Lob der Schule - Bauer, Joachim

Joachim Bauer 

Lob der Schule

Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern

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Lob der Schule

Die Antwort auf Buebs 'Lob der Disziplin!' Obwohl Lehrkräfte Schwerstarbeit leisten, scheitern immer mehr Kinder am Bildungsprozess. Bestsellerautor Joachim Bauer macht deutlich, welche Perspektiven sich aus aktuellen neurobiologischen Forschungen ergeben: Disziplin kann allein nichts ausrichten. Wer in Schülern Motivation und Lust am Lernen wecken will, muss gelingende Beziehungen mit ihnen gestalten. Ein notwendiges Buch für Eltern, Lehrer und Politiker!

"Man muss seiner streitbaren Schrift eine weite Verbreitung wünschen. Sie ist wissenschaftlich begründet und für Laien gut zu lesen. Und es spricht aus ihr die Herzensglut der Überzeugung, dass die Investition in die Menschen die wichtigste Investition in die Bildung ist." Psychologie Heute

"Ein Buch, das Hoffnung macht." Focus Schule

"Bauer zeigt moderne, auf neurologischen Erkenntnissen basierende Perspektiven auf, die in eine andere Richtung weisen als viele bürokratische Reformversuche im Gefolge der Pisa-Studien. [...] Sein 'Lob der Schule' ist ein im besten Sinne unparteiisches, außerdem ein gutes, informatives und weiterführendes Buch." Bildung und Wissenschaft


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 144 S.
  • Seitenzahl: 143
  • Heyne Bücher Nr.60083
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 121mm x 12mm
  • Gewicht: 123g
  • ISBN-13: 9783453600836
  • ISBN-10: 3453600835
  • Best.Nr.: 23817063
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.08.2008

Dem Ausgebranntsein wirkungsvoll vorbeugen

Studien zur Lehrergesundheit und zu den psychosozialen Bedingungen des Schulalltags widmen sich nicht nur den Symptomen der seelischen Leiden, die sich bei männlichen und weiblichen Lehrern unterschiedlich zeigen, sondern auch der Prävention und bestimmten Persönlichkeitsprofilen des Lehrernachwuchses. So hat der Potsdamer emeritierte Psychologe Uwe Schaarschmidt bei seiner Lehrerstudie festgestellt, dass viele Lehramtsstudierenden ihr Studium mit problematischen Eingangsvoraussetzungen beginnen. Sie verfügten nur über eine eingeschränkte Widerstandskraft, wiesen Defizite in der sozial-kommunikativen Kompetenz oder beim Selbstvertrauen auf. Solche Persönlichkeitsmerkmale ließen sich während der Ausbildung nicht oder kaum wettmachen, meint Schaarschmidt. Er plädiert deshalb für die Überprüfung der Eignungen und Anforderungen schon vor Beginn des Studiums. Zu den beruflichen Grundvoraussetzungen zählt er emotionale Stabilität, eine "aktivoffensive Haltung" gegenüber den Anforderungen des Lebens und Stärken im sozialkommunikativen Bereich. Schaarschmidt hat deshalb eine Diagnostik für die Eignung des Berufs …

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"Man muss seiner streitbaren Schrift eine weite Verbreitung wünschen. Sie ist wissenschaftlich begründet und für Laien gut zu lesen. Und es spricht aus ihr die Herzensglut der Überzeugung, dass die Investition in die Menschen die wichtigste Investition in die Bildung ist." (Psychologie Heute)

"Bauer zeigt moderne, auf neurologischen Erkenntnissen basierende Perspektiven auf, die in eine andere Richtung weisen als viele bürokratische Reformversuche im Gefolge der Pisa-Studien. [...] Sein 'Lob der Schule' ist ein im besten Sinne unparteiisches, außerdem ein gutes, informatives und weiterführendes Buch."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.06.2007

Noch ein Lob
Der Arzt und Therapeut Joachim Bauer über die Schule
Die Schule ist beliebtes Ausflugsziel für Forscher, Reporter und Publizisten geworden. Sie wird vermessen, bereist und bestaunt. Als abenteuerliche Fahrten in ein Krisengebiet bewerben Verlage Hasschriften auf Lehrer, Anti-Gewalt-Fibeln, Pisa-Trainings und Pädagogik-Tipps. Dazwischen tummeln sich Jeremiaden und Beschwörungen alter Werte, wie Bernhard Buebs (kommerziell, aber nicht unbedingt gedanklich) ertragreiches „Lob der Disziplin”. Der Erfolg ermuntert Nachahmer, und seien es solche, die sich nur den Titel leihen, um Bueb kurz zu widersprechen und sodann mit eigenen Stiefeln durch die Schulwelt zu stapfen. So macht es der Freiburger Medizinprofessor und Psychotherapeut Joachim Bauer. Wenn Bueb von der Jugend mehr Respekt einfordere, sei das zu einfach, schreibt er. Bueb vernachlässige die Voraussetzungen dieser Tugend.
Geht es um „Voraussetzungen”, zeigt sich Bauer gern als Naturwissenschaftler. Nötig sei eine „Neurobiologie der Schule”, schreibt der Mediziner, der in einem anderen Buch eine natürliche Veranlagung des Menschen zur Kooperation behauptet. Im neuen …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Durchaus zustimmen kann Rezensent Tanyev Schultz diesem Plädoyer des Arztes und Therapeuten Joachim Bauer, Kinder nicht durch mehr Disziplin zum Lernen zu bringen, sondern durch "Anteilnahme und Ermunterung". Auch dass umständliche Formalien (Geldsammeln für den Wandertag!) Schüler zum Abschalten bringen, findet Schultz absolut nachvollziehbar. Was er überhaupt nicht versteht, ist, dass Autor Bauer sich hier nicht einfach mit seinem gesunden Menschenverstand oder seiner pädagogischen Erfahrung argumentiert, sondern so bemüht wissenschaftlich fundiert mit "Genen und Hormonen".

© Perlentaucher Medien GmbH
Prof. Dr. med. Joachim Bauer lehrt als Universitätsprofessor an der Universität Freiburg. Er ist Arzt für Innere Medizin, Arzt für Psychosomatische Medizin sowie Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Für seine Forschungsarbeiten erhielt er 1996 den renommierten Organon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie. Er veröffentlichte schon zahlreiche Sachbücher, unter anderem "Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern", "Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone" sowie "Lob der Schule. Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern".

Leseprobe zu "Lob der Schule" von Joachim Bauer

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Leseprobe zu "Lob der Schule" von Joachim Bauer

Schüler verstehen - eine "Neurobiologie der Schule"

Ein "Lob des Regens" hat noch keine Wüste in fruchtbares Land verwandelt. Ebenso wenig wird ein "Lob der Disziplin", wie es manche derzeit gern singen, zu mehr Disziplin und Lernkultur an unseren Schulen führen. Dieses Buch, das - trotz der beschränkten Effekte von Lobgesängen - den Titel "Lob der Schule" trägt, ist keine Bekenntnisschrift, sondern ein Sachbuch. In der Schule geht es um Köpfe, um Geist, Kreativität, Motivation und um ein kooperatives Miteinander, und das heißt: um dynamische Phänomene, die allesamt eine neurobiologische Grundlage haben. Gibt es eine "Neurobiologie der Schule"?

Mein Buch will allen, die die Schule zu einer lebendigen und menschlichen Bildungsstätte machen wollen, etwa das geben, was ein Buch über Brunnenbau und Bewässerung für diejenigen wäre, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ein von Austrocknung bedrohtes Stück Land fruchtbar zu erhalten. Selbstverständlich erfordern die Abläufe in der Schule ein Mindestmaß an Disziplin, jenem Desiderat, dem der langjährige Leiter der "Schule Schloss Salem", Bernhard Bueb, 2006 ein ganzes Buch gewidmet hat. Wer es aber einfach dabei belässt, von Kindern mehr "Respekt" und für Eltern und Pädagogen mehr "Autorität" zu fordern, ohne zu sagen, auf welchen Voraussetzungen Respekt und Autorität gründen, macht es sich zu leicht. Aus den Verhältnissen einer Schule für Jugendliche aus überwiegend privilegierten Elternhäusern, einer Schule, an der Schülerinnen und Schüler von früh bis spät intensive Erziehungs- und Bildungsangebote wahrnehmen dürfen bzw. müssen, lassen sich keine allgemein gültigen Lehren für das öffentliche Bildungssystem ziehen, das uns heute Sorgen macht.

Dieses Buch soll Schülern, Eltern, Lehrern, aber auch anderen, die junge Menschen und das System Schule fördern wollen, lebensnahe Hinweise geben, wie der Nährboden aussehen muss, auf dem Liebe zum Leben, Motivation und die Lust am Lernen wachsen können. Wer ein Haus bauen will, dem ist nicht damit gedient, dass ihm Dutzende von Leuten Hunderte von Möglichkeiten ausmalen, wie schön sich so ein Haus einrichten ließe, wenn ihm kein Ingenieur oder Architekt zur Seite steht, der weiß, mit welchen Materialien und welcher Konstruktion sich ein stand- und sturmfestes Gebäude errichten lässt. Nichts anderes gilt für die "Konstruktion" eines Systems namens Schule. Es gibt zahlreiche Wege,eine gute Schule zu realisieren. Was aber in ihr wie in jeder Bildungsinstitution wirklich zählt, ist jene Kompetenz, die im Falle eines Hausbaus vom Ingenieur oder Architekten erwartet werden muss. Der Bedeutung, die dort der Statik zukommt, entspricht im System Schule 1. die Motivation zum Erwerb von Bildung, 2. der Wille zur Kooperation zwischen Lernenden, Lehrenden und Eltern und 3. die Fähigkeit von Lehrern und Schülern, im Unterricht eine Beziehung zu gestalten, die Lehren und Lernen möglich macht. Doch wer kennt sich mit diesen drei dynamischen Größen aus?

Motivation, kooperatives Verhalten und Beziehungsgestaltung sind Faktoren, die neurobiologisch verankert sind. Folglich brauchen wir - und dies ist ein neuer Ansatzpunkt - eine "Neurobiologie der Schule". Welche Perspektiven sich aus ihr ergeben - für Schüler, Lehrer und Eltern, aber auch für die Schulpolitik und die Gesellschaft als Ganzes -, wird Thema dieses Buches sein. Die Neurobiologie hat weder Deutungshoheit noch einen Alleinvertretungsanspruch zu erheben. Keine Frage: Das Thema Schule erfordert die Beiträge vieler Disziplinen. Wir brauchen das Wissen von Entwicklungspsychologen, die Auskunft darüber geben können, was Kinder und Jugendliche - bezogen auf ihr jeweiliges Alter - begreifen und leisten können. Natürlich braucht die Schule auch Experten für Didaktik, die wissen, wie man Lerninhalte so präsentiert, dass sie für Schüler interessant, lebensnah und verständlich sind. Die Entwicklung des Systems Schule braucht vor allem erfahrene, souveräne Lehrkräfte, die ihre Schülerinnen und Schüler mögen und in der Lage sind, in der Manege des Klassenzimmers zu bestehen. Und natürlich benötigen wir Standards, an denen sich Schulen bundesweit orientieren können und an denen sich die Leistungen von Schülern messen lassen. Doch das alles - und manches mehr, was hier nicht erwähnt wurde - reicht nicht aus. Denn Standards gibt es seit langem (sie waren bisher nur nicht bundeseinheitlich definiert). Ebenso verfügen wir seit Jahren über ein fast lückenloses entwicklungspsychologisches Wissen. Auch an didaktischen Kenntnissen herrscht kein Mangel, Dutzende von Lehrstühlen haben sich in Deutschland darauf spezialisiert.

Und doch - trotz all dieser Bemühungen und Investitionen sind wir mit einem Phänomen konfrontiert, für das unsere Gesellschaft bereits jetzt einen hohen Preis zahlt und in Zukunft einen noch viel höheren Preis zahlen wird. Große Teile des deutschen Schulsystems stecken in einem allseits bekannten und dennoch beharrlich fortbestehenden Desaster. Dieses System entlässt Schulabgänger, die zu einem hohen Anteil weder für eine weiterführende Ausbildung tauglich noch aufs Leben vorbereitet sind. Knapp zehn Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs verlassen die Schule alljährlich ohne jeglichen Abschluss. Bei diesen jungen Leuten - aber auch bei vielen mit Schulabschluss - sind die zehn oder mehr Jahre ihrer Schulzeit abgetropft wie Wasser an einer Teflonschicht. Wir lassen heute einen Teil unserer Jugendlichen - vor allem jene aus der nicht privilegierten, nicht bildungsbürgerlichen Mehrheit der Bevölkerung - in einer Situation heranwachsen, in der kaum jemand Interesse an ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung zeigt und in der sie zunehmend - dies gilt insbesondere für männliche Heranwachsende - in eine Stimmung von Aussichtslosigkeit, Zynismus, Verachtung und Gewalt geraten. Viele Schulversager wären in der Lage, an der Spielekonsole eines Computers jeden PISA-Test mit Bravour zu bestehen, vorausgesetzt, es gäbe einen PISA-Test für Killerspiele. Kurz, ein Großteil eines jeden Jahrgangsnimmt aus der Schule nichts von dem mit, was einen Menschen fit fürs Leben macht: Selbstvertrauen und Motivation, fachliches Basiswissen sowie soziale und emotionale Kompetenz.

Ein Kind ist kein Aktenordner Die Akteure der Schulbürokratie tun, was Bürokraten gerne machen: Sie greifen zu bürokratischen Maßnahmen. Konkret: Sie versuchen das Problem mit Standards und Kontrollen zu lösen. Nichts gegen Standards, aber sie werden die Misere nicht beheben. Lehren und Lernen scheitern nicht daran, dass die Lehrkräfte unserer Schulen bisher nicht gewusst hätten, zu welchem Zeitpunkt Schüler welche Wissensinhalte beherrschen sollten. Schulen scheitern daran, dass es Lehrern und Schülern über weite Strecken nicht mehr gelingt, eine Unterrichtssituation herzustellen, die erfolgreiches Lehren und Lernen überhaupt erst ermöglicht.

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