Betrachten wir das Triebschicksal mal global: Der Film "360"Man wird sofort hellhörig, wenn ein Filmregisseur sein neues Projekt mit Schnitzlers "Reigen" vergleicht. Vielleicht gelingt es ja wirklich noch einmal, den traurig-schönen und von Max Ophüls unsterblich verfilmten Abgesang der Liebe in den Zeiten der Massengesellschaft für unsere Epoche zu aktualisieren; vielleicht braucht man dazu nur den richtigen Ort, die richtigen Geschichten, das richtige Gefühl für die Schauspieler und ihre Figuren.
Bei Fernando Meirelles, der seinen Film "360" als kubistische Variation auf Schnitzlers erzählerische Kreisbewegung bezeichnet, gibt es nun aber leider nichts von alledem, obwohl das Geschehen sich auf dem Papier durchaus reigenmäßig liest. Ein Yuppie-Ehepaar in der Krise (Rachel Weisz, Jude Law) versucht erfolglos - sie in London, er auf Geschäftsreise in Österreich -, einander zu betrügen; ein vereinsamter, nach seinem verschwundenen Sohn suchender Brite (Anthony Hopkins) tröstet bei einem Zwischenstopp in Denver eine junge Brasilianerin, die von ihrem Freund verlassen wurde; eine Slowakin, die sich in Wien prostituiert, lernt dort den Mann ihres …