Anleitung zur Unzufriedenheit - Schwartz, Barry

Anleitung zur Unzufriedenheit

Warum weniger glücklicher macht

Barry Schwartz 

Übersetzer: Kober, Hainer
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Anleitung zur Unzufriedenheit

In seiner provokanten Analyse der heutigen Multiple-Choice-Gesellschaft zeigt der renommierte Psychologe Barry Schwartz, wie uns die tägliche 'Qual der Wahl' schier um den Verstand bringen kann, und gibt kluge Ratschläge und Tips für den Alltag: Denn wer lernt, die eigenen Entscheidungen nicht ständig in Zweifel zu ziehen, der lernt das zufriedene Leben kennen.

Brauchen Sie ein Shampoo? Sie können zwischen 250 verschiedenen Produktsorten wählen. Einen Internet-Provider oder eine Krankenkasse? Mit jedem Tag werden die Angebote explosionsartig mehr. Der Psychologe Barry Schwartz hat festgestellt: Wenn Menschen keine Wahlmöglichkeiten besitzen, wird das Leben unerträglich. Wenn Menschen allerdings zu viele Optionen haben, kommen sie in Teufels Küche. Und wer es schafft, sich auf das Wichtige zu konzentrieren, lernt das zufriedene Leben kennen Gut genug ist auch gut!


Produktinformation

  • Verlag: Ullstein Tb
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 284 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Ullstein Taschenbuch Nr.36867
  • Deutsch
  • Abmessung: 181mm x 115mm x 23mm
  • Gewicht: 250g
  • ISBN-13: 9783548368672
  • ISBN-10: 3548368670
  • Best.Nr.: 20773172
Barry Schwartz ist Professor für Psychologie am Swarthmore College in Pennsylvania. Er ist Autor mehrerer Bücher; seine Artikel erscheinen in führenden psychologischen Fachzeitschriften. Er lebt in Philadelphia, Pennsylvania.

prolog

Anleitung zur Unzufriedenheit:

Ein Routenplan

Vor rund sechs Jahren ging ich zu Gap, um mir Jeans zu kaufen. Da ich meine Jeans trage, bis sie sich auflösen, war es seit meinem letzten Kauf schon eine Zeit lang her. Eine hübsche junge Verkäuferin kam auf mich zu und fragte, ob sie mir helfen könne.

"Ich möchte eine Jeans", sagte ich und nannte meine Größe.

"Gern. Möchten Sie sie Slim Fit, Easy Fit, Relaxed Fit, Baggy oder Extra Baggy? Sollen sie stonewashed oder acid-washed sein - oder im Used-Look? Mit Knöpfen oder Reißverschluss? Verblichen oder normal?"

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Einen Augenblick später stotterte ich: "Ich möchte ganz normale Jeans. Wissen Sie, die Art, die früher mal die einzige war." Wie sich herausstellte, wusste sie es nicht, doch nachdem sie eine ältere Kollegin um Rat gefragt hatte, konnte sie sich vorstellen, was früher "normale" Jeans waren, und sie wies mich in die richtige Richtung.

Das Problem war nur, dass ich mir angesichts dieser Fülle von Wahlmöglichkeiten nicht mehr sicher war, dass ich wirklich "normale" Jeans wollte. Vielleicht war der Easy Fit oder der Relaxed Fit ja bequemer. Nachdem ich bereits unter Beweis gestellt hatte, wie ahnungslos ich in Sachen Mode war, kannte ich keine Hemmungen mehr. Ich ging zur Verkäuferin zurück und fragte sie, was der Unterschied sei zwischen Slim Fit, Easy Fit und Relaxed Fit. Anhand eines Diagramms zeigte sie mir die Unterschiede zwischen den verschiedenen Schnitten. Das erleichterte mir die Wahl keineswegs, daher beschloss ich, sie alle auszuprobieren. Mit einer Jeans von jeder Sorte unter dem Arm ging ich in die Kabine. Nacheinander zog ich sie an und betrachtete mich in einem Spiegel. Erneut bat ich um nähere Erläuterungen. Jetzt war ich davon überzeugt, dass eine dieser Optionen die richtige für mich sein müsse, und ich war entschlossen, es herauszufinden. Doch es ging nicht. Schließlich entschied ich mich für Easy Fit, weil Relaxed Fit bedeutet hätte, dass ich durch die Überbetonung der Taille meinen leichten Bauchbereich kaschieren müsste.

Die Jeans, für die ich mich entschieden hatte, erwies sich als genau die passende, doch ging mir durch den Kopf, dass ein Hosenkauf nicht unbedingt einen ganzen Tag in Anspruch nehmen müsse. Dadurch, dass das Geschäft alle diese Kaufalternativen schuf, kam es Kunden mit unterschiedlichen Vorstellungen und Figuren zweifellos entgegen. Doch indem es das Spektrum der Wahlmöglichkeiten so enorm erweiterte, schuf es auch ein neues Problem, das es zu lösen galt. Bevor es diese Alternativen gab, musste sich ein Käufer wie ich mit einem unvollkommenen Sitz des Kleidungsstücks abfinden, dafür war der Jeanskauf jedoch eine Fünf-Minuten-Angelegenheit. Jetzt war er eine komplexe Entscheidung, in die ich Zeit, Energie und nicht wenig Selbstzweifel, Angst und Furcht investieren musste.

Jeans zu kaufen ist eine triviale Angelegenheit, aber auch ein Beispiel für ein viel umfassenderes Thema, mit dem wir uns im Laufe dieses Buches beschäftigen wollen: Wenn Menschen keine Wahl haben, ist das Leben fast unerträglich. Nimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Optionen zu, wie es in unserer Konsumkultur der Fall ist, bedeutet das einen enormen und positiven Zuwachs an Autonomie, Kontrolle und Befreiung. Doch wenn die Zahl der Wahlmöglichkeiten weiter ansteigt, beginnen sich negative Aspekte zu zeigen. Wächst dann die Zahl der Optionen noch mehr an, nehmen die negativen Elemente so sehr zu, dass wir uns überfordert fühlen. Von da an ist die Wahl keine Befreiung mehr, sondern eine Beeinträchtigung. Man könnte sie sogar als tyrannisch bezeichnen.

Tyrannisch?

Eine starke Behauptung, besonders nach einem Beispiel, in dem es einzig um einen Jeanskauf ging. Doch unser Thema ist keineswegs auf die Auswahl von Konsumgütern beschränkt.

Es geht in diesem Buch um die Optionen, denen sich die Menschen in unserer Gesellschaft in fast allen Lebensbereichen gegenübersehen: Ausbildung, Beruf, Freundschaft, Sex, Liebe, Kindererziehung, religiöse Ausübung. Kein Zweifel, dass Wahlmöglichkeiten unsere Lebensqualität verbessern. Sie versetzen uns in die Lage, unser Schicksal zu kontrollieren und fast immer genau das zu bekommen, was wir in jeder Situation haben möchten. Wählen ist von entscheidender Bedeutung für unsere Autonomie, die wiederum vollkommen unentbehrlich für unser Wohlgefühl ist. Gesunde Menschen möchten und müssen ihr Leben selbst bestimmen.

Wenn aber etwas Wählen gut ist, so folgt daraus nicht notwendig, dass mehr Wählen besser ist. Wie ich zeigen werde, ist ein Übermaß an Wahlmöglichkeiten mit Nachteilen verbunden. Als Kulturmenschen begeistern wir uns für Freiheit, Selbstbestimmung und Vielfalt und sind kaum bereit, eine unserer Optionen aufzugeben. Doch das hartnäckige Festhalten an allen verfügbaren Wahlmöglichkeiten trägt zu falschen Entscheidungen, Angst, Stress und Unzufriedenheit bei - sogar zu klinischer Depression.

Vor vielen Jahren traf der bedeutende britische politische Philosoph Isaiah Berlin eine wichtige Unterscheidung zwischen "negativer Freiheit" und "positiver Freiheit".1 Negative Freiheit ist "Freiheit von" - Freiheit von Zwang, Freiheit von den Vorschriften anderer. Positive Freiheit ist "Freiheit zu" - die Verfügbarkeit von Möglichkeiten und Chancen, unser Leben zu gestalten, ihm Bedeutung und Sinn zu geben. Wenn die Zwänge, die in den Menschen den Wunsch nach der "Freiheit von" wecken, sehr groß sind, lässt sich die "Freiheit zu" nicht verwirklichen. Doch diese beiden Arten von Freiheit müssen nicht immer zusammengehen.

Auch der Nobelpreisträger und indische Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen hat sich mit Wesen und Bedeutung der Freiheit auseinander gesetzt und untersucht, welche Bedingungen ihr förderlich sind.2 In seinem Buch Ökonomie für den Frieden unterscheidet er zwischen der Bedeutung der Wahl an und für sich und der funktionalen Rolle, die sie in unserem Leben spielt. Statt die Wahlfreiheit zu fetischisieren, so Sen, sollten wir uns lieber fragen, ob wir ihr Nahrung oder Entbehrung verdanken, ob sie uns Mobilität gewährt oder vorenthält, ob sie unserer Selbstachtung nützt oder schadet, ob sie uns ermöglicht, am Leben unserer Gemeinschaft teilzunehmen, oder daran hindert. Freiheit ist von wesentlicher Bedeutung für Selbstachtung, Teilhabe am öffentlichen Leben, Mobilität und Ernährung, aber nicht jede Wahlmöglichkeit kommt der Freiheit zugute. Insbesondere die vermehrte Wahl zwischen Waren und Dienstleistungen trägt unter Umständen wenig oder gar nicht zu jener Art von Freiheit bei, die zählt. Tatsächlich kann sie die Freiheit beeinträchtigen, weil sie uns Zeit und Energie stiehlt, die wir anders und besser nutzen könnten.

Was kein unwesentlicher Gesichtspunkt ist. Die Vereinigten Staaten wurden auf der Verpflichtung zu Freiheit und Autonomie des Einzelnen gegründet, wobei die Wahlfreiheit einen entscheidenden Platz einnahm. Und doch behaupte ich, dass wir uns keinen Gefallen tun, wenn wir Freiheit direkt mit Wahlfreiheit gleichsetzen, als würden wir die Freiheit zwangläufig vergrößern, wenn wir die Zahl der verfügbaren Wahlmöglichkeiten erhöhen.

Stattdessen glaube ich, dass wir das Beste aus unseren Freiheiten machen, wenn wir lernen, eine gute Wahl hinsichtlich der Dinge zu treffen, die wichtig sind, während wir uns gleichzeitig von der Last befreien, den Dingen, die es nicht wert sind, zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Im Sinne dieser Überlegungen erörtere ich in Teil I, wie sich in den letzten Jahren die Bandbreite der Wahlmöglichkeiten erweitert hat, denen sich die Menschen täglich gegenübersehen. In Teil II geht es um die Frage, wie wir wählen und wie schwierig und anstrengend es ist, klug zu wählen. Richtig zu wählen ist besonders schwer für diejenigen, die entschlossen sind, nur die besten Wahlen zu treffen - Menschen, die ich als "Maximierer" bezeichne. Teil III untersucht, wie und warum das Wählen uns Leiden verursachen kann. Ich frage, ob vermehrte Wahlmöglichkeiten die Menschen tatsächlich glücklicher machen, und gelange zu dem Schluss, dass es häufig nicht der Fall ist. Dort beschreibe ich auch mehrere psychische Prozesse, die erklären, warum Menschen mit einer erhöhten Zahl von Optionen nicht besser fahren: Anpassung, Reue, verpasste Chancen, gestiegene Erwartungen und Gefühle der Unzulänglichkeit im Vergleich mit anderen. Dieser Teil schließt mit der These, dass die vermehrten Wahlmöglichkeiten zu der epidemischen Zunahme klinischer Depressionen in großen Teilen der westlichen Welt beitragen könnten. In Teil IV gebe ich eine Reihe von Empfehlungen, wie wir unserer modernen Wahlfreiheit die Seiten abgewinnen können, die positiv sind, und wie sich die negativen Seiten vermeiden lassen.

Überall im Buch wird von vielen Ergebnissen aus Psychologie, Ökonomie, Marktforschung und Entscheidungswissenschaft die Rede sein - alles Resultate, die mit Wählen und Entscheidungsfindung zu tun haben. Diese Forschungsfelder bringen uns wichtige Erkenntnisse, einige von ihnen durchaus nicht selbstverständlich oder sogar erwartungswidrig. Beispielsweise werde ich folgende Auffassungen vertreten:
1. Es ginge uns besser, wenn wir unserer Wahlfreiheit bestimmte freiwillige Einschränkungen auferlegten, statt uns gegen diese aufzulehnen.
2. Es ginge uns besser, wenn wir anstreben würden, was "gut genug" ist, statt immer das Beste zu wollen (haben Sie jemals einen Vater oder eine Mutter sagen hören: "Ich möchte für meine Kinder nur das, was 'gut genug' ist"?).
3. Es ginge uns besser, wenn wir unsere Erwartungen hinsichtlich der Ergebnisse von Entscheidungen herunterschrauben würden.
4. Es ginge uns besser, wenn wir unsere Entscheidungen unwiderruflich machen würden.
5. Es ginge uns besser, wenn wir uns weniger um das kümmern würden, was andere tun.

Diese Schlussfolgerungen stehen in völligem Gegensatz zur herkömmlichen Auffassung, dass die Menschen umso besser dran sind, je mehr Wahlmöglichkeiten sie haben, dass man gute Ergebnisse am ehesten dadurch erzielt, wenn man sehr hohe Maßstäbe setzt, und dass es bei jeder Entscheidung am besten ist, sich ein Hintertürchen offen zu halten. Wie ich zeigen möchte, ist diese herkömmliche Auffassung falsch, zumindest wenn wir uns fragen, was uns bei den Entscheidungen, die wir treffen, zufrieden stellt.

Wie erwähnt, werden wir uns mit dem Thema der Entscheidungsüberlastung in zahlreichen Bereichen menschlicher Erfahrung beschäftigen, die alles andere als trivial sind. Doch um klar zu machen, was ich mit "Überlastung" meine, werden wir am Fuß der Bedürfnishierarchie beginnen und uns langsam nach oben arbeiten. Setzen wir also unseren Einkaufsbummel fort.


Kundenbewertungen zu "Anleitung zur Unzufriedenheit" von "Barry Schwartz"

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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 06.02.2013   sehr gut
Inhalt:
Brauchen Sie ein Shampoo? Sie können zwischen 250 verschiedenen Produktsorten wählen. Einen Internet-Provider oder eine Krankenkasse? Mit jedem Tag werden die Angebote explosionsartig mehr. Der Psychologe Barry Schwartz hat festgestellt: Wenn Menschen keine Wahlmöglichkeiten besitzen, wird das Leben unerträglich. Wenn Menschen allerdings zu viele Optionen haben, kommen sie in Teufels Küche. Und wer es schafft, sich auf das Wichtige zu konzentrieren, lernt das zufriedene Leben kennen Gut genug ist auch gut!

Eine wissenschaftliche Studie, die sich "anfühlt" wie ein spannender Roman. Man bekommt Informationen zur heutigen Situation von Angebot und Nachfrage und dennoch hat man nicht das Gefühl "belehrt" zu werden. Ich habe jedes Wort genossen und sehe nun einiges klarer.

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