Goldbrokat - Schacht, Andrea

Goldbrokat

Historischer Roman

Andrea Schacht 

 
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Goldbrokat

Ein faszinierender Einblick in die Geschichte des Seidenhandels

Der Zufall beschert der verarmten Ariane Kusan eine neue Chance. Als sie LouLou Wever, einer stadtbekannten Halbweltdame, aus der Not hilft, nimmt diese Arianes Dienste als Schneiderin in Anspruch. Bald schon sind die Gewänder, die sie mit großem Geschick und Geschmack entwirft, in der feinen Gesellschaft heiß begehrt. Und auch Ariane selbst zieht die Aufmerksamkeit eines Bewunderers auf sich. Doch ein sorgsam gehütetes Geheimnis hindert sie daran, den Avancen des Mannes nachzugeben ...



Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 608 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 606
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.37219
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 128mm x 48mm
  • Gewicht: 521g
  • ISBN-13: 9783442372195
  • ISBN-10: 3442372194
  • Best.Nr.: 33334027
"Andrea Schacht gelingt mit diesem Roman ein faszinierender Einblick in die Geschichte des Seidenhandels."
Andrea Schacht, Jg. 1956, war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin in der Industrie und als Unternehmensberaterin tätig, hat dann aber dem seit Jugendtagen gehegten Wunsch nachgegeben, Schriftstellerin zu werden. Sie lebt heute als freie Schriftstellerin in der Nähe von Bad Godesberg. Neben erfolgreichen historischen Romanen hat sie etliche Bücher veröffentlicht, in denen Katzen eine Hauptrolle spielen.

Leseprobe zu "Goldbrokat"

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Leseprobe zu "Goldbrokat" von Andrea Schacht

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Als der linde Frühlingswind durch die austreibenden Maulbeerbäume strich, schlüpfte die winzige, schwärzliche Seidenraupe aus ihrem Ei. Sie folgte gleich darauf ihrem untrüglichen Instinkt und begann, die saftigen Blätter zu fressen, die in ihrer Nähe ausgebreitet lagen. Nicht die goldenen Sonnenstrahlen, die durch die Ritzen der hölzernen Wand fielen, beachtete sie, nicht die leisen Stimmen der geschäftigen Frauen, die ihnen die klein geschnittene Nahrung darboten, nicht das zarte Rascheln, mit denen ihre Artgenossen durch das junge Grün krochen. Fünf Tage fraß sie und fraß und fraß, bis sie schließlich in Erstarrung verfiel. Sie hatte so viel an Gewicht zugenommen, dass sie ein neues Gewand benötigte, und so legte sie nach einem Tag völliger Ruhe die alte Haut ab - und fraß weiter.

Nun war sie hellgrau geworden und noch viel hungriger. Nicht nur Blätter, auch die jungen Reiser der Maulbeerbäume schmeckten ihr. Bis sie wieder müde wurde und eine neue Haut benötigte. Mit frischem Mut fiel sie nach dem Erwachen über immer größere Portionen her, gefräßig, gierig, rastlos Blätter zermalmend, verdauend, wachsend.

Noch zweimal legte sie die beengende Haut ab, bis ihr Körper fast durchscheinend weiß war. Seit sie vor einem Monat geschlüpft war, hatte sie um das Zehntausendfache an Gewicht zugenommen und nun das Stadium erreicht, in dem sie nach einer weit größeren Ruhe als nur der kurzen Starre der Häutung verlangte.

Sie verlor das Interesse an der Nahrung und kroch über die hölzernen Hürden, um sich einen gemütlichen Platz zu suchen. Als sie ihn zwischen den dünnen Ästchen gefunden hatte, erzeugte sie mit der klebrigen Flüssigkeit, die nun aus ihrem Maul austrat, zwei Fäden und befestigte sie an den Reisern, um Halt für die nächste Stufe ihrer Entwicklung zu finden. Dann spann sie mit gleichmäßigen Drehungen den schier endlosen Faden um sich herum. Vier Tage arbeitete sie unermüdlich, dann versank sie erschöpft in den Schlaf, um das Wunder zu vollziehen.

So begann die Wandlung vom erdgebundenen, kriechenden Geschöpf in einen Falter, und als er schließlich den seidenen Kokon verließ, breitete der Schmetterling seine Flügel aus. Unbeschwert schwang er sich in die lichten Höhen, tanzte im Sonnenlicht über den blühenden Bäumen und begab sich auf die Suche nach seiner Partnerin.

Rückkehr aus dem Nirwana Ein Opfer zu bringen bringt Heil. Wird die Schale umgekehrt, wird sie von Unrat entleert. Demütiges Empfangen führt zu Erfolg.

I Ging, Ting - die Opferschale Als er aus der unendlichen Schwärze auftauchte, webten die Klänge der Bronzeglocken einen Kokon aus sanften Tönen um ihn. Mit einem warmen Wind schwebte Kiefernduft durch den Raum, wo er sich mit einem Hauch von süßem Weihrauch mischte. Wunderbar körperlos fühlte er sich, losgelöst von Vergangenheit und Zukunft, eingebettet in das vollkommene Sein.

Er wäre gewiss zufrieden auf immer hier geblieben. Doch da begann sein Wille einen Faden zu spinnen, und an diesem dünnen Fädchen entlang entstand das Begehren. Es erwachte damit auch das Verlangen und mit ihm der Wunsch zu wissen, wo er sich befand.

Der Wille erstarkte und befähigte ihn, die schweren Lider zu heben, um die Welt durch das Tor seiner Augen in sein Bewusstsein eintreten zu lassen.

Ein heller Raum, lichtdurchflutet. Ein Mann in einer groben, braunen Robe neben ihm. Sein haarloser Schädel glänzte wie eine polierte Haselnuss, sein breitflächiges Gesicht trug den Ausdruck unendlicher Ruhe. Regungslos saß er an seinem Lager, nur seine Augen waren beharrlich auf ihn gerichtet. Schwarze, unergründliche Augen, hinter denen er Wissen und Stille erahnte.

Der Wille reichte nicht aus, um Worte zu formen, doch der Mann schien seine Gedanken lesen zu können.

"Ihr seid im Hanshan-Kloster, baixi long. Seit drei Tagen. Ihr habt zu viel Opium gegessen und seid krank geworden."

So genau hatte er es nicht wissen wollen, denn es erinnerte ihn an vergangene Schmerzen. Er schloss die Lider wieder, doch der Mönch erhob sich mit leise wispernden Gewändern und richtete ihn an den Schultern auf.

"Trinkt, baixi long. Der Saft der Maulbeeren wird Euch reinigen."

Schlucken war anstrengend, ein Teil des Saftes floss ihm aus den Mundwinkeln, doch die süßsaure Flüssigkeit schwemmte das Moos aus seinem Mund. Dann durfte er wieder liegen, ruhen und dem Klanggewebe der Glocken lauschen. Gefangen in den hallenden Tönen zog sich nach und nach sein Geist zurück aus dem hellen Raum der Gegenwart in die dunklen Gefilde seines Bewusstseins. Es war nicht Schlaf, es war nicht Traum, es war nicht mehr das körperlose Treiben im Sein. Es war das Versinken im bitteren Meer der Erinnerung.

Die waren die Schreie, mit denen seine Pein begann. Die entsetzlichen Schreie, die das Krachen und Knastern des brennenden Holzes übertönten. Die Schreie, aus unglaublicher Qual geboren, stachen wie Dolche in seine Sinne. Wieder spürte er die Hitze der Flammen, die gierig an dem Balken emporleckten, der vom Dach der Lagerhalle gestürzt war. Ein weiterer Stoffballen entzündete sich neben ihm mit einem Puffen, und das ihn verzehrende Feuer erhellte mit seinem gespenstisch zuckenden Licht die Umgebung. Er war gelähmt, hilflos, seine Augen tränten vom Rauch, das Luftholen ging nur keuchend schwer. Der Geruch von brennender Seide und verbranntem Fleisch breitete sich aus.

Erst die lauten Befehle seines Paten weckten ihn aus der Erstarrung. Mit bloßen Händen versuchte er, ihm zu helfen, den glosenden Balken anzuheben, unter dem sein Bruder gefangen lag. Er war zu schwer, viel schwerer, als dass ein Erwachsener und ein Junge ihn hätten bewegen können.

Vielleicht, vielleicht aber hätten sie es doch schaffen können. Die Angst um den Verletzten, dessen qualvolles Schreien, die wüsten Flüche seines Paten setzten ungeheure Kräfte in ihm frei. Er spürte die Brandwunden an seinen Händen nicht, hörte den eigenen röchelnden Atem nicht, ignorierte das Brennen in der Lunge. Er kämpfte um das Leben seines Bruders.

Aber plötzlich wurde ein Tor geöffnet, und das Feuer atmete die einströmende Luft mit einem gewalttätigen Aufbrausen ein.

Die Schreie erstickten.

Er wurde an den Schultern gepackt und aus der Halle gezerrt.

Kühle Nachtluft umfing ihn, er wollte zusammenbrechen. Doch unbarmherzig wurde er gestoßen und gedrängt, bis er in einer Türnische niederfiel.

Donnernd stürzte das hölzerne Gebäude hinter ihm ein, ein Funkenregen ging nieder.


Kundenbewertungen zu "Goldbrokat" von "Andrea Schacht"

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Bewertung von weingit aus Brühl am 26.03.2013   ausgezeichnet
Eins der besten Bücher, die ich bis jetzt (ca. 10 Stück) von Andrea Schacht gelesen habe. Das Faszinierende: Wenn man das Buch durch hat, würde man am liebsten noch mal von vorn anfangen, weil erst dann die vermeintlichen Sprünge in der Handlung richtig klar werden. Daher ist es ein wenig eigenartig, manchmal sogar mühsam, den Orts- und Personenwechseln zu folgen. Aber immer ist es so geschrieben, dass man einfach weiter lesen muss. Fürs Durchhalten wird man belohnt mit einem herrlich romantischen Schluss. Die letzten Seiten habe ich mit tränenverschleierten Augen gelesen, was mir lange nicht passiert ist.

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Bewertung von sabisteb aus Freiburg am 19.12.2009   ausgezeichnet
Köln 1858. Ariane Kusan lebt mit ihren beiden Kindern Philipp (8 Jahre alt) und Laura (7 Jahre alt) bei ihrer Tante. Ariane ist alleinerziehend und ihre Tante durch Fehlinvestitionen auf dem Aktienmarkt so gut wie bankrott.
Auf einem Volksfest hilft sie einer Dame dabei, ihr zerrissenes Kleid zu reparieren. Nie hätte sie geahnt, dass diese Begegnung ihr Leben so grundlegend verändern würde.
Eingeengt durch die strengen Moralvorstellungen der alteingesessenen Kölner Bürger fühlt sich Ariane unwohl und unglücklich in ihrer Rolle als Witwe. Als sie wegen ihrer großen Klappe einen gesellschaftlichen Faux Pax begeht und auf längere Zeit aus der guten Gesellschaft geächtet ist, beschließt Ariane ihr Leben zu ändern.
Um den Lebensunterhalt ihrer Tante und ihrer Kinder zu sichern, beschließt Ariane den steinigen Weg zur Selbstständigkeit zu beschreiten, und sich eine Existenz als Damenschneiderin aufzubauen. Da erinnert sie sich an die Frau, der sie vor einiger Zeit das Kleid reparierte. LouLou, ist eine stastbekannte „Kokette“, die es sogar wagt, ein eigenes Vaudeville Theater zu eröffnen. Sie gibt Ariane die Chance die Kostüme für ihre Tänzerinnen und Serviermädchen zu schneidern. Noch ahnt Ariane nicht, dass LouLou damit eine viel ältere Schuld abträgt als die einfache Reparatur ihres Mieders auf einem Volksfest, sondern dass diese Schuld viel weiter zurückreicht.
Schon bald erlangt Ariane Bekanntheit unter den Neureichen Kölnern und ihr Geschäft beginnt zu florieren, Ariane verlobt sich mit einem reichen Seidenfabrikanten und alles scheint perfekt. Doch da holt sie ihre Vergangenheit ein und bringt sie und ihre Kinder in Lebensgefahr.
Kann der Drache die eiserne Tigerin retten?

Ähnlich wie bei Tad Williams laufen bei Andrea Schacht zunächst mehrere Handlungsstränge parallel voneinander. Mit dem Fortschreiten der Geschichte ergeben sich immer mehr Berührungspunkte zwischen den Handlungssträngen, bis diese sich immer mehr verfechten und schließlich miteinander verschmelzen.
Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sie das Geflecht der Beziehungen unter den Figuren immer weiter ent- und verwickeln. Es gibt ja die Theorie, dass jeder mit jedem über 3 Personen bekannt ist.
Besonders gelungen ist an diesem Roman, dass der Leser gewisse Dinge erahnt, jedoch meist erst kurz bevor es "offiziell" wird und auch die Figuren entsprechende Schlüsse ziehen. Der Leser wird mit kleinen Hinweisen geleitet und für diejenigen, die es nicht bemerkt haben kommt irgendwann "offizielle" Bekanntgabe der Fakten. Das findet man selten. Der Leser wird als intelligenter, mündiger Mensch behandelt, der selber denken und entdecken kann und darf und sich dann ein paar Seite später freuen kann, wenn er die Hinweise richtig erspürt hat. Das ist ein Kniff den nur sehr wenige Autoren beherrschen. Nicht zu viel zu verraten, aber doch so viel, dass der Leser immer knapp vor den handelnden Personen erkennt was passiert. Oft sind die Bücher entweder komplett oder Autoren verschweigen Hinweise, um ein Ass im Ärmel zu behalten. Hier ist das anders. Man hat immer alle Hinweise vor der Nase und muss sie nur erkennen. Und wenn man clever ist, schafft man das 50 Seiten vor den Figuren.
Dabei kommt der Wortwitz auch nicht zu kurz. Wortschlachten zwischen Ariane und Helene oder Caro und Wortspiele würzen die Handlung und lassen einen oft beim Lesen grinsen und sogar lachen.
Jedes Kapitel wird durch ein passendes Gedicht eingeleitet, dessen Inhalt teilweise in der Handlung wieder aufgegriffen wird und einen erahnen lässt, wer der Protagonist des jeweiligen Kapitel sein wird.

Dieses Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert. Ein köstliches Sittengemälde mit Kölner Lokalkolorit und einer wunderbaren Helden mit großer Klappe und noch größerem Herz.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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