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  • Format: ePub


Wenn der Vater mit dem Sohne ... Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Jason, geboren 2005, ist Asperger-Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater Mirco unterwegs auf Groundhopping-Tour durch die Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. Das Buch ist Zeugnis einer ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung, ein humorvolles und lehrreiches Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man versteht, dass Lieben ein Verb ist.…mehr

  • Geräte: eReader
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Produktbeschreibung
Wenn der Vater mit dem Sohne ... Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Jason, geboren 2005, ist Asperger-Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater Mirco unterwegs auf Groundhopping-Tour durch die Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. Das Buch ist Zeugnis einer ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung, ein humorvolles und lehrreiches Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man versteht, dass Lieben ein Verb ist.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Benevento
  • Seitenzahl: 244
  • Erscheinungstermin: 24. August 2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783710950308
  • Artikelnr.: 48237970
Autorenporträt
Mirco von Juterczenka, 1977 in Solingen geboren, arbeitet seit 15 Jahren als Manager in der Gastronomie. Sein Groundhopping-Projekt, über das er in dem Blog "Der Wochenendrebell - Groundhopping mit Asperger" (www.wochenendrebell.de) schreibt, entstand 2011. Sein Blog gewann den Grimme Online Award 2017 in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung".
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.11.2018

Sportbücher Spielfelder des Lebens – Geschichten über familiäre Bande, politische Pässe und ein Schicksalsjahr
Die Summe
der Rückennummern
Jason ist auf der Suche nach seinem Lieblingsverein.
Keine ganz leichte Sache, denn er ist Asperger-Autist.
Ein Roadmovie in Buchform über Stadien,
Fußball und die tiefe Zuneigung eines Vaters zu seinem Sohn
VON LUDGER SCHULZE
Jason hasst laute Umgebung, Menschenmengen, Fleischtomaten, Kinder, Salami und Gedränge. Jason liebt – zumindest zeitweise – seine Familie, Quantenmechanik, Klatschpappen und Fußball. Jason ist Asperger-Autist und irgendwie Fan. Weil man nur als Fan die Faszination und Emotionalität des Fußballs spüren kann, wie er gelernt hat, und keinesfalls als neutrale Egal-wer-gewinnt-Hauptsache-ein-schönes-Spiel-Instanz, ist er auf der Suche nach seinem Lieblingsverein. Gemeinsam mit seinem Vater Mirco von Juterczenka reist er seit gut sieben Jahren von Stadion zu Stadion und guckt Spiele von der Champions League bis hinunter in die rheinische Bezirksklasse. Über ihre skurrilen, lustigen, derben und mitunter bedrückenden Erlebnisse haben die beiden ein Blog verfasst, für das sie 2017 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurden, und das Beste daraus in einem großartigen Buch zusammengefasst, „Wir Wochenendrebellen“ heißt es.
Roadmovies in Buchform gibt es in Hülle und Fülle und Psychogramme von Fans seit Nick Hornbys Weltbestseller „Fever Pitch“ ebenso. Eines wie die „Wochenendrebellen“ gab es noch nicht. Normalerweise ist Fansein eine Erbangelegenheit, der Lieblingsverein wird vom Opa auf den Vater auf das Kind auf den Enkel übertragen, durch die geografische Lage bestimmt oder durch ein prägendes Ereignis. Bei Jason liegt der Fall anders, denn wie soll er sich für einen Verein entscheiden, wenn er die vielen anderen noch gar nicht kennt? Die Suche danach kann dauern, vielleicht ein Leben lang.
Ergebnisse sind für ihn nicht zwingend das Auswahlkriterium. Ihn faszinieren andere Dinge, die Summe der Rückennummern einer Mannschaft, die eingespielten Jingles bei Eckbällen, die Länge des Bahnsteigs in der jeweiligen Stadt oder die Farbe der Fußballschuhe.
Das Wichtigste sind Regeln, eiserne Regeln. Eine Regel beispielsweise besagt, dass Bestandteile des Essens einander nicht berühren dürfen, die Sauce nicht das Fleisch, das Gemüse nicht die Kartoffeln. Eine minimale Abweichung kann zur maximalen Eskalation führen. Als der Bistro-Kellner im ICE einmal die Tomatensauce über die Spaghetti kippt, statt sie gesondert in einem Schälchen zu bringen, rastet Jason aus. „Die Scheiße kannst du alleine fressen“, brüllt er. „Ich bin Asperger-Autist. Das bedeutet für mich, dass ich mich so ziemlich über alles aufregen kann“, erklärt er. Über alles und überall, im Wartezimmer beim Arzt, an der Supermarktkasse oder an der Bushaltestelle. Für den Vater ist der kreischende, um sich schlagende Jason eine Herausforderung, die er mit buddhahafter Gelassenheit bewältigt. Selbst dann, wenn der Sohn in gnadenloser Direktheit über den Papa urteilt: „Ich hoffe, ich seh’ den Arsch nie wieder“, erzählt er seinem Kuscheltier.
Die irrwitzigste Geschichte mit der Kapitelüberschrift „Welcome to the hell of St. Paulis Sanitärbereich“ ist extrem lustig und anrührend zugleich. Jason muss mal, was nicht so einfach ist, weil auch dieser Vorgang strengen Ritualen unterliegt. Im Stehen pinkeln – undenkbar. Und sitzen – ausschließlich auf weißen Klobrillen. So edel sind die Einrichtungen auf St. Pauli leider nicht. Die Sache eskaliert, weil Jason sich hartnäckig weigert, die ordinäre Pissrinne zu nutzten, lieber würde er sich einnässen. Am Ende einer schier endlosen Diskussion geht Juterczenka in die Hocke, stützt sich mit den Armen nach hinten ab und lässt seinen Sohn unter den Augen zweier ungläubiger Pauli-Fans auf den Oberschenkeln sitzen. Der Vater, im wahrsten Sinne des Wortes angepisst, kehrt stinkend auf die Tribüne zurück.
Szenen wie diese sind es, die einen Tränen lachen lassen oder beinahe zu Tränen rühren. Und sie machen deutlich, dass „Wochenendrebellen“ weniger ein Buch über Fußball ist als eines über die Liebe. Über die tiefe Liebe und unbedingte Loyalität eines Vaters, der kaum etwas unversucht lässt, um seinem Sohn das Leben zu erleichtern, um dessen Probleme zu lösen. Dass man dabei Einblicke in den Alltag einer Familie mit einem sehr außergewöhnlichen Kind erhält und eine ganz andere Seite des Fußballkosmos kennenlernt, ist lehrreich und unterhaltsam gleichermaßen.
Beinahe, beinahe hätte Jason, mittlerweile 13 geworden, übrigens doch schon seinen Herzensklub gefunden. In Gelsenkirchen sah es schwer danach aus, bis das Volk den alten Schlachtruf anstimmte: „Steht auf, wenn ihr Schalker seid!“ Prompt nahm Jason auf dem Betonboden Platz, denn: „Ich muss sitzen. Ich bin kein Schalker.“
Mirco von Juterczenka: Wir Wochenendrebellen. Benevento Books. 20 Euro.
Wie soll man sich für einen Verein
entscheiden, wenn man alle
anderen noch nicht kennt?
Das Stadion des FC St. Pauli: Kultstätte für die einen, für andere ein Ort mit ungeahnten Tücken.
Foto: Philipp Szyza / Imago
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»Autisten leiden nicht unter Autismus, sie leiden nur unter dem rücksichtslosen Umgang mit ihnen.« Mirco von Juterczenka