Schande - Coetzee, J. M.
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J. M. Coetzee 

Schande

Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 1999. Roman

Aus d. Engl. v. Reinhild Böhnke
Broschiertes Buch
 
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Schande

Davie Lurie, Literaturprofessor in mittleren Jahren und zweimal geschieden, ist in Ungnade gefallen: eine Affäre mit einer seiner Studentinnen ist an die Öffentlichkeit gedrungen. Der peinlichen Befragung entzieht er sich durch ein Schuldbekenntnis. Er quittiert seinen Dienst und verläßt Kapstadt, um für eine Weile zu seiner Tochter aufs Land zu ziehen. Lucy, die keinerlei Ambitionen in der Welt ihres Vaters hat, versucht auf einem entlegenen Stück Land eine kleine Farm aufzubauen. Zunächst scheint es, als könnten der Einfluss Lucys und der natürliche Rhythmus des Farmlebens Davids aus den Fugen geratenem Leben neuen Halt geben, doch dann werden Vater und Tochter Opfer eines brutalen Überfalls, in dessen Folge der grundlegende existentielle Konflikt zwischen beiden offen zutage tritt.

"Die fortwirkende Erbschaft von Hass und Rachsucht, die das formelle Ende der Apartheid noch lange überdauern wird, beschwört J. M. Coetzee in lakonischer Sprache - und mit der Bannkraft von Weltliteratur."
Der Spiegel Ausgezeichnet mit dem Booker-Preis 1999


Produktinformation

  • Verlag: FISCHER (TB.), FRANKFURT
  • 2013
  • 6. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 284 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Fischer Taschenbücher Bd.15098
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 127mm x 19mm
  • Gewicht: 277g
  • ISBN-13: 9783596150984
  • ISBN-10: 3596150981
  • Best.Nr.: 09504903
"Die fortwirkende Erbschaft von Hass und Rachsucht, die das formelle Ende der Apartheid noch lange überdauern wird, beschwört J. M. Coetzee in lakonischer Sprache - und mit der Bannkraft von Weltliteratur." (Der Spiegel)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.02.2000

Der alte Hund und das Mädchen
„Schande”: Der Südafrikaner J. M. Coetzee hat einen Roman von elementarer Wucht geschrieben

„Unsere Freundinnen und Frauen”, schrieb vor kurzem ein südafrikanischer Staatsbeamter in einer E-mail, „leben in der ständigen Gefahr, von einem aidsinfizierten Kaffer vergewaltigt zu werden. ” Die Botschaft ging versehentlich an den falschen Adressaten – nur deshalb wurde sie öffentlich. Präsident Mbeki zitierte den Satz jetzt am Ende einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede im Parlament, um vor dem noch immer grassierenden Rassismus zu warnen. Die Opposition aber hielt dagegen: Messe Mbeki einem durchgeknallten Extremisten nicht zu viel Bedeutung bei, wenn es gleichzeitig überall im Land friedliche Kooperationen zwischen den Hautfarben gebe?
Wer hat Recht? Ist Südafrika ein Land, wo der Rassismus zwar nicht mehr in der Verfassung, aber immer noch in den Köpfen regiert? Oder ist das Land ein aufstrebender, hoffnungsvoller junger Staat, der sich zehn Jahre nach der Apartheid und nach der Arbeit der Wahrheitskommission anschickt, seine Vergangenheit zu überwinden? Anders gesagt: Ist das …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.03.2000

Der Schock darüber, gehasst zu werden
Gewalt in Südafrika: J. M. Coetzees düsterer Roman "Schande" über die Menschennatur / Von Jochen Hieber

Besonders schön ist Lucy Lurie nicht. Aber "eine nette junge Frau", eine Weiße von etwa Mitte zwanzig, die nach einigen Eskapaden Tritt gefasst hat im Leben. Mit Vaters Hilfe konnte sie eine kleine Farm in Südafrikas Kap-Provinz erwerben: "Jetzt ist sie hier, geblümtes Kleid, barfuß und so, in einem Haus, das nach gebackenem Brot riecht, kein Kind mehr, das sich als Bäuerin verkleidet, sondern eine richtige Landfrau." Zugenommen hat sie in letzter Zeit, besonders um die Hüften. Und sie ist lesbisch, lebt aber allein: Helen, ihre Gefährtin, hat sich jüngst davongemacht. "Sapphische Liebe: eine Ausrede fürs Dickwerden", lautet der ironische Kommentar ihres so liberalen wie fürsorglichen Vaters, der den Kommentar deshalb für sich behält.

Auch er hat schwer wiegende Probleme. Man hat ihm seine Professur für Kommunikationswissenschaften in Kapstadt entzogen, ihn unehrenhaft aus der Universität entlassen. "Verfolgung oder Bedrohung von Studenten durch Mitglieder des Lehrkörpers": so hatte die …

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»Die fortwirkende Erbschaft von Hass und Rachsucht, die das formelle Ende der Apartheid noch lange überdauern wird, beschwört J. M. Coetzee in lakonischer Sprache - und mit der Bannkraft von Weltliteratur.« (Der Spiegel)

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Professor David Lurie ist ein selbstgefälliger Mann. Er hat keinerlei Bedenken, mit einer seiner jungen Studentinnen ein Verhältnis zu beginnen. Als es deshalb zum Eklat kommt in Kapstadt, zieht Lurie sich zurück zu seiner Tochter, die allein eine kleine, einsam gelegene Farm betreibt. Eine ganz andere Welt ist das - härter, als David es gewohnt ist, sind die Gegensätze zwischen Besitzenden und Besitzlosen, Mächtigen und Ohnmächtigen, Schwarzen und Weißen, Männern und Frauen. Ausgerechnet nach einem brutalen Überfall entschließt Lurie sich zum Bleiben - weil die Gesetze klarer sind als in der Stadt, wenn auch unmenschlich ... "Schande" ist ein bedrückendes Buch - und unvergesslich, weil die Hässlichkeit der Welt ihr Gesicht ausgiebig zeigt. Die Unerbittlichkeit der Geschichte ist dem Text eingeschrieben: Coetzees Sprache ist schnörkellos, seine Sätze sind stets kurz, der Ton des Buches sachlich bis ungerührt. Das einzige, was die Irritation von Luries Lebenskrise verrät, sind die Fragen in seinen inneren Monologen, die gegen Ende zunehmen. Der Roman erhielt 1999 den Booker Prize. (hm)

"Eine harte Geschichte, erzählt in einer Prosa von asketischer, stählerner Schönheit. The Sunday Times

"Eine harte Geschichte, erzählt in einer Prosa von asketischer, stählerner Schönheit.¿ The Sunday Times
J.M. Coetzee, geboren 1940 in Kapstadt, stammt aus einer Afrikaaner-Familie, wurde jedoch englischsprachig erzogen. 1962 verließ er erstmals Südafrika, um bei IBM in Großbritannien als Programmierer zu arbeiten. 1965 zog er in die USA, wo er 1969 über Beckett promovierte. Er kehrte 1972 als Literaturprofessor nach Südafrika zurück. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1980 mit "Waiting for the Barbarians". Er wurde für seine Romane mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. zweimal mit dem Booker Prize. 2003 erhielt Coetzee den Nobelpreis für Literatur.

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Kundenbewertungen zu "Schande" von "J. M. Coetzee"

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Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 28.06.2010 ***** ausgezeichnet
David Lurie, Professor an einer südafrikanischen Universität, weiß, dass seine Chancen beim weiblichen Geschlecht sinken und nimmt sich, was er an sexuellen Erfüllungen noch braucht, von den wöchentlichen Besuche bei der Prostituierten Soraya. Seine mühsam errichtete Scheinwelt, bekommt erste Risse, als er Soraya als ganz normale biedere Mutter entdeckt. J.M. Coetzee beschreibt in seinem Roman, das rasche Ausscheiden aus dem, was Lurie ein normales Leben nennt. Eine folgeschwere Beziehung zu einer Studentin bedeutet das endgültige aus für seine Kariere und soziale Stellung. Er flüchtet zu seiner Tochter aufs Land, wo er sich Wundheilung erhofft, aber es kommt alles anders. Brilliante Sprache, knapp und trocken, klar und intelligent, Gefühle nur gelegentlich aber deutlich, passend zu diesem Charakter. Fazit: soll man gelesen haben!

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Bewertung von Polar aus Aachen am 30.08.2007 ***** ausgezeichnet
Selten bewegt einen eine Geschichte so wie die von David Lurie und seiner Tochter Lucy. Wie tief der Selbsthaß, die Unterdrückung in Südafrika und der daraus entspringenden Wut in den ehemaligen Kolonien des Kontinents sitzt, wird in Schande so eindringlich beschrieben, daß man sie nicht nur diskutieren, sondern auch nachempfinden kann. Abseits jeglichen Versöhnungprozesses leben zerrissene Menschen aller Hautfarben in diesen Ländern. Das Brandmal weißer Herrschaft, ist nicht mit einer Unabhängigkeitserklärung auszulöschen. Doch eigentlich hat David Lurie andere Probleme. Eine Affäre ohne Leidenschaft wird ihm zum Verhängns., so daß er seinen Beruf, sein bisheriges Leben verliert. Auf dem Land bei seiner Tochter will er genesen, doch dort ist die Luft vom Rassismus vergiftet, führt ein brutaler Überfall zu einer unüberbrückbaren Konfrontation zwischen ihnen. Wie weiter leben in diesem Land? Unter Menschen, die auf der Suche sind. Es gibt keinen Kompromiß. Ein Land, das gewohnt ist, daß es nur Oben und Unten gibt, Gewalt an der Tagesordnung ist, sucht sich selbst. Es wird sich finden, mit der Zeit. Solange ist das Leben dieser Menschen hart, karg wie die Sprache, die Coetzee dafür findet. Doch den Leser läßt die Geschichte nicht unberührt zurück.

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