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Atemschaukel
Roman
- Einband: Gebunden
- Gebundenes Buch
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- Broschiertes Buch, EUR 11,00
Videoclip zu "Atemschaukel"
Produktinformation
- Verlag: Hanser
- 2009
- Nachdr.
- Ausstattung/Bilder: Nachdr. 2010. 299 S.
- Seitenzahl: 304
- Best.Nr. des Verlages: 505/23391
- Deutsch
- Abmessung: 210mm x 137mm x 30mm
- Gewicht: 442g
- ISBN-13: 9783446233911
- ISBN-10: 3446233911
- Best.Nr.: 26365766
Leseprobe zu "Atemschaukel"
Produktbeschreibung zu "Atemschaukel"
Kurzbeschreibung
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.
Leseprobe zu "Atemschaukel" von Herta Müller
05.09.2009
Wo Sprache die letzte Nahrung ist
Jeder ist sich selbst der Nächste und kennt sich doch nicht mehr:
Herta Müllers Roman "Atemschaukel" über die Schrecken
eines stalinistischen Arbeitslagers ist ein Manifest der Erinnerung
von einer Intensität, die in der deutschen Gegenwartsliteratur
nicht ihresgleichen hat.
Von Michael Lentz
Der Nullpunkt ist das Unsagbare. Wir sind uns einig, der Nullpunkt
und ich, dass man über ihn selbst nicht sprechen kann, höchstens
drum herum. Das aufgesperrte Maul der Null kann essen, nicht
reden." Herta Müllers "Atemschaukel" ist die
fiktionale Autobiographie des am 15. Januar 1945 im Alter von
siebzehn Jahren von Hermannstadt ins ukrainische Lager
Nowo-Gorlowka deportierten Leopold Auberg. Sie setzt knapp hinter
dem existentiellen Nullpunkt an, und das mit einem so
hochartifiziellen wie wirklichkeitssensiblen
Sprachbewusstsein.
"Es war das große innere Fiasko, dass ich jetzt auf freiem Fuß
unabänderlich allein und für mich selbst ein falscher Zeuge
bin." Der gegen Ende des Romans aus der Perspektive des
zweiundzwanzigjährigen Leopold formulierte Satz ist die
Erfahrungssumme der Selbstentfremdung, …
20.08.2009
Das Lager ist eine praktische Welt
Ein europäisches Ereignis: Herta Müllers Roman „Die Atemschaukel” über die Deportation der Rumäniendeutschen in die Sowjetunion nach 1945
Von seltsamen Dingen, erschreckenden Erscheinungen hören wir in diesem Roman, vom „Hungerengel” und vom „Blechkuss”, von „Kartoffelmenschen” und der „Atemschaukel”. Der Hungerengel sitzt immer mit am Tisch, wenn die Insassen des Lagers die karge Ration Brot verzehren, die ihnen die „Brotoffizierin” zugeteilt hat, quälend langsam essen die einen, verzweifelt schlingen die anderen; der Hungerengel wacht über ihren Schlaf, er geht durch ihre Träume, begleitet sie in die Fabrik und auf das Feld hinaus, wo sie schuften, bis sie umfallen und in die Grube gekippt werden oder sich irgendwie aufrecht halten, um dann bis zum nächsten Tag in ihre Baracken zurückzukehren.
Sie sind Sträflinge, ohne je verurteilt worden zu sein, und wissen anfangs nicht einmal, in welcher Weite der russischen Steppe sie sich befinden und was ihr Strafmaß ist. Erst nach fünf Jahren, 1950, ist die Haft für die, die nicht in die „Mörtelgrube” sprangen, nicht erschossen wurden, …
Kundenbewertungen zu "Atemschaukel" von "Herta Müller"
Bewertung von sabisteb aus Freiburg am 11.03.2011
Für Herta Müllers Atemschaukel gab es 2009 den Nobelpreis für Literatur.
Die Geräuschkulisse sammelte der Regisseur Kai Grehn auf dem Gelände der Kokschim-Fabrik im ukrainischen Nowo Gorlowka, in welcher Oskar Pastior(rumäniendeutscher Lyriker und Übersetzer und wahrscheinlich Vorbild für die Figur des Leopold Auberg) als Zwangsarbeiter gearbeitet hat
Die Uraufführung des Hörspiels war auf 2010 NDR Kultur.
Hier nun weder ein klassisches Radiohörspiel noch eine Lesung sondern eine Mischung aus vertonter Lesung und gespielten Hörspieleszenen. Ein Balanceakt, denn einerseits möchte man dieses sprachliche Kunstwerk zu Geltung bringen, andererseits ein Hörspiel produzieren. Man entschied sich dazu einerseits zwei Erzähler, den jungen und alten Leopold Auberg, Passagen erzählerisch lesen zu lassen, und diese dann immer wieder mit gespielten Szenen zu unterbrechen.
Den Nobelpreis erhielt das Buch wohl hauptsächlich wegen seiner expressiven Sprache. Viele wunderbar deskriptive Wortneuschöpfungen sind das Markenzeichen der Autorin. Darunter leidet aber die Handlung. So schön die Sprache aus sein mag, die Handlung bleibt weit dahinter zurück. Natürlich kann man nicht erwarten, dass 5 Jahre Arbeitslager unterhaltsam sind, natürlich kann man nicht erwarten, dass in einem Arbeitslager viel passiert, vielleicht will die Autorin die Leser und Hörer durch diese Handlungsarmut auch die Perspektivlosigkeit des Arbeitslagers spüren lassen. Dennoch ist es irgendwann einfach nur noch ermüdend der Handlung zu folgen, und das Schicksal der Häftlinge berührt kaum, da sie einem fremd und fern bleiben.
Fazit: Handwerklich solides NDR Radiohörspiel aus dem Jahr 2010.
Bewertung von Nicki aus Markt Indersdorf am 18.12.2009
Bewertung von Omahaha am 02.12.2009
Bewertung von Kriegsheld aus Schoemberg am 11.10.2009
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05.09.2009
"Ein Meisterwerk." Dies die letzten, entschiedenen Worte
der Rezension von Michael Lentz. Ein Werk, das historische
Wirklichkeit und Erinnerung kompromisslos zu Literatur macht,
fernab, so Lentz, von allem "naiven Abbildrealismus". Ein
Werk, das Herta Müller mit ihrem Kollegen Oskar Pastior, der
vieles, was hier beschrieben, erlebt hat, gemeinsam zu schreiben
geplant hat. Nach Pastiors Tod hat sie, auf seine mündlichen
Erinnerungen gestützt, dies Buch selbst verfasst. Und es ist,
betont Lentz, auf absolut überzeugende Weise vieles zugleich: Zum
einen der fiktive autobiografische Bericht des Leo Auberg, der den
Aufenthalt im ukrainischen Konzentrationslager Nowo-Gorlowka
überlebt hat. Mit immenser poetischer Kraft verstehe Müller noch
das konkreteste Elend in Sprache zu fassen. Die Erfahrung des
Hungers in allererster Linie, und zwar auch und gerade als etwas,
das jede Empathiefähigkeit übersteigt. In der Aufteilung in einen
(wiederum: fiktiv) diktierten Nachwortteil und die erzählerische
Ausschrift dieses "Diktando" gelinge zugleich etwas, das
auch Pastior immer wieder gelang: "Poesie und Poetik in
einem". Restlos überzeugt zeigt sich der Rezensent von diesem
für seine Begriffe großen und wichtigen Buch.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
"Ein sprachliches Kunstwerk, wie es das in diesem Herbst kaum
ein zweites Mal geben dürfte. Wer es schafft, Herta Müllers
bestürzenden, bedrückenden und - wegen seiner sprachlichen Kraft -
beglückenden Roman zu Ende zu lesen, wird dieses Buch nie wieder
vergessen." (Focus, Hajo Steinert, 10.08.09)
In ungeheuer bildmächtiger Sprache erzählt Herta Müller von jenen
60.000 Rumäniendeutschen, die zu Beginn des Jahres 1945 in
sowjetische Lager deportiert wurden und dort jahrelang Zwangsarbeit
verrichten mussten.Trostlos in seiner Dokumentation dessen, was
Menschen in ihrem ideologischen Haß Menschen antun, tröstend allein
durch sein ästhetisches Gelingen, ist dieser Roman ein wunderbares
Beispiel für die Funktion von Literatur als Erinnerungsspeicher.
(Denis Scheck in "Druckfrisch", ARD)
Autorenporträt zu "Herta Müller"
Herta Müller, geb. 1953 im deutschsprachigen Nitzkydorf/Rumänien, studierte 1973-76 deutsche und rumänische Philologie in Temeswar. Nach dem Studium arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Sie wurde entlassen, weil sie sich weigerte für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten. Ihr erstes Buch 'Niederungen' lag danach 4 Jahre beim Verlag und wurde 1982 nur zensiert veröffentlicht. 1984 erschien es in der Originalfassung in Deutschland. Herta Müller konnte danach in Rumänien nicht mehr veröffentlichen und war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1987 Übersiedlung nach Deutschland. 1989-2001 Gastprofessuren an Universitäten in England, Amerika, Schweiz und Deutschland. Seit 1995 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt. Herta Müller wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So erhielt sie 2006 den Würth-Preis für Europäische Literatur für ihr literarisches Gesamtwerk, den
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