Der Mythos vom Befreiungskrieg - Planert, Ute

Ute Planert 

Der Mythos vom Befreiungskrieg

Frankreichs Kriege und der deutsche Süden. Alltag, Wahrnehmung, Deutung 1792-1841. Habil.-Schr.

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Der Mythos vom Befreiungskrieg

Als die Französische Revolution Europas Throne ins Wanken und Napoleon an die Macht brachte, bedeutete das für die Zeitgenossen im deutschen Süden und Südwesten vor allem eins: den permanenten Kriegszustand. Truppen aus aller Herren Länder machten Baden, Württemberg und Bayern zum Kriegsschauplatz. Einquartierungen und Durchmärsche, Plünderungen und Requisitionen, Seuchen und wirtschaftliche Not brachten die Einwohner an die Grenzen ihrer Leistungs- und Leidenskraft. Wie die Menschen vor 200 Jahren den Kriegsalltag zu meistern suchten, beschreibt Ute Planert in ihrem überaus eindrucksvollen Buch.Sie zeigt auch, wie sich der Krieg, seine Wahrnehmung und seine Bedeutung nach 1815 in den Köpfen veränderten und wie die ehemaligen Rheinbundstaaten ihre Vergangenheit neu erfanden. Aus Verbündeten Napoleons wurden jetzt Feinde, die alles daran setzten, durch symbolische Politik ihre französische Mesalliance zu überdecken und ihre Geschichte in den neuen nationalen Mythos vom Befreiungskrieg zu integrieren.


Produktinformation

  • Verlag: Schöningh
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 564 S., Beil.: 1 Kte.
  • Seitenzahl: 739
  • Krieg in der Geschichte (KRiG) Bd.33
  • Deutsch
  • Abmessung: 242mm x 167mm x 60mm
  • Gewicht: 1250g
  • ISBN-13: 9783506756626
  • ISBN-10: 3506756621
  • Best.Nr.: 20862416

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Gustav Seibt preist Ute Planerts Habilitationsschrift über die Revolutionskriege Frankreichs in ihren Auswirkungen auf Süddeutschland von 1792 bis 1841 als höchst verdienstvoll und rühmt vor allem die akribischen Alltagsbeobachtungen, womit die Autorin "unbekanntes Terrain" beschreite. Dass die Historikerin in ihrem Buch mit dem "Mythos der Befreiungskriege" aufräumt, wie der Untertitel verkündet, ist für den Rezensenten zwar keine Sensation, doch die Klarheit, mit der Planert deutlich macht, dass es abgesehen von einer unbedeutenden "nationalistischen Avantgarde" keine allgemeine Franzosenfeindschaft im deutschen Süden gab, findet er lobenswert. Die eigentliche Wirkung erziele Planerts Studie aber in der Nachzeichnung der furchtbaren Kriegserfahrungen der einfachen Menschen und in der plastischen Darstellung der Gewalt, die das gesamte Land "bis ins letzte Dorf" überrollte, so Seibt beeindruckt. Er zeigt sich bei aller Begeisterung für die passagenweise äußerst plastische und brillant geschilderte Studie etwas erschöpft von der schieren Materialfülle, mit der die Autorin aufwartet.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.02.2008

Der erste Weltkrieg
Ute Planerts große Studie zu den Revolutionskriegen
Das weniger überraschende Resultat dieses wichtigen Buches steht im Haupttitel: „Der Mythos vom Befreiungskrieg”. Dass die antinapoleonische Kriege seit 1809 von deutschpatriotischen Aufwallungen nur begleitet, aber nicht getragen wurden, dass diese selbst im preußischen Norddeutschland nur von einer studentisch-städtischen Minderheit geteilten franzosenfeindlichen Emotionen im Süden Deutschlands kaum ein Rolle spielten, das ist wenig überraschend. In der Ausnahmesituation des Krieges steht die Naherfahrung immer im Vordergrund, und weiträumige Sinngebungen bleiben der Nachwelt vorbehalten. „Patriotismus” blieb auch nach 1800 auf Regionen und Dynastien gerichtet, und der moderne, französisch beeinflusste Appell an Volk und Vaterland, nicht zuletzt zur Begründung der allgemeinen Wehrpflicht, war in Deutschland ohnehin die Angelegenheit sich reformierender Obrigkeiten. Dazu kommen im Falle Süddeutschlands – also der seit 1806 neu formierten Flächenstaaten Baden, Württemberg und Bayern – Umstände, die mit dem Untertitel von Ute Planerts Studie zu tun haben: „Frankreichs Krieg …

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Ute Planert geb. 1964, Dr. phil., Professorin für Geschichte und ihre Didaktik am Historischen Seminar der Bergischen Universität Wuppertal

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