22,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Neue Kriege, "kleine Kriege", "hybride Kriege", "asymmetrische Kriege" - in den vergangenen Jahren hat sich die Sicht von Historikern und Politikwissenschaftlern auf das Phänomen Krieg, das die Menschheit seit ihren Anfängen begleitet, erheblich gewandelt. Andreas Herberg-Rothe zeichnet in dieser grundlegenden, nun in 2., erheblich erweiterter Auflage erschienenen Einführung ein umfassendes Bild des Krieges: Er stellt Ursachen und Formen des Krieges ebenso vor wie dessen Akteure oder den Aspekt des Tötens im Krieg. Immer wieder nimmt er dabei ausführlich Bezug auf die neuen Kriege, die uns im…mehr

Produktbeschreibung
Neue Kriege, "kleine Kriege", "hybride Kriege", "asymmetrische Kriege" - in den vergangenen Jahren hat sich die Sicht von Historikern und Politikwissenschaftlern auf das Phänomen Krieg, das die Menschheit seit ihren Anfängen begleitet, erheblich gewandelt. Andreas Herberg-Rothe zeichnet in dieser grundlegenden, nun in 2., erheblich erweiterter Auflage erschienenen Einführung ein umfassendes Bild des Krieges: Er stellt Ursachen und Formen des Krieges ebenso vor wie dessen Akteure oder den Aspekt des Tötens im Krieg. Immer wieder nimmt er dabei ausführlich Bezug auf die neuen Kriege, die uns im 21. Jahrhundert drohen.

"Ich wüsste aktuell keine deutschsprachige Darstellung, die ähnlich vielfältig und gedankenreich das Thema Krieg in so knapper Form bewältigt." Süddeutsche Zeitung

"Eine hervorragende Einführung in die Thematik." Die Zeit
  • Produktdetails
  • Campus Einführungen
  • Verlag: Campus Verlag
  • 2., erw. Aufl., überarb. Aufl.
  • Seitenzahl: 262
  • Erscheinungstermin: 7. September 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 131mm x 30mm
  • Gewicht: 313g
  • ISBN-13: 9783593507934
  • ISBN-10: 3593507935
  • Artikelnr.: 48124682
Autorenporträt
Andreas Herberg-Rothe, Dr. phil. habil., ist Dozent am Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Fulda.
Inhaltsangabe
Inhalt 1 Einleitung 9 2 Staatenkrieg, Bürgerkrieg, nicht-staatliche Kriege 28 Historische Entwicklung des Staatenkrieges 32 Bürgerkriege 39 Nicht-staatliche Kriege 41 Dialektik des staatlichen Krieges 44 Thomas Hobbes oder Carl Schmitt 45 3 Moderne, Krieg und Gewalt 50 Enttäuschte Hoffnungen 50 Unvollständige Moderne? 52 Dialektik der Moderne 54 Entfesselung der Gewalt 56 Abschied und Neuanfang 62 4 Waffenträger: Soldaten, Söldner, Krieger/Kämpfer - Warlords, Kindersoldaten, Partisanen/Terroristen 67 Soldaten 67 Exkurs: Der demokratische Krieger als Leitbild des Soldaten in demokratischen Gesellschaften im 21.?Jahrhundert 72 Söldner 76 Krieger 79 Kämpfer/"Internationale" 82 Warlords 83 Kindersoldaten 86 Partisanen 88 Terroristen 91 5 Vielfalt der Kriegsursachen 99 Über den Zufall 103 Verdichtung struktureller Konflikte 104 "Mehr-Haben-Wollen" und Furcht 106 Aggressivität und kulturelle Disposition 109 Feindbilder 111 Krieg, Gewalt und Heilsversprechen 113 Staatszerfall und nachholende Gründung von Staaten 114 Krieg und kapitalistische Vergesellschaftung 117 Das "zivilisatorische Hexagon" und seine Gegensätze 118 6 Töten im Krieg - Eskalation der Gewalt 123 Warum überhaupt Krieg und Gewalt innerhalb ein und derselben Gattung? 124 Aufhebung der Nähe und Schaffung von Distanz 130 Töten und Nähe 134 Massaker 135 Opfer 137 Eskalation der Gewalt im Krieg 138 Die Wechselwirkungen zum Äußersten als "Überbieten" des Gegners 138 Erste Wechselwirkung - "Äußerste Anwendung der Gewalt" 144 Zweite Wechselwirkung - "Das Ziel ist, den Feind wehrlos zu machen" 145 Dritte Wechselwirkung - "Äußerste Anstrengung der Kräfte" 147 7 Clausewitz' wunderliche Dreifaltigkeit - eine allgemeine Theorie der Kriegführung 149 Die wunderliche Dreifaltigkeit und der trinitarische Krieg 150 Die wunderliche Dreifaltigkeit als Clausewitz' "Testament" (Aron) 154 Das Rätsel des ersten Kapitels 158 Kampf 160 Der Politikbegriff bei Clausewitz 161 Clausewitz' wunderliche Dreifaltigkeit als ausdifferenziertes Koordinatensystem 164 Gewalt 164 Kampf 166 Kriegführende Gemeinschaft 167 Strategien 170 Vielfalt der Ziele 172 Grenzen und Anpassung der Strategien 180 8 Kontinuitäten und Brüche 184 Technologische Entwicklung 185 Zur Bedeutung der Medien in modernen Kriegen 190 Staatliche und nicht-staatliche Kriege 194 Legitimierung und Limitierung von Krieg 196 "Sieg" oder "Begrenzung von Krieg und Gewalt" 199 9 "Order wars" und Ordnungskonflikte - Kämpfe um Anerkennung 208 Krieg als Hybrid bei Clausewitz 209 Die Kategorie der Ehre bei Clausewitz 211 Existentielle Kriegsauffassung 211 Selbsterhaltung und Selbstentgrenzung im Kampf auf Leben und Tod 213 Fehlende Anerkennung führt zu Radikalisierung 217 Subnationale Konflikte und das Politische 219 Globalisierung und Weltordnung 220 Neue Begriffe 221 Re-Ideologisierung und Re-Politisierung des Krieges 224 Ordnung, Gewalt, Anerkennung und Identität 228 Die Entwurzelten, Überflüssigen und Ausgeschlossenen der Globalisierung - das Scheitern von Patriarchat und Konsumismus 230 Schlussfolgerungen 235 Anmerkungen 238 Literatur 245 Glossar 259 Danksagung 262

Einleitung: Chamäleon Krieg
1 Staatenkrieg, Bürgerkrieg, nicht-staatliche Kriege
2 Moderne, Krieg und Gewalt
3 Waffenträger: Vom Söldner bis zum
Terroristen
4 Vielfalt der Kriegsursachen
5 Töten im Krieg
6 Kontinuitäten und Brüche
Literatur
Glossar
Rezensionen
"Eine hervorragende Einführung in die Thematik."
(Die Zeit vom: 03.04.03)

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.02.2004

Söldner in den Ketten der Vernunft
Andreas Herberg-Rothe erklärt Theorie und Praxis der Kriegführung
Andreas Herberg-Rothe ist bekannt als ein vorzüglicher Clausewitz-Interpret – seine jetzt vorliegenden Überlegungen sind ein konsequenter Versuch, historische und aktuelle Formen des Krieges mit Clausewitz zu interpretieren. Dies geschieht auf einem auch für Laien verständlichen Niveau, mit gekonnter Verarbeitung der wichtigsten aktuellen Werke zur Theorie des Krieges und der Gewalt, von Sofsky bis van Crefeld. Das Buch ist wie alle heutige Kriegswissenschaft geprägt vom 11. September und reflektiert ausgiebig über die Konsequenzen, die die neuen Formen des Krieges ausüben.
Wenn nach Clausewitz der Krieg ein „Akt der Gewalt” ist, der keine „Mäßigung” in sich selber hat, so gilt es seit dem Bestehen von Staaten immer, diese Gewalt zu konventionalisieren, sie „einzuhegen”. So ist denn kriegerische Gewalt traditionell an Regeln gebunden und von daher prinzipiell unterscheidbar gewesen von anderen Formen einer gesellschaftlichen oder „anthropologisch” bedingten Gewaltsamkeit. Völkerrecht und Staatsphilosophie der Neuzeit haben diese Regeln fortwährend weiterentwickelt. Kriegskonventionen, wie sie im Prozess der Zivilisation entstanden sind, werden zwar immer wieder gebrochen. Aber, gegen „Falken” wie van Crefeld gerichtet, schreibt Herberg-Rothe sehr zu recht, dass die Regelverletzungen kein Grund sein dürfen, die bestehenden Bestimmungen aufzukündigen.
Der Hauptteil der Arbeit beginnt mit einer idealtypischen Differenzierung von Staatenkrieg, Bürgerkrieg und nicht-staatlichem Krieg. Herberg-Rothe weiß genau, dass diese sich realiter oft verschränkt haben, aber ohne Unterscheidung kann man bekanntlich nichts erkennen. Staatenkriege, so schließt er, nach einem kurzen (etwas zu kurzem) Blick auf die Kriegsgeschichte seit der Antike, sind gemeinhin nicht so grausam, wie nicht-staatliche Kriege (also Bürgerkriege), weil es hier einfacher ist, die Gewalt zu begrenzen.
Aber die staatliche Organisation des Krieges zusammen mit Nationalismus und Technisierung bedeutet auch – und das sehen viele Kriegstheoretiker nicht – „ein bisher unbekanntes Maß an Eskalation von Gewalt”. Hier wird eine Erfahrung neu reflektiert, die schon Clausewitz ahnte, die aber erst die totalitären Staaten des letzten Jahrhunderts voll entwickelt haben. Mir scheint, dass der auch von Herberg-Rothe vorgenommene traditionelle Rekurs auf die neue Qualität des Krieges in der Französischen Revolution als eines ersten „totalen” Krieges, kritischer hinterfragt werden sollte. Es handelt sich um einen klassischen Topos deutscher Kriegshistoriker, von Clausewitz bis Gerhard Ritter, für den ja Demokratie ohnehin tendenziell totalitär war. Die französische Kriegsgeschichte sieht das anders. Für sie waren die Kriege der Revolutionszeit viel defensiver.
Relikte atavistischer Gewalt
Sind Herberg-Rothes kriegsgeschichtliche Ausführungen bereits auf die Moderne perspektiviert, so wird dieser Bezug im 2. Hauptteil über „Moderne und Gewalt” explizit vorgenommen. Herberg-Rothe definiert – vielleicht etwas eng, aber nützlich – „Moderne” als „historisches Projekt” seit dem 17. Jahrhundert, nämlich der „ Übergang von der gewaltsamen Austragung innergesellschaftlicher Konflikte zu gewaltfreien Prozeduren der Konfliktregulierung”.
Man kann das auch das Projekt der Aufklärung nennen. Die Frage besteht darin, ob es eine „Dialektik der Aufklärung” gibt, wie sie von Adorno bis Reemtsma konstatiert bzw. postuliert worden ist: Trägt die (bürgerliche) Aufklärung wegen ihrer klassenspezifischen Exklusivität von Freiheit das Kainsmal der radikalen Unterdrückung – bis hin zu Auschwitz? Die Gegenthese seit Herbert Spencer ist der Hinweis auf die trotz aller Aufklärung fortbestehenden atavistischen Gewaltpotentiale.
Herberg-Rothes Darstellung der Positionierung der Gewalttheorie, von Freud über Elias, Foucault bis Sofsky, ist trotz aller Kürze überzeugend dicht gelungen. Und seine Folgerungen sind nachvollziehbar: Die technisch-industrielle Moderne hat ein riesiges Gewaltpotential, neben dem es aber auch mächtig wirksame Relikte atavistischer Gewalt gibt. Das eigene Gewaltpotential kritisch einschätzen und somit beherrschen zu können, ist die Kraft einer auf Freiheit und Menschenrechte orientierten Moderne. Abzulehnen ist hingegen die aus den genannten Ambivalenzen entspringende post-moderne Kriegstheorie (van Crefeld, Keegan), die aus der Ambivalenz aller Friedlichkeit eine neue Metaphysik des Krieges ableitet und kriegerische Gewaltanwendung problemlos gutheißt.
Aus den heutigen Formen des „Kulturkrieges” leitet sich auch eine Aufwertung des Begriffs des „Kriegers” her. Das zeigt Herberg-Rothe in einem weiteren großen Kapitel über die „Waffenträger”, vom Söldner bis zu den Terroristen. Auch hier bleiben alle Darstellungen im Spannungsfeld von Archaik und Moderne: der Söldner wurde kriegsgeschichtlich vom Soldaten abgelöst, feiert aber seine Wiederkehr bei heutigen Sicherheitsfirmen wie Executive Outcomes oder Sandline. Im schrecklichen Kriegsprodukt des heutigen „Kindersoldaten” sind atavistische und hochmoderne Gegebenheiten symbiotisch vereinigt: Infantile ideologische Beeinflussbarkeit gepaart mit Hunger und Leid einerseits – eine Waffentechnologie andererseits, die „kinderleicht” zu bedienende Gewehre hervorgebracht hat.
Das Kapitel über „Kriegsursachen” ist kurz und unübersichtlich. Man hätte erwartet, dass spätestens hier systematisch nachgedacht würde über die ebenso schwierige wie für die „Moderne” konstitutive Unterscheidung zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg. Es hätte sich zweifellos gelohnt, hier auf Tiefenschärfe zu setzen. Wann galt „Angriff als die beste Verteidigung” und ab wann wurde jeder Krieg als „Verteidigungskrieg” konzipiert, um die Masse der Wehrpflichtarmee bei der Stange zu halten? Wie weit passt „Verteidigung” auch auf die Ideologie der Verteidigung Europas gegen den bluttriefenden Bolschewismus, wie es die Nazis konstruierten? Diesen wohl schwerwiegendsten Fragen entzieht sich Verfasser leider fast ganz.
Insgesamt ist trotz der Knappheit und einigen nicht ganz befriedigenden Abschnitten ein Buch gelungen, das zu lesen lohnt. Ich wüsste aktuell keine deutschsprachige Darstellung, die ähnlich vielfältig und gedankenreich das Thema Krieg in so knapper Form bewältigt.
GERD KRUMEICH
ANDREAS HERBERG-ROTHE: Der Krieg. Geschichte und Gegenwart. Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2003. 154 Seiten, 12,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Als einen vorzüglichen Clausewitz-Interpreten führt Gerd Krumreich den Autor Andreas Herberg-Rothe ein, der auch mit seinem neuen Buch zur Theorie und Praxis der Kriegsführung überzeugen könne. Manches wird zwar für Krumreichs Geschmack zu kurz abgehandelt, aber doch lohneswert. Die Formen des Kriege sieht der Rezensent ebenso überzeugend dargelegt wie die Gewalttheorien der Moderne. Gut gefallen hat ihm auch das Kapitel über die "Waffenträger". Einwände erhebt er gegen die allzu unübersichtliche Behandlung der Kriegsursachen, die ihm aber nicht den insgesamt guten Eindruck verderben kann: Ich wüsste aktuell keine deutschsprachige Darstellung, die ähnlich vielfältig und gedankereich das Thema Krieg in so knapper Form bewältig", so sein abschließendes Lob.

© Perlentaucher Medien GmbH