Warum unsere Kinder Tyrannen werden - Winterhoff, Michael
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Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Oder: Die Abschaffung der Kindheit

Michael Winterhoff 

Unter Mitarb. v. Carsten Tergast
Broschiertes Buch
 
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Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Sind unsere Kinder überhaupt noch zukunftsfähig? Zündstoff für eine grundlegende gesellschaftliche Debatte. Chakterstudie einer Gesellschaft mit psychischem Defekt - eine ebenso überraschende wie erschreckende Analyse

"Winterhoff trifft auf einen bloßliegenden Nerv, der pocht und klopft und schmerzt." Der Spiegel

"Ein sehr vernünftiges Buch, ... das Nachdenken, Umdenken und Veränderung anschieben helfen kann." Hamburger Abendblatt


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 223 S.
  • Seitenzahl: 224
  • Goldmann Taschenbücher Bd.17128
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 127mm x 18mm
  • Gewicht: 208g
  • ISBN-13: 9783442171286
  • ISBN-10: 3442171288
  • Best.Nr.: 26254275
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.12.2008

Untenrum nicht ganz reinlich
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.06.2008

Kinderland abgebrannt
Michael Winterhoff stellt der Familie eine düstere Zukunftsprognose aus

Beginnen wir mit einem Zitat: "Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer." Was sich liest, als stünde es in dem Buch des Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff, das unter dem Titel "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" derzeit für Diskussionen sorgt, ist in Wahrheit zweieinhalb Jahrtausende alt und stammt von Sokrates.

Winterhoffs Befund klingt indes ganz ähnlich: Die Kinder des einundzwanzigsten Jahrhunderts sind demnach narzisstisch gestört, nicht mehr lern- und leistungsbereit und agierten rein lustorientiert. Über die Ansätze dieser alten Zöpfe lässt sich natürlich immer trefflich streiten. Die Erziehungswissenschaft tut dies seit jeher, und verlässlich ist dabei allein der Wandel: von der autoritären zur antiautoritären Erziehung, vom Frontalunterricht zur Gruppenarbeit, vom …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die von Michael Winterhoff tiefenpsychologisch diskutierten Thesen zur "Wellness-Pädagogik" und deren Folgen findet Sandra Kegel durchaus bedenkenswert. Schade nur, meint sie, dass der Autor seine Erkenntnisse derart übertrieben darstellen muss und die vermeintliche gegenwärtige Erziehungsmisere auf die antiautoritären Konzepte der 70er und 80er zurückführt. Kegel entlockt das allenfalls ein Gähnen sowie die Frage, ob die hier als so beziehungs- wie erziehungsuntauglich dargestellten Eltern von heute wirklich so schlecht sind wie Winterhoffs Fallbeispiele es nahelegen und ob sich gesamtgesellschaftliche Thesen so ohne weiteres auf die einzelne Familie anwenden lassen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Dieses Buch »befeuert die Debatte um die richtige Erziehung«

Die lieben Kleinen
Michael Winterhoff ist nicht der Einzige, der die Gegenwart für die Zukunft erziehen möchte

Vor zwei Jahren hat der ehemalige Leiter der Erziehungsanstalt Salem Bernhard Bueb seine Erfahrungen mit den dortigen Zöglingen in einem erfolgreichen Buch zusammengefasst. Die Kernthese lief darauf hinaus, dass Väter, Mütter und insbesondere Lehrer den Weg des pädagogischen Lotterlebens verlassen sollten, den die Achtundsechziger eingeschlagen hätten. Gut erzogen sei nur ein Mensch, der Ideale wie Gerechtigkeit schätze, Tugenden wie Ehrlichkeit lebe und fähig sei, "die Gültigkeit moralischer Werte erkennen und im Kontext des Wissens der Vorväter reflektieren zu können". Das waren deutliche Worte, und es schien eine Weile so, als könnte, wer hier an der neuen deutschen Grenze zwischen Kindern und Eltern mitreden wollte, nicht noch deutlicher werden.

Nun hat der in Bonn als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie tätige Michael Winterhoff ein Buch veröffentlicht, das ebenso wie Buebs "Lob der Disziplin" die Summe von Erfahrungen zu sein vorgibt, die sein Autor im Berufsleben gesammelt habe. Wieder spricht ein Praktiker, dem Vertrauen zu schenken all jenen naheliegt, die den sogenannten Theoretikern schon deswegen nicht folgen möchten, weil diese ja nicht wissen, wie es in der Wirklichkeit zugehe.

Winterhoff möchte keine neuen pädagogischen Konzepte ins Spiel bringen, sondern erst die dafür notwendige Grundlage schaffen, die in der Einsicht liegt, dass Kinder von Erwachsenen wieder als Kinder behandelt werden müssen, damit aus ihnen sozial reife Menschen werden. Eltern ziehen seiner Ansicht nach ihre Kinder gleichsam über die Grenze auf ihre Seite, sie machen damit aus ihnen Partner. Sie seien unfähig, konsequent ein bestimmtes Verhalten von ihren Kindern zu verlangen und dadurch sozial wichtige Verhaltensweisen bei ihren Kindern einzuüben.

Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern solle hierarchisch sein und nicht vertikal aufgebaut werden nach dem Prinzip einer Partnerschaft, die das Kind überfordere, deren letzte Variante aber eine Symbiose mit dem Kind sei, die dem Erwachsenen nicht mehr erlaube, zum Kind auf eine ihm förderliche Distanz zu gehen. Erzieher, ob im Kindergarten oder in der Schule, würden Probleme, die sie selbst etwa mit ihrer Anerkennung durch Dritte haben, auf die Kinder projizieren. Ein Grund für die Malaise liege darin, dass Erwachsene sich durch die Gesellschaft überfordert fühlten und in die Beziehung zum Kind hineintrügen, was sie in der Wirklichkeit, in der sie sich nicht mehr "zurechtfinden" und wo sie sich "alleingelassen" fühlen (zum Beispiel vor dem Klimawandel), nicht zu lösen vermögen. In einer psychisch und pädagogisch intakten Welt werden Kindern "Aufträge" erteilt, die sie erfüllen müssen, ohne dass darüber mit ihnen debattiert wird, werden Kinder von Erziehern "geführt", "gespiegelt" und dadurch "geschützt".

Winterhoffs Buch ist gleichsam eine Minimalanforderung an Eltern und Erzieher. Hier ist vom "Wissen der Vorväter", das Bueb im Blick hat, nicht die Rede, sondern davon, wie es Eltern, die psychisch gesund, aber von der Realität verunsichert sind, zum Vorteil der Kinder und der Gesellschaft gelingen kann, dass ihre Kinder früh jene seelische Statur erhalten, dank derer sie sozial reife Erwachsene werden.

Man kann das Auftauchen eines solchen Buches, das sich wie eine auf das Notwendigste beschränkende Anweisung liest, allgemein mehr Ordnung herzustellen, indem eine bestimmte Ordnung eingehalten wird, wahrscheinlich nur dadurch erklären, dass man es als Symptom jener Imagination von Gesellschaft versteht, die der Soziologe Heinz Bude in seiner vor wenigen Monaten erschienenen Studie "Die Ausgeschlossenen. Das Ende von der gerechten Gesellschaft" auf wenigen plastisch formulierten Seiten entworfen hat. Die Mitglieder dieser von Bude vorgestellten deutschen Gesellschaft sind von der Vorstellung, die in Angst umschlagen kann, geprägt, dass sie ihren sozialen Status nicht mehr ein Leben lang halten können. Sie rechnen damit, dass auch sie das Schicksal trifft, das heutzutage jeden aus der Bahn werfen kann: mit einem Mal von der eingenommenen sozialen Sphäre ausgeschlossen zu werden.

Drinnen/draußen ist die allererste Unterscheidung, die soziale Schichten und die Teilhabe an dem definiert, was Gesellschaft genannt wird. Reinkommen, drinnenbleiben, herausfallen sind die drei sozialen Bewegungen, die das soziale Leben bestimmen. Bude möchte "aus persönlichen Problemen öffentliche Fragen" machen. Er nennt seine Studie "ein Stück öffentlicher Soziologie", die die "Öffentlichkeit in erster Linie über die gesellschaftlichen Verhältnisse aufklären" möchte, "in denen wir leben".

Die Grundanforderung an Eltern, wie sie dafür Sorge tragen können, dass ihre Kinder nicht einmal zu denen gehören werden, die aus ihrem Milieu fallen und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, liegt nach Winterhoff darin, dass sie ihren Kindern ein Verhalten antrainieren, das diese zu sozial kompatiblen Menschen macht. Insofern ergänzen sich die soziologische Vorstellung der Drinnen-Draußen-Realität und die pädagogische Vorstellung der Erzieher-Kind-Hierarchie, die für ein Leben in jener Wirklichkeit vorbereiten soll.

"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien", schreibt Niklas Luhmann in "Die Realität der Massenmedien". Man muss deshalb über Handreichungen staunen, die in Hinblick auf die Gesellschaft in pädagogischer oder in therapeutischer Praxis gesammelte Erfahrungen prolongieren, als seien sie sichere Wechsel auf eine Zukunft, die die Gegenwart formt. Vor fünfundvierzig Jahren erklärte der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter in seiner Untersuchung "Eltern, Kind und Neurose", deren Erfolg sich erst in den siebziger Jahren einstellte, die Gegenwart der Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern aus der verschwiegenen und verdrängten Vergangenheit der erziehenden Kriegsgeneration. Damals ging es um eine Art Befreiung von seelischen Lasten. Freiheit war auch das Stichwort für die antiautoritären pädagogischen Konzepte gewesen, die in Hinblick auf die Gesellschaft von Partizipationsvorstellungen und nicht von Exklusionsängsten geprägt waren. Diese Konzepte waren noch ein wichtiger Teil des Traums von einer gerechten Gesellschaft. Es müssen unmittelbare Erfahrungen, auch im kleinsten sozialen Raum, gewesen sein, die solche Partizipationsvorstellungen unterstützen. So wie Jahrzehnte später in Budes öffentlicher Soziologie ebenfalls die unmittelbaren Eindrücke, die man sich von der Straße holen kann - zum Beispiel bei Jugendlichen, die Discos zu ausländerfreien Räumen erklären -, lebenspraktische Modelle für die These von der sozialen Grundunterscheidung zwischen Drinnen und Draußen liefern.

Das psychisch-pädagogische Minimalprogramm, das Winterhoff den Kindern verschreibt, ist auch das soziale Minimalprogramm einer wackeligen und verschwommenen bürgerlichen Mitte, in dem weniger Kompetenzen als vor allem Charakteristika vereint sind, mit denen sich "psychische Reifung" definieren lassen soll. Die Hoffnung, damit den ersten Stein für eine Mauer gesetzt zu haben, die einen davor bewahren möge, aus der erreichten Schicht zu fallen, spricht sich in der festgelegten, bürokratischen Abläufen korrelierenden Ansicht des Bonner Arztes aus, dass die Seele parieren muss. "Nur durch ständiges Training und zahllose wiederholte Durchläufe des gleichen Vorgangs ist es möglich, als Erwachsener die notwendigen psychischen Funktionen erlangt zu haben, die unabdingbar sind, um als in gesellschaftliche Prozesse eingebundenes Wesen existieren zu können."

Das Schlüsselwort lautet "eingebunden". Zu einer Spaltung zwischen denen, "die den sozialen Wandel verkörpern", so Bude, und jenen, "die zurückbleiben", kommt es auf allen Ebenen der Gesellschaft: "In den Milieus der Unterprivilegierten genauso wie in den Arbeitnehmermilieus der Mitte, im psychosozialen Mittelstand der Ärzte, Therapeuten und Lehrer genauso wie im Bildungsbürgertum der Professoren, Pfarrer und Rechtsanwälte, in der Manager- und Bankerklasse genauso wie in den Reihen des Besitzbürgertums. Die Milieus teilen sich in relative Gewinner und relative Verlierer."

Wenn aus Kindern keine Erwachsenen werden, weil sie von den Erwachsenen nicht erzogen worden sind, dann werden aus ihnen Verlierer eines pädagogischen Mittelstandes, dem das "Wissen der Vorfahren" zu der Erinnerung geronnen ist, dass früher die Kinder "im realistischen Machtverhältnis geführt" wurden: "Die Kinder wurden in ihrem Fehlverhalten gespiegelt, sie wurden gefordert und konnten sich entsprechend psychisch normal entwickeln." Das muss die Generation der Kinder gewesen sein, die sich mit sechzehn, siebzehn Jahren Richters Buch "Eltern, Kind und Neurose" zulegten.

Und wer liest "Aussöhnung mit dem inneren Kind" von Erika J. Chopich und Margaret Paul, vor fünfzehn Jahren auf Deutsch erschienen, in siebzehn Hardcoverausgaben und über zwanzig Taschenbuchausgaben? Die Kinder, die erwachsen wurden.

EBERHARD RATHGEB

Michael Winterhoff: "Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit". Gütersloher Verlagshaus, 191 Seiten, 17,95 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Dr. Michael Winterhoff, geboren 1955, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Humanmedizin in Bonn. Seit 1988 praktiziert er als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in einer Gemeinschaftspraxis. Er ist Initiator eines Kinderheimes.

Leseprobe zu "Warum unsere Kinder Tyrannen werden"

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Leseprobe zu "Warum unsere Kinder Tyrannen werden"

1

Zwischen Super-Mamas und Erziehungsnotstand - Wenn aus Kindern Tyrannen werden

In deutschen Wohnstuben sind sie allabendlich auf den TV-Schirmen zu sehen: "Super-Nannies" oder Super-Mamas werden vor laufenden Kameras in einen Familienalltag eingeschleust, in dem schon längst so ziemlich alles kaputt gegangen zu sein scheint. Ein Familienalltag, der nichts mehr mit dem zu tun hat, was wir ursprünglich einmal im positiven Sinne damit verbunden haben. Stattdessen: außer Rand und Band geratene Kinder, kreischende, schreiende Eltern und Geschwister: schlagende Beispiele einer menschlichen Entwicklungsstufe, die doch eigentlich unser aller Zukunft sein sollte.

Die Botschaft ist klar: Deutschlands Kinder sind nur noch mit harten Methoden, einer Art "Zero-Tolerance"-Strategie in der Erziehung auf Kurs zu bringen.

Derartige Überzeichnungen von auf Krawall gestylten Dokus deutscher TV-Stationen, gesendet zur Prime-Time, umringt von den teuersten Werbeplätzen des Programms, werden gerne als "Schund", "Unterschichten-TV" oder "peinlich" gebrandmarkt. Und doch bringen sie oft genug ein latent in der Gesellschaft vorhandenes Gefühl ebenso auf den Punkt wie die fette Schlagzeile eines bundesweit bekannten Boulevard-Blattes, das angeblich keiner liest, aber dessen

Inhalt doch jeder kennt. Ihre hohen Einschaltquoten generieren solche TV-Sendungen nicht zuletzt aus dem Umstand, dass die vorgeführten Phänomene dem Zuschauer merkwürdig bekannt vorkommen und ein Gefühl des "genauso-ist-es" erzeugen.

Die Sendungen führen genau jene kleinen Tyrannen vor, die zunehmend unser aller Leben bevölkern. Kinder, deren Erziehung vollkommen aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint, die nichts mehr mit den "lieben Kleinen" gemein haben, die jeder Vater, jede Mutter sich einmal gewünscht hat.

Das Problem an der Sache ist: Ob Pseudo-Erziehung im Abendprogramm oder feinfühliges, aufwändiges Kümmern besorgter Eltern in den heimischen vier Wänden - all diese Versuche, des Problems Herr zu werden, sind so lange zum Scheitern verurteilt, wie wir einen der wichtigsten Bestandteile des Menschen dabei außer Acht lassen. Bewusst außer Acht lassen, weil wir glauben, er entwickele sich von ganz alleine und sei irgendwann automatisch voll ausgebildet: die Psyche.

Ich sehe in meiner Praxis tagtäglich Kinder und Jugendliche mit vielfältigen Störungen. Im Laufe meiner Tätigkeit als Kinderpsychiater haben sich bei der Analyse der auftretenden Störungen so gravierende Veränderungen ergeben, dass Anlass zu großer Sorge um die gesamtgesellschaftliche Zukunft gegeben ist. Immer weniger arbeits- und beziehungsfähige Jugendliche und Erwachsene werden die Folge sein, wenn sich weiterhin kein Bewusstsein für diese Störungen

bildet.

Bei einem großen Teil dieser Kinder und Jugendlichen, die in allen Lebensbereichen Probleme verursachen, haben wir es nach meinem in langjähriger Beobachtung entwickelten Modell mit Menschen zu tun, deren psychischer Reifegrad in etwa auf dem Niveau von maximal Dreijährigen stagniert. Anders gesagt: Diese Jugendlichen sind in einer frühkindlichen psychischen Phase fixiert, ihr körperliches und ihr psychisches Alter klaffen weit auseinander. Sie können dadurch keinerlei störungsfreie Beziehung zu ihrer Umwelt mehr aufbauen. Jeglicher Zugang zu ihnen scheint unmöglich geworden zu sein, sie terrorisieren ihre Umwelt mit einem inakzeptablen Verhalten und sind gegen Steuerungsversuche von außen absolut immun.

Mein Ansatz, der die psychische Entwicklung der Kinder in den Mittelpunkt rückt, ist die einzige Möglichkeit, diesen Trend sinnvoll zu analysieren und Strategien zu entwickeln, wie man ihm wirksam entgegentreten könnte. Das ist bisher nicht so gesehen worden, weil der Grundkonsens innerhalb der für Erziehung und Ausbildung wichtigen Teile der Gesellschaft auf Annahmen beruhte, die dieser Einschätzung zuwiderlaufen. Dieser Grundkonsens lässt sich anhand von drei grundsätzlichen Beziehungsstörungen zwischen Erwachsenen und Kindern beschreiben: der Partnerschaftlichkeit, der Projektion und der Symbiose.

Die fehlende Diskussion über die Annahmen und gesellschaftstheoretischen Meinungen, die hinter dem Konsens stehen, hat dazu geführt, dass bisher kaum Ansätze vorhanden sind, die über die Variation im Grunde immer gleicher pädagogischer Modelle hinausgehen. Diese übereinstimmende Meinung ist jedoch in den letzten Jahren zunehmend ins Wanken geraten, so dass Offenheit gegenüber dem Versuch spürbar ist, das Verhältnis zwischen Eltern, Lehrern, Erziehern und Kindern wieder so zu gestalten, dass Erstere in der Lage sind, Ausbildung und Erziehung wirksam zu steuern. Wir befinden uns mittlerweile in einem Ausnahmezustand, in dem Kinder zu Erziehern ihrer Eltern geworden sind und diese rein lustbetont steuern können, ohne Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Der Grund dafür liegt nicht in angeborener Bösartigkeit, sondern darin, dass diese Kinder psychisch gar nicht in der Lage sind, ihr Verhalten als falsch zu empfinden.

Die Beschreibung der genannten drei Beziehungsstörungen wird zeigen, wo die entscheidenden Fehler und Missverständnisse sich verbergen und wo sich mögliche Auswege aus der Misere finden lassen.

Die Verantwortung für diesen Missstand, der in letzter Konsequenz die Existenz unserer friedlich zusammenlebenden Gesellschaft gefährdet, ist nicht in einem Umstand alleine zu finden. Ein ganzes Konglomerat an Einflüssen kommt zusammen und hat für die kindliche Psyche fatale Auswirkungen. Kinder, die aufgrund fehlender psychischer Voraussetzungen nicht in der Lage sind, falsches von richtigem Verhalten zu unterscheiden, entwickeln sich zu eben jenen Tyrannen und Monstern, vor denen wir im Alltag immer häufiger mit einer großen Fassungslosigkeit stehen.

Leseprobe zu "Warum unsere Kinder Tyrannen werden"

1

Zwischen Super-Mamas und Erziehungsnotstand - Wenn aus Kindern Tyrannen werden

In deutschen Wohnstuben sind sie allabendlich auf den TV-Schirmen zu sehen: "Super-Nannies" oder Super-Mamas werden vor laufenden Kameras in einen Familienalltag eingeschleust, in dem schon längst so ziemlich alles kaputt gegangen zu sein scheint. Ein Familienalltag, der nichts mehr mit dem zu tun hat, was wir ursprünglich einmal im positiven Sinne damit verbunden haben. Stattdessen: außer Rand und Band geratene Kinder, kreischende, schreiende Eltern und Geschwister: schlagende Beispiele einer menschlichen Entwicklungsstufe, die doch eigentlich unser aller Zukunft sein sollte.

Die Botschaft ist klar: Deutschlands Kinder sind nur noch mit harten Methoden, einer Art "Zero-Tolerance"-Strategie in der Erziehung auf Kurs zu bringen.

Derartige Überzeichnungen von auf Krawall gestylten Dokus deutscher TV-Stationen, gesendet zur Prime-Time, umringt von den teuersten Werbeplätzen des Programms, werden gerne als "Schund", "Unterschichten-TV" oder "peinlich" gebrandmarkt. Und doch bringen sie oft genug ein latent in der Gesellschaft vorhandenes Gefühl ebenso auf den Punkt wie die fette Schlagzeile eines bundesweit bekannten Boulevard-Blattes, das angeblich keiner liest, aber dessen

Inhalt doch jeder kennt. Ihre hohen Einschaltquoten generieren solche TV-Sendungen nicht zuletzt aus dem Umstand, dass die vorgeführten Phänomene dem Zuschauer merkwürdig bekannt vorkommen und ein Gefühl des "genauso-ist-es" erzeugen.

Die Sendungen führen genau jene kleinen Tyrannen vor, die zunehmend unser aller Leben bevölkern. Kinder, deren Erziehung vollkommen aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint, die nichts mehr mit den "lieben Kleinen" gemein haben, die jeder Vater, jede Mutter sich einmal gewünscht hat.

Das Problem an der Sache ist: Ob Pseudo-Erziehung im Abendprogramm oder feinfühliges, aufwändiges Kümmern besorgter Eltern in den heimischen vier Wänden - all diese Versuche, des Problems Herr zu werden, sind so lange zum Scheitern verurteilt, wie wir einen der wichtigsten Bestandteile des Menschen dabei außer Acht lassen. Bewusst außer Acht lassen, weil wir glauben, er entwickele sich von ganz alleine und sei irgendwann automatisch voll ausgebildet: die Psyche.

Ich sehe in meiner Praxis tagtäglich Kinder und Jugendliche mit vielfältigen Störungen. Im Laufe meiner Tätigkeit als Kinderpsychiater haben sich bei der Analyse der auftretenden Störungen so gravierende Veränderungen ergeben, dass Anlass zu großer Sorge um die gesamtgesellschaftliche Zukunft gegeben ist. Immer weniger arbeits- und beziehungsfähige Jugendliche und Erwachsene werden die Folge sein, wenn sich weiterhin kein Bewusstsein für diese Störungen

bildet.

Bei einem großen Teil dieser Kinder und Jugendlichen, die in allen Lebensbereichen Probleme verursachen, haben wir es nach meinem in langjähriger Beobachtung entwickelten Modell mit Menschen zu tun, deren psychischer Reifegrad in etwa auf dem Niveau von maximal Dreijährigen stagniert. Anders gesagt: Diese Jugendlichen sind in einer frühkindlichen psychischen Phase fixiert, ihr körperliches und ihr psychisches Alter klaffen weit auseinander. Sie können dadurch keinerlei störungsfreie Beziehung zu ihrer Umwelt mehr aufbauen. Jeglicher Zugang zu ihnen scheint unmöglich geworden zu sein, sie terrorisieren ihre Umwelt mit einem inakzeptablen Verhalten und sind gegen Steuerungsversuche von außen absolut immun.

Mein Ansatz, der die psychische Entwicklung der Kinder in den Mittelpunkt rückt, ist die einzige Möglichkeit, diesen Trend sinnvoll zu analysieren und Strategien zu entwickeln, wie man ihm wirksam entgegentreten könnte. Das ist bisher nicht so gesehen worden, weil der Grundkonsens innerhalb der für Erziehung und Ausbildung wichtigen Teile der Gesellschaft auf Annahmen beruhte, die dieser Einschätzung zuwiderlaufen. Dieser Grundkonsens lässt sich anhand von drei grundsätzlichen Beziehungsstörungen zwischen Erwachsenen und Kindern beschreiben: der Partnerschaftlichkeit, der Projektion und der Symbiose.

Die fehlende Diskussion über die Annahmen und gesellschaftstheoretischen Meinungen, die hinter dem Konsens stehen, hat dazu geführt, dass bisher kaum Ansätze vorhanden sind, die über die Variation im Grunde immer gleicher pädagogischer Modelle hinausgehen. Diese übereinstimmende Meinung ist jedoch in den letzten Jahren zunehmend ins Wanken geraten, so dass Offenheit gegenüber dem Versuch spürbar ist, das Verhältnis zwischen Eltern, Lehrern, Erziehern und Kindern wieder so zu gestalten, dass Erstere in der Lage sind, Ausbildung und Erziehung wirksam zu steuern. Wir befinden uns mittlerweile in einem Ausnahmezustand, in dem Kinder zu Erziehern ihrer Eltern geworden sind und diese rein lustbetont steuern können, ohne Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Der Grund dafür liegt nicht in angeborener Bösartigkeit, sondern darin, dass diese Kinder psychisch gar nicht in der Lage sind, ihr Verhalten als falsch zu empfinden.

Die Beschreibung der genannten drei Beziehungsstörungen wird zeigen, wo die entscheidenden Fehler und Missverständnisse sich verbergen und wo sich mögliche Auswege aus der Misere finden lassen.

Die Verantwortung für diesen Missstand, der in letzter Konsequenz die Existenz unserer friedlich zusammenlebenden Gesellschaft gefährdet, ist nicht in einem Umstand alleine zu finden. Ein ganzes Konglomerat an Einflüssen kommt zusammen und hat für die kindliche Psyche fatale Auswirkungen. Kinder, die aufgrund fehlender psychischer Voraussetzungen nicht in der Lage sind, falsches von richtigem Verhalten zu unterscheiden, entwickeln sich zu eben jenen Tyrannen und Monstern, vor denen wir im Alltag immer häufiger mit einer großen Fassungslosigkeit stehen.

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24 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.7 von 5 Sterne bei 24 Bewertungen   sehr gut)
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Bewertung von Beata aus Steinberg am 30.09.2013   ausgezeichnet
Das ist ein sehr interessantes Buch! Es zeigt die Realität auf und ist vor allem für Eltern, Lehrer und Erzieher ein super Buch.
Ich empfehle es auf jeden Fall weiter.

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Bewertung von Kantianerin aus Berlin am 28.03.2013   ausgezeichnet
Hier geht s um ein Sachbuch mit einer Thematik, die aus meiner Sicht sehr wichtig ist. Wir sehen sie überall und manchmal hab ich das Gefühl des Fremdschämens. Wenn Eltern ihren Kleinst- und Kleinkindern wirklich alles erlauben, wenn Geschrei und Rumwüten Überhand nehmen und wenn man dann noch der Meinung ist, dass das alles dringend zur Persönlichkeitsentwicklung gehört. Herr Winterhoff spricht mir aus der Seele, indem er in 9 Kapiteln wissenschaftlich und sehr nachvollziehbar erklärt, dass die "Abschaffung der Kindheit" der absolut falsche Weg ist. Als Psychiater und Therapeut hat er ausreichend Erfahrung und das macht das Buch glaubwürdig.
Es sollte Pflichtlektüre für Eltern, Lehrer und Erzieher werden, damit Kinder Grenzen erfahren, sie spüren, versuchen, sie durchbrechen, ein Echo bekommen und Konsequenzen kennenlernen. Aus der Verhaltenstherapie weiß man, dass die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen das auch will.

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Bewertung von Waschi aus Kronach am 18.02.2013   ausgezeichnet
Das Buch wird auch die Abschaffung der Kinder genannt.
Das Buch erklärt uns wie die Kinder -Eltern Beziehung heutzutage ist.
Es sind sehr viele Bespiele aus dem Alltag,Kindergarten,Grundschule usw
beschrieben, und überhaupt die ganze Problematik Eltern-Kinder.
Genauso ist es beschrieben wie die gesunde Kinder durch falsche Erziehung
krank werden und statt das die Eltern Kinder erziehen passiert das umgekehrt.
Der Autor sagt uns das die Kinder ihre Rolle im Leben als Kinder verliert haben
und deswegen sind sie überfordert.
Es ist beschrieben wie ein Kind die Welt erlebt und genauso wie die Lehrer heutzutage
Schule erleben.
Der Autor sieht das alles als Produkt der gestörten Gesellschaft.
Genauso sagt er Übung macht den Meister und ganz wichtig das die Kinder als Kinder
gesehen werden müssen.
Das Buch ist sehr gut. Man macht sich sehr viel Gedanken nach dem lesen was
man besser machen könnte.Es gibt sehr viele Gründe warum man in manchen Situationen so reagiert.
Ich empfehle das Buch allen Eltern und gebe dem Buch eine Note 1.

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Bewertung von Sarah aus Aachen am 13.01.2011   ausgezeichnet
-- Absolut Empfehlenswert --

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Bewertung von helaya aus Diepholz am 30.09.2010   sehr gut
Mir hat das Buch sehr gefallen. Es weist deutlich auf viele Problematiken hin und ist verständlich geschrieben. Allerdings fehlten mir konkrete Lösungsvorschläge, die es scheinbar aber in anderen Büchern von Michael Winterhoff zu finden gibt.

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Bewertung von Mel87 aus Husum am 14.08.2010   ausgezeichnet
schnelle lieferung top zustand =)

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Bewertung von Schnüffler aus Gebesee am 17.05.2010   ausgezeichnet
Michael Winterhoff beschreibt die verschiedensten Alltagssituationen von Familien mit Kindern bzw. Alleinerziehenden. Er will den Erziehungspersonen zeigen, dass es nicht Sinn und Zweck sind die Kinder antiautoritär zu erziehen und ihnen Grenzen gezeigt werden müssen, damit sie lernen in der Welt zurecht zu kommen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, weil die Szenarien die dargestellt werden aus dem Leben gegriffen sind und jeder in solch einer Situation schon irgendwann einmal war. Das Buch ist in jedem Fall sehr empfehlenswert. Fünf Sterne!!

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Bewertung von Buchschenkerin aus Ahrensfelde bei Berlin am 23.04.2010   ausgezeichnet
Dieses Buch bestätigt die Erfahrungen, welche ich täglich in meiner beruflichen Praxis mache. Ich erlebe ständig Eltern, die einer negativen Entwicklung ihrer (i.d.R. jugendlichen) Kinder völlig hilflos gegenüberstehen. Die hier geschriebenen Kommentare, die dieses Buch geradezu verteufeln, stammen mit Sicherheit von Eltern sehr junger Kinder. Spätestens in der Pubertät funktioniert Erziehung nur mit einem gewissen Maß an Grenzsetzung und Konsequenz. Wenn dann zu einer symbiotischen Beziehung noch ein ADHS oder eine Suchtproblematik dazu kommen, wird es für die ach so liebevollen Eltern lebensgefährlich.

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Bewertung von Tuppi am 19.01.2010   sehr gut
Michael Winterhoff berichtet von Fällen, die er selbst in seiner Praxis hatte. Ich konnte mir die meisten Situationen lebhaft vorstellen, weil ich sie zum Teil schon selbst erlebt habe (mit den eigenen Kindern oder auch nur als Beobachter von anderen Kindern). Manches vielleicht nicht ganz so extrem, aber möglich ist das allemal. Seine Analyse ist verständlich und deutlich und zeigt die Schwächen auf, die sich in der heutigen Zeit eingestellt haben.
Es werden verschiedene Situationen dargestellt, in denen das Geschehen aus der Vogelperspektive erlebt wird. Auch das Verhalten der dazugehörenden Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Erzieher) wird beschrieben. Der Weg zum Psychologen ist seiner Meinung nach nicht „der letzte Ausweg“, sondern „Ausgangspunkt“. Auch wenn scheinbar belanglose Situationen im Einzelnen kein Problem darstellen, behindern sie in der Gesamtheit die Entwicklung.

Ich möchte eine Textpassage zitieren, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat: „Kinder werden auf diese Art und Weise in eine Rolle hineingezwängt, für die sie nicht geeignet sind, da ihnen sämtliche psychischen Eigenschaften fehlen, diese Rolle ausfüllen zu können. Die Rolle, die ihnen zugewiesen wird, ist die eines Partners der Erwachsenen.“

Wenn der Titel nicht so extrem klingen würde, würde er vielleicht mehr Leute ansprechen. Auch ich habe den Titel mehrmals gelesen, bevor ich mir den Klappentext durchgelesen habe. Meine Kinder sind schließlich keine Tyrannen, auch wenn mir die ein oder andere beschriebene Situation bekannt vorkommt. Mein Vorschlag wäre einfach ein zusätzliches Wort: „warum unsere Kinder Tyrannen werden können“ – das klingt meiner Meinung nach interessanter. Herr Winterhoff erklärt, warum die Kinder heute schwieriger geworden sind. Seine Sichtweise ist plausibel.

ein Buch, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Die Analysen sind meiner Meinung nach nachvollziehbar und logisch.

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Bewertung von CBS aus Tübingen am 03.01.2010   schlecht
Methodisch unseriös, keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhaltend, komplett an der Realität vorbei, ideologisch altertümlich, inhaltlich widersprüchlich und einfach nur ärgerlich.
Ursache allen Übels in der heutigen Gesellschaft sei in der ersten Eskalationsstufe die partnerschaftliche Beziehung zum Kind, das damit überfordert ist, da es noch keine eigene Persönlichkeit besitze. Wie kommt man eigentlich auf die Festlegung, das die Entwicklung der Persönlichkeit erst im Alter von 8-9 Jahren beginnt? Wer eine partnerschaftliche Beziehung zum Kind lebt, es also als eigenständige Person wahrnimmt und seine Bedürfnisse ernst nimmt, kann schon gar nichts mehr richtig machen.
Völlig unklar bleibt, wie man denn auf Fehlverhalten eines Kindes reagieren soll. Auf keinen Fall dürfe man sich vom Fehlverhalten des Kindes in seiner Reaktion steuern lassen, also auf keinen Fall eine ignorierte Aufforderung wiederholen oder gar schimpfen oder strafen. Eigentlich ist schon der Blick zum Kind als eine Form der Aufmerksamkeit unzulässig, da ja auch dieses "Sich-dem-Kind-Zuwenden" vom Kind selbst provoziert, also gesteuert worden ist. Kinder dürfen natürlich auch keine Erwachsenengespräche belauschen oder gar unterbrechen, noch schlimmer ist es, wenn sie Mamas Handtasche ausräumen oder den Körper ihrer Eltern beklettern, also als Gegenstand zum Spielen betrachten. Wahrscheinlich war Herr Winterhoff während der gesamten Kindheit seiner Kinder abwesend und hat damit alles richtig gemacht, nämlich die strikte Trennung zwischen Erwachsenenwelt und Kinderwelt aufrecht erhalten, seinen Nachwuchs ignoriert und damit hoffentlich die Erziehung einer Person überlassen, die dafür wirklich geeignet war, sonst hätte er seine Kinder sicherlich im Wartezimmer eines Kollegen wiedergefunden.

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