Die Tochter der Seherin / von Eisenberg Saga Bd.1 - Kasper, Stefanie

Die Tochter der Seherin / von Eisenberg Saga Bd.1

Roman. Originalausgabe

Stefanie Kasper 

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Die Tochter der Seherin / von Eisenberg Saga Bd.1

Anfang des 16. Jahrhunderts im Alpenvorland: Die hübsche Halbwaise Emma von Eisenberg und Marzan von Hohenfreyberg verbindet eine tiefe Freundschaft. Doch die beiden Adelskinder werden sechs Jahre getrennt, als Marzan zu Jakob Fugger nach Augsburg aufbricht. Nach seiner Rückkehr verbringen die Herangereiften eine leidenschaftliche Liebesnacht miteinander, aber ihr Glück währt nur kurz. Denn Emmas kranker Vater Richard verspricht seine Tochter dem viel älteren Graf Darius von Ravensberg. Kurz darauf wird Richard von Eisenberg ermordet, und Marzan gerät in Verdacht...

Stefanie Kasper lebt in der Umgebung von Wessobrunn, einem magischen Ort im Bayerischen Pfaffenwinkel, wo 753 Benediktiner ein Kloster gründeten. Dieses Umfeld prägte Stefanie Kasper: Schon als junges Mädchen war sie besessen von Geschichte, vor allem vom Mittelalter. und so wundert es nicht, dass sich das Schicksal ihrer Heldin Emma von Eisenberg liest, als ob Stefanie Kasper es selbst erlebt hätte.

- Verbotene Liebe im Mittelalter - verboten spannend erzählt.

- Das grandiose Debüt einer erst zweiundzwanzigjährigen Autorin.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 543 S.
  • Seitenzahl: 543
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46581
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 436g
  • ISBN-13: 9783442465811
  • ISBN-10: 3442465818
  • Best.Nr.: 22818564
Stefanie Kasper ist zweiundzwanzig Jahre alt. Sie stammt aus Peiting im Bayerischen Oberland und arbeitet als Redakteurin für den Ammer Kurier in Weilheim. "Die Tochter der Seherin" ist ihr erster Roman. Die Autorin schreibt bereits an einer Fortsetzung.

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23. APRIL 1488

Während drinnen Gräfin Amelia die Qualen der Niederkunft durchlitt, schritt draußen vor dem Turmzimmer Richard von Eisenberg, die Hände gefaltet, unruhig auf und ab. Seine Frau war in den letzten Wochen sehr schwach gewesen, und er fürchtete um sie. Endlich, eine Ewigkeit schien vergangen zu sein, hörte Richard das Kreischen des Babys, noch ehe er sein Kind zum ersten Mal sah.

"Sie hat Euch eine gesunde Tochter geboren, mein Graf." Die grauhaarige Hebamme streckte ihm das Neugeborene entgegen. "Das Ebenbild ihrer Mutter."

Ein Lächeln erschien auf dem Gesicht des Mannes. Sanft strich er mit dem Zeigefinger über das Köpfchen des Kindes. Dann wandte er sich ab.

"Meine Frau ..."

"Wartet." Die Hebamme hielt ihn zurück. "Die Gräfin - sie ist sehr geschwächt ..."

"Amelia!" Angst schwang in seiner Stimme mit. "Was ist mit ihr?"

Die alte Frau schüttelte bedauernd den Kopf. "Es tut mir leid, mein Graf, aber es sieht danach aus, als wäre ihre Zeit gekommen."

"Nein!" Mit großen Schritten stürmte Graf von Eisenberg an das Bett seiner Frau.

"Liebes."

Die Laken unter ihrem Körper waren rot gefärbt von ihrem Blut. Er kniete sich neben ihrem Lager nieder.

"Richard." Amelias Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. "Ich bin müde ... so müde."

"Du musst dich ausruhen." Er strich mit der Hand über ihr schweißnasses Haar.

"Das Kind ..."

"Es geht ihm gut. Du hast mir eine wunderschöne Tochter geschenkt, Liebste."

"Ich muss dir ... etwas sagen." Der Atem der Gräfin rasselte. "Die Wahrheit, Richard ..." Sie keuchte und brachte den Satz nicht zu Ende.

"So hilf ihr doch!" Der Graf sah sich in seiner Verzweiflung nach der Hebamme um. "Es geht ihr immer schlechter."

Die Alte trat langsam ans Bett. Ihr genügte ein Blick auf die Gräfin.

"Ich kann nichts mehr tun." Tröstend legte sie eine Hand auf die bebenden Schultern des Mannes, der die blasse Hand seiner Frau umklammert hielt. "Eure Gemahlin, sie ist nicht mehr."

"Nein!" Aufschluchzend nahm Richard Amelias leblosen Leib in die Arme. "Nein, bitte, das darf nicht sein."

Irgendwo ganz in der Nähe begann das Neugeborene laut zu weinen. Ganz so, als spüre es, dass seine Mutter nicht mehr am Leben war.

In einer kleinen Kapelle, hoch oben auf einem Hügel, kniete im selben Augenblick betend eine Frau. Ihr leises Murmeln erfüllte das Gotteshaus, ihre faltigen Hände hatte sie ineinander verschlungen. Die weißen Kerzen auf dem Altar flackerten.

"Bitte ..." Ihr Flüstern schien zwischen den Bänken und von den Wänden widerzuhallen. "Gib der Tochter die Kraft, die ihre Mutter nicht hatte."

"Ruppert, wir sind's!"

Ruppert Reblem drehte sich nicht um, als er die Stimmen der Kinder hinter sich vernahm. In der warmen und stickigen Schmiede war es schon jetzt am Nachmittag düster wie in einer Höhle. Ihm rann der Schweiß von der Stirn, den er immer wieder ungeduldig mit dem Handrücken fortwischte. Es erforderte höchste Konzentration und ein präzises Augenmaß, das glühende Stück Eisen mit dem Hammer zu einer Angel zu formen, die später einmal das Gewicht einer hölzernen Tür tragen sollte. Die Arbeit musste schnell vonstatten gehen. Unterlief ihm auch nur der kleinste Fehler, waren seine Mühen mit einem Schlag zunichtegemacht.

Während er mit dem Fuß den ledernen Blasebalg bediente, krachte das Werkzeug wieder und wieder wuchtig auf das Metall herab. Die hervortretenden Muskelstränge unter seiner Haut kündeten von der Kraft des Mannes. Wilhelm, sein Gehilfe, schürte das Schmiedfeuer und beobachtete den Meister genau, um von ihm zu lernen. Jeder Handgriff musste sitzen. Am Ende zog der Schmiedemeister mit der Zange das fertige Türeisen aus dem Feuer. Es dampfte und zischte, als er es zur Abkühlung in den Wassertrog tauchte. Dann erst wandte er sich zu den Kindern um.

"Ihr schon wieder", brummte er und schmunzelte innerlich über die Anhänglichkeit der beiden.

"Erzählst du uns eine Geschichte, Ruppert?", bat das Mädchen. "Ja bitte!", rief der Junge, "bitte, erzähl uns eine!"

"Tut mir leid, aber heute habe ich keine Zeit für euch. Ihr seht ja, ich muss arbeiten. Kommt morgen wieder, vielleicht ist mir bis dahin etwas wirklich Gruseliges eingefallen." Er zwinkerte den beiden zu.

"Aber", wandte die Kleine ein, "morgen geht es nicht." Zu Rupperts Verblüffung kullerten plötzlich Tränen über ihre Wangen. So kannte er Emma von Eisenberg, den kleinen Wildfang, gar nicht. Niemand, und sei es der Teufel in Person, konnte die Tochter seines Herrn zum Weinen bringen. Zwar wusste er, dass die Kinder seine Erzählungen liebten, aber einen Tag Aufschub nahmen sie normalerweise ohne Protest in Kauf. Auch Marzans Blick hatte sich verfinstert. Der Junge war der einzige Sohn des Grafen von Hohenfreyberg. Genau wie seine kleine Freundin war er furchtlos und wagemutig. Ein wenig besorgt kniete er sich vor die Kinder hin, die dicht nebeneinander auf der schmalen Holzbank saßen. Ihre Gesichter waren von der Hitze gerötet, und hinter ihrem Ausdruck von Trotz verbarg sich endlose Traurigkeit.

"Was ist geschehen?", fragte er und strich Emma leicht über die Wange, "erzähl es mir, Kleines." Das Mädchen sah zu Marzan hinüber. Erst als dieser nickte, begann sie zögernd zu berichten. "Er muss fort", sie deutete mit dem Kopf in die Richtung ihres Freundes, "sie schicken ihn einfach so weg." Man merkte ihr an, dass sie tapfer sein wollte, doch ihr kleiner, rosiger Mund bebte. Der Junge, er war zwölf Jahre alt, legte ihr seine linke Hand in den Nacken. Eine einfache Geste, die von erstaunlicher Reife und inniger Verbundenheit zeugte. Er wollte ihr Trost spenden, doch es gelang ihm nicht. Seine kleine Gefährtin brach vollends in Tränen aus.

"Wo musst du denn hin?", erkundigte sich Ruppert bei dem Knaben. Marzan strich sich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte den Schmiedemeister nachdenklich an. "Du bist unser Freund, oder?", vergewisserte er sich zögernd. Ein Nicken reichte ihm als Bestätigung.

"Ich soll nach Augsburg zu Jakob Fugger und seiner Familie. Die werden mich da ausbilden in kaufmännischen Belangen, im Handel und in der Führung von Menschen." Der Junge biss sich fest auf die Unterlippe, um nicht wie seine Freundin loszuheulen. "Für sechs Jahre."

Ruppert Reblem fiel die Kinnlade herunter. Zwar hatte er wenig mit Konstantin und Margaretha von Hohenfreyberg, Marzans Eltern, zu tun, dennoch hatte er immer das Gefühl gehabt, dass diese sich niemals freiwillig von ihrem einzigen Sohn trennen würden. "Vater meint, die würden mich da fürs Leben schleifen und zurechtbiegen", berichtete Marzan getreulich, "und wenn ich wiederkäme, wäre ich ein Edelmann, dessen Bildung seinem Stand auch gerecht wird."

Nachdenklich rieb sich der Schmiedemeister das Kinn, wobei er einen schmalen Schmutzstreifen auf seiner rechten Wange hinterließ. "Eine kaufmännische Ausbildung für einen zukünftigen Grafen, wo hat man so was schon gehört", schoss es ihm durch den Kopf.

"Nun passt einmal genau auf, ihr beiden", wandte er sich ernst an die Kinder und sprach erst weiter, als er sich auch Emmas Aufmerksamkeit sicher sein konnte. Die Kleine hatte ihre Tränen tapfer zurückgedrängt. "Sechs Jahre sind eine lange Zeit, da habt ihr ganz recht. Aber wahre Freundschaft, das müsst ihr mir glauben, hält für immer und ewig. Vergesst einander nicht! Denkt abends vor dem Einschlafen aneinander! Dann wird alles so sein wie früher, wenn Marzan zurückkommt. Ihr mögt vielleicht an unterschiedlichen Orten sein, aber eure Herzen kann niemand auseinanderreißen."

Gespannt wartete Ruppert auf die Reaktion der Kinder. Tatsächlich stahl sich jeweils ein kleines Lächeln auf ihre Gesichter. Der Schmiedemeister glaubte nicht wirklich an das, was er ihnen gesagt hatte. In sechs Jahren würden sie füreinander wohl nichts anderes mehr sein als ein vager Schatten in der Erinnerung. Aber Ruppert Reblem hatte ein gutes Herz. Er wollte seine kleinen Schützlinge glücklich sehen. "So, und jetzt erzähle ich euch zur Feier des Tages doch noch eine Geschichte. Aber nur, wenn ihr mir versprecht, dass ihr dann keine so langen Gesichter mehr zieht."

"Au ja!", riefen Emma und Marzan wie aus einem Munde. Zwei leuchtende Augenpaare richteten sich gespannt auf den Schmied. Die Kinder waren jung, sie konnten ihren Kummer von einem Moment auf den anderen zur Seite schieben. "Möchtest du auch zuhören, Wilhelm?", fragte Ruppert seinen Gesellen. Der junge Mann hielt in seiner Arbeit inne, blickte zum Meister hinüber. Sein ganzer Körper, von den schlaksigen Beinen über die schmalen Schultern, strahlte Abwehr und Gereiztheit aus. "Findet Ihr nicht, dass ich langsam zu alt bin für Eure Märchen?"

Ruppert lächelte ob des verletzten Stolzes des jungen Mannes und dachte für einen Moment an seine Familie, die ihn zu Hause erwartete, an sein geliebtes Weib und die dazugehörige Rasselbande, drei lebhafte Jungen, von denen zumindest einer, so hoffte er, später einmal die Kunst des Schmiedens erlernen würde. "So erzähl doch!", forderte Emma ihn ungeduldig auf. "Pst", ermahnte Marzan sie. "Er muss doch erst überlegen!"

"Es mag wohl zweihundert Jahre her sein", begann Ruppert und lehnte sich bequem zurück in die entspannte Pose des Geschichtenerzählers, "da war in der Gegend um Eisenberg ein einsamer Jäger unterwegs. Noch vor Tagesanbruch machte er sich auf in die Wälder, wo er das Versteck eines Bären vermutete. Nach einiger Zeit erreichte er den Eingang einer engen Schlucht, an deren Ende er die Höhle des Raubtiers wähnte. Der junge Mann war entschlossen, sein Wild zu erlegen, von nichts und niemandem wollte er sich aufhalten lassen. Da bemerkte er plötzlich im Geäst eines Baumes einen mächtigen Vogel. Der Falke beäugte ihn unentwegt mit seinen scharfen Äuglein. Mit einem Mal fühlte sich der Jäger in einen seltsamen Bann gezogen. Er konnte sich nicht erklären, warum, aber er musste dem geheimnisvollen Herrn der Lüfte unbedingt folgen. Keuchend kletterte er über Felsen und Wurzeln und scherte sich nicht um die Verletzungen, die er sich dabei zuzog. Schließlich gelangte er zu einem wilden Schrofen, auf dem sich der Falke niedergelassen hatte. Zu beiden Seiten gähnten tiefe Abgründe. Es erschien dem Jäger, als käme alle Dunkelheit der Welt aus diesen riesigen Spalten im Fels. Er war in eine Gegend geraten, die er zuvor noch nie betreten hatte. Als er sich umschaute, glaubte er unter dem dichten Moos und den filzigen Flechten ein von Menschenhand errichtetes Gemäuer zu erkennen, das jetzt freilich von Latschen und Farnen überwuchert war. Gerade noch bemerkte er, wie der unheimliche Falke auf einen tiefschwarzen Felsspalt zuschwebte und darin verschwand.

Wie von magischer Hand geleitet folgte er dem Tier, es kostete ihn allen Mut, den er besaß. Nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, gewahrte er weiter hinten in dem Spalt einen winzigen Lichtschimmer. Urplötzlich gab der Boden unter seinen Füßen nach, und er stürzte in die Tiefe." Ruppert unterbrach seine Erzählung und ließ seinen Blick über die verzauberte Zuhörerschaft schweifen.

Emma spielte nervös mit ihren Fingern, während Marzan vor Aufregung ungeduldig mit dem Fuß wippte. "Bitte", bat er, "wie geht es weiter?"

Der Schmied lächelte und fuhr fort. "Der Jäger war nach seinem unerwarteten Fall benommen, doch als er sich von seiner Todesangst erholt hatte, traute er seinen Augen nicht. Er befand sich in einem großen Saal, der von einigen Fackeln spärlich beleuchtet wurde. Staunend blickte er sich um. Die Holzvertäfelung war uralt und schadhaft. Die Decke der Halle war mit zahlreichen Ornamenten verziert, und den Boden bedeckten graue Steinplatten, deren Ecken da und dort abgesprungen waren. Der ganze Raum glich einem verwahrlosten Rittersaal. Die hohen Fenster hatten keine Scheiben, und ein kalter Windstoß fegte ihm durch das Haar. Er fröstelte. An der gegenüberliegenden Wand erkannte er einen hohen Holzstuhl. Dahinter wurde ein zerschlissener Wandbehang sichtbar, der einen Wappenschild trug, dessen Emblem er in der Düsternis nicht erkennen konnte."

Ruppert flüsterte jetzt beinahe, um die unheimliche Atmosphäre der Erzählung noch zu verstärken. "Sein Blick fiel auf die Gestalt, welche plötzlich in dem Stuhl am Ende des Saales saß. Und ... Waaaah!" Mit einem Satz und lautem Gebrüll sprang der Schmied auf. "Aaaah", brüllten die Kinder, und "Hilfe", schrie Wilhelm, der Geselle.

Ruppert Reblem amüsierte sich prächtig. "Euch drei kriegt man doch immer wieder dran", lachte er über seine erbosten Zuhörer. Marzans Haare standen wie die eines Igels zu Berge. "Das war nicht lustig!", funkelte ihn Emma an und stampfte wütend mit dem Fuß auf den lehmigen Boden der Werkstatt. "Du sollst die Geschichte gefälligst nur erzählen und uns nicht immer erschrecken!" In der Stimme der Kleinen klang schon jetzt Autorität mit. Später einmal, als Herrin auf Eisenberg, würde sie es gewohnt sein, Männern wie ihm Befehle zu erteilen. Für einen Moment stellte Ruppert sich das Mädchen als erwachsenes Weib vor. Mit den pechschwarzen Haaren und den geheimnisvollen grauen Augen würde sie eine Verlockung für jeden Mann sein. Er erinnerte sich an ihre Mutter, die im Kindbett gestorben war. Gräfin Amelia von Eisenberg. Ihr hätte er sich bedingungslos zu Füßen geworfen, alle Männer hätten das getan.

Sie hatte sie alle verzaubert. Manche hatten gar gemunkelt, sie sei eine Hexe.

"An was denkst du gerade?", erkundigte sich Emma mit forschendem Blick. Sie ähnelte ihrer Mutter ganz und gar. Ruppert fuhr sich mit der Hand durch das wenige Haar, das ihm noch geblieben war, konzentrierte sich wieder auf seine Geschichte und spann den Faden weiter. "Der Jäger sah also die Erscheinung vor sich, die Momente zuvor noch nicht da gewesen war. Hager war die Gestalt, blass wie der Tod, faltenreich und mit scharf geschnittenen Zügen. Die Nase war raubvogelartig gebogen, und ihn traf ein bannender Blick aus stechenden, dunklen Augen. Dem jungen Mann brach der Angstschweiß aus. Der Geist war in schwarzes Tuch gehüllt, das in üppigem Faltenwurf bis zum Boden reichte. Befremdlich lange, krallenartige Hände lagen auf spitzen Knien. Da begann die Gestalt mit schneidender, durch Mark und Bein gehender Stimme zu sprechen: 'Ihr seid sehr kühn, Jäger! Der Erste, der es wagt, Schloss Falkenstein zu betreten, nachdem es fern von jenen glücklichen Tagen zerfallen und in Trümmern liegt. Vorbei ist's mit den stolzen Rittern, vergessen längst die edle Kunst der Falkenbeize, vorüber die fröhlichen Feste, die nach der Falkenjagd gefeiert wurden, verstummt der preisende Gesang der Barden, das helle Lachen der Frauen.'

Nach kurzem Schweigen setzte das gespenstische Wesen seinen Monolog aus fremden Welten fort. 'Ich bin der Herr von Falkenstein, der Letzte seiner Art. Wachen muss ich in den Trümmern. In der Gestalt des Falken leben, als verwunschener Geist, und niemand wird mich je erlösen.' Bitteres Lachen erklang aus seiner Kehle und brach sich in tausendfachem Echo an den Wänden der Halle. Im nächsten Augenblick fielen lichte Schleier hernieder, und es wurde still. Faser für Faser löste sich das Gespenst auf. Die starren, scharfen Gesichtszüge verschwammen in Undeutlichkeit, es wurde hell, und ehe der Jäger sich's versah, drang blendendes Sonnenlicht herein.

Die Decke des Saales schmolz dahin, die Wände und der Boden verschwanden, und plötzlich fand sich der Mann auf einer kleinen Wiese wieder, die fast eben und von moosbewachsenen Mauerresten umgeben war. In seiner Hand hielt er einen Edelstein von unfassbarer Reinheit. Die Sonne war inzwischen aufgegangen, und schnellen Schrittes strebte der Jäger weg von diesem Ort, von diesem Schattenreich vergangener Zeiten. Sein ganzes Leben lang vergaß er, hin- und hergerissen zwischen Abscheu, Mitleid und Dankbarkeit, nicht den Herrn von Falkenstein."

Ruppert wartete, bis der aufgeregt flache Atem der Kinder sich wieder beruhigt hatte. "Das war eine gute Geschichte", lobte Marzan. "Noch eine!", rief Emma sogleich. Der Schmied schüttelte amüsiert den Kopf. "Nichts da, es wird Zeit für euch, nach Hause zu gehen. Ich muss wieder an die Arbeit." Mit einem Mal fiel den Kindern ihre ausweglose Situation wieder ein, und der Glanz in ihren Augen erlosch. "Nun seid nicht traurig, ihr werdet euch ja wiedersehen", sprach er ihnen Mut zu.

Marzan griff nach Emmas Hand. "Lass uns gehen", forderte er sie auf, und sie folgte ihm widerstandslos. Ruppert Reblem fuhr dem Knaben mit der Hand über den schwarzen Schopf. "Bleib tapfer, Kleiner!"

Als das Trappeln der Kinderfüße verklungen war, wandte er sich nachdenklich wieder Amboss und Blasebalg zu. "Vielleicht macht es nicht glücklich im Leben, das Kind adeliger Herrschaften zu sein", sinnierte er.

Emmas Zuhause, Burg Eisenberg, lag auf einem Hügel südwestlich über dem gleichnamigen Dorf, Marzan lebte mit seinen Eltern auf Hohenfreyberg, der Nachbarburg direkt auf dem Hügel gegenüber. Die unsichtbare Grenzlinie der

Grafschaften wand sich zwischen den beiden Anhöhen hindurch. Das Gebiet Eisenbergs erstreckte sich linker, das Hohenfreybergs rechter Hand.Die Kinder wussten trotz ihrer Jugend um die Bedeutsamkeit ihres Abschieds. Alles würde sich ändern, einfach alles. Sie erreichten die Stelle, an der die Straße sich gabelte. Hier hatten sie sich Abend für Abend nach ereignisreichen Tagen voller Spiel und Lachen voneinander verabschiedet. "Auf Wiedersehen", sagte Emma wie gewohnt. Nun würden sich ihre Wege trennen. "Auf Wiedersehen." Marzan legte ihr für einen kurzen Moment seine kleine, warme Hand in den Nacken, dann nahm er sie fort. Ohne sich noch einmal umzuschauen, gingen sie in entgegengesetzte Richtungen davon. Emma wusste, auch ohne ihn zu sehen, dass Marzan weinte. Sie konnte seine Tränen auf ihren Wangen spüren, schmeckte den salzigen Geschmack im Mund.

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