Benutzername: meggie
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Insgesamt 535 Bewertungen
Bewertung vom 23.04.2017
Der Herr der Bogenschützen
Lorne, Mac P.

Der Herr der Bogenschützen


ausgezeichnet

Diesmal begeben wir uns in die Zeit des 100jährigen Krieges. Wir lernen John Holland im Alter von 5 Jahren kennen, als sein Vater als Verschwörer entlarvt und seine Mutter mit einem anderen Mann verheiratet wird. John selbst kommt in eine Pflegefamilie, die ihm jedoch viel Liebe entgegenbringt und ihn in seinem Bestreben Bogenschütze zu werden, unterstützt. John hat dafür sehr viel Talent und schwingt sich dadurch bis zum Herrn der Bogenschützen auf, in dem er unter König Henry V. als Kommandant der Langbogenschützen seine Pflicht antritt.

Der Autor hat einen sehr lebhaften Schreibstil und so fühlt man sich fast, als wäre man mitten in der Geschichte und würde neben John Holland stehen und alles hautnah mitbekommen. Dabei hat der Autor eine sehr interessante Weise gewählt, um seine Geschichte zu erzählen. Da es sich bei John Holland um eine historisch bekannte Persönlichkeit handelt, hat der Autor Szenen gewählt, in denen wir John persönlich näher kennenlernen. Zwischendurch gibt es immer wieder Absätze, die sich jedoch nur der Erzählung der historisch belegten geschichtlichen Fakten widmen. Wichtige historische Begebenheiten werden jedoch so anschaulich und interessant erzählt, dass nichts trocken wirkt und auch keinerlei Langeweile aufkommt.

Gerade wenn es um John Holland geht, der zwar oft in historischen Überlieferungen erwähnt wird, aber trotzdem irgendwie in der Geschichte untergeht. Diese Persönlichkeit faszinierte den Autor so sehr, dass er ihm einen Roman widmen wollte. Und so spann er eine Lebensgeschichte, die sich so tatsächlich ereignet haben könnte. Wichtige Momente, wie Johns Taten und Verdienste im Krieg oder das Treffen auf eine weitere historische Prominente namens Jeanne d'Art sind belegt, doch viele Lücken mussten geschlossen werden. Der Autor hat dies mit einer sehr lebhaften Fantasie getan und doch könnte es sich wirklich so zugetragen haben.

Nachdem ich das Buch "Johanna von Orleans" von Pamela Marcantel gelesen habe, bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass Jeanne d'Arc eine arme, verwirrte junge Frau war, die aufgrund einer damals nicht bekannten Krankheit (wahrscheinlich Wahnvorstellungen oder Schizophrenie) eine sehr berühmte Rolle einnahm, um so den Franzosen zum Sieg und vor allem dem nicht legitimen Charles zur Königswürde zu verhelfen. Ich hatte Mitleid mit ihr. Doch die Darstellung der Jeanne d'Arc von Mac P. Lorne ließ mich meine Meinung etwas ändern. Die Jungfrau von Orleans wirkt hart und verhärmt. Ihre Krankheit lässt sie zu Mitteln greifen, die sie zwar als Gottgegeben abtut, jedoch in der heutigen Zeit sektenhaft wirken. Ihre Art zu reden und andere für sich einzunehmen, haben vieles bewirken können.

Jeanne d'Arc nimmt jedoch nicht die Hauptrolle des Buches ein. In am Anfang seltenen Szenen wird ihre Kindheit geschildert, bis sie am Ende des Buches eine größere Rolle einnimmt. Besonders im Gedächtnis wird mir wohl die Szene bleiben, als Jeanne auf John trifft und sie ein längeres Gespräch führen.

Ich muss aber zugeben, dass ich auch zu John Holland keine wirkliche Beziehung aufbauen konnte. Er blieb mir teilweise etwas zu distanziert und kühl. Erst am Ende bekommt man etwas Emotion von ihm zu spüren.

Und doch geht von allem eine gewisse Faszination aus. Der 100jährige Krieg war sinnlos und brutal. Es mussten zu viele Menschen sterben, die sich eigentlich ein ruhiges Leben verdient hatten. Doch so ist es mit jedem Krieg, der auf dieser Welt herrschte oder immer noch herrscht.
Machtansprüche werden geregelt, an die Verträge wird sich nicht gehalten und so kommt es zu einer Schlacht, die tausende Opfer fordert.

Der Autor schildert den Wahnsinn der damaligen Zeit in einer Art und Weise, die es einem fast unmöglich macht, das Buch wegzulegen und doch gibt es Szenen, da nimmt man sich freiwillig eine Auszeit von der Geschichte. Denn manche - ebenfalls historisch belegten - Persönlichkeiten legten eine Brutalität an den Tag, dass es einem sehr schlecht wird.

Bewertung vom 21.04.2017
Hallo Leben, hörst du mich?
Cheng, Jack

Hallo Leben, hörst du mich?


ausgezeichnet

Das Ungewöhnliche an dem Buch ist nicht die Erzählweise aus Sicht eines 11jährigen Kindes, der eigentlich viel älter wirkt, sondern die einzelnen Kapitel. Diese sind nämlich nicht wie "normale" Kapitel aufgebaut, sondern geben die Aufnahmen wieder, die Alex auf seinem iPod macht. D. h. man liest, was Alex und die anderen Charaktere erzählen oder miteinander besprechen. In eckigen Klammern kommen dann auch mal Geräusche dazu, wie [Hundegebell] oder [Geräusch quietschender Reifen].

Alex ist für seine 11 Jahre schon ziemlich verantwortungsbewusst, was wohl auch daran liegt, dass er einen großen Helferdrang besitzt. Und dies muss er auch, denn seine Mutter wirkt sehr teilnahmslos und scheint sich auch nicht um Alex kümmern zu können. So macht Alex eigentlich alles alleine. Er sorgt dafür, dass er in die Schule geht, ordentlich angezogen ist oder immer etwas zum Essen im Haus ist. Er putzt, kocht, hat einen kleinen Job an der Tankstelle und immer wieder Zeit, an seiner Rakete zu bauen, um diese dann am SHAFT-Festival steigen zu lassen.

Auf seinem iPod nimmt er Passagen auf, die er zusammen mit der Rakete ins Weltall schicken möchte, damit Außerirdische ihn finden und wissen, wie es denn auf der Erde eigentlich so ist.

Die Aufnahmen sind teilweise sehr emotional und mehr als einmal musste ich schwer schlucken. Da sie auch noch von einem Kind gesprochen werden bzw. der Schreibstil eher kindlich wirkt, ist es doppelt so schwer, über manche Dinge hinwegzusehen.
Wir lernen nämlich die Welt aus Alex Sicht kennen. Er versteht nichts von dem Erwachsenen, manche Dinge kann er auch noch nicht verstehen, aber er versucht immer wieder, sich in die Gedankenwelt eines Erwachsenen hineinzuversetzen. So denkt man auch manchmal: Mensch, Alex, das brauchst Du doch gar nicht zu verstehen. Und doch weiß er teilweise ganz genau, was denn so vor sich geht.

Alex musste ein Stück weit erwachsen werden, weil seine Mutter eben so ist, wie sie ist. Und so übernimmt Alex ihre Aufgaben. Dies führt dazu, dass er sehr selbstständig ist und sich eben keine Gedanken darum macht, dass er jetzt mit 11 Jahren alleine mit dem Zug durchs Land reist, um dann auf einem Raketenfestival zu übernachten.

Er hat zwar einen Bruder namens Ronnie, doch dieser wohnt in Los Angeles und hat aufgrund seines Berufes nur spärlich Zeit für seine Familie. So kommt es, dass Alex mit ihm telefoniert, Ronnie jedoch nicht richtig zuhört und so irrtümlicherweise die Erlaubnis dafür erteilt, dass sich Alex auf den Weg macht.

Alex Blick auf die Welt ist eine Mischung aus kindlicher Energie und den wissenschaftlichen Fakten, die er aus Büchern kennt. Und so ergeben sich Schlussfolgerungen, die einem manchmal den Mund offen stehen lassen.

Alex ist eben ein ungewöhnlicher Junge, der auch die Gabe hat, an ungewöhnliche Leute zu geraten.

Die Geschichte lebt von den kindlichen Momenten Alex', den Begegnungen mit netten und chaotischen Menschen, den seltsamen Verknüpfungen und vor allem dem zwischenmenschlichen Zusammenspiel.

Gepaart mit dem flüssigen Schreibstil des Autors ist man völlig gefesselt von der Story und verliebt sich immer mehr - in Alex, in Zed, in Steve und eben in alles, was passiert.

Es ist tiefgründig, melancholisch, spassig und lebensfroh zugleich.

Fragt man sich zu Anfang, wie es denn sein kann, dass eine Mutter sich nicht um ihr Kind kümmert oder zumindest ein anderer Erwachsener ein Auge auf Alex hat, kommt erst im Laufe der Geschichte heraus, was eigentlich wirklich los ist.

Nach und nach rückt die Wahrheit ins Licht und mit jeder gelesenen Seite will man Alex mehr an sich drücken und ihm helfen.
Man kann wirklich froh sein, dass er Leute trifft, die es gut mit ihm meinen.

Es gibt wenige Bücher, die mit einer eigentlich traurigen Story so dermaßen Frohsinn und Lebensmut verbreiten können. Dieses Buch gehört definitiv dazu.

Bewertung vom 20.04.2017
Sturmnacht / Harry Dresden Bd.1
Butcher, Jim

Sturmnacht / Harry Dresden Bd.1


ausgezeichnet

Harry Dresden, von Beruf Magier und Privatermittler, ist froh, wenn er durch Aufträge ein paar Kröten verdienen kann. Doch nun ist es so, dass er schon mit der Miete im Rückstand ist und kaum weiß, wie er sich etwas zu essen kaufen kann. Dass eine gewisse Monica nun bei ihm anfrägt, er solle doch bitte herausfinden, wo ihr Mann sich aufhalte, kommt ihm gerade gelegen. Kurze Zeit später kommt auch noch die Polizei auf ihn zu, in einem Mordfall mitzuhelfen. Dresden, der in beiden Fällen Ungewöhnliches wittert, fängt mit seinen Recherchen an und fördert alsbald eine Spur zu Tage, die ihm das Leben kosten kann.

Es gibt Buch-Reihen, da ist es Liebe auf das erste gelesene Wort... bzw. den ersten gelesenen Abschnitt. So erging es mir zumindest, als ich den Anfang dieser Geschichte gelesen habe. Der Wortwitz, der Sarkasmus, der teilweise schwarze Humor, das Setting, die Protagonisten, die Story, die ungewöhnliche Herangehensweise.... alles zusammen hat mich einfach umgehauen und mich das Buch in Rekordzeit lesen lassen.

Harry Dresden, ein recht abgewrackter Privatermittler, der mit ungewöhnlichen Methoden an die Fälle herangeht, war mir sofort sympathisch. Mit seiner knurrigen Art macht er sich zwar mehr Feinde als Freunde. Doch lernt man ihn näher kennen, muss man ihn einfach mögen.

Am Anfang lernen wir Harry von seiner "liebenswürdigsten Art" kennen. Je näher man aber in sein Privatleben Einblick erhält, umso mehr kann man auch verstehen, warum er so ist, wie er ist.
Dass er nebenbei auch noch Magier ist, ist natürlich von Vorteil. Gerade wenn es darum geht, Fälle zu lösen.

Der Autor hat eine interessante Figur geschaffen. Sehr facettenreich und sympathisch, wären da nicht immer die Ausflüge ins Melancholische. Dresden bemitleidet sich gerne selbst, versucht aber nur teilweise etwas gegen sein "altes Leben" zu machen. Der ewige Kampf ums Geld, damit er nicht sein Büro verliert bzw. täglich etwas zu Essen hat. Doch seine Berufung ist eben mal: Detektiv zu sein.

Der magische Part nimmt am Anfang gar nicht so großen Spielraum ein. Erst im Laufe des Buches zeigt uns der Autor, was sein Protagonist so drauf hat. Dass Dresden dabei immer wieder der Rat (der Magier) im Nacken sitzt und mehr als ein Auge auf ihn hat, ist natürlich nicht gerade sehr hilfreich.

Die Auftraggeberin Monica, die sich an Dresden wendet, damit er das Verschwinden ihres Mannes aufklärt, bringt eine neue Wendung in die Geschichte. Denn plötzlich scheint es, als wolle alle Welt etwas von Dresden. Gleichzeitig arbeitet er an dem Fall, denn die Polizei ihm aufgehalst hat. Zwei Tote, denen förmlich das Herz aus der Brust gerissen wurde, geben allen Rätseln auf.

Dresdens Ermittlungen sind ungewöhnlich, führen auch an ungewöhnliche Orte und zu ungewöhnlichen Personen (magische wie nicht-magische). Und dies führt dazu, dass die Geschichte einfach ungewöhnlich gut ist.

Der Schreibstil des Autors ist fesselnd. Man fliegt durch die Geschichte, fiebert mit und fängt auch an zu rätseln. Zwischendrin wird es wirr, dies passt jedoch zum Stil und zur Story.

Die verschiedenen Handlungsstränge ergeben zu Anfang keinen zusammenhängenden Sinn, vertieft man sich jedoch weiter in die Geschichte, ergibt alles einen Sinn. Gerade am Ende gibt es einen Aha-Effekt und mit einem riesigen Knall kommt der finale Showdown.

Durch die düstere Atmosphäre kommt man auch in die richtige Stimmung und ist für mich ein gelungener Einstieg in die Serie rund um den Ermittler Harry Dresden.

Fazit:
Spannend, düster und genial.

Bewertung vom 20.04.2017
Des Teufels Gebetbuch
Heitz, Markus

Des Teufels Gebetbuch


ausgezeichnet

Wo Markus Heitz drauf steht, kann man sich sicher sein, dass einem eine ausgeklügelte und mysteriöse Geschichte erwartet. Und so ist es auch wieder bei "Des Teufels Gebetbuch". Die rasante und sehr interessante Geschichte, die sich vorwiegend um die Protagonisten Tadeus Boch und Hyun Poe dreht, strotzt vor historischen Fakten, interessanten Ideen, actionreichen Szenen und einer Mischung aus guter Unterhaltung und dem Drang, doch mal das Kartenspiel "Superieur" auszugraben. Aber bitte nach neuen Regeln.

Die Protagonisten waren mir von Anfang sehr sympathisch. Vor allem Tadeus, der ein herzensguter Mensch ist, jedoch den äußeren Einflüssen nicht widerstehen kann und sich so in Gefahren manövriert, die ihn das Leben kosten können. Seine früheren Süchte nach Alkohol, Drogen und Glücksspiel haben ihn akute Lebenszeit gekostet, denn erkannt sich teilweise an bestimmte Abschnitte seines Lebens gar nicht mehr richtig erinnern. Als dann die gefährliche Karte Pik Neun in sein Leben tritt, droht er wieder abzurutschen. Er verfällt ihrem teuflischen Einfluss und lässt sich zu Dingen hinreißen, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hat vorstellen können.

Als er die Asiatin Poe kennenlernt, die Rache für ihren toten Verlobten üben will, sieht er in ihr auch aufgrund ihrer Gabe, die Karten und deren Einfluss zu fühlen, die Chance, noch an andere Karten zu gelangen.

Die Suche, die damit verbundenen Personen und Orte und die gefährlichen Situationen werden immer wieder durch Szenen unterbrochen, die sich im 18. Jahrhundert abspielen. Hier lernen wir Sebastian Kirchner kennen, der als Kartenmacher bei der Fa. Breitkopf angestellt ist. Er trifft auf den mysteriösen Dietrich, der ihm das Angebot macht, Vorlagen für ein Kartendeck zu liefern, die dem Inhaber der Firma sehr viel Geld bringen werden. Einzige Bedingung ist jedoch, dass das erste gedruckte Kartendeck Dietrich vorbehalten ist. Sebastian geht darauf ein und sieht sich und seine Familie schon als sehr wohlhabend, ohne zu wissen, dass teuflische Absichten hinter Dietrichs Plänen stehen.

Diese Zwischensequenzen führen nach und nach dazu, wie und warum das Kartendeck seine teuflischen Kräfte entwickelt.

Gepaart mit dem spannenden Schreibstil ergibt sich ein rasanter Action-Myterie-Mix, der dazu führt, dass man nur schwer die Finger von dem Buch lassen kann.

Will man sich dann noch in das ungewöhnliche Thema "Spielkarten" vertiefen, gibt der Autor am Ende des Buches noch eine interessante Zusammenfassung seiner Recherche-Arbeit zum Besten.

Ich hatte zusammen mit meiner Bloggerkollegin an der Leipziger Buchmesse 2017 das Glück, mit Markus Heitz ein Gespräch zu führen. Den Interviewbericht könnt Ihr HIER nachlesen. Solltet ihr mal die Möglichkeit haben, mit dem Autor zu sprechen, nutzt diese. Er ist unheimlich locker, sympathisch und um keine Antwort verlegen.

Fazit:
Des Teufels Gebetbuch zieht einem in einen Strudel aus bösen Gedanken. Von mir gibt es die volle Punktzahl und das Versprechen, mich noch weiteren Büchern des Autors zu widmen.

Bewertung vom 11.04.2017
Witz und Weisheiten des Tyrion Lennister
Martin, George R. R.

Witz und Weisheiten des Tyrion Lennister


gut

"Game of Thrones" oder "Das Lied von Eis und Feuer" ist meine große Leidenschaft. Was klein begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer großen Sammelwut entwickelt. Und so lese ich auch alles, was mir in die Finger kommt, gerade wenn es von meinem Lieblingsfiguren Tyrion Lennister und Jon Snow handelt.

Also war es ja schon fast Pflicht, dass ich mich dem "Witz und Weisheiten des Tyrion Lennister" annehme.
Doch muss ich ehrlich sagen, das ich mir unter dem Buch schon etwas anderes vorgestellt habe. Meine Vorstellung belief sich auf einen Fließtext, in dem Tyrions Aussagen analysiert werden. Doch beim Aufschlagen des Buches entdeckte ich, dass sich auf jeder Seite einfach nur ein Zitat aus den Büchern abgedruckt ist. Immer mal wieder unterbrochen durch Zeichnungen oder Überschriften zu den Zitaten. Diese sind dann auch noch thematisch geordnet.

Sieht man jedoch darüber hinweg, dass für ein 10-Euro-Buch nur eine Ansammlung von Zitaten geboten wird, sind die abgedruckten eben treffend ausgewählt und geben eben den Witz und die Weisheit des Tyrion Lennister wider.

Seien es die Themen Liebe, Könige, Wein oder Krieg: Tyrion hat zu allem etwas zu sagen. Der passende Spruch kommt dann meist auch mit Sarkasmus gepaart, was mir persönlich ja sehr gut gefällt.

So erwarten einem Zitate wie:
"Schlafen ist gut, und Bücher sind noch besser."

Oder:
"Alle Zwerge könnten Bastarde sein, doch nicht alle Bastarde müssen Zwerge sein."

Aber auch sinnige Sprüche:
"Kronen stellen seltsame Dinge mit den Köpfen darunter an."

Die Zitate werden immer wieder von Zeichnungen untermalt, die Tyrion zeigen. So wird das Büchlein nochmals aufgewertet.

Auch steht unter den jeweiligen Zitaten, aus welchem Buch sie stammen.

Hier hätte ich mir jedoch auch noch eine Seitenangabe gewünscht, so dass man die entsprechende Stelle nochmals hätte nachlesen können, um auch den genauen Zusammenhang zu verstehen.

Aber trotz der vielen Kritik finde ich das Buch letztendlich sehr gut gelungen, ist es auch eine gute Zusammenfassung von Tyrions Charakter.
Man merkt, dass seine Kleinwüchsigkeit gerne mit Sprüchen kompensiert werden soll. Aber dank seinem scharfen Verstand ergeben sich auch kluge Worte. So kann er sein Dasein als Zwerg auch zu seinem Vorteil nutzen.

Ich hatte immer wieder den Schauspieler des Tyrion Lennister, Peter Dinklage, vor Augen und auch die passende Gesichtsmimik.

Das kleine Buch ist wie eine Reise durch seine großen Brüder und bietet somit eine ideale Ergänzung zur Auffrischung.

Fazit:
In der Kürze liegt die Würze - ein Spruch, der zu Tyrion Lennister passen könnte.

Bewertung vom 11.04.2017
Der Fluch des Titanen / Percy Jackson Comic Bd.3
Riordan, Rick

Der Fluch des Titanen / Percy Jackson Comic Bd.3


ausgezeichnet

Percy und seine Freunde müssen sich gleich einem neuen Abenteuer stellen. Ihnen ist keine Ruhe gegönnt. Zwei Kinder stoßen zur Gruppe, die sich als Nachkommen von Göttern erweisen Nur weiß man noch nicht, wer ihre Väter sind. Auch eine Gruppe von Jägerinnen gesellt sich dazu. Sie haben ihr Leben der Göttin Artemis gewidmet und sind ziemlich männerfeindlich. Für Percy ein ziemliches Problem. Dann verschwindet während des Angriffs eines Mantikors plötzlich Annabeth. Auf der Suche nach ihr erfahren die Freunde noch, dass auch Artemis verschwunden ist. Dabei wird ihre Anwesenheit beim Treffen des Rates der Götter dringend gebraucht. Eine schwierige Suche beginnt.

Wieder wird auf kompakte Art und Weise das Abenteuer des Halbgottes Percy und seiner Freunde erzählt. Diesmal hatte ich jedoch große Mühe, in die Geschichte einzufinden oder besser gesagt, mich zurechtzufinden, obwohl das Lesen des zweiten Teils gar nicht so lange zurückliegt. Dies lag meines Erachtens an dem sofortigen Start der Geschichte, so dass man quasi in die Story hineingeworfen wird.

Die Bemühungen, in die Geschichte zu finden, hat sich bei dem Comic bis zur Hälfte des Buches hingezogen, erst dann erschloss sich mir der Sinn. Ab da war es dann auch wieder eine rasante Achterbahnfahrt bis hin zum Ende.

Was ich bei Teil 1 und 2 noch sehr gut fand - das Kompakte, das aufs Wesentliche beschränkte - muss ich nun hier bemängeln. Es fehlen eindeutige Informationen, die im Roman sicherlich ausführlich beschrieben werden. Da ich die Romane allerdings noch nicht gelesen habe, hat dieser Comic in mir nun wieder den Wunsch entfacht, diese zur Hand zu nehmen, damit ich Hintergründe erfahre.

Percy kam mir diesmal auch sehr teilnahmslos vor. Er hat zwar seine Fähigkeiten, das Wasser zu kontrollieren, ausgebaut, doch wirkt er mehr denn je hilf- und teilweise auch orientierungslos. Hier merkt man eben deutlich, dass er doch noch eher ein Kind ist, der vom Leben eben noch nicht wirklich viel weiß.

Dafür stechen die Jägerinnen sehr heraus und reißen auch das Ruder an sich.

Die Zeichnungen empfand ich diesmal sogar als sehr düster. Man hatte auch teilweise Mühe, das Bild überhaupt zu entziffern, was wohl an einer Flut von Details lag. Zu viele Infos sind versteckt. Hier hätte etwas weniger mehr Wirkung gehabt.

Die Sprechblasen allerdings hätten ruhig mit mehr Informationen gefüllt sein können. Dieser Umstand führte dazu, dass ich orientierungslos war und mehrmals wiederholt die Seiten lesen musste, um zumindest ansatzweise zu verstehen, was gerade passiert.

Ich kann eigentlich nur eine Empfehlung aussprechen, die Comics erst nach dem Lesen der Romane zur Hand zu nehmen, so dass man weiß, um was es eigentlich geht bzw. die Hintergründe erkennt.

Fazit:
Nicht so gut, wie die ersten beiden Bände. Die Story an sich ist jedoch rasant, spannend und actionreich.

Bewertung vom 11.04.2017
Ensel und Krete / Zamonien Bd.2 (1 MP3-CD)
Moers, Walter

Ensel und Krete / Zamonien Bd.2 (1 MP3-CD)


ausgezeichnet

Ensel und Krete verliefen sich im Wald... im großen Wald... in Zamonien. Und die Hoffnung von der Brandwache der Buntbären gefunden zu werden, stirbt mit jeder weiteren Minute, die die beiden Fernhachen-Kinder im Wald verbringen. Die unheimlichen Geräusche erinnern die beiden an die Gerüchte, die über den Wald kursieren: eine Hexe soll nämlich ihr Unwesen treiben.

Mit dieser Märchenadaption von "Hänsel und Gretel" ist Walter Moers ein Vorreiter, der im Moment im Trend liegenden Romane, die sich an Märchen orientieren. Seine Geschichte erschien schon 2002.

Am Anfang ist noch alles so, wie wir es auch aus dem Märchen kennen. Ensel und Krete verlaufen sich im Wald.
Doch dann kommt es anders als man denkt, weiß aber genau, was noch passieren wird.

Walter Moers geschaffene Welt "Zamonien" birgt so viele Möglichkeiten und es ergeben sich diverse Kombinationen. Dies dann auch noch gepaart mit der Welt der Grimm`schen Märchen.

Moers Umsetzung ist in meinen Augen grandios, auch wenn auf den ersten (Lese- und Hör)Blick so einiges unsinnig erscheint. Am Ende ergibt alles einen Sinn, der sich aber auch wahrscheinlich nur dem Zamonien-Begeisterten erschließt bzw. demjenigen, der sich auf die Geschichte einlassen kann.

Das Hörbuch, grandios gelesen vom leider verstorbenen Dirk Bach, packt einem. Bach erweckt die einzelnen Charaktere zum Leben und gibt jedem mit unterschiedlichen Tonlagen eine unverwechselbare Stimme.
Sei es die piepsige Krete, der ängstliche Ensel, der knurrige Laubwolf, die besonnene Orchidee oder alle anderen unvergleichlichen Charaktere.

So macht es einfach Spaß, der spannenden, witzigen und teilweise chaotischen Geschichte zu folgen.
Chaotisch deswegen, da die Geschichte von Hildegunst von Mythenmetz erzählt wird, einem Dinosaurier aus der Lindwurmfeste, ebenfalls ein Wesen aus Zamonien.

Der Erzähler Hildegunst von Mythenmetz unterbricht die Geschichte immer wieder durch seine "Mythenmetz`schen Abschweifungen" und fängt an, von etwas ganz anderem zu erzählen oder ausschweifende Erklärungen über das vorher Erzählte abzugeben.
Diese Abschweifungen sind allesamt jedoch unerlässlich für das Verständnis der Geschichte und bilden eine angenehme Abwechslung.

Am Ende des Buches erwartet einem dann auch noch "Die halbe Biografie des Hildegunst von Mythenmetz" und erzählt dessen halbes Leben bis zum Alter von 501 Jahren.

Hier hat der Autor seine ganze Fantasie ausgereizt und ein abwechslungsreiches Leben erschaffen, das von Abenteuern und Erlebnissen nur so strotzt.
Ich musste mehrmals laut auflachen, weil der Autor es schaffte, immer noch eine Schippe "Unglaubliches" draufzupacken und so eine so unglaubwürdige Biografie zu schaffen, wie sie seinesgleichen sucht. Aber hey, es handelt sich schließlich um Hildegunst von Mythenmetz, der als Schriftsteller so manche Erfolge verbuchen konnte. Sein Leben ist eben einzigartig.

Bis jetzt konnte mich jeder Zamonien-Roman begeistern und hoffe, dass noch viele weitere folgen werden.

Für August 2017 ist ein neuer Roman angekündigt. "Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr"... allein der Titel lässt schon wieder auf eine tolle Geschichte schließen.

Fazit:
Zamonien in seinen schönsten Anfängen.

Bewertung vom 02.04.2017
Der Earl von Gaudibert
Ludwig, M. W.

Der Earl von Gaudibert


ausgezeichnet

Graham McPherson ist ein notorischer Schwindler. So behauptet er, auf dem Mond gewesen und dort sogar der Earl eines Mondkraters namens Gaudibert zu sein. Als Beweis hat er Monddiamanten dabei. Als angesehener Bürger Londons hat er viele Anhänger, doch sein größter Gegner Vincent St. John-Smythe möchte weitere Beweise und verleitet McPherson zu einer Wette. Wenn er es bis zum nächsten Vollmond schafft, zum Mond zu fliegen, bekommt er 20.000 Pfund. Als Gegensatz steht seine Ehre auf dem Spiel. Diese ist McPherson sehr wichtig und so sucht er einen Weg, seinen Schwindel wahr werden zu lassen. Dabei stößt er auf den Ganoven Suggs und die geheimnisvolle Chinesin Gann. Und verspricht auch diesen das Blaue vom Himmel.

Wieder eine Novelle aus dem Art Skript Phantastik Verlag und wieder eine rasante Geschichte, die vor Fantasie des Autors nur so strotzt. Schon von der ersten Seite an ist man in der Story drin.

Graham McPherson ist ein sympathischer Kerl, obwohl er mit seinen Schwindeleien viele auf den Leim gehen lässt.
Als er von seinem größten Gegner St. John-Smythe in die Schranken gewiesen wird und seine Ausflüge zum Mond doch beweisen soll, befindet sich der selbsternannte Earl von Gaudibert natürlich in arger Bedrängnis. Durch Hilfe des Kleinganoven Suggs lernt er auch die Chinesin Gann kennen, die durch Wetten und ihren Lebensunterhalt verdient.

Und so findet man sich unvermittelt in einer Mischung aus Jules Vernes "Von der Erde zum Mond" sowie "Die Lügengeschichten des Baron Münchhausen" wieder.
Die Story steckt voll mit Anspielungen auf verschiedene Dinge, sei es Buch oder Film. So auch den Sciencefiction-Film "Die Reise zum Mond" von Georges Méliès (übrigens sehr sehenswert).

Die Novelle fliegt so dahin und es kommt keine Langeweile auf. Im Gegenteil, ich hätte noch stundenlang die Bemühungen von McPherson, Suggs und Gann mitverfolgen können, vor allem da die drei ein tolles Gespann sind.

Wenn man jedoch am Ende der Geschichte angelangt ist, kommt ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass man sich auf weitere Teile freuen darf.

Der Autor hat einen lockeren Schreibstil und lässt so nebenbei auch viele Namen in die Geschichte einfließen, die zwar mehr oder weniger kleinere Rollen spielen, aber so noch ein I-Tüpfelchen auf alles draufsetzen. So darf man sich zum Beispiel auf ein (Lese)Treffen mit Jules Verne, Orson Wells, H.G. Wells oder eben den oben erwähnten Georges Méliès freuen darf. Aber noch viele weitere finden ihren Weg in den Roman.

Ich hatte richtig Spaß beim Lesen und konnte auch das Handeln der Protagonisten nachvollziehen. Vor allem McPherson Flunkereien und sein Herauswinden aus dem Lügengeflecht waren sehr unterhaltsam.

Durch die abwechslungsreichen Szenen hatte jeder Protagonist auch seinen Auftritt und so ergab sich ein letztendlich sehr stimmiges Gesamtbild mit Ausblick auf eine Fortsetzung.

Fazit:
Ein rasanter Ausflug zum Mond.

Bewertung vom 02.04.2017
Märchenblut
Roth, Nadja

Märchenblut


sehr gut

Krimis sind ja eigentlich nicht so mein Fall und wenn, dann muss mich der Klappentext überzeugen, damit ich danach greife.
In diesem Fall zog mich der Part mit den Märchenzitaten. Und so wagte ich mich an eine mir bis dato unbekannte Autorin.

Ich gebe zu, dass ich im Mittelteil ein paar Längen verspürte und deswegen auch Mühe hatte, an der Geschichte dran zu bleiben. Doch hat die Autorin rechtzeitig die Kurve gekriegt und mich dann wieder packen können.
Und darum bin ich auch froh, denn mit ihrer Protagonistin Elli Werner hat die Autorin eine Person geschaffen, die nicht den üblichen Klischees einer Frau oder gar einer Polizistin entspricht. Ein paar (viele) Pfunde zu viel auf den Rippen, eine gescheiterte Beziehung, ein Leben in Trümmern bedingt durch die schwere Trennung - dies führt dazu, dass sich Elli zeitweise in Selbstmitleid suhlt und so sich selbst und auch ihren Kollegen und Freunden das Leben sehr schwer macht.
Doch bleibt ihr immer noch ihr Sarkasmus, den sie auch mal gerne auf sich selbst anwendet.

Trotz oder gerade wegen der Misserfolge der letzten Zeit, setzt sie alle Kraft in den nun vorliegenden Mordfall und versucht durch ihr Engagement natürlich auch bei ihren Kollegen Sympathiepunkte zu erlangen. Mit ihrem neuen Kollegen und Partner Adam Flick, einem etwas chaotisch anmutenden Vater von zwei Wildfang-Mädchen, scheint sie eine gute Partie gemacht zu haben. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Elli ist für Adam ein Ruhepol und holt ihn auch mal runter, wenn er zu Hause mal wieder von seinen Töchtern an der Nase herumgeführt wird.

Und dann ist da noch Thomas Brunner, Ellis Chef... ein charmanter und sehr gutaussehender Mann, aus dem aber man teilweise jedoch nicht so ganz schlau wird.

Elli ist wirklich sehr sympathisch und hat einen scharfen Verstand, den sie gerne für die Ermittlungen einsetzt. Nur macht sie es sich selbst manchmal richtig schwer.

Die Morde, die passieren, sind teilweise nichts für schwache Nerven, wird in Zwischenszenen nämlich aus Sicht des Mörders die Geschichte erzählt. Und so ergeben sich sehr interessante Einblicke, denn man beginnt selbst zu rätseln und zu recherchieren und denkt sich alle möglichen Szenarien aus, die dann letzten Endes total über den Haufen geworfen werden.
Man wartet gebannt darauf, was die Taten des Mörders bei der Polizei und genauer bei Elli auslösen bzw. welche Schlüsse gezogen werden. Hat die Polizei das Gleiche in der Tat gesehen, wie der Mörder hofft oder wird eine völlig falsche Spur verfolgt?

Man merkt, dass die Autorin sich sehr genau mit der Arbeit der Polizei auseinandergesetzt hat, denn die Beschreibung der Vorgehensweise ist sehr detailliert, aber nicht uninteressant oder aufdringlich. Im Gegenteil. Sie schafft es, dass z. B. die Befragung von Zeugen sehr spannend dargestellt wird und man so meint, man wäre mit im Befragungsraum oder bei den Zeugen zu Hause.

Auch wenn das Thema ein sehr Gewagtes ist und man sich gar nicht vorstellen will, ob so etwas in der Realität auch durchgezogen wurde, fühlt man sich trotzdem gut unterhalten.

Neben Elli fallen vor allem ihr Kollege Adam und der Chef Thomas Brunner auf.
Adam ist mit Leib und Seele Polizist und sprudelt teilweise sogar fast über vor Enthusiasmus. Dies aber auch, weil er wahrscheinlich seinen Beruf als Gegenpol zu seinem Familienleben sieht. Der Spagat zwischen Familie und Beruf wird von ihm sehr gut ausgeführt. Er scheint ein liebevoller Vater zu sein, der für seine Kinder alles tun würde. Trotzdem wirkt er manchmal heillos überfordert, wenn es um seine Familie geht.
Thomas Brunner dagegen ist ein Buch mit 7 Siegeln. Sein Verhalten wechselt von einem auf den anderen Moment von charismatisch zu nervig und lässt Elli mehr als einmal rat- sowie sprachlos zurück.
Und trotzdem hat er sehr sympathische Züge, was die "nervige Zeit" dann wieder etwas ausgleicht.