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"Dieser Roman packt den Leser von der ersten Seite wie ein reißender Strom, er treibt ihn gnadenlos an das rettende Ufer, das Ende des Buchs, das auch nur der Beginn einer neuen Reise ist." Il Giornale Elf Leichen werden in einem verschneiten Bergdorf gefunden. Ein Pfarrer und eine Psychiateri versuchen, dem Unfassbaren auf die Spur zu kommen. Mitreißend spürt Sandro Veronesi den Grundfragen von Schuld und Sühne, Gut und Böse, Vernunft und Glauben nach. Im verschneiten Wald nahe des Bergdorfs San Giuda werden die Leichen von elf Touristen gefunden. Die Autopsie der Leichen offenbart etwa…mehr

Produktbeschreibung

"Dieser Roman packt den Leser von der ersten Seite wie ein reißender Strom, er treibt ihn gnadenlos an das rettende Ufer, das Ende des Buchs, das auch nur der Beginn einer neuen Reise ist." Il Giornale Elf Leichen werden in einem verschneiten Bergdorf gefunden. Ein Pfarrer und eine Psychiaterin versuchen, dem Unfassbaren auf die Spur zu kommen. Mitreißend spürt Sandro Veronesi den Grundfragen von Schuld und Sühne, Gut und Böse, Vernunft und Glauben nach.

Im verschneiten Wald nahe des Bergdorfs San Giuda werden die Leichen von elf Touristen gefunden. Die Autopsie der Leichen offenbart etwas Unfassbares: elf Leichen, elf Todesursachen. Mord und Selbstmord, Krebs und Herzinfarkt. Ein Opfer scheint dem Biss eines Haifisches erlegen zu sein. Nichts passt zusammen. Während die Behörden die unerklärlichen Details der Tragödie vertuschen, versuchen der Priester Don Ermete und die Psychologin Giovanna, das Rätsel zu lösen. Ihre Ermittlungen führen den Leser auf eine philosophische Reise in die Grenzgebiete unseres Verstandes.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seitenzahl: 394
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 394 S. 211 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 133mm x 31mm
  • Gewicht: 495g
  • ISBN-13: 9783608939606
  • ISBN-10: 3608939601
  • Best.Nr.: 33391349

Autorenporträt

Sandro Veronesi, geboren 1959 in Florenz. Er ist Architekt, arbeitet jedoch seit einigen Jahren als Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten Autoren seiner Generation in Italien und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Rezensionen

Besprechung von 30.04.2012
Der Weltenbaum ist ganz mit Blut durchtränkt

Elf Morde und ein Dorf, das im Angesicht des Verbrechens zerfällt: Sandro Veronesi gelingt es trotzdem nicht, aus einer vielversprechenden Idee einen guten Krimi zu machen.

Es sollte wohl die ideale Lektüre für heiße Sommertage sein: Ein spannender Krimi, der in den Alpen spielt und in dem es immer schneit; eine Geschichte voller Geheimnis, Tod, unterschwelliger Erotik; das Ganze anspruchsvoll formuliert und metaphysisch untermauert. Das mag sich der Klett-Cotta-Verlag gedacht haben, der Sandro Veronesis Roman "XY" gar mit einer eigenen Website bewirbt. Das Krimigenre scheint es herzugeben, und Veronesi ist nicht irgendwer: 2006 hat er mit "Stilles Chaos" den Premio Strega gewonnen, den wichtigsten italienischen Literaturpreis; der Roman wurde mit Nanni Moretti in der Hauptrolle verfilmt. Leider hält "XY" seine Versprechen nicht, Spannung und Tiefsinn werden nur in Minimaldosis geboten.

Der Großteil wird sofort verpulvert, der Beginn des Romans ist spannend, ja erschütternd: In San Giuda, einem Dolomitendorf im Schatten der Denti della Vecchia, geschieht ein Massenmord: Elf Personen, die per Pferdeschlitten die Gegend besichtigt haben, werden ermordet aufgefunden - anfangs weiß man gar nicht, wie viele es sind, zahllose Leichenteile liegen verstreut im Schnee. Die Ermittlung ergibt, dass die Opfer innerhalb kürzester Zeit auf elf verschiedene Weisen zu Tode gekommen sind; zusammengenommen ergib sich ein "Repertoire der furchtbaren Todesarten". Sinnbild des Schreckens und des Mysteriums ist ein vereister Baum, ein Motiv, das Veronesi der schönsten Schauerromantik entnimmt: "Er stand da, an seinem Platz, dort, wo der Wald beginnt, wie kristallisiert in seinem Eismantel, dessen Durchsichtigkeit durch den frisch gefallenen Schnee getrübt wurde - doch er war rot. Ja, er war rot, als hätte Beppe Formento beim Vereisen Kirschsirup in die Kanone geschüttet." Rot vom Blut der Ermordeten, wie die DNA-Analyse zutage bringt.

Das Blut kann unmöglich in kürzester Zeit in das Eis gelangt sein. Auch die Todesarten sind abstrus: Im Gebirge stirbt man nicht durch den Biss eines Hais, erst recht nicht, wenn die Art seit mehr als zweihundert Jahren ausgestorben ist. Die Behörden finden eine pragmatische Antwort: Sie vertuschen und fabulieren von einem islamistischen Attentat. Die Einwohner verdrängen das Ereignis, beginnen aber, sich merkwürdig zu verhalten. Die dörfliche Solidarität erodiert; wer kann, geht weg. An der Wahrheit und am Seelenheil der Dorfbewohner sind nur zwei Personen interessiert: der Pfarrer des Ortes und Giovanna Gassion, eine junge Psychiaterin, die er zu Hilfe holt. Die beiden sind die Erzähler, die im Wechsel das Wort ergreifen.

Sie eröffnen die Herangehensweisen, die Veronesi zum Zuge kommen lässt: Weil die wissenschaftliche Kriminalistik im Geiste von "CSI" sofort versagt, wird in "XY" dem Geistlichen und der freudianisch geschulten Seelenärztin die Deutungshoheit überlassen; die zwei Mittlerfiguren, die zwischen dem Menschen und dem Bösen sowie dem Tod stehen, dürfen ihre Hypothesen entwickeln und diskutieren. Tatsächlich sind die beiden selbst in einer heiklen Lage. Der charismatische Geistliche sieht seine Überzeugung, dass der heilige Judas Thaddäus (anders als sein Namensvetter, der Verräter) ein Wohltäter der Armen und Verzweifelten sei, bedroht. Das Lebenswerk, dem Dorf San Giuda dank seines Schutzheiligen eine starke Identität zu geben und damit sein Überleben zu sichern, ist gescheitert. Giovanna wiederum befindet sich in einer Lebenskrise, die sie als Besuchow-Syndrom bezeichnet: Wie die Figur in "Krieg und Frieden" weiß sie, was das Richtige ist, tut jedoch das Falsche - in diesem Fall bleibt sie mit dem Staatsanwalt Alberto liiert, obwohl sie ihn verabscheut. Das Bild für den Makel ist eine alte Schnittwunde, die exakt im Moment des Massakers wieder aufbricht und sie an die Urszene erinnert. Für die junge Frau bietet das Bergdorf die Chance, aus dem Verhaltensmuster auszubrechen.

Priester und Psychiaterin ergänzen sich; zwischen den beiden entsteht eine tiefe Komplizenschaft. Veronesi liefert ihnen ein ganzes Arsenal an Gänsehaut erzeugenden Indizien, den "Weltenbaum", ein weinendes Pferd, eine Mehrzahl von Marias unter den Opfern und so weiter. Man muss an die Filme von David Lynch denken: Anders als Lynch gelingt es Veronesi aber nicht, den Ton zu treffen, eine Atmosphäre von Geheimnis und latenter Bedrohung aufzubauen: Das Scheitern der Ratio wird ja schon am Anfang festgestellt, der Verzicht auf eine Erklärung bedeutet das Ende des Krimiplots. Die zur Schau gestellte Irrationalität wirkt bemüht, vor allem jedoch verschenkt Veronesi die Möglichkeit, ein Vexierspiel zwischen Verstand und Übernatürlichem zu beginnen. Stattdessen stürzt er sich in theologisch-psychologische Reden, Selbstbeobachtungen, Paradoxien. Die sind so spannend und innovativ nicht, dass sie den Leser bei der Stange hielten; das Ende hingegen suggeriert, dass das Akzeptieren des Unerklärlichen befreit - das wiederum ist etwas seicht. Veronesi serviert weder Fisch noch Fleisch: Schade, die Zutaten waren vielversprechend.

NIKLAS BENDER.

Sandro Veronesi: "XY". Roman.

Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2011. 394 S., geb., 22,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Nun ja. Katharina Granzins Begeisterung über diesen italienischen Bestseller von Sandro Veronesi hält sich in Grenzen. Der Roman um einen rätselhaften Massenmord in der Nähe eines abgelegenen Bergdorfes in den italienischen Alpen, der einen Pfarrer und eine Psychiaterin nach Erklärungen für das Unerklärliche suchen lässt, ist in ihren Augen kein Krimi. Sie versteht das Buch eher als einen "literarisch-philosophischen Versuch" über Gewalt, Schuld und die Existenz des Metaphysischen. Als einen unbefriedigenden allerdings. Dies liegt ihres Erachtens nicht daran, dass am Ende alle Fragen offen bleiben, sondern daran, dass für sie schlicht unklar bleibt, um welche Fragen es eigentlich gehen soll. So wirkt der Roman auf Granzin wie ein unendlicher Strom von Worten, dessen Sinnhaftigkeit sich ihr entzieht.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Das Finale in der Pfarrstube hat Dostojewski-Format. Zwei Figuren in der Isolation vertreten Weltsichten und verändern sich in der Annäherung, bis eine vage Lösung aufscheint.« Thomas Neubacher-Riens, Frankfurter Neue Presse, 21.11.2011 »Es ist ebenso die Inszenierung eines schrecklichen Verbrechens wie das Ausloten der seelischen Dimensionen zweier Menschen, die das Buch zu einer fesselnden und tiefgründigen Lektüre werden lassen. Der Autor gehört damit zu den beachtenswerten Stimmen italienischer Literatur. Ob er es schafft, sich an die großen Autoren heranzuarbeiten, bleibt abzuwarten.« Katrin Schmeissner; Freie Presse, 14.10.2011 »Am Ende bleibt ein großes Rätsel. XY. Mann und Frau, Sein und Nichtsein. Nicht viel weniger ereignet sich in den Romanen von Kafka oder Dostojewski, gleichfalls auf vermeintlich realistische Art erzählt. Veronesi, 1958 geboren, Architekt und Journalist, schreibt - keineswegs in missionarischer Absicht - für Zeitgenossen. Man würde sich wünschen, dass er sie mit seinem Rätselbuch wenigstens ein bisschen aufstört.« Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz, 21.04.2012