Im Namen der Flagge - Marshall, Tim
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Eine unterhaltsame Lektion in Weltpolitik und Weltgeschichte
Die Welt ist heute wieder ein beunruhigender Ort, vom neuen Nationalismus in China über die gespaltenen Gesellschaften in Europa und den USA bis hin zum furchterregenden Aufstieg des IS. Wenn man einen Blick auf die Flaggen dieser Länder und Organisationen wirft, dann wird vieles klar, was auf den ersten Blick völlig unverständlich erscheint.
Denn seit Jahrtausenden verkörpern Flaggen unsere Hoffnungen und Träume. Wir schwenken sie, wir verbrennen sie, wir marschieren unter ihren Farben. Flaggen wehen vor der UNO, auf
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Produktbeschreibung
Eine unterhaltsame Lektion in Weltpolitik und Weltgeschichte

Die Welt ist heute wieder ein beunruhigender Ort, vom neuen Nationalismus in China über die gespaltenen Gesellschaften in Europa und den USA bis hin zum furchterregenden Aufstieg des IS. Wenn man einen Blick auf die Flaggen dieser Länder und Organisationen wirft, dann wird vieles klar, was auf den ersten Blick völlig unverständlich erscheint.

Denn seit Jahrtausenden verkörpern Flaggen unsere Hoffnungen und Träume. Wir schwenken sie, wir verbrennen sie, wir marschieren unter ihren Farben. Flaggen wehen vor der UNO, auf arabischen Straßen, in den Vorgärten von Texas. Ihre Symbole trennen oder vereinen uns. Und auch im 21. Jahrhundert sterben noch Menschen dafür.
  • Produktdetails
  • Verlag: Dtv
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 8. September 2017
  • Deutsch, Englisch
  • Abmessung: 213mm x 142mm x 32mm
  • Gewicht: 521g
  • ISBN-13: 9783423281409
  • ISBN-10: 3423281405
  • Artikelnr.: 47730575
Autorenporträt
Marshall, Tim
Tim Marshall, geboren 1959, ist Politik-Redakteur bei Sky News, dem englischen 24-Stunden-Nachrichten-Sender, und anerkannter Experte für Außenpolitik. Er hat aus 30 Ländern berichtet, über den Jugoslawienkrieg ebenso wie über Afghanistan, den Irak, den Libanon und Israel sowie über amerikanische Präsidentschaftswahlen. Marshall hat für die BBC gearbeitet und war lange als Europa-Korrespondent und Korrespondent für den Nahen Osten tätig. Er wurde für seine Berichterstattung vielfach ausgezeichnet. Sein Blog Foreign Matters war auf der Shortlist für den Orwell Prize 2010. Marshall hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht.

Brandau, Birgit
Birgit Brandau studierte Theaterwissenschaften und arbeitete an verschiedenen Bühnen in Deutschland und Österreich. Seit den 1990er Jahren beschäftigt sie sich überwiegend mit populärwissenschaftlichen Themen, zu ihren Schwerpunkten gehören (sehr) alte sowie neuere Geschichte. Ihre Sachbücher über Troia und das Hethiterreich trugenihr die einhellige Anerkennung sowohl der Fachwelt als auch des breiten Publikums ein. Seit vielen Jahren arbeitet sie zudem als Übersetzerin. In jüngster Zeit übersetzte sie unter anderen den Bestseller Die Macht der Geographie.
Rezensionen
Besprechung von 02.10.2017
Der Stoff,
aus dem die Staaten sind
Tim Marshall spürt der „Macht“ von Flaggen nach
Eigentlich sollte der Fußball im Mittelpunkt stehen an diesem Oktoberabend in Belgrad vor drei Jahren, die serbische Nationalmannschaft traf auf die Landesauswahl Albaniens. Am Ende aber boten sich den Zuschauern Szenen einer Massenausschreitung: Fußballer prügelten sich wie Hooligans, Plastikstühle und Flaschen flogen durch die Luft, erst auf dem Platz und dann auch auf den Rängen. Das Spiel wurde abgebrochen, sogar die politischen Beziehungen beider Länder nahmen weitreichenden Schaden. Und all das wegen eines Stücks Stoff: Ein albanischer Nationalist hatte per Drohne eine großalbanische Flagge über das Spielfeld schweben lassen. Ein serbischer Spieler hatte sie heruntergezogen, damit das Spiel weitergehen könne. Albanische Spieler wiederum fühlten sich dadurch beleidigt, sie rempelten und rissen dem Serben die Fahne aus der Hand, und das Chaos nahm seinen Lauf.
Über diese erstaunliche Macht, die Flaggen auch in der modernen, globalisierten Welt haben, hat Tim Marshall, Autor des Bestsellers „Die Macht der Geographie“, ein Buch geschrieben. Es ist eine berechtigte These: Flaggen üben Macht aus, als politische Symbole, als Symbole für Nationalität und Zugehörigkeit, bisweilen mit so viel Bedeutung versehen und emotional aufgeladen, dass Menschen sich ihretwegen, siehe Belgrad, die Nasen blutig schlagen. Die Macht bestehe in den Gefühlen, die Flaggen wecken und verkörpern, findet Marshall. Leider jedoch versäumt er es, sich in seinem Buch auch wirklich an dieser These abzuarbeiten; nur teilweise gelingt es ihm, diese Macht verständlich zu machen – und kritisch zu hinterfragen.
So wie im Kapitel über die Flagge des sogenannten Islamischen Staats (IS). Da zeigt Marshall nachvollziehbar, was ein simples Stück Tuch bewirken, was es weltweit hervorrufen kann: Hingabe, ja Fanatismus auf der einen Seite, Angst auf der anderen. Hinter der Gestaltung der Fahne steckt Kalkül: ein weißer Kreis, schwarzer Hintergrund, darauf in arabischer Schrift die Schahada, das muslimische Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Gott, und: Mohammed ist der Gesandte Gottes. Panislamische Symbole eigentlich, die der IS vereinnahmt und öffentlichkeitswirksam zu seinem Zeichen gemacht hat. Von schwarzen Bannern soll angeblich schon Mohammed gesprochen haben. „Siehst du schwarze Banner nahen, eile zu ihnen, selbst wenn du über Schnee kriechen musst, denn unter ihnen ist der Kalif“, heißt es in einer Prophezeiung. Eine weitere verspricht: Zwischen dem Heer des Westens und dem Heer unter den schwarzen Bannern wird es zu einer großen Schlacht kommen.
Für die Anhänger des IS ist die Flagge so ein Symbol dafür geworden, Gottes Werk zu vollbringen. Die Flagge der Terrormiliz, schreibt Marshall, stehe für die Verwirklichung des Kalifats, sie sei ein „panmuslimisches Signal“. Gleichzeitig haben die wehenden schwarzen Fahnen in den brutalen Hinrichtungsvideos des IS und in den Aufnahmen vorrückender IS-Truppen auf der ganzen Welt eine genau so intendierte Botschaft verbreitet: Fürchtet euch.
Hätte sich Tim Marshall auch in den anderen Kapiteln so fokussiert mit der ambivalenten Macht der Flaggen auseinandergesetzt, er hätte ein richtig gutes Buch schreiben können. Stattdessen aber macht er genau das, was er – wie er in der Einleitung schreibt – eigentlich nicht machen will: Er erzählt in neun Kapiteln, grob gegliedert in Weltregionen, die Geschichten einzelner Flaggen nach. Was diese Farbe bedeutet, was jene, solche Sachen – das kann man auch im Lexikon nachschlagen. Weil Marshall insgesamt zu viele Flaggen bespricht, bleiben seine Ausführungen zwangsweise oberflächlich. Und meist kommt Marshall zu dem gleichen Ergebnis: Die Flagge einer Nation erfüllt den Zweck, Menschen zu vereinen, Gemeinsamkeit und Identifikation zu stiften. Erkenntnisgewinn? Nun ja.
Da versandet auch der Versuch, die mäandernden Erzählungen mit allerlei fun facts aufzulockern. Etwa wie Johann Wolfgang Goethe die Flagge Großkolumbiens beeinflusste; warum die meisten Schiffe weltweit unter der Flagge Panamas segeln; oder wie man – das ist in amerikanischen Gesetzen tatsächlich ausführlich vorgegeben – eine zerschlissene US-Flagge würdevoll zu verbrennen hat.
Das Manko dabei: Dem Buch fehlt die kritische Tiefe. So lässt Marshall etwa den ewigen Kampf Rechtsextremer um Deutungshoheit und Vereinnahmung nationaler Flaggen nur anklingen. Schade, denn hier hätten sich nicht nur mit England und Deutschland interessante Fallstudien angeboten.
Spannend wären auch Antworten auf jene Fragen, mit denen Marshall sich gar nicht beschäftigt. Etwa wie viel flaggenschwenkenden Patriotismus eine liberale, weltoffene und demokratische Gesellschaft eigentlich verträgt. Und warum Nationalflaggen – auch hierzulande – in der Populärkultur eine derartige Renaissance erleben. Denn die Frage muss erlaubt sein: Wäre es nicht eigentlich wünschenswert, wenn nationale Symbole an Bedeutung und emotionaler Aufladung verlieren? Das Beispiel Belgrad zeigt ja, wie eng Patriotismus verbandelt ist mit Ausgrenzung und Fremdenhass.
Keiner sollte das besser wissen als die Deutschen. Im Zuge der Aufarbeitung der Nazizeit hat sich das Land eine durchaus gesunde Scheu vor nationalen Insignien angeeignet. In den Achtzigerjahren hielt Jürgen Habermas für Schwarz-Rot-Gold bereits die Grabrede, er sah eine „postkonventionelle Identität“ heraufdämmern, in der nationale Symbole „ihre Prägekraft verloren haben“. Spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 wissen wir: Das Gegenteil ist der Fall.
MORITZ GEIER
Viele Fahnen werden präsentiert,
doch viele Fragen
bleiben ohne Antwort
Tim Marshall:
Im Namen der Flagge.
Die Macht politischer Symbole. Aus dem Englischen von Birgit Brandau.
dtv Verlag München 2017, 320 Seiten, 24 Euro.
E-Book: 20,59 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 25.11.2017
Ein Stückchen Stoff und doch viel mehr

Angetreten zum Appell: Tim Marshall stöbert in der Geschichte der Flaggen und stößt dabei auf skurrile und verstörende Fälle.

Von Hannes Hintermeier

Fahnen sind sichtbar gemachter Wind, notierte Elias Canetti. Wenn sie nur das wären, könnte man es bei diesem poetischen Bild belassen. Im politischen Alltag sind sie rund um den Globus viel mehr - Symbole für Nationalstaaten, die mit ihnen angeblich in den Nationalcharakter eingeschriebene Eigenschaften kommunizieren. Andere Flaggen sind Friedensoder Hilfsangebote, Signale und Handlungsanweisungen. Im Namen politischer Flaggen wird gemordet und gestorben, ihr Missbrauch, gar ihre Zerstörung stehen in vielen Ländern unter empfindlichen Strafen. Wer eine Flagge - und sei es aus Versehen - verkehrt herum hisst, wird ebenso Probleme bekommen wie, wenn sie beim Einholen den Boden berührt. "Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften die Farben, die Flagge, das Wappen oder die Hymne der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es im deutschem Gesetz. Ähnlich regeln das Frankreich, Italien, Österreich, die Schweiz und China.

Was immer Flaggen also für den Einzelnen bedeuten, ernst zu nehmen sind sie in jedem Fall. Das immerhin macht der englische Journalist Tim Marshall in seinem Buch "Im Namen der Flagge" deutlich. Marshall ist hierzulande mit dem Band "Die Macht der Geographie" (2015) bekannt geworden. Nun legt er nach, mit einer Mischung aus Geschichtsbuch, Wikipedia, Anekdote und Reportage. Er kann den langgedienten Auslandskorrespondenten, der für BBC und Sky viele Länder bereist, vier Bücher und diverse Beiträge in führenden Blättern seines Landes veröffentlich hat, nicht leugnen.

Das gründelt nicht immer tief und kippt gelegentlich in verkrampfte Lockerheit ("Zeit für eine Pause. Was uns zur italienischen Flagge bringt. Mittagessen ist angesagt."). Aber Marshall will kein akademisch fundiertes Nachschlagewerk liefern, sondern aus dem prallen Leben erzählen. Das beginnt mit der amerikanischen Flagge und deren Kultstatus. Den Umgang mit den Stars and Stripes regelt ein Buch, darin auch Vorschriften für die richtige Manier, sich von einer zerschlissenen Flagge zu verabschieden. Zur Zeremonie gehörten ein Feuer, das mit vier Holzarten entfacht werden soll (Mammutbaum, Walnuss, Zeder, Eiche), sowie feierliche Sprüche. Man hat es zweifellos mit religiös überhöhter Verehrung zu tun.

Auch die Bewohner des Vereinigten Königreichs genießen (noch) den Vorzug, sich unter dem Banner des Union Jack versammeln zu können: "Diese eine Flagge ist das einzige Objekt, das die gesamte nationale Identität repräsentiert", zitiert der Autor den britischen Vexillologen Graham Bartram. Lateinisch "vexillum" (Fahne) gab der Flaggenkunde den Namen. Ein Blick in die Statistik: 193 Mitgliedstaaten haben die Vereinten Nationen, etwa ein Drittel dieser Flaggen operiert mit religiösen Symbolen. "Von diesen vierundsechzig hat ungefähr die Hälfte ein christliches Symbol, und einundzwanzig haben ein islamisches." Die Zahl der Flaggen, die das Kreuz verwenden, beziffert Marshall mit zweiunddreißig, die meisten davon in Europa. Die Rolle, die Flaggen für populistische Bewegungen spielen, streift das Buch nur. Entspannt sieht der Autor jedenfalls die Hinwendung der Deutschen zu ihrer Flagge im Verlauf der Fußball-Weltmeisterschaft 2006: "Der langsam aufkeimende Nationalismus aufgrund der Flüchtlingskrise hat eine andere Qualität als die mörderische Hysterie der Vorkriegszeit und überwiegend nicht die Neigung, sich mit der Nationalflagge zu schmücken."

Ein Streifzug durch die Entstehungsgeschichten diverser Landesflaggen behandelt die Farben Arabiens und die neuen Identitäten der Länder in den Vor- und Hinterhöfen Russlands. Die größte Flagge der Welt weht in Dschidda. An einem 171 Meter hohen Mast hängt eine mehr als 1600 Quadratmeter große und 570 Kilogramm schwere Flagge Saudi-Arabiens. Marshall beschränkt sich nicht nur auf Staatsflaggen, sondern widmet sich auch Organisationen wie dem Roten Kreuz oder der Nato, der Zielflagge und der olympischen Flagge. Ausführlich geht er auf "Flaggen der Angst" ein, wie sie zuletzt erfolgreich Terrororganisationen wie der "Islamische Staat", zuvor bereits die Hizbullah, Hamas, Fatah oder die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden eingesetzt haben. Ähnliche Schrecken hat wohl nur die Piratenflagge verbreitet und tut dies bis heute. Ihr Konterpart, die Parlamentärflagge genannte weiße Fahne als Zeichen der Feuerpause, des freien Geleits oder der Kapitulation, genießt deshalb hohen Schutz: Deren Missbrauch zählt zu den schändlichsten Verbrechen.

Es gibt Fahnen mit hohem Wiedererkennungswert und Beliebtheitsgrad wie etwa die brasilianische, wenig bekannte wie die Mazedoniens, ästhetisch überragende wie jene Südkoreas, und es gibt Flaggenfamilien wie jene der skandinavischen Länder und die viele Variationen der gleichen Farben aufweisenden Flaggen der Länder Afrikas. Welche Wucht Flaggen entwickeln, illustriert Marshall mit einer Szene aus einem Fußballstadion in Belgrad, wo 2014 nach fast fünfzig Jahren zum ersten Mal wieder die serbische gegen die albanische Nationalmannschaft antrat. Mittels einer Drohne wurde eine Fahne über dem Spielfeld abgesenkt, die eine Karte von Großalbanien zeigte, den doppelköpfigen schwarzen Adler des Landes und Porträts zweier Freiheitskämpfer. "Die Botschaft lautete", schreibt Marshall, "dass die Albaner, die sich als Nachfahren der Illyrer des vierten vorchristlichen Jahrhunderts betrachten, die rechtmäßigen Bewohner der Region seien - und nicht die Slawen, die erst im sechsten Jahrhundert nach Christus kamen." Im Stadion brach ein Tumult aus, die Politik zog nach.

Der englische Originaltitel "Worth Dying For" klingt vollmundiger als die deutsche Übersetzung des Titels. Letztlich aber wird nicht nur diese Frage weiträumig umfahren: Warum setzen Menschen für Flaggen ihr Lebens aufs Spiel? Welche Rolle spielen sie in einem Europa, in dem überall nationalistische Parteien auf dem Vormarsch sind? Darüber erzählt Marshall am Ende dann doch zu wenig.

Tim Marshall: "Im Namen der Flagge". Die Macht politischer Symbole.

Aus dem Englischen von Birgit Brandau.

dtv Verlagsgesellschaft, München 2017.

320 S., Abb., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Eine unterhaltsame Lektion in Weltpolitik und Weltgeschichte. "
fachbuchkritik.de 19. September 2017
»Eine unterhaltsame Lektion in Weltpolitik und Weltgeschichte. «
fachbuchkritik.de 19. September 2017