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Färberpflanzen - Prinz, Eberhard
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Der Autor beschreibt 117 Färberpflanzen, erklärt die Zusammensetzung der Farbstoffe, deren Vorkommen in den Pflanzen und erläutert die Färbeprozesse für verschiedene Textilien. Biologen, Nutzpflanzenkundler, Pflanzenliebhaber, Museums- und Heilpädagogen werden die ganzseitigen, durchgehend farbigen Fotos für jede Färberpflanze ebenso zu schätzen wissen wie die detaillierten Beschreibungen ihres Vorkommens, ihrer Historie, ihrer Verwendung und Dosierung als Färbemittel und ihrer medizinischen Anwendungsgebiete auf der jeweils nebenstehenden Seite. Das Buch eröffnet dem Leser die Möglichkeit,…mehr

Produktbeschreibung
Der Autor beschreibt 117 Färberpflanzen, erklärt die Zusammensetzung der Farbstoffe, deren Vorkommen in den Pflanzen und erläutert die Färbeprozesse für verschiedene Textilien. Biologen, Nutzpflanzenkundler, Pflanzenliebhaber, Museums- und Heilpädagogen werden die ganzseitigen, durchgehend farbigen Fotos für jede Färberpflanze ebenso zu schätzen wissen wie die detaillierten Beschreibungen ihres Vorkommens, ihrer Historie, ihrer Verwendung und Dosierung als Färbemittel und ihrer medizinischen Anwendungsgebiete auf der jeweils nebenstehenden Seite. Das Buch eröffnet dem Leser die Möglichkeit, selbst Pflanzenfärbungen auf Textilien oder Papier vorzunehmen, und ist daher eine Fundgrube für Künstler, Restauratoren, Textildesigner, Färber, Wollhändler und Pädagogen. Schon in der Frühzeit, in der Antike und im Mittelalter wurden Textilien und Leder mit Naturfarben aus Pflanzen gefärbt. Der Stand der Färber hatte hohes gesellschaftliches Ansehen. Durch das Aufkommen der synthetischen Farbstoffe im 20. Jahrhundert ging das Wissen um die Färberpflanzen verloren, obwohl deren Nutzung sehr nachhaltig ist. Es ist das Verdienst von Eberhard Prinz, dieses verloren gegangene Wissen im 21. Jahrhundert wieder neu verfügbar zu machen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schweizerbart'Sche Verlagsbuchhandlung
  • Seitenzahl: 321
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 321 S. m. 130 Farbfotos. u. 22 Tab.
  • Deutsch
  • Abmessung: 250mm x 180mm x 20mm
  • Gewicht: 820g
  • ISBN-13: 9783510652587
  • ISBN-10: 3510652584
  • Best.Nr.: 27351252
Rezensionen
Besprechung von 11.12.2009
Der Blauton entsteht erst beim Trocknen

Eberhard Prinz hat ein Buch über Färberpflanzen geschrieben und darin Wissen zusammengetragen, das langsam verlorengeht.

Von Eberhard Schwarz

DIEBURG / SELIGENSTADT. Wie wäre die Welt ohne Farben? Langweilig und trist. Ob dezenter Anzug oder knallbuntes Kostüm: Das Auge kauft mit. Farbe gehört zum Leben. Auch in früheren Zeiten wussten die Menschen optische Abwechslung zu schätzen: Schon in Vorzeit, Antike und im Mittelalter wurden Textilien, Leder und Nahrungsmittel mit Naturfarben gefärbt, die aus Pflanzen oder Tieren stammen. Die Rezepte dafür gaben die Menschen mündlich weiter. Schriftlich festgehalten wurden die Färberrezepte erst sehr viel später: Die ältesten in deutscher Sprache sind in der Innsbrucker Handschrift nachzulesen, die um 1330 entstand. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ersetzten synthetische Farben langsam die Pflanzenfarben.

Von "Achillea millefolium" - Schafgarbe - bis "Vitis vinifera" - Weinrebe - reicht das Spektrum der Gewächse, denen Eberhard Prinz aus Dieburg ein 321 Seiten umfassendes Buch gewidmet hat. "Färberpflanzen - Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin", lautet der Titel des aufwendig gestalteten Werks, das in dreijähriger Arbeit entstand. 117 Färberpflanzen stellt Prinz darin in Wort und Bild vor. Die meisten - etwa 100 - Pflanzen entdeckte und fotografierte er im Seligenstädter Klostergarten. Zum Teil seien die Pflanzen dort in Färberbeeten zu finden, zum Teil im Arzneigarten. Prinz bezeichnete den Klostergarten als "Kleinod". Ursprünglich sollte das Buch denn auch "Färberpflanzen Klostergarten Seligenstadt" heißen. Prinz sprach die für die ehemalige Abtei zuständige Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten an; die habe das Buch aber nicht herausbringen wollen. Die Stadt Seligenstadt habe ebenfalls nicht reagiert. So erschien das Werk bei der E. Schweizerbart'schen Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.

Für Botanik hatte sich Prinz schon immer interessiert. Beruflich schlug er allerdings andere Wege ein: Nach dem Studium der Elektrotechnik und der Informatik an der Technischen Universität in Darmstadt ging der heute 64 Jahre alte Diplom-Ingenieur in die Industrie, wo er im Management tätig war. Vor fünf Jahren begann eine Lebensphase, die Prinz als "Unruhestand" bezeichnete: Seither könne er sich seinen Hobbys und Interessen "außerhalb meiner Berufstätigkeit" widmen. So kam die Botanik wieder ins Spiel. Sich näher mit Pflanzen zu beschäftigen, dafür habe ihm früher die Zeit gefehlt, sagte Prinz, der in Aschaffenburg geboren wurde, nun seit 27 Jahren in Dieburg lebt.

Zunächst begann er, in Gärten wie dem Seligenstädter Klostergarten, aber auch in botanischen Gärten Pflanzen zu fotografieren. Prinz wurde Mitglied im Freundeskreis des Botanischen Gartens der Technischen Universität Darmstadt, wo er als Zweiter Vorsitzender amtiert. Im Laufe der Zeit wandte er sich dem Thema Färberpflanzen zu. Diese findet er besonders spannend, denn sie seien "durch die Bank" auch Arzneipflanzen. Außerdem sehe man ihnen nicht an, "was da nachher für eine Farbe herauskommt". Das Wissen über sie gehe nach und nach verloren. Früher sei das Färben einmal "Big Business" gewesen: Prinz erwähnte hier die Städte Venedig, Florenz oder Brügge mit einem hochentwickelten Färberhandwerk.

In Thüringen habe der Waid einst die Erfurter Gegend reich gemacht, was seinen Ausdruck etwa darin fand, dass die Waidhändler die Universität Erfurt finanzierten. Waid färbt Textilien blau. Die Waidblätter wurden getrocknet und gemahlen; der Brei wurde zu Haufen geschichtet und begann zu gären. Daraus formte man kleine runde Ballen, sogenannte "Waidkugeln", die von den Waidknechten mit Urin angefeuchtet wurden, so dass sie erneut gärten. Nach längerer Lagerzeit kam der Waid in die Färbehäuser, wurde ein weiteres Mal mit Urin und Pottasche verrührt, so dass eine zum Färben geeignete Küpe entstand. Die darin eingetauchten Textilien nahmen zunächst eine gelbe bis grünliche Färbung an; erst beim Trocknen entstand der gewünschte Blauton.

Auch in Dieburg und Umgebung gab es früher viele Blaufärbereien. Im Mittelalter habe bunte Kleidung mit gleichmäßigem Farbauftrag die Bedeutung einer Person erhöht, so Prinz. Um 1600 begannen die holländischen, später die englischen Seefahrer, Indigo aus Indien einzuführen, der den Färberwaid zunehmend verdrängte. Auch Bluejeans seien früher mit Indigo gefärbt worden.

75 Prozent der Pflanzen erzeugten Gelb- bis Brauntöne. Mit anderen Farben "wird es schon knapp". Für Rot komme Krapp, auch Färberröte genannt, in Frage; für Blautöne Waid oder Indigo. Grüntöne entstanden durch zweimaliges Färben erst mit Gelb, dann mit Blau; grüne Stoffe seien daher sehr teuer gewesen.

Für sein Buch suchte Prinz Bibliotheken auf, studierte alte Bücher und trug so "Wissen systematisch zusammen". Ansprechen möchte er eine vielfältige Leserschaft: Leute, die selbst färben, gehören ebenso dazu wie Pflanzenliebhaber, Teppichliebhaber, Friseure, die mit Naturfarben arbeiten, und Restauratoren.

Eberhard Prinz: "Färberpflanzen - Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin", E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2009, Das 321 Seiten dicke Buch mit 130 Farbfotos und 22 Tabellen kostet 39,50 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.

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