Autor im Porträt

Toptitel von J. M. Coetzee

Der Tod Jesu

Gebundenes Buch
J. M. Coetzee unternimmt in seiner "Jesus-Trilogie" eine Reise an das Ende erzählerischer Gewissheiten. Seine Figuren sind ans Land gespülte Menschen. Sie alle sind auf der Suche nach einer Bedeutung, die über sie hinausreicht, sie mit etwas verknüpft, das ihrem Leben "Sinn" verleiht, so fragil er auch sei.
"Der Tod Jesu" hat unvergleichliche Sogkraft: David, das Kind, wendet sich von der improvisierten Familie ab, die Simon ihm geschaffen hat. Er will ins Waisenhaus, vor allem will er dort in das Fußballteam. Aber es geht nicht lange gut und David liegt im Spital, in das Kinder und Erwachsene pilgern, um seine Geschichten zu hören. Mit jeder Geschichte, die er erzählt, zieht er sich langsam aus dem Leben zurück.
Mit einem Stil, so "scharfsichtig, unsentimental und gnadenlos präzise" (Deutschlandfunk), untersucht der Nobelpreisträger den Abglanz einer Hoffnung, das sanfte Leuchten einer verlorenen Illusion.
Die ersten beiden Bände der Trilogie "Die Kindheit Jesu" (2013) und "Die Schulzeit Jesu" (2018) sind ebenfalls bei S. FISCHER erschienen.
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24,00 €

 

Die Kindheit Jesu

Broschiertes Buch
J. M. Coetzees großer Roman "Die Kindheit Jesu" ist ein dunkler Meteor voller Überraschung, Schönheit und Intensität.
Ein Mann und ein Kind kommen in ein fremdes Land. Sie haben keine genaue Erinnerung an ihr früheres Leben, erhalten neue Namen, müssen eine neue Sprache erlernen und sich seltsam unvertrauten Sitten anpassen. Und der Mann muss dem Kind die Mutter suchen, die es auf der Flucht verloren hat. Selbst als das zu gelingen scheint, werden sie wieder gezwungen, ihr Flüchtlingsdasein fortzusetzen und aufs Neue nach einer Heimat zu suchen.
Emigration, Einsamkeit, die Rätsel einer Ankunft. In einem dunklen Glas spiegelt der Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee unsere Welt, so dass sich alles Nebensächliche unseres Umgangs verliert und die elementarsten Gesten sichtbar werden.
"Die Kindheit Jesu" ist der Auftakt einer Trilogie, deren Fortsetzung 2017 unter dem Titel "Die Schulzeit Jesu" bei S. Fischer erschien.
"Wundervoll und wunderlich."
Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel
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12,00 €

 

J. M. Coetzee

J.M. Coetzee, geboren 1940 in Kapstadt, stammt aus einer Afrikaaner-Familie, wurde jedoch englischsprachig erzogen. 1962 verließ er erstmals Südafrika, um bei IBM in Großbritannien als Programmierer zu arbeiten. 1965 zog er in die USA, wo er 1969 über Beckett promovierte. Er kehrte 1972 als Literaturprofessor nach Südafrika zurück. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1980 mit "Waiting for the Barbarians". Er wurde für seine Romane mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. zweimal mit dem Booker Prize. 2003 erhielt Coetzee den Nobelpreis für Literatur.

Kundenbewertungen

Zeitlupe

Bewertung von Bücherwürmchen am 15.04.2011
Guten Tag, ich habe gerade mit Begeisterung Coetzees "Slow Man" ausgelesen. In "Zeitlupe" behandelt Coetzee auf intelligente, zum Teil amüsante aber auch tiefschürfende Art und Weise ganz grundsätzliche Fragen der Liebe, der menschlichen Beziehungen, menschlicher Schwächen und Abgründe. Die Hauptperson, Paul Rayment, ist so angelegt, dass man sich durchaus auch als weiblicher Leser in sie hineinfühlen kann und Elizabeth Costello hebt die schwarzgraue Schwere der Thematik auf eine poetische, fast märchenhafte Ebene, nicht ohne philosophischen Tiefgang! Ich kann die Lektüre nur empfehlen. MfG, Bücherwürmchen

Zeitlupe

Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 10.11.2011
Schon der Titel "Zeitlupe" diktiert dem Leser bereits das Tempo, in dem das Buch gelesen sein will. Obwohl knapp 300 Seiten, nicht wirklich dick, konnte ich es nicht in einem Zug lesen, allzu oft musste ich nachdenken und grübeln. Zum Inhalt: erzählt wird die Geschichte eines 60 jährigen Fotografen, Paul Rayments, der gleich zu Beginn des Buches ein Bein nach einem Fahrradunfall verliert. Wir erfahren, dass Paul weder Familie, noch richtige Freunde hat. Er ist zwar sehr klug und jammert so gut wie nie, doch ab diesem Zeitpunkt seines Lebens, auf Hilfe angewiesen, beginnt er physisch und psychisch ab zu bauen. Zunächst testet er ein paar Pflegerinnen, die ihm aber nicht wirklich zusagen, dann letztlich tritt die kroatische Tagesschwester Marijana Jokic in sein Leben ein. Sie ist so ganz anders: pragmatisch, stämmig, matronenhaft jedoch nicht unattraktiv. Für Paul wird sie Objekt der Begierde. Er verliebt sich in sie, in diese Frau, die glücklich verheiratet ist, drei Kinder hat und auch sonst an ihm kein sexuelles Interesse hat. Sie versteht die Krankenpflege als ihre persönliche Berufung und sonst teilt sie mit Paul nichts. Ab hier beginnen die Komplikationen. Es ist ein beeindruckendes, wunderbares Buch, mit phantastischen Charakteren, eine zarte Konstruktion, intelligent und toll geschrieben. Es gehört zu meinen Top 100.

Die Kindheit Jesu

Bewertung von Buchdoktor aus Deutschland am 04.01.2017
Flüchtlinge ohne Erinnerungen Als Flüchtling erreicht Simón nach einer Schiffsreise ein fiktives, spanischsprachiges Land. In seinen neuen Wohnort Novilla bringt er aus dem Flüchtlingslager den elternlosen Jungen David mit, für den er sich nun verantwortlich fühlt. David trägt Stiefel, einen Wollmantel und Wollsocken und erzeugt damit bei mir Bilder Jahrzehnte zurückliegender Menschentransporte in Europa. Die Verwaltung von Novilla ist auf die eintreffenden Flüchtlinge vorbereitet, überlässt jedoch die Neuankömmlinge auf der Suche nach Unterkunft und Nahrung weitgehend sich selbst. Die Aufnahme der neuen Bewohner wirkt wie ein Schildbürgerstreich, wenn z. B. ein Zimmer zugeteilt wird, zu dem angeblich der Schlüssel verschwunden ist. Die Bewohner von Novilla lassen die Dinge auf sich zukommen und ergreifen selbst kaum Initiative. Alle Zuwanderer leben mit einer neuen Identität und ohne Vergangenheit. Alteingesessene vermitteln sogar den Eindruck, sie hätten körperliche Empfindungen wie Hunger längst hinter sich gelassen. Für überflüssige Dinge und nutzlose Sehnsüchte werden keine Wörter gebraucht, woraus für Simón trotz seiner guten Sprachkenntnisse Verständigungsprobleme entstehen. Trotz der sinnlos-schikanösen Verwaltungsroutine findet Simón Arbeit als Schauermann im Hafen, bekommt eine Wohnung zugewiesen und beschafft für David und sich 'Brot und Wasser'. Simón verfolgt die fixe Idee, für David eine Mutter suchen zu müssen; denn jedes Kind braucht seiner Meinung nach eine Mutter. Eine alternative Betreuungsmöglichkeit für den noch nicht schulpflichtigen David kommt Simón nicht in den Sinn. Inés, eine Zufallsbegegnung, wird von Simón zu Davids Mutter erklärt; sich selbst sieht Simón erst an zweiter Stelle in Davids Leben in einer Rolle als Pate. Simón hat bisher alles aufgegeben, seine Heimat, seine Muttersprache; David loszulassen fällt ihm erheblich schwerer. In die Empfindungen eines elternlosen Fünfjährigen auf der Flucht kann Simón sich nicht versetzen und laviert die Pate-Kind-Beziehung in Richtung Scheitern. David entwickelt sich unter Inés' Einfluss anders als Simón sich das für einen Jungen vorgestellt hat. Auf Davids für sein Alter nicht ungewöhnliche üppige Phantasie und seine kindlichen Allmachtsvorstellungen reagiert Simón autoritär und unflexibel. Er will den Jungen in kürzester Zeit möglichst viel lehren, ohne Rücksicht darauf, ob David für den Wertekanon aus Erwachsenenperspektive überhaupt bereit ist. Kurz nach Davids Einschulung kommt es zu Problemen in der Schule, weil er sich nicht in die Klasse einfügen will. Davids ungewöhnliche Pflegeeltern erleben zu ihrem Erstaunen, dass der in vielen Bereichen lässig wirkende Staat eine sehr effektive Schulbürokratie unterhält. Fazit Anders als von Coetzee evtl. beabsichtigt habe ich das Buch nicht als religiöse Parabel gelesen, sondern als utopische Fortschreibung der aktuellen politischen Lage mit ihren Flüchtlingsströmen. J. M. Coetzee hat ein fiktives Land mit sozialistischen Ansätzen erdacht, das jedem seiner Bürger einen bescheidenen Lebensstandard gewährt und kaum Leistungsanforderungen stellt. Simón ist im Hafen offenbar der erste Arbeiter, der über Sinn und Produktivität der Abläufe nachdenkt. In Coetzees schöner neuer Einheitswelt sprechen die Figuren zwar von Emotionen, ihre Gefühle sind für mich jedoch selten nachzuempfinden. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Figur, die ihre Vergangenheit und ihre Muttersprache zurückgelassen hat und die zentrale Beziehung zu einem Flüchtlingskind einem starren Idealbild opfert. Simóns beharrliche Suche nach einer Mutter für David wirkt allein durch behauptete - nicht durch gezeigte - Emotionen, seine Idealisierung der Mutterfigur befremdet mich. Coetzees nur knapp skizziertes Szenario muss vom Leser in dessen Phantasie erst zu einem Bild vervollständigt werden. Wer noch unvollständig wirkende "Landkarten" wie diese gern selbst weiterdenkt, findet in "Die Kindheit Jesu" ausreichend Gelegenheit dazu.

Zeitlupe

Bewertung von Polar aus Aachen am 21.09.2008
Coetzees Roman enttäuscht, obwohl der Autor all sein schriftstellerisches Können einsetzt, uns die Geschichte von Paul Rayments Versuch zu erzählen, nach einer Beinamputation zurück ins Leben zu finden. Rayment verweigert sich dem Schicksal, indem er sich nicht abfinden mag. Der Anfang ist glänzend erzählt, auch die wachsende Zuneigung zu seiner Pflegerin Marijana weckt das Interesse des Leser, spätesten mit dem Einzug von Elisabeth Costello jedoch, dem unbeholfenen Versuch seine Marijana eingestandene Liebe in eine Unterstützung für den Sohn umzudeuten, tritt der Roman auf der Stelle. Costellos Ränke und Einwendungen zugunsten der verschreckten Marijana drehen sich unglaubwürdig im Kreis, so dass man hofft, dass die Geschichte endlich zum Punkt kommt. Es ist also weniger Coetzees sprachliche Meisterschaft als die Handlung, die ermüdet. Furios gestartet mit der Beschreibung eines Verlustes und dem anschließend blinden Umhertasten ebbt die Geschichte in einem unglaubwürdigen Zufall aus. Wer Coetzees feines Gespür für einen Plot kennt, wird lieber ein anderen Roman von ihm empfehlen.
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