899644395
  • Best.Nr.: 34483870
  • Laufzeit: 300 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.04.2012

Die jüdischen Buddenbrooks

Frankfurt liest mit "Die Straßen von gestern" einen Roman, der von Silvia Tennenbaums Familie handelt. Ihre Frankfurter Kindheit hat die amerikanische Autorin geprägt.

Von Hans Riebsamen

Sie ist die Frau eines Rabbiners gewesen. Und so verbergen sich in ihrem Erstlingsroman "Rachel, The Rabbi's Wife" denn auch viele autobiographische Elemente. Mit diesem 1978 erschienen Buch hat Silvia Tennenbaum einen Treffer beim amerikanischen Lesepublikum gelandet: "Dieser Bestseller brachte mir das Geld ein, um meinen Rabbi zu verlassen", erzählt die mittlerweile 84 Jahre alte Schriftstellerin mit der markanten blauen Strähne in ihren schneeweißen Haaren. Der Rabbi hatte etwas zu sehr die Frauen geliebt.

Silvia Tennenbaum hätte weitere Rabbi-Geschichten schreiben können. Sie hätten sich vermutlich ebenfalls gut verkauft. Doch sie hatte Höheres im Sinn: "Jetzt schreibe ich ein seriöses Buch", sagte sich die Autorin - und legte die Messlatte gleich ganz hoch. Ihr neuer Roman sollte eine jüdische Variante der "Buddenbrooks" werden, jener Lübecker Familiensaga, mit welcher der von ihr verehrte Thomas Mann einst …

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Die Stadt mit den Scheuklappen

Morgen beginnt das Lesefest "Frankfurt liest ein Buch". In diesem Jahr widmet es sich Silvia Tennenbaums Roman "Straßen von gestern".

Von Florian Balke

Das Bild sei sehr modern, sagt Eduard Wertheims Nichte Emma, als er ihr das Gemälde von Matisse zeigt, das er sich kurz zuvor gekauft hat. Es sei sehr blau, sagt ihre Schwester Lene und ist froh, inmitten all der Farbe den vom Maler angedeuteten Blumentopf zu entdecken. Alle großen Gemälde, erklärt ihr der Onkel, seien mehr als Blumen, Landschaften oder die Geburt Christi. "Seht euch an, wie ungeheuer mannigfaltig das Blau ist. Dieser Hauch von Lavendel dort ist der Kern des Bildes."

Das Kunstwerk, vor dem Silvia Tennenbaums Romanfiguren stehen, ist an der von ihr entworfenen kleinen Szene das Echteste. Zwar haben auch Eduard, Lene und Emma Wertheim Vorbilder im wirklichen Leben, das Gemälde aber, das Matisse zwischen 1911 und 1913 malte, leuchtet noch immer so abgründig blau wie in Eduard Wertheims Haus an der Bockenheimer Landstraße. Unter dem Namen "Fleurs et céramique" hängt es im Frankfurter Städel. Als die Stadt voriges Jahr die in ihrem Besitz befindlichen Kunstschätze für ihre Bilanz bewertete, taxierte sie den Wert des Bildes auf 70 Millionen Euro. Dem Roman "Straßen von gestern", der im Schicksal der Familie Wertheim das Schicksal der Familie der Autorin beschreibt, widmet sich dieses Jahr das vom Frankfurter Kulturamt mit 30 000 Euro geförderte Lesefest "Frankfurt liest ein Buch".

Der Matisse, der Tennenbaums Roman fest in der Wirklichkeit verankert, wechselte 1917 den Besitzer. Damals übergab der Großonkel der Verfasserin, Robert von Hirsch, den sie in der Gestalt Eduard Wertheims versteckt hat, das Gemälde der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut. Wertheim, der die Geschäfte seiner Familie seit dem späten Kaiserreich erfolgreich führt und es im Ersten Weltkrieg trotz seiner jüdischen Herkunft zum Offizier im antisemitisch geprägten deutschen Heer bringt, ähnelt seinem Vorbild auch sonst. Wie Wertheim kann von Hirsch, Offenbacher Lederfabrikant, 1913 in den großherzoglich-hessischen Adelsstand erhobener Leutnant und späterer Städel-Administrator, sich in den dreißiger Jahren vor den Nationalsozialisten ins Exil retten. Er verlässt eine Stadt, in der die Untermainbrücke, wie auf dem hier abgebildeten Stadtplan für das Jahr 1935 zu sehen ist, schon früh nach Adolf Hitler benannt wird.

Auch Silvia Tennenbaum, 1928 in Frankfurt geboren, musste ihre Heimatstadt verlassen. 1938 ging sie mit ihrer Mutter, der Lene des Romans, in die Vereinigten Staaten. "Straßen von gestern", 1981 unter dem Titel "Yesterday's Streets" zunächst auf Englisch erschienen und zwei Jahre später auf Deutsch veröffentlicht, brachte Tennenbaum wenige Jahre nach ihrem Debüt heraus, dem 1978 veröffentlichten, ebenfalls autobiographisch grundierten Roman "Rachel, the Rabbi's Wife". In ihm hatte sie literarisch einen Abschnitt aus ihrem Leben in der Nachkriegszeit bearbeitet, ihre Jahre als Frau eines orthodoxen Rabbiners und Mutter dreier Kinder in Virginia. Als sie "Straßen von gestern" schrieb, hatte sie gerade begonnen, sich aus diesem Leben zu lösen und ein Studium der Kunstgeschichte an der Columbia University in New York aufgenommen. Im Jahr der deutschen Erstausgabe der "Straßen von gestern" kam sie erstmals wieder nach Frankfurt zurück, das sie seitdem regelmäßig besucht.

Voller Ironie führt "Straßen von gestern" gleich in seinen ersten Szenen die literarischen Modelle vor, zwischen denen das Buch sich als Roman einer Familie, Roman über zeitgeschichtliche Ereignisse und Roman über das Abweichen von willkürlich gesetzten Normen bewegt: Im Wohnzimmer der Wertheims diskutiert man im Frühling 1903 über Thomas Manns "Buddenbrooks", Tolstois "Krieg und Frieden" und Oscar Wildes "Bildnis des Dorian Gray". Mit ihnen will es das Buch als exzellent geschriebener Unterhaltungsroman nicht aufnehmen, auch wenn es Anteil hat an der Fähigkeit der Hochliteratur, die Dinge anders zu sehen und neu zu machen, zum Beispiel in der Beiläufigkeit, mit der es uns vom allmählichen Auseinanderleben eines Ehepaares oder von dem Tod einer Hauptfigur am Straßenrand in Kenntnis setzt.

Wer sich zu "Frankfurt liest ein Buch" in Tennenbaums Roman vertieft, merkt ihm nicht an, dass er an der amerikanischen Ostküste entstand, mehr als vier Jahrzehnte nach den geschilderten Ereignissen und rund drei Jahrzehnte vor der nun im Frankfurter Verlag Schöffling & Co. erschienenen Neuausgabe. "Straßen von gestern" liest sich, als sei das Buch gerade eben erst verfasst, es ist voller liebevoll beschriebener Orte, die den Frankfurtern seit langem und noch immer teuer sind, von der Alten Oper bis zum Palmengarten. Umso größeren Effekt entfaltet in dieser bekannten Kulisse die Schilderung der planmäßigen Entrechtung der Frankfurter Juden. Es ist, als brächen Unrecht, Tod und Mord in die Stadt ein, in der man zu Hause ist, ganz so, wie es die Wertheims empfanden, als alles begann. Als Lene 1928 nach Berlin fährt, merkt sie, wie es um die Weimarer Republik steht. Ein Freund sagt ihr: "Das ist eines der Probleme deiner Heimatstadt - sie erlaubt einem, Scheuklappen anzulegen." Dieser Roman reißt sie herunter.

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Silvia Tennenbaum wurde 1928 in Frankfurt am Main geboren und emigrierte 1938 in die USA. Sie studierte Kunstgeschichte an der Columbia University, war seit den 1950er-Jahren als Kunstkritikerin tätig und hatte seit Anfang der 1960er-Jahre daneben erste literarische Veröffentlichungen. Ihr 1978 erschienener Roman "Rachel, the Rabbis Wife" war ein großer Erfolg. 1981 folgte "Yesterdays Streets". Der Roman um eine Frankfurter jüdische Familie erschien 1983 unter dem Titel "Straßen von gestern" in deutscher Übersetzung. Silvia Tennenbaum lebt auf Long Island und hält sich seit 1983 regelmäßig für einige Zeit in Frankfurt auf.

Trackliste zu "Straßen von gestern, 4 Audio-CDs" von Andrea Sawatzki


CD 1
1 Straßen von gestern 03:26
2 Straßen von gestern 03:35
3 Straßen von gestern 06:24
4 Straßen von gestern 04:00
5 Straßen von gestern 04:13
6 Straßen von gestern 05:17
7 Straßen von gestern 04:01
8 Straßen von gestern 04:01
9 Straßen von gestern 07:55
10 Straßen von gestern 06:47
11 Straßen von gestern 05:32
12 Straßen von gestern 05:09
13 Straßen von gestern 03:56
14 Straßen von gestern 04:56
15 Straßen von gestern 08:07

CD 2
1 Straßen von gestern 04:18
2 Straßen von gestern 04:53
3 Straßen von gestern 05:55
4 Straßen von gestern 03:54
5 Straßen von gestern 06:31
6 Straßen von gestern 05:40
7 Straßen von gestern 03:56
8 Straßen von gestern 08:11
9 Straßen von gestern 03:24
10 Straßen von gestern 07:28
11 Straßen von gestern 04:07
12 Straßen von gestern 05:22
13 Straßen von gestern 07:43
14 Straßen von gestern 07:29