Colorado Kid - King, Stephen

Colorado Kid

Roman

Stephen King 

Aus d. Amerikan. v. Andrea Fischer
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Colorado Kid

'Eine wunderbare Hommage an das Goldene Zeitalter des Kriminalromans.' The Guardian

Auf einer Insel vor der Küste des US-Bundesstaates Maine wird eine männliche Leiche gefunden, die nicht identifiziert werden kann. Ein paar hartnäckige Lokaljournalisten recherchieren den Fall, aber je mehr Spuren sie verfolgen, desto geheimnisvoller wird das Ganze. Handelt es sich um ein schier unmögliches Verbrechen? Oder sogar um etwas noch Befremdlicheres ...?


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 159 S.
  • Seitenzahl: 176
  • Heyne Bücher Nr.43396
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 118mm x 17mm
  • Gewicht: 170g
  • ISBN-13: 9783453433960
  • ISBN-10: 3453433963
  • Best.Nr.: 25552995
Andrea Fischer, geb. 1969, lebt seit 1989 in Düsseldorf und übersetzt aus dem britischen und amerikanischen Englisch u.a. Stephen King, Dennis Lehane, Peter Robinson.

Leseprobe zu "Colorado Kid" von Stephen King

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Als der Journalist des Boston Globe einsah, dass er aus den beiden alten Männern - der gesamten Belegschaft des Weekly Islander - nichts Interessantes herausbekommen würde, verkündete er nach einem Blick auf die Uhr, er könne noch die Fähre um halb zwei erreichen, wenn er sich beeile. Er dankte den beiden Männern, dass sie sich Zeit genommen hatten, legte Geldscheine auf den Tisch und beschwerte sie mit einem Salzstreuer, damit sie nicht von der steifen auflandigen Brise fortgeweht würden. Dann eilte er von der Terrasse des Grey Gull die Steintreppe hinunter, zur Bay Street und dem kleinen Ort dahinter. Die junge Frau zwischen den beiden Alten hatte er kaum wahrgenommen, nur einige Male mit flüchtigem Blick ihre Brüste gestreift.

Kaum war der Journalist des Globe verschwunden, griff Vince Teague über den Tisch und zog die beiden Geldscheine - zwei Fünfziger - unter dem Salzstreuer hervor. Mit unverkennbarer Genugtuung stopfte er sie in die Pattentasche seines alten, zweckdienlichen Tweedsakkos.

"Was machst du da?", fragte Stephanie McCann. Sie wusste zwar, dass Vince ihren, wie er sich ausdrückte, "jungen Knochen" gerne einen Schreck einjagte (sie hatte ja selbst Spaß daran), konnte in diesem Moment ihre Verwunderung jedoch nicht verhehlen.

"Wonach sieht es denn aus?" Vince wirkte selbstzufrieden wie selten. Er strich die Patte der Tasche glatt und aß den Rest seines Hummerbrötchens. Dann tupfte er sich den Mund mit einer Papierserviette ab und fing geschickt den Plastikdeckel von der Hummerportion des Goofee-Journalisten auf, den eine frischere, nach Salz riechende Böe forttragen wollte. Vince' Hände waren von seiner Arthritis fast grotesk verformt, dennoch waren sie erstaunlich flink.

"Es sieht so aus, als hättest du gerade das Geld genommen, mit dem Mr Hanratty unser Essen bezahlen wollte", sagte Stephanie.

"Stimmt genau, Steffi, gut aufgepasst", bestätigte Vince und zwinkerte dem anderen Mann am Tisch zu. Dave Bowie war fünfundzwanzig Jahre jünger als Vince Teague, wirkte aber gleich alt. Das läge allein an der Grundausstattung, mit der man vom Schicksal auf den Weg geschickt werde, behauptete Vince immer; jeder halte so lange durch, bis er auseinander falle, und vorher würde eben geflickt, was das Zeug halte. Vince war überzeugt, dass selbst Hundertjährigen - ein Alter, das auch er zu erreichen hoffte - das Leben letztlich nicht länger erschien als ein Sommernachmittag.

"Aber warum?."

"Hast du Angst, dass ich die Zeche prelle und Helen auf der Rechnung sitzen lasse?", fragte Vince zurück. "Nein ... Wer ist Helen?"

"Helen Hafner, die Frau, die uns eben bedient hat." Vince wies mit dem Kinn über die Terrasse, wo eine etwas fülligere Frau von rund vierzig Jahren Teller abräumte. "Denn es ist die Geschäftspolitik von Jack Moody, dem dieses feine Restaurant gehört - er hat es von seinem Vater übernommen, auch wenn das nicht so wichtig ist -"

"Doch, es interessiert mich", beteuerte Stephanie.

Dave Bowie, seit fast so langer Zeit Herausgeber des Weekly Islander wie Helen Hafner auf der Erde weilte, beugte sich vor und legte seine fleischige Hand auf Stephanies junge, glatte Finger. "Weiß ich doch", sagte er. "Und Vince auch. Deshalb fängt er immer bei Adam und Eva an, wenn er dir etwas erklärt."

"Aha, jetzt gibt's also Unterricht", sagte Stephanie lachend.

"Genau", bestätigte Dave. "Und warum machen so alte Knacker wie wir das gerne?"

"Weil ihr nur Schüler habt, die was lernen wollen."

"Richtig", sagte Dave und lehnte sich zurück. "Schön." Er trug weder Anzugjacke noch Blouson, sondern ein altes grünes Sweatshirt. Es war August. Stephanie fand es trotz des auflandigen Windes ziemlich heiß auf der Terrasse des Grey Gull, wusste aber, dass beiden Männern schnell kalt wurde. Bei Dave wunderte sie das ein wenig: Er war erst fünfundsechzig und hatte mindestens fünfzehn Kilo Übergewicht. Vince Teague hingegen wirkte nicht älter als siebzig (ein fitter Siebzigjähriger, trotz seiner verformten Hände), war jedoch Anfang des Sommers schon neunzig geworden und dünn wie ein Aal. "Ein Strich in der Landschaft", pflegte Mrs Pinder zu sagen, die Teilzeitsekretärin des Islander. Meistens mit verächtlichem Schnauben.

"Im Grey Gull haften die Kellnerinnen für ihre Tische, bis die Gäste bezahlt haben", erklärte Vince. "Wenn eine Frau bei Jack vorstellig wird und nach Arbeit fragt, sagt er das sofort, damit sie ihm hinterher nicht vorheulen kann, sie hätte es nicht gewusst."

Stephanie schaute über die Terrasse, die um zwanzig nach eins noch immer zur Hälfte besetzt war. Dann spähte sie in den großen Saal, der einen herrlichen Blick auf die Bucht von Moose Cove bot. Dort war so gut wie jeder Tisch besetzt. Stephanie wusste, dass die Gäste zwischen Ende Mai und Ende Juli draußen bis gegen drei Uhr Schlange standen. In anderen Worten: Im Sommer herrschte Hochbetrieb. Dabei zu erwarten, dass die Kellnerinnen jede einzelne Bestellung im Kopf behielten, während sie sich die Hacken abliefen, um Tabletts mit dampfenden Hummern und Muscheln herauszubringen ...

"Das ist aber ganz schön -" Stephanie verstummte. Sie hatte Angst, dass diese beiden schrägen Vögel sich über sie lustig machen würden. Wahrscheinlich hatten sie den Islander schon zu Zeiten herausgebracht, als es noch gar keinen Mindeslohn gab.

"Unfair? Oder was wolltest du sagen?", fragte Dave trocken und nahm das letzte Brötchen aus dem Korb.

Bei ihm klang "unfair" wie unfäor und reimte sich mehr oder weniger mit "ah jo", der hiesigen Antwort auf alle Fragen, irgendwo zwischen "ja" und "ach, wirklich?" angesiedelt. Stephanie stammte aus Cincinnati, Ohio. Beim Antritt ihres Praktikums beim Weekly Islander auf Moose-Lookit Island hatte sie gedacht, sie würde es niemals schaffen, etwas zu verstehen, der Akzent sei einfach zu schwer. Wie sollte sie etwas lernen, wenn sie nur jedes siebte Wort verstand? Und wie schnell wären die Männer der Meinung, sie sei völlig minderbemittelt, wenn sie ständig bat, den letzten Satz noch einmal zu wiederholen?

Vier Tage nach Beginn ihres viermonatigen Praktikums für die Universität von Ohio war sie kurz davor gewesen, alles hinzuwerfen. Da hatte Dave sie beiseite genommen und gesagt: "Gib nicht auf, Steffi, hab noch ein bisschen Geduld." Es hatte sich gelohnt: Fast über Nacht hatte sie den Dialekt plötzlich verstanden.

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