Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension
Rezensent Andreas Fanizadeh gefällt, wie der erst 1982 geborene Autor und Zeichner Simon Schwartz die Geschichte seiner Eltern vor deren Ausreise aus der DDR in seinem Comic aufbereitet. Und seiner Meinung bietet das Genre besonders gute Möglichkeiten, "subjektive Biografien mit objektiven Zeitläufen zu verbinden". Schwartz mache sich das gekonnt zunutze und gewinnt dabei diesem für Fanizadeh schon ausführlich durchgekauten Thema tatsächlich etwas Neues ab. So erzähle Schwartz "ohne Zynismus und falsche Anklage" und komme seinen Protagonisten dabei sehr nahe. Auch stilistisch ist sein Comic in den Augen des Rezensenten durchweg gelungen. Schwartz verbindet, lobt Fanizadeh, mit viel Gespür für "westliche Popkultur und östliche Ikonografie".
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Simon Schwartz zeichnet diese Episoden humorvoll, ohne Zynismus oder falsche Anklage. Er macht dabei plausibel, wie sich Simons Vater, der ernsthafte und nachdenkliche, in seinen Lebensauffassungen immer stärker durch das DDR-Weltbild eingeschränkt fühlt. Der Vater findet schließlich keinen anderen Ausweg, als auch den Bruch mit dem liebevoll, aber eben sehr autoritären sozialistischen Elternhaus zu riskieren. Mit der DDR ist er nach der Verhaftung vieler Freunde und der Militarisierung des Alltags ohnehin fertig. Obwohl, das sagt sich so leicht. Simon Schwartz zeichnet seinen Vater in Rückblenden öfter als gespaltene Person: mal im Look des korrekten Sozialisten, mal im Style des humanistischen Dissidenten. Ein Glück, dass die Mutter offenbar weniger ideologischen Ballast mit sich herumschleppte und unbekümmerter, freier und entschlussfreudiger sein konnte. Schwartz bricht mit "drüben!" den großen Kalten Krieg und das innere Scheitern des Staatskommunismus auf die Erzählung einer kleinen subjektiven Geschichte herunter. Seine großflächigen Schwarzweiß-Zeichnungen lassen dabei viel Gespür für westliche Popkultur und östliche Ikonografie erkennen. Schwartz zoomt sehr nah an das Leben seiner Eltern und Großeltern in der DDR heran, ohne dass dies voyeuristisch wirkt. Das Kind als Medium, es steckt ja auch immer selbst mittendrin. Der junge Autor erzählt aus einer Nach-1989er-Perspektive auf sehr intime Weise vom ermattenden Glanz einer großen und dann doch wiederum sehr kleinen Idee. Andreas Fanizadeh, taz, 14.10.2009
Simon Schwartz wurde 1982 in Erfurt geboren und wuchs in Berlin-Kreuzberg auf. Nach dem Gymnasium arbeitete er ein Weile für das traditionsreiche Comicmagazin "Mosaik". 2004 zog er nach Hamburg und begann dort sein Studium als Illustrator an der HAW-Hamburg, wo er fünf Jahre später mit seinem Debüt "drüben!" diplomierte. Er ist Mitherausgeber der Comicanthologie "Aua! Aua! Heiß! Heiß!" und Teil der Illustratorengruppe "Die Krickelkrakels". Seine Comics sind in diversen Eigenpublikationen und Anthologien erschienen. Hauptsächlich arbeitet er jedoch als Illustrator für verschiedene Zeitschriften und Magazine, u.a. für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", den "Tagesspiegel", "GEOlino" und "Das Magazin". Simon Schwartz lebt und arbeitet in Hamburg.
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