Produktbeschreibung zu Das Familientreffen
Starkes und kraftvolles Familienepos ausgezeichnet mit dem
Booker-Preis
Als Kinder vertrauten sie einander stets alle Geheimnisse an und
nun ist ihr wunderbarer Bruder Liam, das schwarze Schaf der
weitverzweigten, blauäugigen, trinkfesten Familie Hegarty, tot. Mit
Steinen in den Hosentaschen hat er sich ins Meer gestürzt. War er
wieder einmal nur betrunken? Während seine Schwester Veronica im
Dubliner Elternhaus die Beerdigung vorbereitet, überwältigen sie
die Erinnerungen an ihre Kindheit an ihre Großmutter, die aus
Vernunftgründen auf die Liebe ihres Lebens verzichtete, an ihre
Mutter, die sich nach den vielen Geburten und Fehlgeburten nicht
einmal die Namen all ihrer Kinder merken konnte. Und schließlich an
jenen Tag, an dem ihrem Bruder Liam, gerade neun Jahre alt, im Haus
der Großmutter etwas angetan wurde, vor dem sie ihn hätte bewahren
müssen.
Produktinformation
- Verlag: Btb
- 2009
- Ausstattung/Bilder: 2009. 343 S.
- Seitenzahl: 352
- btb Bd.74004
- Deutsch
- Abmessung: 189mm x 120mm x 28mm
- Gewicht: 326g
- ISBN-13: 9783442740048
- ISBN-10: 3442740045
- Best.Nr.: 26263686
"Tatsächlich könnte Anne Enright für diesen Roman einen Waffenschein brauchen. Als Schriftstellerin ist sie schlicht ein großes Kaliber." Die Welt
"Seine beunruhigende Kraft verdankt Enrights Roman der Stimme einer Erzählerin, die uns immer wieder aus den Routinen des nostalgischen Kunsthandwerks vieler gegenwärtig erfolgreicher Familienromane herauszukatapultieren vermag. Man mag dieser Stimme Anklänge an John Banville und A.L. Kennedy finden; ihr ganz eigenes, häufig auch hochkomisches Talent, die Verflechtungen von Erinnerung und Vergessen auf zugleich sezierende und ergreifende Weise zu erkunden, hat Anne Enright mit ihrem Familientreffen eindrucksvoll unter Beweis gestellt."
 | Besprechung von 15.10.2008 |
Unseren Knochen eingeschriebenKlar wie der Hass: Anne Enrights "Das Familientreffen" / Von Rose-Maria GroppEinmal fährt Veronica, die Erzählerin in diesem Buch, aus der Stadt hinaus und hat das Gefühl, dass sie schon bald, lange bevor sie das Ufer erreicht, mit ihrem Auto ins Gleiten über dem Wasser gerät, das an die Bucht von Dublin andrängt. Nichts ist an seinem sicheren Ort in diesem Roman. Nicht die Lebenden und nicht die Toten, nicht die Wirklichkeit und nicht die Phantasie, nicht die Liebe und nicht die Körper, nicht die Vergangenheit und nicht die Zukunft. Das kündigen schon die ersten drei Sätze an: "Ich möchte niederschreiben, was im Haus meiner Großmutter geschah in dem Sommer, als ich acht oder neun war. Aber ob es wirklich geschehen ist? Mit Gewissheit kann ich es nicht sagen." Ich - heißt das erste Worte dieses Romans. Und was folgen wird, ist durch diese Instanz nicht gesichert. Jedoch der Leser muss dem Roman vertrauen; denn er tritt immer wieder ganz nah an die Wahrheit heran, an die Schmerzgrenzen.
Auch noch der deutsche Titel "Das Familientreffen" meint mehr als die Zusammenkunft einer Zwangsgemeinschaft …
Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension
Rezensentin Julika Griem betont, dass der Familienroman der letztjährigen Man-Booker-Preisträgerin Anne Enright den Fallen der Klischee beladenen Irlandliteratur entgeht, da er sich nicht in Alkohol und Glauben ergeht, sondern, wie es die Gegenwart verlangt, von Inzest und Alkohol handelt, also dem, was man gemeinhin ein "dunkles Familiengeheimnis" nennt. Im Mittelpunkt steht die 39-jährige Ich-Erzählerin Veronica, die den Selbstmord ihres Bruders Liam zum Anlass nimmt, sich einer "schonungslosen Selbstbefragung" zu unterziehen. Der Blick zurück in die Vergangenheit, der bis 1925 in die Jugendjahre der Großmutter reicht, bringt es schließlich ans Tageslicht. Die Rezensentin lobt neben dem "hochkomischen Talent" der Autorin auch die "sezierende und ergreifende Weise", wie Erinnerung und Vergessen miteinander verflochten wurden.
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung |
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Veronica hat alles: wunderbare Töchter und ein schön eingerichtetes Haus, einen "wartungsaufwändigen Mann", einen toten Bruder, ein Geheimnis. Veronica ist 39 und erwachsen, zugleich aber immer noch eines der vielen Kinder ihrer konturlosen irischen Mutter. Der Tod ihres Bruders Liam reißt sie in einen Strudel aus echten und falschen Erinnerungen, aus Dichtung, Wunsch, Alptraum und Wahrheit. Mit Hilfe von Familiengeschichte und -geschichten fängt Veronica die Mischung aus Liebe, Hass und Gleichgültigkeit ein, die in ihr brodelt. In einer Sprache, die scharf und schön ist wie zerbrochenes Glas, führt Anne Enright im Laufe des Romans in hunderte kleiner Sackgassen, illustriert das Gefühl der Ausweglosigkeit. Mit einer Lösung für die Probleme der Heldin wartet "Das Familientreffen" nicht auf; was goldrichtig ist. Das hat auch die Jury des Booker-Preises 2007 erkannt und gewürdigt. (kab)
 | Besprechung von 16.02.2009 |
Iren trinken, Iren prügeln, Iren sind lustig
Anne Enright und ihr international erfolgreicher Roman „Das
Familientreffen”
Bei Lesern wie bei Fernsehzuschauern scheint der Bedarf an
Familiengeschichten unerschöpflich zu sein, auch und gerade
jenseits der großen Epen, die von Generationskonflikten und
Clan-Querelen der imposanteren Art handeln. Als hätte nicht jeder
von uns genug an seiner real existierenden Sippe zu tragen, lässt
sich die Mehrheit mit Vorliebe vom Blick hinter anderer Leute
Gardinen unterhalten, wo es meist etwas krasser zugeht als in den
eigenen vier Wänden, ansonsten aber alles hübsch wiedererkennbar
bleibt. Ist die Romanfamilie beispielsweise in Irland beheimatet,
muss getrunken, geprügelt und die Sexualität durch katholische
Repression beeinträchtigt oder fehlgeleitet werden, um jene
Authentizität herzustellen, die ein irisches oder an Irland
interessiertes Publikum in den Lesesessel zwingt. Die
Kunstfertigkeit des Autors erweist sich darin, wie weit es ihm
gelingt, mit den Mitteln der Sprache das abgegriffene Genre neu zu
beleben und die Grenzen des Milieus durchlässig zu machen für
allgemeinere menschliche Belange.
Die bis …
»Ein starkes, unbequemes und zuweilen sogar wütendes Buch Ein schonungsloser Blick auf eine trauernde Familie in harter, beeindruckender Sprache Ein sehr lesbarer Roman.« Aus der Jury-Begründung des Man Booker Prize
»Anne Enrights Erzählerin redet viel, aber meistens konzentriert und intelligent. Sie enthüllt eine Menge unerfreulicher Umstände und Zusammenhänge, verliert jedoch nur selten ihren schwarzen Humor. Gegen Kitsch und Klischees ist auch diese Familiengeschichte nicht völlig gefeit, was vermutlich in der Natur des Genres liegt. Das gute alte Irland grüßt mit Alkohol, Gewalt, unglücklichem Sex und repressivem Katholizismus, und doch hat es wieder eine neue, vitale Stimme gefunden. Mehr kann man von einem Buch, das mit dem wichtigsten Literaturpreis Großbritanniens ausgezeichnet wurde, heutzutage kaum verlangen.«
Anne Enright wurde 1962 in Dublin geboren und lebt heute im irischen Bray, County Wicklow. Die vielfach ausgezeichnete Autorin zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Schriftstellern der Gegenwart. Ihr Roman "Das Familientreffen" (DVA 2008) wurde unter anderem mit dem renommierten Booker-Preis belohnt, ist in gut dreißig Sprachen übersetzt und weltweit ein Bestseller. "Anatomie einer Affäre" ist ihr fünfter Roman.
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