Meine Jahre mit Willy Brandt - Wilke, Reinhard

Reinhard Wilke 

Meine Jahre mit Willy Brandt

Die ganz persönlichen Erinnerungen seines engsten Mitarbeiters. Mit e. Vorw. v. Ulrich Wickert

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Meine Jahre mit Willy Brandt

"Meine Jahre mit Willy Brandt" protokolliert vor allem die Zeit von 1970 bis 1974 sehr ausführlich. Auf lediglich drei Seiten beschäftigt sich Wilke mit seiner Arbeit als Büroleiter für den "einfachen" Abgeordneten Brandt von 1974-1976. Danach ging er zu Katharina Focke ins Familienministerium und nahm dort eine Abteilungsleiterposition an. Mit Erläuterungen zu Struktur und Gliederung des Bundeskanzleramts hält sich Wilke nicht lange auf. Zumindest gewisse Grundkenntnisse der Infrastruktur und Organisationselemente einer solchen Behörde werden vorausgesetzt; auch die Hauptakteure der damaligen Politik sollten einigermaßen bekannt sein.(*) Bescheiden heißt es, dass die Aufzeichnungen nur ein Mosaikstein im Gesamtbild von Person und Wirken Willy Brandts darstellen. Interessant am Rande, dass er in seinem Vorwort ausdrücklich betont, Brandt nicht als Denkmal verehrt, sondern als Menschen erlebt und geachtet zu haben, während zu Beginn seiner chronologischen (nicht laufend datierten) Aufzeichnungen von einer Verehrung zu Brandt durchaus die Rede und sogar Anlass für die Übernahme dieser Position ist. Mag sein, dass sich in der Arbeit und durch die zeitliche Distanz dieses Urteil verändert hat, was sich auch in der Vorbemerkung zeigt er habe die damaligen Jahre aus größter Nähe zu Willy Brandt erlebt und manchmal erlitten.

Von Ende 1970 bis Frühjahr 1976 war Reinhard Wilke der engste Mitarbeiter von Willy Brandt zuerst im Kanzleramt, dann nach Brandts Rücktritt 1974 in dessen Büro im Bundeshaus. In diese Zeit fallen wichtige Entscheidungen der sozial-liberalenKoalition, die Verleihung des Friedensnobelpreises an Brandt, Barzels gescheitertes Mißtrauensvotum und die Olympischen Spiele in München, wo Wilke die spätere Königin Sylvia von Norwegen kennenlernte, die Nominierung des Außenministers Scheel für das Amt des Bundespräsidenten, aber auch die Entdeckung des DDR-Spions Günter Guillaume im Kanzleramt.Wilke erfährt früh davon, aber ihm sind die Hände gebunden. All das steht ungeschminkt in seinem Tagebuch, das er kurz vor seinem Tod zur Veröffentlichung freigegeben hat ein überaus wichtiges, spannend zu lesendes Dokument der Zeitgeschichte.


Produktinformation

  • Verlag: Hohenheim Verlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 272 S., 16 Fototaf.
  • Seitenzahl: 272
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 143mm x 28mm
  • Gewicht: 467g
  • ISBN-13: 9783898501989
  • ISBN-10: 3898501981
  • Best.Nr.: 28172758
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.03.2010

Aus Brandts Kanzlerküche
Reinhard Wilkes Sicht

Viele Köche verderben den Regierungsbrei - besonders, wenn sie sich über Rezepte nicht einigen und den Chefkoch nicht respektieren. Diesen Eindruck vermittelt das unterhaltsame, aber auch ernüchternde Buch von Reinhard Wilke (1929-2009), der von 1970 bis 1974 Leiter des Büros von Bundeskanzler Brandt war. Später stieg der beamtete Jurist zum Abteilungsleiter im Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit auf und war zuletzt Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Horst Ehmke, von Oktober 1969 bis Ende 1972 als Bundesminister der Chef des Bundeskanzleramtes, holte ihn in die Regierungszentrale, die Brandt sogar einmal "Scheißhaus" genannt haben soll. Aus der "Froschperspektive" verfasste der Willy-Verehrer Wilke - für einzelne Phasen gestützt auf Tagebuchaufzeichnungen - seine "sehr subjektive Darstellung".

Hin und wieder sei es vorgekommen, dass bei Sitzungen "sämtliche Beamte aus dem Kabinett verwiesen wurden, weil etwas nur zwischen den Ministern besprochen werden sollte". Helmut Schmidt, Verteidigungs- und danach Finanzminister unter Brandt, sagte angeblich bei …

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