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»Die Wurzeln des Lebens« ist ein großer epischer Roman, der unseren Platz in der Welt neu vermisst - ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2019 für Literatur In Richard Powers Erzählwelt ist alles miteinander verknüpft. Die Menschen sind miteinander verwurzelt wie ein Wald. Sie bilden eine Familie aus Freunden, die sich zum Schutz der Bäume zusammenfinden: der Sohn von Siedlern, die unter dem letzten der ausgestorbenen Kastanienbäume Amerikas lebten; eine junge Frau, deren Vater aus China eine Maulbeere mitbrachte; ein Soldat, der im freien Fall von einem Feigenbaum aufgefangen wurde; und die…mehr

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Produktbeschreibung
»Die Wurzeln des Lebens« ist ein großer epischer Roman, der unseren Platz in der Welt neu vermisst - ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2019 für Literatur In Richard Powers Erzählwelt ist alles miteinander verknüpft. Die Menschen sind miteinander verwurzelt wie ein Wald. Sie bilden eine Familie aus Freunden, die sich zum Schutz der Bäume zusammenfinden: der Sohn von Siedlern, die unter dem letzten der ausgestorbenen Kastanienbäume Amerikas lebten; eine junge Frau, deren Vater aus China eine Maulbeere mitbrachte; ein Soldat, der im freien Fall von einem Feigenbaum aufgefangen wurde; und die unvergessliche Patricia Westerfjord, die als Botanikerin die Kommunikation der Bäume entdeckte. Sie alle tun sich zusammen, um die ältesten Mammutbäume zu retten - und geraten in eine Spirale von Politik und Gewalt, die nicht nur ihr Leben, sondern auch unsere Welt bedroht. »Wäre Powers ein amerikanischer Autor des 19. Jahrhunderts, welcher wäre er? Wahrscheinlich Herman Melville mit >Moby Dick<. Seine Leinwand ist so groß.« Margaret Atwood

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  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 624
  • Erscheinungstermin: 04.10.2018
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104908052
  • Artikelnr.: 52460882
Autorenporträt
Richard Powers, 1957 geboren, lebt in Urbana/Illinois. Er studierte Physik, arbeitete als Programmierer, bis er mit 32 seinen ersten Roman schrieb. In seinen Romanen verarbeitet er naturwissenschaftliche und/oder technische Themen. So etwa der aktuellen Gehirnforschung und ihrer psychologischen und philosophischen Implikationen in seinem bekanntesten und preisgekrönten Werk "Das Echo der Erinnerung". Mittlerweile zählt er zu den ganz großen amerikanischen Erzählern der Gegenwart. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet, seine Beiträge erschienen in der New York Times, Esquire, Times und Harper's.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Dieser Roman schillert in immer neuen Farben, er changiert zwischen Kunst und Kitsch, zwischen Geheimwissen und Wissenschaft. Er handelt von Vergangenheit und Zukunft und davon, wie wir mit beidem in der Gegenwart umgehen. Sein Thema ist nichts Geringeres als der Fortbestand unserer Welt. Eigentlicher Protagonist ist der Wald. "Der Wald ist ein besonderes Wesen, von unbeschränkter Güte und Zuneigung, das keine Forderungen stellt und großzügig die Erzeugnisse seines Lebenswerks weitergibt; allen Geschöpfen bietet er Schutz und spendet Schatten, selbst dem Holzfäller, der ihn zerstört." Richard Powers stellt im ersten Drittel acht Charaktere vor, die anderen zwei Drittel widmet er den komplexen Strukturen von Stamm, Krone und Samen. Erneut begegnen wir den Figuren, die der amerikanische Schriftsteller lose miteinander verbindet. Sie alle sind auf je eigene Art mit dem Erhalt der Bäume und des Waldes verbunden, kämpfen um beinahe jeden Preis gegen Abholzung und schnelle Verwertung dessen, was in Jahrhunderten auf natürliche Weise entstanden ist - und um unser aller Überleben. Ein eigenwilliger und eigentümlicher Roman, in dem man gleichwohl versinken und ungemein viel lernen kann.

© BÜCHERmagazin, Jeanette Stickler
Ein Buch von ungeheurer Sanftmut, Klugheit und Schönheit [...] in der trotzigen Hoffnung, dass die poetische Überzeugungskraft dieses neuen Romans sich in eine politische Handlungskraft verwandelt. Volker Weidermann LiteraturSPIEGEL 20181027

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Wolfgang Schneider schätzt Richard Powers dafür, dass er die Ideenromane unserer Zeit schreibt. Nicht Handlung steht hier im Vordergrund, sondern die Motivation und die Entwicklung der Figuren, erklärt Schneider. Auf den Rezensenten wirkt Powers' neuer Roman dennoch elektrisierend. Manche Passagen liest er gerne zweimal und schwelgt in der Beschreibungskunst des Autors. Dass Powers die Ökologie des Waldes und den Enthusiasmus einiger Waldbegeisterter in Literatur zu verwandeln vermag, findet Schneider groß, da sich Powers, anders als etwa Frank Schätzing, seinen Stoff nicht nur anliest und mit Crime anreichert, sondern ihm echte Passionen zugrundelegt und mit Themen und Leitmotiven gestaltet. Powers - ein legitimer Nachfolger Thomas Manns? Für Schneider durchaus, auch wenn Powers manchmal etwas allzu ehrfürchtig vor dem Mammutbaum steht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 24.10.2018

Mein Held, der Wald
Richard Powers erzählt in „Die Wurzeln der Welt“ vom Leben der Bäume mit den Menschen. Seine Beschreibungen sind grandios, aber ein
melancholisches Gefühl liegt über dem Roman: Hat sich die Menschheit nicht längst für den Ruin der Natur entschieden?
VON MARTIN EBEL
Jetzt stehen sie doch noch, die Bäume im Hambacher Forst, vielleicht sogar eine ganze Weile. Nachdem ein Rodungsstopp durchgesetzt wurde, darf RWE den Wald nicht abholzen, um Braunkohle zu fördern und die Naturschützer nehmen das Gelände wieder in Besitz. Ihr Kampf würde Richard Powers gefallen. Sein neuer Roman „Die Wurzeln des Lebens“, mit dem er für den Man Booker Prize nominiert war, ist ein Hohelied auf Bäume und Wälder, ein Menetekel für eine Menschheit, die um eines kurzfristigen Nutzens willen bereit ist, ihren größten Schatz zu verschleudern. Außerdem ein Heldenlied auf neun tapfere Bürger, die sich um diesen Schatz sorgen und ihn zu schützen suchen.
Aber predigt Powers, gerade in deutscher Übersetzung, nicht zu den Bekehrten? Steht nicht „Das Leben der Bäume“ des Försters Peter Wohlleben seit drei Jahren auf der Bestsellerliste und hat Nachahmer zuhauf gefunden? Hat nicht schon Elias Canetti im Wald das Nationalsymbol der Deutschen entdeckt? Baumbücher lesen und zum Waldenthusiasten zu werden ist leicht, die Konsequenzen daraus ziehen eine ganz andere Sache. Dieses Dilemmas ist sich Powers bewusst, er inkorporiert es sogar in sein Werk: „Das Leben hat so viel mehr Gesichter, und die Welt scheitert, gerade weil es keinem Roman gelingt, das Ringen um die Welt so interessant zu machen wie das Ringen zwischen ein paar verlorenen Menschen.“ Das hat Ray begriffen, eine der neun Hauptfiguren des Buches, ein ehemaliger Patentanwalt, der nach einem Schlaganfall gelähmt im Bett liegt und sich von seiner Frau Dorothy die Weltliteratur vorlesen lässt. Bis sie beide immer stärker von dem abgelenkt werden, was sich draußen in ihrem Garten tut.
Richard Powers, ein Mann von geradezu erschreckender Bildung, die zwischen klassischem Operngesang und Computertechnologie alles umfasst (oder sich einverleiben kann), schreibt seit 30 Jahren dicke Romane, die meist zwei Wissenschaften oder Wissensgebiete miteinander kombinieren. Im „Echo der Erinnerung“ etwa waren es Hirnforschung und der Schutz der heimischen Vogelwelt, in „Orfeo“ die Entwicklung der modernen Kunstmusik und Genetik. Auch „The Overstory“ (so der bezeichnende Originaltitel des neuen Romans) stellt dem Thema der bedrohten Wälder ein zweites gegenüber, verkörpert durch den querschnittsgelähmten Inder Neelay, einen genialen Computergameerfinder, der mit „Mastery“ eine Art Zivilisationsspiel erfunden und damit viele Millionen verdient hat.
Neelay lebt nerdmäßig von Bits und Bytes, Pizza und Kräckern und erlebt eine Art Epiphanie, als er bei einer Fahrt über den Campus von Stanford in den Dunstkreis der Bäume gerät. Dunstkreis ist wörtlich zu nehmen: Bäume senden Duftstoffe aus, Signale aneinander, aber auch ätherische Öle, die dem Menschen wohltun. Neelay inspirieren sie, sein Spiel der Wirklichkeit anzupassen, die digital geschaffene Welt mit begrenzten Ressourcen und unbegrenztem Wachstum kämpfen zu lassen, in der Hoffnung, seine Gamer könnten Auswege finden, die die Menschen in ihrer „kognitiven Blindheit“ nicht sehen (wollen).
Neun Hauptfiguren hat Powers’ Roman und jede bekommt ihr Baumerlebnis. Das Baumthema zieht alles an sich wie ein gigantisches grünes Loch. Selbst die Struktur des Buches ist ihm geschuldet. Zwar schreibt Powers nicht wie die barocken Poeten, die ihre Verse bisweilen baumförmig anordneten, aber in großen Kapiteln, die „Wurzeln“, „Stamm“, „Krone“ und „Samen“ heißen. So streben die verschiedenen Biografien der Hauptpersonen anfangs aufeinander zu, wie Wurzeln, bis sie sich im Stamm des Romans zu einem gemeinsamen Anliegen erheben und sich hoch oben in den Ästen der Krone wieder verzweigen.
Das gemeinsame Anliegen ist der Kampf um die Mammutbäume im Nordwesten Amerikas, über tausend Jahre alte Riesen, die gefällt und zu Holz verarbeitet werden sollen im Auftrag eines „Finanzhais aus Texas, der nie in seinem Leben Mammutbäume erblickt hat, sie aber allesamt abschlachten will, um damit den Kredit abzubezahlen, den er aufgenommen hat, um sie zu erwerben“. Zu den Baumschützern gehört Douglas Pavlicek, ein kriegsbeschädigter Veteran, der jahrelang Baumschösslinge gepflanzt hat, bis er begriff, dass man ihn reingelegt hat: Durch die Pflanzaktion hatte die Holzfirma die Schlagquote ausgewachsener Bäume erhöhen dürfen. Oder die Ingenieurin Mimi Ma, sanftmütige Tochter chinesischer Einwanderer, die sich radikalisiert, als in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Bäume vor ihrem Büro umgehauen werden, unter denen sie sich immer erholt hat. Dann Adam, ein Psychologie-Professor, der erforscht, warum „die Menschen das Offensichtliche nicht sehen“, nämlich dass sie die eigenen Lebensgrundlagen zerstören. Die Abholzung der Wälder, ergänzt Powers, trage mehr zum Treibhauseffekt bei als der gesamte Verkehr auf der Welt. Den höchsten Einsatz wagen Nick und Olivia. Nick ist der Nachfahre eines norwegischen Immigranten, der mitten in Iowa eine Kastanie gepflanzt und ihr Wachsen allmonatlich durch Fotografien dokumentiert hat. Später haben seine Nachkommen diese Aufgabe übernommen. Sein Ururenkel Nick verfügt so über hunderte von Fotos, die, wenn er sie wie in einem Daumenkino durch die Finger rattern lässt, die Entwicklung der Kastanie im Schnelldurchlauf zeigt. Ein bestechender Einfall Powers‘, der gewissermaßen die Baumzeit in Menschenzeit übersetzt.
Olivia wiederum, eine flippige Studentin, überlebt einen Stromschlag durch eine defekte Zimmerlampe und lebt fortan in einer anderen Dimension, in der ihr Geister Nachrichten zuflüstern. Auf deren Geheiß nimmt sie an einer waghalsigen Rettungsaktion teil: Gemeinsam mit Nick besteigt sie einen der bedrohten Mammutbäume und richtet sich in 60 Meter Höhe ein Lager ein, um seine Fällung zu verhindern. Hier befinden wir uns botanisch in der Krone, literarisch aber im Kern des Buches. Mimas – die Baumpersönlichkeit hat auch einen Namen – beherbergt Nick und Olivia fast ein Jahr lang. Ab und zu bringt man ihnen Essen, aber eigentlich sorgt Sequoia sempervirens für sie. In luftiger Höhe gibt es eine ganze Welt: Es wachsen Heidelbeeren, in Wassertümpeln schwimmen Fische. Die Baumbesetzer legen ihre zivilisatorischen Gewohnheiten und Verformungen ab, sie leben „in einem Rhythmus, der keinen Rhythmus hat“.
Durch das Studium der Natur – und einiger biologischer Bücher, die Vorgänger hinterlassen haben – steht ihnen konkret vor Augen, was Powers eine andere Figur erst erklären lässt: Die exzentrische Zoologin Patricia Westerford hat als erste entdeckt, dass Bäume miteinander kommunizieren. Dass sie „einander heilen“. Dass sie das, was sie produzieren, aus den Quellen von Licht, Wasser und Erdboden schöpfen, mit ihrer Umgebung teilen und unzählige andere Lebewesen ernähren.
Powers’ Zoologin und ihre Prosa ähneln Peter Wohlleben und seinem Bestseller, der übrigens auch in den USA verbreitet ist und in mehreren Rezensionen zu „The Overstory“ zitiert wird. Powers, ganz von der Zoologin angesteckt, die er erfunden hat, entwirft mit dem Wald eine Gegenzivilisation, eine Ökonomie der Großzügigkeit und Freigiebigkeit, eine andere Zeitrechnung, die auf Nachhaltigkeit setzt und in Jahrtausenden denkt. Das Maß der Dinge ist nicht der Mensch, sondern der Baum, Wälder sollen Vorbilder für menschliche Gemeinschaften sein. Der Begriff „Natur“ soll nicht nur mit dem Tierreich verbunden sein, dem Fressen und gefressen werden, das als Vorwand für menschliche Untaten herhält. Sondern auch mit dem Pflanzenreich, in dem friedliche Koexistenz herrscht, ein Geben und Nehmen, sogar über den Tod hinaus, denn ein toter Baum dient wiederum unzähligen anderen Lebewesen als Nahrung und Wohnstatt.
Menschen und Bäume, so Westerford und Powers, teilten immerhin ein Viertel ihrer Gene; ihr Weg habe sich erst vor anderthalb Milliarden Jahren getrennt. Die Schwärmerei läuft Gefahr, in Esoterik abzugleiten, und Powers, bei aller Begeisterung, bei aller Beschreibungsgrandiosität, die man immer wieder findet, entgeht der Gefahr nicht. „Die Wurzeln des Lebens“ könnte durchaus zu jenen Büchern gehören, nach deren Lektüre mancher sein Leben ändert – so wie nach Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ der eine oder andere zum Vegetarier wurde.
Das Leben des Autors hat es schon geändert; Richard Powers ist aus der Stadt in den Wald gezogen, statt in Palo Alto lebt er jetzt in den Great Smoky Mountains in den Appalachen. Nun hat er aber einen Roman geschrieben und kein Traktat. Und Romane handeln von Menschen, nicht von der Menschheit. Die Natur liefert keine literaturfähigen Helden, mögen sie auch Mimas heißen und staunenswertes vollbringen.
Die menschlichen Helden bleiben blass in diesem Buch, schon weil sie die Guten sind und die anderen die Bösen, sie die Wissenden und die anderen die Ignoranten. Eine solche klare Aufteilung ist nie gut für die Literatur. Auch die Spannung, die Powers gekonnt schürt, bei einigen Schlachten zwischen Waldschützern, Holzarbeitern und der (mit enormer Brutalität vorgehenden) Polizei, verfliegt schnell. Denn keine diese Schlachten kann gewonnen werden. Und selbst wenn: Das große Spiel ist schon entschieden, die Sache ist verloren, die Menschheit hat dafür optiert, sich zugrunde zu richten. Daran besteht für den Romancier kein Zweifel. Die daraus entspringende Melancholie, die sich über den Roman legt wie ein emotionaler Grauschleier, hält die bald handelnden, bald verzweifelnden Personen in ihrem Bann. Dass nach Maßstab der Bäume die Zeit der Menschen nur eine Episode sein wird, ist kein Trost. Powers’ Weg zum Baum mag richtig sein – literarisch ist es ein Holzweg.
Bäume senden Duftstoffe aus,
Signale aneinander und
ätherische Öle, die uns wohltun
Powers entwirft mit dem Wald
eine Gegenzivilisation, eine
Ökonomie der Großzügigkeit
Romane handeln
von Menschen, nicht
von der Menschheit
Camping unter Mammutbäumen in Kalifornien: Menschen und Bäume, erfährt man in Powers’ Roman, teilen immerhin ein Viertel ihrer Gene. Ihre Evolution ist erst vor anderthalb Milliarden Jahren auseinander gegangen. Heute leben sie in verschiedenen Dimensionen nebeneinander her.
Foto: Peter Amend/Mauritius Images
Richard Powers: Die Wurzeln des Lebens. Roman. Aus dem
Englischen von Manfred Allié und Gabriele
Kempf-Allié. S. Fischer, Frankfurt 2018. 618 Seiten, 26 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.04.2019

Und dann singen diese zotteligen Naturfreunde auch noch!
Wie man sich durch die Schönheit der Wälder radikalisiert: Der Roman "Die Wurzeln des Lebens" des Amerikaners Richard Powers

Der Schriftsteller Richard Powers schildert Charaktere, die sich der Ordnung der Dinge nicht länger fügen und unverhofft zu "Gefährdern" werden. In seinem letzten Roman "Orfeo" geriet ein Avantgarde-Musiker, der sich aus kompositorischen Gründen für Gensequenzen interessiert und in seiner Küche ein kleines Labor für biologische Experimente einrichtet, in den Verdacht, ein Biobombenbauer zu sein. In Powers' neuem Roman nun, seinem bisher erfolgreichsten in den Vereinigten Staaten, werden aus friedlichen Bürgern, die sich das nie hätten träumen lassen, Öko-Terroristen.

Zum Beispiel Nick Hoel, der Nachfahre norwegischer Einwanderer. Sein Großvater hat eine Kastanie gepflanzt, deren Wachstum alljährlich in Fotos festgehalten wurde, die Nick geerbt hat - ein grandioses Daumenkino. In den östlichen Laubwäldern Nordamerikas war die Kastanie einst die vorherrschende Baumart, bis ein von Menschen eingeschleppter Pilz Milliarden Bäume vernichtete. Die mächtige Kastanie auf der Farm der Hoels aber überlebte, weil sie zu weit von ihren Artgenossen entfernt stand, um von der Krankheit hingerafft zu werden.

Die ersten zweihundert Seiten dieses großangelegten Werks bilden unter dem Titel "Wurzeln" eine Sammlung eigenständiger Novellen, die später im "Stamm" zusammengeführt werden, vorerst aber zwanglos verbunden sind durch das Leitmotiv der Bäume. In jeder dieser Geschichten steht eine Figur im Mittelpunkt, in deren Leben es ein Schlüsselerlebnis mit Bäumen gibt, prägende, nicht immer angenehme Erfahrungen: Eine Frau prallt mit ihrem Auto gegen eine Linde, ein indischstämmiger Junge fällt von einer Steineiche und ist querschnittsgelähmt. Mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten wird er zum Möglichkeitsmenschen in der virtuellen Welt: ein Programmierer von Computerspielen, deren Komplexität der Natur nachgebildet ist.

Douglas, ein Pilot im Vietnam-Krieg, stürzt ab, landet mit seinem Fallschirm aber in einem lebensrettenden Feigenbaum. Er beschließt, im Gegenzug Bäume zu retten, zieht durch die Vereinigten Staaten und pflanzt Setzlinge. Sein Ärger ist groß, als er irgendwann erfährt, dass er mit seiner Mühe der Holzindustrie nur eine weitere Legitimation gibt, noch mehr Bäume zu fällen. Solche Wutmomente ereignen sich im Leben der meisten Figuren, und sie führen in den "Stamm" und die "Krone" des Romans. Dort verbinden sich die Geschichten zu einem Epos vom Widerstand gegen den Abholzungskapitalismus.

Nur drei Prozent der nordamerikanischen Mammutbäume haben die menschliche Zivilisation bisher überlebt. Der Roman schildert in seinen faszinierendsten Passagen, wie Aktivisten einen gigantischen Mammutbaum besetzen; historischer Hintergrund sind die Proteste des "Redwood Summer" 1990. Nick und seine Gefährtin Olivia leben ein ganzes Jahr in Hochhaushöhe auf einer im Wind schwankenden Plattform und erkunden die Biotope in der Baumkrone, etwa einen Teich mit Fischen in einer tiefen Ast-Mulde. Von dort oben müssen sie zusehen, wie monströse Maschinen den Wald ringsum verschlingen, Maschinen, die einen riesigen Baum packen und zerkleinern, als würde ein Küchengerät eine Möhre schnitzeln. "Neunhundert Jahre alte Bäume gehen in zwanzig Minuten zu Boden."

Schließlich werden die Besetzer mit einem Hubschrauber attackiert, dessen Rotorensturm sie zur Aufgabe zwingt. Spätestens hier beginnt man die den Roman antreibende Wut über die Vernichtung der alten Wälder zu teilen, die als Ökosysteme nicht durch junge Holzplantagen zu ersetzen sind.

Powers bleibt allerdings Romancier genug, um Ambivalenzen zuzulassen. Er schickt den jungen Psychologen Adam zu den Baumbesetzern hinauf, dem es um die Erforschung der psychischen Strukturen des politischen Idealismus zu tun ist. "Identitätsbildung und Persönlichkeitsmerkmale bei Pflanzenrechtsaktivisten" soll der Titel seiner Studie lauten. Adam hält die Öko-Aktivisten zunächst für "engstirnige Parolenschwinger". Mit ihrem Erscheinungsbild kann er sich nicht anfreunden: "Sie beginnen mit einem Lied. Adam zwingt seinen Hass auf die selbstgerechte Singerei nieder. Die zottligen Naturliebhaber und ihre Plattitüden sind ihm peinlich." Später gibt er die Position des skeptischen Beobachters auf, beteiligt sich am Kampf für die Bäume und ist dabei, als Aktivisten auf eine Touristensiedlung im Wald einen Brandanschlag verüben. Die Attacke läuft allerdings gründlich schief, ein Mensch stirbt, und aus den Idealisten sind nun landesweit gesuchte Öko-Terroristen geworden, die von der Polizei noch viele Jahre später in ihren bürgerlichen Existenzen aufgespürt werden.

Spieltheorie, Künstliche Intelligenz, Hirnforschung, Molekulargenetik, Informatik, Musiktheorie und nun die Ökologie des Waldes - offenbar gibt es keine Wissenswelt, vor der Richard Powers zurückschreckt. Die große Begabung des 1957 geborenen Autors, der mit seinen bisher zehn Romanen zu den bedeutendsten seiner Generation gehört, besteht darin, solche schwierigen Themen romangängig zu machen. Dabei setzt er keineswegs auf die Rezepturen, mit denen etwa ein Frank Schätzing seine Bestseller zusammenbraut - angelesene Kenntnisse mit viel Crime verquirlt. Vielmehr hat Richard Powers eine ganz besondere Art, seine Figuren zu entwickeln. Sie werden nicht von romanüblichen Leidenschaften wie Liebe und Eifersucht, Ehrgeiz oder Rachsucht getrieben, sondern verschreiben sich einer intellektuellen oder künstlerischen Passion, die ihr Bild der Welt formt und ihre Beziehungen zu anderen Menschen bestimmt. Es sind Begeisterte, von ihrer Sache Ergriffene, und es macht den Reiz der Lektüre aus, dass wir an ihren geistigen Abenteuern, ihrem Enthusiasmus und ihrer Weltneugier teilhaben.

Das gilt hier vor allem für die Figur der Biologin Patricia Westerford. Sie hat nicht nur die Initialen mit dem deutschen Förster Peter Wohlleben gemeinsam, sondern vermittelt auch wie dieser ihre Erkenntnisse über die "sozialen" Fähigkeiten der Bäume. Durch Gerüche warnen sie sich gegenseitig vor Bedrohungen durch Parasiten; und sie kommunizieren über ein unterirdisches Netz aus Wurzelwerk und Pilzverflechtungen, das Wood-Wide-Web, die "Pilzpost". Um 1970 widerspricht das allen Auffassungen der etablierten Forstwissenschaft, die Westerford denn auch eine kalte Abfuhr erteilt. Sie wird zur weltverdrossenen Waldgängerin, um erst viele Jahre später eine triumphale Rehabilitierung zu erleben.

"Die Wurzeln des Lebens" gehört zu jener anspruchsvollen Spielart von Romanen, die nicht durch eine spannende Handlung, sondern durch das Netzwerk ihrer Themen und Leitmotive zusammengehalten werden - man denke an den "Zauberberg". Auch wenn Ironie nicht zu seinen Stärken gehört, könnte man Richard Powers als einen Nachfolger Thomas Manns bezeichnen, als Poeta doctus, der mit einem sehr nuancierten, auf die Formulierbarkeit der Welt vertrauenden Stil die Ideenromane unserer Zeit schreibt.

Nur an einigen Stellen erscheint die zu den Bäumen hochschauende Ehrfurchtsprosa zu dick aufgetragen, wenn es etwa heißt, "alle menschliche Weisheit" sei bedeutungslos, "verglichen mit dem Schimmern der Buchenblätter im Wind". Der Ton, in dem die Wunder des Waldes gefeiert werden, wirkt bisweilen predigerhaft; vor allem das Adjektiv "staunenswert" sollte der Autor lieber den Vertretern des "Intelligent Design" überlassen.

Dennoch: Mit der Leuchtkraft und Intelligenz seiner Beschreibungskunst zieht dieser Roman in den Bann. Gerne blättert man zurück, um bestimmte Abschnitte noch einmal zu lesen - dieses Buch ist ein Page-Returner. Und Richard Powers ein Autor, der darauf vertraut, dass Komplexität die Leser nicht abschreckt, sondern für ein literarisches Werk gewinnen kann.

WOLFGANG SCHNEIDER

Richard Powers:

"Die Wurzeln des Lebens". Roman.

Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2018. 618 S., geb., 26,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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