Benutzername: allegra
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Insgesamt 220 Bewertungen
Bewertung vom 28.10.2017
Das Gold des Lombarden / Aleydis de Bruinker Bd.1
Schier, Petra

Das Gold des Lombarden / Aleydis de Bruinker Bd.1


ausgezeichnet

Die erst gut 20 Jahre junge Aleydis Golatti wird unerwartet zur Witwe. Ihr wesentlich älterer Ehemann Nicolai wurde tot aufgefunden. Vorerst deutet alles auf Selbstmord hin. Aber Aleydis, die mit Nicolai trotz des Altersunterschiedes eine sehr liebevolle und vertrauensvolle Ehe geführt hat, bezweifelt, dass ihr Mann sich umgebracht hat und sollte Recht behalten.
Als Aleydis, die ihrem Mann zu Lebzeiten regelmäßig bei der Führung der Bücher geholfen hat, seinen Nachlass ordnet, erfährt sie, dass Nicolai nicht nur ein angesehener und ehrlicher Banker war. Er führte ein Doppelleben, und hat undurchsichtige Geschäfte getrieben, so dass er sich Feinde gemacht hat, die möglicherweise für seinen Tod verantwortlich waren.
Zusammen mit dem Gewaltrichter Vinzenz van Cleve stellt Aleydis Nachforschungen an und gelangt ebenfalls ins Fadenkreuz von Nicolais Gegnern.
In diesem ersten Band einer neuen Serie führt Petra Schier in die Familiengeschichte ihrer Protagonistin Aleydis Golatti ein. Die Familie lebt in Köln in etwa der gleichen Zeit wie die Geschichte um die Apothekerin Adelina angesiedelt ist. So treffen Kenner von Petra Schiers Adelina Romanen auf alte Bekannte, die allerdings nur kleinere Nebenrollen spielen, aber sehr glaubwürdig in die Handlung eingearbeitet sind.
Ich lernte in diesem Roman einen neuen Haushalt kennen und lieben. Die Familie von Aleydis sowie Knechte und Hausangestellte sind mir in diesem Roman richtig vertraut geworden. Sehr interessant fand ich, etwas über die Geschichte des Geldes und des Bankenwesens zu erfahren. Die Handlung, die natürlich auch eine knisternde Liebesgeschichte beinhaltet, war interessant und stellenweise richtig spannend und unerwartet, so dass es mich auf jeden Fall Wunder nimmt, wie es mit Aleydis weitergeht.
Ich mag die ruhige Schreibweise von Petra Schier sehr und habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Manchmal sind die ersten Teile von neuen Serien überfrachtet von Informationen zur Lebensgeschichte der Protagonisten, so dass die Spannung auf der Strecke bleibt. Hier ist das ganz und gar nicht der Fall. Das Buch ist wunderbar ausgewogen an Beschreibungen, Charakterisierungen und Spannung. Ich vergebe 5 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 09.10.2017
Möge die Stunde kommen / Clifton-Saga Bd.6
Archer, Jeffrey

Möge die Stunde kommen / Clifton-Saga Bd.6


ausgezeichnet

Der 6. Band der Clifton Serie setzt da ein, wo man infolge eines fiesen Cliffhangers am Ende des 5. Bandes ungeduldig nachschaut, wann die Fortsetzung auf den Markt kommt. Er geht um den Ausgang einer Gerichtsverhandlung. Über das Ergebnis möchte ich an dieser Stelle natürlich nichts schreiben. Aber soviel sei gesagt: Der Ausgang gibt reichlich Grundlage für weitere Irrungen und Wendungen der Barrington Gesellschaft sowie von Freunden und Feinden des Clifton Clans.
Mit besonders großer Spannung habe ich auf die Fortsetzung des in Russland gefangenen Schriftstellers Anatoli Babakov gewartet. Harry kämpft nach wie vor für dessen Freilassung. Die inneren Bilder, die sich mir am Ende des Buches im Zusammenhang mit Babakov boten, werden mir hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben.
Insgesamt habe ich mich wiedermal über 589 Seiten hinweg bestens unterhalten gefühlt und gleichzeitig einiges an Zeitgeist und politischen Entwicklungen der Siebzigerjahre mitnehmen können.
Der Roman wechselt immer wieder die Erzählperspektive, sodass die Spannung immer hoch gehalten wird und das Lektüre sehr abwechslungsreich ist. Ich kann diesen 6. Band der Clifton Saga nur empfehlen. Da ich alle Teile gelesen habe, kann ich nichts darüber sagen, wie geeignet das Buch zum Einsteigen ist, wenn man die Figuren und ihre Verflechtungen noch gar nicht kennt. Wie bei allen Serien ist die Einhaltung der Reihenfolge sicher von Vorteil für den vollen Lesegenuss.
Ich vergebe diesen Buch 5 Sterne.

Bewertung vom 11.09.2017
Ermordung des Glücks / Jakob Franck Bd.2
Ani, Friedrich

Ermordung des Glücks / Jakob Franck Bd.2


ausgezeichnet

Mit „Ermordung des Glücks“ setzt Friedrich Ani seine Serie um den Ex-Kommissar Jakob Franck fort. Franck ist im Ruhestand, übernimmt aber nach wie vor die Aufgabe der Kripo, Angehörigen die Nachricht vom Tod ihrer Lieben zu überbringen. In diesem Fall muss Franck bei der Familie Grabbe vorbeigehen und ihnen mitteilen, dass man ihren seit 34 Tagen vermissten Sohn Lennard tot aufgefunden hat. Die Verletzungen legen nahe, dass es sich um einen Mord handelt.
Seit Lenny verschwunden ist, herrscht Ausnahmezustand in der Familie, die ein Café betreibt. Mit der traurigen Nachricht ist jede Hoffnung, dass Lenny doch noch auftaucht dahin. Besonders die Mutter kann mit dem Verlust ihres Kindes gar nicht umgehen. Sie zieht sich in sich zurück und spricht weder mit ihrem Mann Stefan noch mit ihrem Bruder Maximilian Hofmeister, mit dem sie sonst eine sehr innige Beziehung pflegt.
Jakob Franck führt im familiären Umfeld, wie auch in Lennys Nachbarschaft viele sensible Gespräche. Man blickt sehr tief in die persönlichen Abgründe der Beteiligten und doch will der Fall keine Lösung finden. Die Familie scheint am Verlust des kleinen lebenslustigen Lennard zu zerbrechen.
Friedrich Ani hat mit Jakob Franck eine sehr starke Figur erschaffen, der als Nichtangehöriger der Polizei eine andere Herangehensweise anwenden kann, als die direkt involvierten Polizisten. Die Trauer der Familie ist sehr feinfühlig dargestellt und bleibt das ganze Buch hinweg stets spürbar.
Mir hat der vorliegende ruhige Krimi sehr gut gefallen. Die Auflösung war für mich unerwartet, so dass ich bis zuletzt mitdenken konnte. Sprachlich hat mir die ruhige Art sehr gut gefallen. Teilweise erschienen mir die Monologe etwas lang, aber ich konnte so gut in die Gedankenwelt der Beteiligten eintauchen. Ich gebe dem Krimi 5 Sterne.

Bewertung vom 10.09.2017
Der Jahrhundertsturm / Jahrhundertsturm Trilogie Bd.1
Dübell, Richard

Der Jahrhundertsturm / Jahrhundertsturm Trilogie Bd.1


sehr gut

Mit „Der Jahrhundertsturm“ eröffnete Richard Dübell die Trilogie seiner großen Deutschlandsaga. Dieser erste Band hat als historische Persönlichkeit Otto von Bismarck im Zentrum. Flankiert wird er von Alvin von Briest, seinem besten Freund Paul Baermann und der Französin Louise Ferrand. Die Geschichte spielt sowohl in Bayern, Preussen und in Frankreich und erzählt die deutsch-französische Geschichte von 1840 bis 1871.
Paul Baermann ist Ingenieur und bringt die Entwicklung des Eisenbahnschienennetzes voran. Gleichzeitig wird das Telegrafennetz immer wichtiger und ist ein entscheidendes Werkzeug sowohl politisch wie militärisch.
Der Roman ist sowohl von politischen Entwicklungen wie auch von Liebesgeschichten geprägt. Er ist spannend, die Schauplätze sind anschaulich beschrieben und die Figuren sind glaubhaft und liebevoll charakterisiert. Man erkennt sowohl die Entwicklung der einzelnen Figuren wie auch globale Veränderungen in der europäischen Welt.
Ich habe mich mit dem Buch gut unterhalten und sehr gut informiert gefühlt. Der Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen und der Roman ist in überschaubare Kapitel gegliedert. Trotzdem hat sich bei mir die Lektüre über mehrere Monate hingezogen. Das Buch ist auf jeden Fall gut geschrieben, dennoch hat es mich nicht so in den Bann gezogen, wie es ein Buch bei mir tun muss, bis ich 5 Sterne vergebe. Ich empfehle den 1032 Seiten starken Schmöker historisch interessierten Lesern und verleihe ihm 4 Sterne.

Bewertung vom 02.09.2017
Ein irischer Dorfpolizist, 6 Audio-CDs
Norton, Graham

Ein irischer Dorfpolizist, 6 Audio-CDs


sehr gut

Mit dem Krimi „Ein irischer Dorfpolizist“ tauchen wir in das Dorf Duneen, das in einer sehr ländlich geprägten Gegend im Süden Irlands liegt. Der im Titel genannte Polizist heißt Patrick James Collins, genannt P.J. Er lebt ein eher gemächliches Polizistenleben, ist aber doch etwas desillusioniert, weil seine Arbeit als Polizist nicht dem entspricht, was er erwartet hat. Doch eines Tages kommt seine Chance. Auf einem Baugelände werden menschliche Knochen entdeckt. Es wird Verstärkung aus Cork angefordert und an der Seite von Detective Superintendant Linus Dunne ermittelt P.J. und führt im Dorf Befragungen durch, was hinter dem Knochenfund stecken könnte. In der ländlichen Idylle tun sich dabei menschliche Abgründe auf, womit P.J. nicht gerechnet hätte. Und auch er selbst lernt sich von einer völlig neuen Seite kennen. Als auf der Baustelle auch noch alte Knochen von einem kleinen Kind gefunden werden, beginnt die Mauer des Schweigens in Duneen zu bröckeln.
Ich habe den Krimi als Hörbuch gehört, der von Charly Hübner sehr einfühlsam eingelesen wurde. Seine Stimme und seine Intonation passen perfekt zur ruhigen und doch etwas düsteren oder deprimierend eingeengten Stimmung, die im abgelegenen Dorf herrscht. Der Kriminalfall ist nicht von atemberaubender Spannung geprägt sondern ein Beziehungsdelikt, wo man nur sehr langsam hinter die Fassaden der Einheimischen Haushalte blickt.
Ich habe mich mit dem Hörbuch sehr gut unterhalten gefühlt. Es ist stellenweise leicht und humorvoll, hat aber auch Tiefe und zeigt auf überschaubaren 336 Seiten bzw. 8 Stunden Hördauer die Entwicklung von Menschen, Beziehungen und Schicksalen auf eine gefühlvolle und glaubhafte Weise auf. Ich vergebe dem Krimi 4 Sterne.

Bewertung vom 26.08.2017
Der Junge auf dem Berg
Boyne, John

Der Junge auf dem Berg


ausgezeichnet

Pierrot wächst in den 30er Jahren in Paris auf. Seine Mutter ist Französin, sein Vater Deutscher, der im 1. Weltkrieg an der Front gekämpft hat. Der Vater legt großen Wert darauf, dass sich Pierrot bewusst ist, Deutscher zu sein. Wie so viele Veteranen aus dem 1. Weltkrieg, leidet Pierrots Vater unter der psychischen Belastung und fühlt sich durch die Folgen des Versailler Vertrags als Deutscher sehr nachteilig und ungerecht behandelt. „Eines Tages holen wir uns zurück, was uns gehört.“ , sagt er zu seinem Sohn. Pierrots bester Freund ist der gehörlose jüdische Junge Anshel mit dem er sich in Gebärdensprache unterhält.
Pierrot genießt soweit es möglich ist, eine glückliche Kindheit, bis zuerst sein Vater und später auch seine Mutter stirbt. Er kommt vorerst in ein Waisenhaus, aber sehr bald meldet sich seine Tante Beatrix, die Schwester seines Vaters, die Pierrot bei sich aufnehmen möchte. Sie ist Haushälterin auf dem Obersalzberg und versorgt den Haushalt von Hitlers Refugium in den Berchtesgadener Alpen.
Pierrot reist alleine mit dem Zug nach Salzburg, wo er von seiner Tante in Empfang genommen wird und von Hitlers Chauffeur Ernst auf den Berghof gefahren wird. Dort beginnt für Pierrot ein völlig neues Leben. Er kommt in den Dunstkreis des Führers und man kann als Leser nur erschrocken staunen, was die Gehirnwäsche Hitlers aus einem noch nicht gefestigten und noch formbaren jungen Menschen anstellen kann.
Ich konnte mit dem Buch sehr schnell in das Leben Pierrots eintauchen. Sein Umfeld aus seiner Zeit in Paris wird sehr liebevoll und sorgfältig charakterisiert, so dass man eine richtig gute Vorstellung seines damaligen Lebens in Paris gewinnt. Auch die Zeit in der Übergangsphase im Kinderheim hat mir sehr gut gefallen. Pierrot ist sowohl auf egoistische, garstige als auch auf liebevolle Menschen gestoßen. Und auch bei den unfreundlichen wurde ihr Hintergrund beleuchtet, so dass ihr Verhalten eine gewisse Erklärung gefunden hat. Auf dem Obersalzberg hat sich mir der Protagonist Pierrot richtig entfremdet. Er wurde dort Peter genannt, weil sich das für einen Nazi besser schickte, als sein französischer Name. Briefe vom jüdischen Freund Anshel waren nicht mehr erwünscht und Pierrot hat sich zu einem Charakter entwickelt, zu dem ich keine Bindung mehr herstellen konnte.
John Boyne ist es sehr gut gelungen, diese erschreckende Wandlung eines nicht als schlecht geborenen Menschen anschaulich darzustellen. Er hat auch einen möglichen Weg für das „Danach“ für Pierrot aufgezeigt. Auch für einige andere Menschen, die Pierrots im Laufe seines Lebens begegnen, wird als exemplarische Beispiele eine Möglichkeit dargestellt, wie die Menschen nach dem Krieg und nach dem Hitlerdeutschland weiter leben konnten oder eben nicht.
„Der Junge auf dem Berg“ ist ein sehr eindrückliches Buch, das sich sowohl an Jugendliche wie auch an Erwachsene richtet. Viele Gewissenskonflikte sind nur angetönt und nicht ausformuliert, so dass der Roman viele Möglichkeiten zur eigenen Reflexion bzw. zur Diskussion mit anderen Lesern bietet. Das Buch ist sprachlich recht einfach zu lesen, setzt aber ein gewisses geschichtliches Verständnis voraus und sollte meiner Meinung nach nicht unbedingt von Kindern unbegleitet und alleine gelesen werden, weil gewisse Szenen doch etwas verstörend oder unverständlich erscheinen können.
Von mir erhält das Buch eine Leseempfehlung mit 5 Sternen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.08.2017
Die Klasse
Rettinger, Dominik W.

Die Klasse


gut

Der Thriller „Die Klasse“ des Drehbuchautors Dominik W. Rettinger startet gleich mitten in der Handlung. Der Radiomoderator Adam Wierzbicki erhält mitten in einer Live-Radiosendung einen Anruf seines Schulfreunds Piotr Lasota. Lasota ruft aus der Intensivstation eines Krankenhauses an. Er wurde übel zusammengeschlagen und bittet Adam um Hilfe. Bei einem Besuch im Krankenhaus gerät Adam in den Besitz eines U-Bahn Tickets auf dem ein Code vermerkt ist.
Da noch andere Leute hinter dem Code her sind, gerät Adam in die Schusslinie von skrupellosen Verbrechern und muss mit seiner Familie fliehen und sich verstecken.
Ich fühlte mich sehr schnell in die Handlung hinein gezogen, hatte allerdings etwas Mühe, die Figuren auseinander zu halten. Gerade die Geheimdienstmitarbeiter und die Personen auf der Verbrecherseite habe ich manchmal durcheinander gebracht, was das Verständnis entsprechend erschwert hat.
Von den Figuren her hat mit Adam und seine Familie recht gut gefallen. Sie sind anschaulich beschrieben und realistisch charakterisiert. Von ihnen könnte ich durchaus mehr lesen. Die meisten anderen Figuren aber blieben mir völlig fremd.
Durch viele Szenenwechsel wurde die Spannung immer recht hoch gehalten, dennoch verspürte ich oft etwas Ermüdung und empfand das Buch insgesamt als sehr hektisch. Was mir wirklich gefehlt hat, ist eine Gliederung. Der Thriller ist an einem Stück geschrieben und verfügt über keinerlei Kapiteleinteilung. Dadurch fand ich den Aufbau recht schwer zu fassen.
Der Handlungsort Polen ist ein mir sehr unbekanntes Land und ich habe mich gefreut, etwas über das Alltagsleben der polnischen Bevölkerung zu erfahren. Aber auch da blieb ich etwas unbefriedigt zurück. Die Story ist auf jeden Fall sehr spannend und ich kann sie mir sehr gut als rasanten Film vorstellen. Mich hat sie aber nicht so wirklich packen können, wie ich es mir gewünscht hätte.
Da ich allgemein nicht besonders gerne Spionagethriller lese, hatte es dieses Buch recht schwer mit mir. Dennoch kann ich mich durchaus auf dieses Genre einlassen. Hier hat mir aber ein klar erkennbarer Aufbau und ein tieferer Bezug zu den Charakteren gefehlt. Das Buch erscheint mir schnell runtergeschrieben, wie das bei Drehbüchern, wo immer der Zeitdruck des Produzenten im Genick sitzt, so üblich ist. Bei einem Buch, das ohne Bilder für sich alleine steht, wäre noch etwas mehr Überarbeitung und Gliederung nötig gewesen.
Von mir erhält der Thriller wohlgemeinte 3 Sterne.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.07.2017
Die Tochter des Seidenhändlers
Jefferies, Dinah

Die Tochter des Seidenhändlers


gut

Der Roman „Die Tochter des Seidenhändlers“ von Dinah Jefferies spielt in Vietnam in den Jahren 1952 bis 1955.
Vietnam war bis 1954 französische Kolonie. Nicole und Sylvie Duval entstammen einer wohlhabenden französischen Seidenhändlerfamilie. Ihre Mutter war Vietnamesin und ist bei der Geburt Nicoles verstorben. Da der Vater einen Posten bei der Regierung antritt, überlässt er das Führen der Geschäfte seiner Tochter Sylvie, während dem die um 5 Jahre jüngere Nicole, die ihrem Vater in der Vergangenheit öfter durch ihre Unberechenbarkeit und ihr Temperament Sorgen bereitet hat, ein kleiner Laden in der Altstadt Hanois übertragen wird. Nicole ist zuerst frustriert, weil Seide wirklich ihre Leidenschaft ist und sie neidisch ist, auf das Vertrauen, das ihr Vater in ihre Schwester hat. Sie steckt dann aber viel Zeit und Liebe in den Laden, der das erste Geschäft der Familie Duval war und hat dabei einigen geschäftlichen Erfolg.
Die politische Situation ist sehr angespannt. Die Vietminh kämpfen für die Unabhängigkeit Vietnams und sammeln Streitkräfte in Guerillalagern im Norden des Landes. Nicole ist hin und her gerissen zwischen Mark, einem Amerikaner und Freund der Familie und einem Vietnamesen, der als Vietminh Kämpfer immer wieder verschwindet, Nicole aber auch beschützt.
Der Roman entführt einem in die exotische, aber auch gewaltvolle Welt von Vietnam. Nicole ist als Figur durchaus interessant und man leidet mir ihr mit. Sie ist mir aber als Charakter doch eher schleierhaft geblieben, weil sie für meine Begriffe zu oft irrational reagiert. Sylvie ist eine sehr schwierige Person, bei ihr findet die Autorin am Ende eine Erklärung für ihre seltsamen Verhaltensweisen. Ich kann mich aber dennoch nicht damit anfreunden.
Mir hat das Buch während den ersten zwei Dritteln recht gut gefallen. Ich fand den Ausflug in die Guerillalager sehr spannend und interessant. Der Schluss konnte mich dann aber nicht mehr wirklich befriedigen, weil es mir zu sehr um Beziehungs- Hin- und Her ging.
Sprachlich lässt sich der Roman sehr angenehm lesen. Er entwickelt auch sehr schöne innere Bilder der exotischen Welt. Ich hätte gerne noch etwas mehr von der Leidenschaft für die Seide, ihre Herstellung, Färbuch und ihren Handel erfahren. Die Ausgangslage ist vielversprechend, die Handlung teilweise spannend. Das letzte Drittel hat sich bei mir aber sehr dahingezogen und den Schluss fand ich auch nicht überwältigend, so dass ich dem Buch 3 Sterne geben möchte.

Bewertung vom 09.07.2017
Schwarzwasser / Kreuthner und Wallner Bd.7 (6 Audio-CDs)
Föhr, Andreas

Schwarzwasser / Kreuthner und Wallner Bd.7 (6 Audio-CDs)


sehr gut

Mit „Schwarzwasser“ hat Andreas Föhr die Serie um Kommissar Clemens Wallner um eine 7. Folge ergänzt.
Wallners Opa Manfred will es wissen. Er verkleidet sich als „Sensenmann“ und geht an die Fasnacht. Dort trifft er auf den Polizeiobermeister Kreuthner, der sich ebenfalls gerne etwas amüsieren möchte. Kreuthner ist gerade in der unangenehmen Situation, dass ihm der Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer entzogen worden ist. Deshalb lässt er sich von Manfred Wallner herumkutschieren und dringt in ein Haus ein, um bei seiner Eroberung des Abends, einer Friseurin, Eindruck zu schinden. Leider klappt das nicht wirklich. In dem Haus wird der Hausherr Warthberg tot im Bett aufgefunden.
Die Polizei wird gerufen und Clemens trifft am Tatort ein, wo er erleichtert ist, dass er seinen Opa wohlbehalten antrifft. Die Aufklärung des Mordes wird anhand von verschiedenen zeitlichen und örtlichen Perspektiven aufgezeigt. Die Ursachen, die zur Tat geführt haben, gehen bis ins Jahr 1995 in Berlin zurück. Durch die Rückblenden wird die Spannung immer relativ hoch gehalten. Die Figuren sind, soweit nicht schon aus Vorgängerbänden bekannt, realistisch und anschaulich beschrieben und dargestellt. Ich habe diesen Band als Hörbuch gehört. Ganz besonders erwähnen möchte ich die ausgesprochen gelungene Lesung durch Michael Schwarzmaier. Er schafft es durch den treffsicheren Einsatz von verschiedenen Dialekten und Stimmhöhen, den Eindruck zu verschaffen, dass es sich um eine Hörspiellesung mit verschiedenen Stimmen handelt. Wenn die Spannung zwischendrin mal nicht immer so hoch ist, so schafft es Schwarzmaier dennoch, dass man dabei bleibt und nicht geistig abschweift, wie das bei mir bei Hörbüchern öfter mal vorkommt.
Ich vergebe diesem Hörbuch 4 Sterne und eine Empfehlung für Liebhaber von Regiokrimis mit lokalen Bezügen und humoristischen Einlagen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.06.2017
Die Bestimmung des Bösen
Corbin, Julia

Die Bestimmung des Bösen


ausgezeichnet

Mit „Die Bestimmung des Bösen“ legt die Autorin Julia Corbin, die bereits unter ihrem Namen Kerstin Pflieger als Fantasy Autorin große Erfolge feiern durfte, ihr Thriller Debüt vor. Sie führt eine sehr vielschichtige und interessante Protagonistin, Alexis Hall, ein. Alexis arbeitet bei der Kriminalpolizei in Mannheim und hat eine sehr schwere Kindheit gehabt. Ihre Eltern, die sie sehr früh verloren hat, waren beide Verbrecher. Alexis wurde von einer liebevollen Familie adoptiert. Dennoch trägt sie am Wissen um ihre Herkunft sehr schwer.
In Mannheim kommt es zu mehreren Doppelmorden, bei denen jeweils junge Frauen, die miteinander befreundet sind, umgebracht werden. Ihre Leichen werden auf sehr auffällige Weise drapiert, so dass sie gefunden werden müssen. Alexis Hall und ihr Kollege Oliver arbeiten eng mit der Kriminalbiologin Karen zusammen, die durch Bestimmung von Maden und Insekten Rückschlüsse auf Tatort und Tatzeit geben kann. In die Ermittlung eingeflossen sind interessante biologische Untersuchungsmethoden, für einmal (fast immer) realistisch und korrekt, was mich als Biologin besonders erfreut und gut unterhalten hat. Bei der Aufklärung der Fälle kann man sehr gut miträtseln und wird durch unerwartete Wendungen aufs beste unterhalten.
Sprachlich war der Thriller sehr angenehm zu lesen. Man spürt, dass jemand am Werk ist, der sich auf das Erzählen versteht. Von mir erhält dieser Thriller 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung.