Männer sind wie Pfirsiche - Martenstein, Harald

Harald Martenstein 

Männer sind wie Pfirsiche

Subjektive Betrachtungen über den Mann von heute mit einem objektiven Vorwort von Alice Schwarzer

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Männer sind wie Pfirsiche

Subjektive Betrachtungen über den Mann von heute mit einem objektiven Vorwort von Alice Schwarzer - der Glossenband von Harald Martenstein

Ob Harald Martenstein vor wachsender Rinderfeindlichkeit in Deutschland warnt, oder ob er erläutert, wie man Steuerverwaltungen in den Wahnsinn treiben kann, indem man statt 94 Cent 49 Cent überweist - immer trifft der Egon-Erwin-Kisch-Preisträger ins Herz deutscher Empfindsamkeit. 52 notwendige Abschweifungen über das alltägliche Leben am Beginn des 21. Jahrhunderts - nicht nur für die eingefleischten Martenstein-Fans.

'Harald Martensteins Glossen in der Zeit sind weit gerühmt - und verdienen es, noch berühmter zu werden.' Frankfurter Neue Presse

'Grandios!' Buchmarkt

'Zu schnell hat man die 61 köstlichen Glossen verschlungen.' Donaukurier

'Harald Martensteins Glossen in der Zeit sind weit gerühmt - und verdienen es, noch berühmter zu werden.' -- Frankfurter Neue Presse

'Grandios!' Buchmarkt 'Zu schnell hat man die 61 köstlichen Glossen verschlungen.' -- Donaukurier


Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 175 S.
  • Seitenzahl: 175
  • btb Bd.73927
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 17mm
  • Gewicht: 185g
  • ISBN-13: 9783442739271
  • ISBN-10: 3442739276
  • Best.Nr.: 25547744
"Zu schnell hat man die 61 köstlichen Glossen verschlungen."

"Der perfekte Roman." (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Harald Martenstein hat ein Problem: Der Kolumnist ist viel beschäftigt für Zeit und Tagesspiegel, schrammt aber qualitativ immer knapp unterhalb der Gattungshelden Wiglaf Droste und Max Goldt vorbei. Man kann ihn scharfzüngig nennen, einen guten Beobachter, und das ist nicht so böse gemeint, wie es klingt - aber Martenstein ist ein Satiriker wie viele andere auch. Regelmäßige Tagesspiegel-Leser wissen, dass dieser Autor dann am besten ist, wo er eben nicht als Satiriker auftaucht, sondern als Theaterkritiker oder politischer Kommentator. "Männer sind wie Pfirsiche" versammelt gleichwohl ausschließlich Glossen. Glossen wie viele andere auch. (fis)
Harald Martenstein, geb. 1953, ist Autor der Kolumne 'Martenstein' im 'ZEITmagazin' und Redakteur beim Berliner 'Tagesspiegel'. 2004 erhielt er den Egon-Erwin-Kisch-Preis. 2010 erhielt er den Curt-Goetz-Ring. Außerdem erschienen seine Kolumnensammlungen "Männer sind wie Pfirsiche.

Leseprobe zu "Männer sind wie Pfirsiche" von Harald Martenstein

Meine Begegnung mit Martenstein

Es wäre "ihm eine große Ehre und ein großes Vergnügen zugleich", schreibt der Verlag, "wenn Sie das Vorwort schreiben würden".

Ich? Da steckt doch was dahinter! Will der Martenstein etwa testen, ob Feministinnen Humor haben? (Was bekanntermaßen nicht der Fall ist.) Will er bei seinen emanzipierten Freundinnen punkten? (Sein Verhältnis zu Autos scheint ja neuerdings entspannter als das zu Frauen.) Beschleicht ihn der Verdacht, dass seine Redaktion ihm zu häufig eine Montagsproduktion durchgehen lässt, statt ausschließlich Martenstein from his best zu drucken, und sucht er deshalb eine strengere Chefredakteurin? (Tja, das ist der Preis des Ruhms, wenn alles gedruckt wird.) Oder ist die Idee etwa von seiner cleveren Literaturagentin? (Wg. schnöder Auflage.)

However. Dass ich zu der Millionenschar seiner Fans und Fäninnen gehöre, weiß Martenstein. Nicht nur, weil ich ihn auch schon mal erfolgreich zu einer Glosse für EMMA überredet habe. Auch, weil ich jüngst bei einer seiner Lesungen war. Nein, nicht der Glossen, des Romans. Den habe ich aber nicht gelesen. Aus Prinzip. Ich missbillige es nämlich, wenn gute JournalistInnen Romane schreiben; schließlich gibt es viele Romanschreiberinnen, aber nur wenige gute Journalistinnen.

Meine Teilnahme an der Martenstein-Lesung war einer glücklichen Fügung zu verdanken. Anlässlich eines Besuchs bei Freundinnen auf dem Land verkündeten die mit verhaltenem Stolz: Heute Abend liest der Martenstein in W. Martenstein? Na, das ist doch die Gelegenheit, sich den Mann mal anzusehen!

Wir zogen zu dritt los. in der kleinen, feinen Buchhandlung waren die Stühle schon enger gerückt. Ich landete in der zweiten Reihe. Vor mir nicht nur geneigte Köpfe, sondern auch drei faustgroße Holzwollschafe und ein Immergrün in weißer Porzellanschale auf dem Bord zwischen dem Autor und mir. Dahinter, neben der Kasse, wo sonst die Buchhändlerin sitzt, der Dichter aus der Hauptstadt.

Ich musste mich die ganze Lesung über recken, denn schließlich war ich ja auch gekommen, um etwas zu sehen. Was aber niemanden gestört hat, denn hinter mir hockten nur noch die Regale mit den Werken von Martenstein und anderen Romanciers. Nach einer knappen halben Stunde klappte der Autor sein 'uvre zu. Ein Raunen der Enttäuschung ging durch das sehr geneigte Publikum. Schon ...?

Noch Fragen? Und ob! Was nun folgte, war Martenstein pur. Los ging es mit dem üblich konfus-eitlen Selbstdarsteller, und es endete bei der ehrfürchtig-bewundernden Zeit-Abonnentin. So ein Fan-Publikum schwankt ja nicht nur in der Provinz zwischen Adoration und Aggression. Die Fallhöhe kann gewaltig sein für den Gegenstand der Zuneigung.

Nach der ersten nassforschen Anmache durch einen Mann, halten zwei, drei Damen es für angebracht, empört ihre uneingeschränkte Bewunderung kundzutun. Da reichte es dem zweiten der fünf Männer im Raum! (Das Geschlechterverhältnis bei Martenstein-Lesungen scheint ähnlich zu sein wie bei Schwarzer-Lesungen - oder ist es bei allen Lesungen so?) Jedenfalls ergriff der knapp Achtzigjährige nun energisch das Wort und fragte den erklecklich jüngeren Autor in harschem Ton, woher er all diese Dinge, die er da über die vierziger Jahre schreibe, denn überhaupt wissen wolle?! Schließlich sei er, der Autor, ja überhaupt nicht dabei gewesen, im Gegensatz zu ihm, dem Leser.

Da murmelte Martenstein was von "dichterischer Freiheit" - und machte ziemlich abrupt Schluss. Schließlich musste er ja auch noch weiter. Die örtliche Buchhändlerin hatte es nicht gewagt, den Autor im einzigen Hotel von W. unterzubringen, sondern ihren Ehrengast in einem zwanzig Kilometer entfernten Sterne-Hotel einquartiert, in dem jüngst auch die Handball-Weltmeister genächtigt hatten.

Als ich dann abends zu Hause in meinem Bettchen lag und an den Arbeitsberg dachte, der mich auf meinem Redaktionsschreibtisch erwartet, da wurde ich ganz melancholisch. Ich dachte: Der Martenstein hat's gut. Der muss als Glossenschreiber immer nur was erleben und das Ganze dann verdichtet in eine subjektiv-spielerische Form bringen, eben die äußere und innere Realität mit dem narrativen Band der Phantasie und Selbstironie verknüpfen. Und schon ist das Ding geritzt. 60 Zeilen á 60 Anschläge, einmal die Woche. Damit verdient der Kollege sein Geld. Und gutes Geld, wie ich der Tatsache entnehme, dass der Chefredakteur von Leben jüngst in seinem Editorial über die Martenstein-Honorare stöhnte.

An dieser Stelle habe ich eine Pause eingelegt und die

Glossen zu Ende gelesen. Mit großem Vergnügen! Kaum eine Montagsproduktion. Ich weiß auch gar nicht, wie ich darauf komme, Martenstein habe neuerdings ein angespanntes Verhältnis zu Frauen. Nur weil er nach Kreuzberg gezogen ist. Im Gegenteil: Der Mann weiß noch im größten Gendertrouble, worum es geht. Und das - oder weil? - er mit einer Schwäbin verheiratet ist. Auch sein fünfzehnjähriger Sohn liefert zunehmend Stoff. Das kann heiter werden. Für uns.

Eines schätze ich ganz besonders an Martenstein (und das unterschiedet ihn fundamental von der Titanic-Clique): seine durchgängige Sensibilität für Pornografisches und Menschenfeindliches. In echt. Denn das ist ja immer das Geheimnis eines wirklich guten Humors: sein ernster Kern.

Meine drei Lieblingsglossen sind übrigens "Über Feminismus", "Über Friseurbesuche" und die Sache mit Weihnachten. Aber bei uns fing der Streit nicht erst um dreiundzwanzig Uhr, sondern schon um fünfzehn Uhr an. Wegen der krummen Tanne. Jedes Jahr eine krumme Tanne. Behauptete zumindest meine Großmutter. Darum habe ich seither immer eine gerade. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Alice Schwarzer

Über Anfänge

Die soeben gebildete große Koalition übernimmt ein schweres Erbe.

Nein, so kann man's beim besten Willen nicht ausdrücken. Schweres Erbe - das klingt klischeehaft. Höchstens könnte man sagen: "Sie übernimmt ein leichtes Erbe" oder, noch besser: "Die Koalition übernimmt ein mittelgroßes Erbe mit zwei Henkelchen dran", also das Klischee umdrehen oder ironisch konterkarieren, das geht, aber in diesem Fall passt "leichtes Erbe" inhaltlich leider überhaupt nicht. Inhaltliche Korrektheit erwartet der Leser schon, Gott sei's geklagt. Gunther Sachs hat ein leichtes Erbe übernommen, das ginge. "Soeben gebildete große" klingt auch viel zu schwer, da möchte man wahrlich kein Substantiv sein, mit so viel Zeug um den Hals. Substantive sind die Neger der Sprache, das ist von Adorno oder von Oscar Wilde, oder ist es am Ende gar von mir selber?

Die große Koalition, welche ... nein, "welche" wirkt denn doch zu altfränkisch und zu verspielt in diesem Politzusammenhang.

Leseprobe zu "Männer sind wie Pfirsiche" von Harald Martenstein

Meine Begegnung mit Martenstein / / Es wäre "ihm eine große Ehre und ein großes Vergnügen zugleich", schreibt der Verlag, "wenn Sie das Vorwort schreiben würden". / Ich? Da steckt doch was dahinter! Will der Martenstein etwa testen, ob Feministinnen Humor haben? (Was bekanntermaßen nicht der Fall ist.) Will er bei seinen emanzipierten Freundinnen punkten? (Sein Verhältnis zu Autos scheint ja neuerdings entspannter als das zu Frauen.) Beschleicht ihn der Verdacht, dass seine Redaktion ihm zu häufig eine Montagsproduktion durchgehen lässt, statt ausschließlich Martenstein from his best zu drucken, und sucht er deshalb eine strengere Chefredakteurin? (Tja, das ist der Preis des Ruhms, wenn alles gedruckt wird.) Oder ist die Idee etwa von seiner cleveren Literaturagentin? (Wg. schnöder Auflage.) / However. Dass ich zu der Millionenschar seiner Fans und Fäninnen gehöre, weiß Martenstein. Nicht nur, weil ich ihn auch schon mal erfolgreich zu einer Glosse für EMMA überredet habe. Auch, weil ich jüngst bei einer seiner Lesungen war. Nein, nicht der Glossen, des Romans. Den habe ich aber nicht gelesen. Aus Prinzip. Ich missbillige es nämlich, wenn gute JournalistInnen Romane schreiben; schließlich gibt es viele Romanschreiberinnen, aber nur wenige gute Journalistinnen. / Meine Teilnahme an der Martenstein-Lesung war einer glücklichen Fügung zu verdanken. Anlässlich eines Besuchs bei Freundinnen auf dem Land verkündeten die mit verhaltenem Stolz: Heute Abend liest der Martenstein in W. Martenstein? Na, das ist doch die Gelegenheit, sich den Mann mal anzusehen! / Wir zogen zu dritt los. in der kleinen, feinen Buchhandlung waren die Stühle schon enger gerückt. Ich landete in der zweiten Reihe. Vor mir nicht nur geneigte Köpfe, sondern auch drei faustgroße Holzwollschafe und ein Immergrün in weißer Porzellanschale auf dem Bord zwischen dem Autor und mir. Dahinter, neben der Kasse, wo sonst die Buchhändlerin sitzt, der Dichter aus der Hauptstadt. / Ich musste mich die ganze Lesung über recken, denn schließlich war ich ja auch gekommen, um etwas zu sehen. Was aber niemanden gestört hat, denn hinter mir hockten nur noch die Regale mit den Werken von Martenstein und anderen Romanciers. Nach einer knappen halben Stunde klappte der Autor sein uvre zu. Ein Raunen der Enttäuschung ging durch das sehr geneigte Publikum. Schon ...? / Noch Fragen? Und ob! Was nun folgte, war Martenstein pur. Los ging es mit dem üblich konfus-eitlen Selbstdarsteller, und es endete bei der ehrfürchtig-bewundernden Zeit-Abonnentin. So ein Fan-Publikum schwankt ja nicht nur in der Provinz zwischen Adoration und Aggression. Die Fallhöhe kann gewaltig sein für den Gegenstand der Zuneigung. / Nach der ersten nassforschen Anmache durch einen Mann, halten zwei, drei Damen es für angebracht, empört ihre uneingeschränkte Bewunderung kundzutun. Da reichte es dem zweiten der fünf Männer im Raum! (Das Geschlechterverhältnis bei Martenstein-Lesungen scheint ähnlich zu sein wie bei Schwarzer-Lesungen - oder ist es bei allen Lesungen so?) Jedenfalls ergriff der knapp Achtzigjährige nun energisch das Wort und fragte den erklecklich jüngeren Autor in harschem Ton, woher er all diese Dinge, die er da über die vierziger Jahre schreibe, denn überhaupt wissen wolle?! Schließlich sei er, der Autor, ja überhaupt nicht dabei gewesen, im Gegensatz zu ihm, dem Leser. / Da murmelte Martenstein was von "dichterischer Freiheit" - und machte ziemlich abrupt Schluss. Schließlich musste er ja auch noch weiter. Die örtliche Buchhändlerin hatte es nicht gewagt, den Autor im einzigen Hotel von W. unterzubringen, sondern ihren Ehrengast in einem zwanzig Kilometer entfernten Sterne-Hotel einquartiert, in dem jüngst auch die Handball-Weltmeister genächtigt hatten. / Als ich dann abends zu Hause in meinem Bettchen lag und an den Arbeitsberg dachte, der mich auf meinem Redaktionsschreibtisch erwartet, da wurde ich ganz melancholisch.

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