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"Es ist das Liebesglück und Liebesleid, allein oder zu zweit, als dessen präzise Beobachterin sich Ulla Hahn in ihren Geschichten erweist. Mit einem feinen Gespür für die Zumutungen des Lebens." -- Der Spiegel "Auch im neuen Buch der Lyrikerin und Roman-Autorin ist das Glück brüchig. Und di Beschreibungen der Wendepunkte, nach denen nichts mehr ist wie zuvor, sind oftmals genial." -- Brigitte "Die intelligente und belesene Autorin versteht sich auf effektvolle Konstruktionen und anschauliche Beschreibungen, und sie verfügt souverän über die Mittel des erinnernden Schreibens." -- Friedma…mehr

Produktbeschreibung

"Es ist das Liebesglück und Liebesleid, allein oder zu zweit, als dessen präzise Beobachterin sich Ulla Hahn in ihren Geschichten erweist. Mit einem feinen Gespür für die Zumutungen des Lebens." -- Der Spiegel "Auch im neuen Buch der Lyrikerin und Roman-Autorin ist das Glück brüchig. Und die Beschreibungen der Wendepunkte, nach denen nichts mehr ist wie zuvor, sind oftmals genial." -- Brigitte "Die intelligente und belesene Autorin versteht sich auf effektvolle Konstruktionen und anschauliche Beschreibungen, und sie verfügt souverän über die Mittel des erinnernden Schreibens." -- Friedmar Apel, Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • Produktdetails
  • Verlag: Dva
  • Seitenzahl: 240
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 237 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 24mm
  • Gewicht: 350g
  • ISBN-13: 9783421059536
  • ISBN-10: 3421059535
  • Best.Nr.: 20843091

Autorenporträt

Ulla Hahn, aufgewachsen im Rheinland, arbeitete mach ihrer Germanistik-Promotion als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, anschließend als Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Schon ihr erster Lyrikband wurde zu einem großen Leser- und Kritikererfolg. Ihr lyrisches Werk wurde u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Sie erhielt den Deutschen Bücherpreis. Zudem wurde sie 2006 mit dem "Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis" und dem "Hertha Koenig-Literaturpreis" ausgezeichnet. Im Jahr 2010 wird ihr der Ida Dehmel Literaturpreis 2010 der GEDOK verliehen.
Ulla Hahn

Rezensionen

"Ich kehrte mein Gesicht der Sonne zu und spürte ihre Wärme, spürte mein Herz und wie es ein paar schnelle, verwunderte Schläge tat." Das denkt eine ältere Dame, die solo nach Venedig reist und dort ein scheinbar glückliches Paar beobachtet. Liebe ist - so Ulla Hahns Bekenntnis - ihr persönlich schönstes Wort. In unzähligen Gedichten und drei Romanen hat die 60-jährige Autorin viele Saiten dieses unerschöpflichen Themas zum Klingen gebracht. Nun legt sie ihren ersten Kurzgeschichtenband vor: 13 Erzählungen umkreisen Liebesträume, die selten in Erfüllung gehen, loten auf irritierende Weise Hoffnungen und Sehnsüchte aus, erzählen von Missverständnissen, von Geblendetsein und Verrat. Die Erzählerin schlüpft dabei mal in die Rolle der Frau, mal in die des Mannes oder Kindes und einmal sogar in die einer Motte. Wechselnde Landschaften spiegeln wechselnde Wahrnehmungen wider - und oftmals schimmert in den Beschreibungen die Lyrikerin durch. (gks)
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Besprechung von 24.02.2007
Sehnen Sie sich auch so nach der Wüste?
In Geschnatter-Gewittern: Ulla Hahn lässt in ihrem neuen Erzählband die Liebesarten des Alltags Revue passieren
Mit der Liebe kommen die Tumulte. Je größer die Begierden, desto härter die Enttäuschung – und nicht selten geht am Ende das Porzellan zu Bruch. Eigentlich der beste Stoff für Geschichten. Eigentlich aber auch der allerschwierigste, weil schon so oft über die Liebe geschrieben wurde, dass die Worte abgegriffen sind wie alter Schmuck. Ein wenig aufpoliert mag er helfen, noch einmal Feuer in die Hitzekammer der Affekte zu bringen, ohne Lust aber führt der Weg hoffnungslos in den Kitsch.
Ulla Hahns Erzählungen tragen den schönen Titel „Liebesarten”. Das verrät schon etwas die Richtung, die ihre Liebesreise nimmt. Denn nicht um die Liebe in ihrer Reinform geht es Ulla Hahn, nicht um die eine große Passion im Singular, sondern um die unterschiedlichen Erscheinungsweisen der Liebe. Der Alltag ist das Spielfeld dieser amourösen Bemühungen. Und auch, wenn bisweilen die Erinnerung an eine Grenzerfahrung sich meldet, ja sogar wenn ein außergewöhnliches Ereignis den Alltag aufbricht (was in fast jeder Erzählung passiert) – die Niederungen des Hier und Jetzt werden nicht verlassen.
So mag es kaum verwundern, dass Ulla Hahns Figuren eher nüchtern und gewöhnlich wirken. Die meisten von ihnen haben die erste Scheidung schon hinter sich, sie lieben Gärten, belegen Fitnesskurse, und manchmal trinken sie Champagner mit eine kleinen Eroberung. Ein bisschen das, was man aus der eigenen Nachbarschaft zu kennen glaubt.
Und wenn nicht von den leibhaftigen Nachbarn, so doch aus zahllosen anderen Liebesgeschichten. Eine Frau ist hier weniger schön, sondern eher, „was man als gutaussehend bezeichnet”, man redet nicht einfach drauf los, sondern beruft sich darauf, was „schon die Vorfahren sagten”. Selbst in diesem eng abgesteckten Feld ließe sich noch das ein oder andere Geheimnis unterbringen. Doch die Figuren erzählen nicht nur gerne, sie kommentieren auch fortwährend, was sie gerade tun. Für offene Stellen bleibt da kein Platz, nicht einmal für einen blinden Fleck.
Simple Motten, altkluge Kinder
Vielleicht liegt hier das zweite Problem dieser Geschichten. Ulla Hahn erzählt alles in demselben Plauderton, der ein wenig an jenes „Geschnatter der Hörsäle und Cafeterias” erinnert, von dem einmal die Rede ist. Die Besitzerin einer Kosmetikfirma klingt genauso wie der Germanist, der an seiner Universität gerade eine C4-Professur bekommen hat, die Übersetzerin aus dem Spanischen nicht anders als eine simple Motte. Und auch wenn ein altkluges Kind gut in die Typensammlung dieser Erzählungen passen würde: Eine Zwölfjährige, die von „Generationen” spricht und von der Angst, „aus der Rolle zu fallen”, überzeugt eher wenig.
Das ist schade, denn so geht manch hübsche Idee im Singsang der Sprache einfach unter. Die Erzählung „Wilhelm und die Musik” etwa bietet auf gerade mal zehn Seiten die Lebensgeschichte eines Sonderlings, der sich einer seltsamen Leidenschaft verschrieben hat: Er sehnt sich nach Stille. Nur dort, „in der Wüste, in der Nähe des Todes” fühlt er sich zu Hause. Doch weder von dieser Stille noch von der verlangsamten Zeit ist etwas in der Form der Erzählung zu spüren, in deren Mittelpunkt er steht. Ulla Hahn erzählt die Geschichte wie den kleinen Ferienflirt oder den Besuch der Avon-Beraterin. Ach, hätte sie doch auf Bert gehört, den etwas steifen Gatten aus der Erzählung „Rote Schuhe”. Der mag nicht nur korrekte Manieren, er hat auch Sinn für Stil: „Sein Glaube an den Einklang von Form und Inhalt ist unverwüstlich.” NICO BLEUTGE
ULLA HAHN: Liebesarten. Erzählungen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006. 240 Seiten, 17,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Besprechung von 18.11.2006
Der heilsame Takt der schönen, alten Worte
Warten auf die Erlösung: Ulla Hahns Liebesgeschichten

Von Friedmar Apel

Die meisten Gedichte, die Ulla Hahn geschrieben hat, sind auf die eine oder andere Art Liebeslyrik. In den schönen und oft melancholischen ist zu erfahren, wie die Liebe ist, wenn sie als vergegenwärtigte Passion Ausdruck wird, in den schwächeren scheinen nicht selten allerlei verbrauchte Gefühlsformeln abgelegt worden zu sein, als müßten auch die unbedingt überliefert werden. Ein Snob, wer nur Schlechtes darüber sagt: Keine Aufklärung hat der Liebe die Verschwisterung mit dem Mythos austreiben können, so versteckt sich seit je der Kitsch in der Sprache der Liebe, immer bereit, regressiv loszuplärren wie ein Kobold.

Die "Liebesarten", die Ulla Hahns erste Sammlung von Erzählungen präsentiert, sind weniger Klassifikationen von Liebesformen als Unterscheidungen der Erzählhaltung und der zeitlichen und räumlichen Verhältnisse, in denen die Liebe kommt und wieder verschwindet. Dabei demonstriert die Autorin ein beeindruckendes handwerkliches Spektrum. Ob jung oder alt, Mann oder Weib, Hausfrau, Avon-Beraterin oder Universitätsprofessor, Ulla Hahn traut sich jede Perspektive und Figurenrede zu, sogar die einer Motte. Keine der dreizehn Geschichten ist wie die andere. Gemeinsam ist ihnen aber eine eigentümliche Erbaulichkeit, es sind moderne Legenden, die ihre Trostworte aus einem mythischen Hintergrund beziehen. Meist trit das in spruchartigen Weisheiten offen zutage.

In der letzten Geschichte verrät die Erzählerin in der Erinnerung an ihren Verflossenen, wie solche Parolen zustande gekommen sein könnten: "Der Weg ist das Ziel, schoß mir ein Spruch von Meister Eckehart durch den Kopf. Ein Heftchen mit seinen Weisheiten hatte Rudolf eine Zeitlang bei sich getragen, bis wir angefangen hatten, selbst Sprüche zu erfinden, die, ohne zu parodieren, denen des Mystikers zum Verwechseln ähnlich waren." Nun wird dieser Spruch gemeinhin Konfuzius zugeschrieben, aber das verschlägt vermutlich bei der Trostbedürftigen nicht, die sich vom "heilsamen Takt der alten Worte" davontragen lassen möchte. Auch die Mythologie ist eben heute Bricolage.

Ebenso schelmisch richtet sich die Erzählerin Ovids Metamorphosen für die Gemütserhebung zu: "Wer aber an gebrochenem Herzen stirbt, der muß einmal im Jahr zurück auf die Erde und seinem Tod auf den Grund gehen. Einen Tag und eine Nacht dürfen wir in Tiergestalt nahe dem geliebten Menschen verweilen. Daher diese vielen Hunde mit dem treuen Blick, die schmeichlerische Katze, das starke Pferd. Ich flog als Motte zu ihm." Die Erzählungen des Insekts tendieren allerdings verdächtig zur Ratgeberliteratur. Wir sind angeblich erst erlöst, "wenn wir aufhören, unser Unglück zu lieben". Vermutlich brauchen wir dann auch keine Liebesgeschichten mehr. Die Erlösung läßt also vorerst auf sich warten.

Das Flirten mit Kitsch, Jargon und literarischen Versatzstücken gelingt uneinheitlich. Es ist manchmal amüsant, manchmal sogar anrührend, oft aber mutet es ziemlich kindisch an. Die Erzählerin von "Eine einfache Geschichte" irrt, wenn sie meint, es sei "doch egal, wer ihnen diese Geschichte erzählt". Am stärksten wirken nämlich die Geschichten, deren Erzählperspektive dem Alter und der Situation der Autorin angemessen ist und von deren Urbild "Philemon und Baucis" Ulla Hahn schon öfter poetischen Gebrauch gemacht hat. Hier findet sie wunderbare Worte der Anschauung und des Trostes über das Vergängliche, die oft gerade durch den Ton der Sachlichkeit berühren: "Wollte ich wirklich noch einmal jeden Morgen zwei Tassen, zwei Teller, zwei Messer, zwei Gabeln, zwei Servietten sehen?"

Im ganzen zeigt Ulla Hahn in diesem Genre ein ähnliches Bild wie in ihren Romanen. Die intelligente und belesene Autorin versteht sich auf effektvolle Konstruktionen und anschauliche Beschreibungen, und sie verfügt souverän über die Mittel des erinnernden Schreibens. Wie mutwillig aber durchbricht sie ihre Texte immer wieder durch tantenhafte Didaktik, Albernheiten und allerlei Gefühlsplunder, als wollte sie unbedingt verhindern, einer disziplinierten und distanzierten Erzählweise bezichtigt und im Fach einer herzlosen Hochkunst verbucht zu werden. So werden sich auch die Leser dieses Bandes wie gewohnt in die einen und die anderen scheiden.

Ulla Hahn: "Liebesarten". Erzählungen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006. 240 S., geb., 17,90 [Euro].

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"Dieses Buch spiegelt wie kaum ein anderer Zeitroman die kulturelle Atmosphäre der fünfziger Jahre." - Die Zeit

"Ein klug konstruiertes, notwendiges, sehr ernstes Buch." - Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Auch im neuen Buch ist das Glück brüchig. Die Beschreibungen der Wendepunkte, nach denen nichts mehr ist wie zuvor, sind oftmals genial." Brigitte

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Die Liebe im Plural ist das, was Ulla Hahn in ihren Erzählungen interessiert. Und da hat der Rezensent Nico Bleutge auch gar nichts dagegen. Das Problem - und er hat eins - sieht er vielmehr darin, dass die Liebe im Plural sich bei Ulla Hahn eigentlich immer gleich anhört. Und darin, dass auch überhaupt zuviel gequasselt wird in zu einheitlichem Ton von den Figuren, was dazu führt, dass auch eine Zwölfjährige nicht so viel anders klingt als ein C4-Professor der Germanistik. Es bleiben am Ende weder "Geheimnis" noch "offene Stellen", alles verschlinge, klagt Bleutge, der immergleiche "Singsang" der wortreichen Prosa von Ulla Hahn, noch da, wo die Grundidee eigentlich gut war wie in der Erzählung vom Sonderling Wilhelm in "Wilhelm und die Musik".

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