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Das aufblitzende Blau eines Eisvogels. Das Gelb des Pirols im Blätterdach eines Auwaldes. Ein Schwan vor dunklem Schilf. Auch der Morgenchor in unseren Wäldern oder das Abendlied einer Amsel machen uns staunen, so wie die schwebende Möwe im Sturm oder der Adler im Aufwind. Vögel strahlen Schönheit, Anmut und Freiheit aus. Doch sie werden immer weniger. Wenn sie verschwinden, werden auch wir verschwinden. Der bekannte Vogelkundler Peter Berthold zeigt uns den Weg, dies zu verhindern.…mehr

Produktbeschreibung
Das aufblitzende Blau eines Eisvogels. Das Gelb des Pirols im Blätterdach eines Auwaldes. Ein Schwan vor dunklem Schilf. Auch der Morgenchor in unseren Wäldern oder das Abendlied einer Amsel machen uns staunen, so wie die schwebende Möwe im Sturm oder der Adler im Aufwind. Vögel strahlen Schönheit, Anmut und Freiheit aus. Doch sie werden immer weniger. Wenn sie verschwinden, werden auch wir verschwinden. Der bekannte Vogelkundler Peter Berthold zeigt uns den Weg, dies zu verhindern.
  • Produktdetails
  • Ullstein Taschenbuch .37769
  • Verlag: Ullstein Tb
  • 2. Auflage
  • Seitenzahl: 336
  • Erscheinungstermin: 8. Juni 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 123mm x 29mm
  • Gewicht: 349g
  • ISBN-13: 9783548377698
  • ISBN-10: 3548377696
  • Artikelnr.: 50012201
Autorenporträt
Berthold, Peter
Peter Berthold, geboren 1939, ist Ornithologe und Verhaltensforscher. Von 1981 bis 2005 war er Professor für Biologie an der Universität Konstanz, ab 1998 bis zu seiner Emeritierung Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie. Er hat das ornithologische Standardwerk "Vogelzug" verfasst sowie den Bestseller "Vögel füttern, aber richtig". 2001 war er Berater für den legendären Kinofilm "Nomaden der Lüfte". Berthold erhielt viele Auszeichnungen und beschäftigt sich unter anderem mit den Folgen des Klimawandels.
Rezensionen
Besprechung von 26.08.2017
Jeder Gemeinde
ihr Biotop
Peter Berthold wirbt für einen
neuen Weg des Naturschutzes
Vor vierzig Jahren, 1977, führten frühe Forschungsergebnisse von Peter Berthold, dem langjährigen Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell, zur Aktion: „Rettet unsere Vögel – wir brauchen sie“. Rachel Carsons „Stummer Frühling“, als Buch ein Jahrzehnt früher erschienen, drohte damals auch bei uns Wirklichkeit zu werden. Der Naturschutz erlebte durch diese Anstöße einen noch nie da gewesenen Aufschwung. Die Europäische Vogelschutzrichtlinie entstand und versprach einen umfassenden Schutz der nicht jagdbaren Vogelarten. Und die Zahl der Vogelbeobachter nahm rapide zu, wenngleich nicht annähernd so stark wie in Großbritannien und den USA.
Doch was so heftig aufflammte, erwies sich als Strohfeuer. Bereits in den Neunzigerjahren zeichnete sich ab, dass es insgesamt weiter abwärts ging mit Vorkommen und Häufigkeit der Vögel in Deutschland. Noch schönte die Wiedervereinigung die Bilanzen. Ostdeutschland brachte nahezu alles mit an Arten, die im Vogelschutz Rang und Namen haben, von Seeadler und Kranich bis zur Nachtigall und raren Ammern, und diese auch in zumeist großen Beständen. Obgleich mehr als ein Vierteljahrhundert seit der Wiedervereinigung vergangen ist, trennt die alte Grenze immer noch den natur- und artenreichen Osten und den verarmten Westen Deutschlands, wo der Naturschutz seinen Anspruch nicht erfüllte.
Die Bestimmungen und Beschränkungen treffen im Wesentlichen die Naturfreunde mit Aussperrung und Verboten, ohne den gefährdeten Arten zu helfen. Der Naturschutz als Bündel staatlich-hoheitlicher Maßnahmen blieb tatsächlich so weit hinter den Notwendigkeiten zurück, dass der Niedergang der Vögel nicht gebremst, geschweige denn umgekehrt werden konnte. Verbesserungen wurden nur bei solchen Arten erzielt, die weitgehend bis ganz von der Jagd verschont wurden.
Ein neuer Ansatz war also notwendig. Der bisherige erwies sich als nicht geeignet, dem Artenschwund entgegenzuwirken. Peter Berthold: „Trotz Schutzstatus sind die meisten dieser Gebiete nach wie vor weit mehr land-, forst- und fischereiwirtschaftliche, touristische und sonstige Nutzgebiete als echte Schutzräume für wild lebende Tiere und Pflanzen. Daher können sie den Verfall der Artenvielfalt keineswegs aufhalten, obwohl das eigentlich beabsichtigt war.“ Sein Fazit: „Unsere gesamte Flora und Fauna ist heruntergewirtschaftet“.
Dem vernichtenden Urteil über den behördlichen Naturschutz setzt er einen neuen Ansatz entgegen: „Jeder Gemeinde ihr Biotop“. In diesem Mittelweg zwischen staatlich und privat sieht Peter Berthold die Lösung des Dilemmas, das die großen Naturschutzverbände gar nicht mehr anzugehen versuchen, weil sie inzwischen mit der Rettung der Welt vor dem drohenden Klimawandel beschäftigt und offenbar bereit sind, zu dessen Abwehr die bislang umfassendste Vernichtung von Biodiversität und von Biotopen hinzunehmen zugunsten der erneuerbaren Energien. Mais und Windräder sind wichtiger als Lerchen, Schmetterlinge und Blumen.
Natur im Privatgarten reicht aber nicht, die Verluste auf den Fluren auszugleichen. Größere Flächen werden benötigt. Die Kommunen haben solche oder können sie wiederherstellen. Dieser maßgeblich von Peter Berthold selbst entwickelte und von der Heinz-Sielmann-Stiftung konkret geförderte, alternative Naturschutz bildet das Kernstück des Buches. Die geschilderten Beispiele überzeugen. Die Vorgehensweise ist nachvollziehbar, auch was die Mittelbeschaffung betrifft.
Nicht nachvollziehbar ist hingegen, weshalb unsere Naturschutzverbände nicht sofort mit fliegenden Fahnen und dem politischen Gewicht ihrer großen Mitgliederzahlen darauf eingegangen sind und sich vom staatlichen Naturschutz verabschiedet haben. Diesem täte es gut, ein entsprechendes Gegengewicht zu bekommen, das zeigt, wie man Naturschutz erfolgreich macht. Doch bei der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes zeigten sie kein Interesse, die grundlegenden Schwächen dieses Gesetzes anzugehen.
Also muss tatsächlich von der Basis aus neu aufgebaut werden. Peter Berthold hat völlig recht, wenn er klarstellt: „Wenn wir Artenvielfalt doch noch retten wollen, … können wir dazu nicht auf ,Einsicht‘, ,Aufklärung‘ und entsprechende ,Maßnahmen‘ von Politik und Staat hoffen, denn das haben wir 150 Jahre lang vergeblich getan. Nein, wir müssen selber aktiv werden.“
JOSEF H. REICHHOLF
„Unsere gesamte Flora
und Fauna ist
heruntergewirtschaftet.“
Peter Berthold:
Unsere Vögel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können.
Ullstein Verlag,
Berlin 2017. 336 S.,
24 Euro.
E-Book 19,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 20.10.2017
Wie wär's mit einem Starenkasten?

Kognitiv sehr flexibel, doch oft durch schwindende Lebensräume bedroht: Jennifer Ackermann zeigt, was Vögel so alles können. Und Peter Berthold gibt Tipps, wie man ihnen das Leben leichter machen kann.

Das wissenschaftliche Studium tierischer Intelligenz wurde lange vom Behaviorismus beherrscht: Man verbat sich, selbst wenn es Ausnahmen gab, jeden Bezug auf interne mentale Prozesse. Seit drei Jahrzehnten ist in der Verhaltensforschung diese Bezugnahme dagegen selbstverständlich geworden, wenn es um die Erforschung kognitiver Fähigkeiten von Tieren geht. Zudem wird die Intelligenz von Tieren nun nicht mehr in Labyrinthen oder anderen angeblich universellen Versuchsanordnungen untersucht. Kognitive Fähigkeiten werden vielmehr als spezifische Anpassungen betrachtet: Tiere können, ebenso wie Menschen, bestimmte Aufgaben gut zu lösen, sich bei anderen, denen kein Stellenwert im Lauf ihrer evolutionären Vorgeschichte zukam, aber extrem "dumm" anstellen. So sind Schimpansen etwa nicht sonderlich begabt, menschliche Gesichter zu unterscheiden, bei den Gesichtern ihrer Artgenossen haben sie damit jedoch keine Schwierigkeiten.

Die kognitiven Leistungen von Menschenaffen einzuschätzen ist wegen ihrer evolutionären Nähe zum Menschen noch vergleichsweise einfach. Bei Vögeln ist das schwieriger. Die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Jennifer Ackermann zeigt in ihrem Buch, dass Vögel eine Tiergruppe sind, die eine nach unseren eigenen kognitiven Fähigkeiten zugeschnittene Definition von Intelligenz in Frage stellen. Ihr Buch ist eine fast schon enzyklopädische Zusammenfassung der sozialen und kognitiven Leistungen von Vögeln. Als Lebewesen, die in räumlich komplexen Lebensräumen leben und deren Jahreszyklus häufig enorm lange Reisen zwischen Brut- und Überwinterungsplätzen einschließt, ist es wenig verwunderlich, dass viele kognitive Anpassungen räumliche Orientierung und räumliches Gedächtnis betreffen.

Kiefernhäher vergraben Kiefernsamen in bis zu 5000 verschiedenen, über Hunderte von Quadratkilometern verteilten Verstecken, um den harschen Winter zu überstehen. Die Vögel erinnern sich bis zu neun Monate an die Verstecke und fliegen sie direkt an, ohne Energie mit einer ungezielten Suche zu verschwenden. Buschhäher wissen sogar, was sie wann versteckt haben - sie berücksichtigen die unterschiedliche Haltbarkeit der versteckten Nahrung, wenn sie die Verstecke wiederaufsuchen. Auf der Pazifikinsel Neukaledonien experimentieren Krähen mit verschiedenen Materialien, bis sie verschiedene hakenförmige Werkzeuge zur Futtersuche hergestellt haben. Vögel sind kognitiv flexibel und innovativ, und dies hat ihnen erlaubt, fast alle Lebensräume zu erobern. Die kognitiven Fähigkeiten von Vögeln zu bewundern ist lehrreich, doch Ackermann verliert nur wenige Worte darüber, dass viele Vogelarten bedroht sind.

Mit dieser Bedrohung setzt sich Peter Berthold in seinem Buch auseinander. Seit dem Ende der neunziger Jahre zeigen ein Drittel aller Vogelarten in Deutschland signifikante Bestandsabnahmen. Der Verlust von Lebensraum und das Insektensterben treiben diese Entwicklung, und für beides ist vor allem die intensive Landwirtschaft verantwortlich, wie zahlreiche Forschungsarbeiten zeigen. Auch nicht zu vernachlässigen ist, dass rund zwei Millionen Hauskatzen vermutlich dreißig Millionen Vögel pro Jahr töten.

Wie es sich für dieses Genre gehört, ist der Ton in Bertholds Buch manchmal ein bisschen apokalyptisch, doch der Autor, bis 2005 Leiter der Vogelwarte Radolfzell, belässt es nicht beim Problemdiagnosen, sondern zeigt, wie man dieser Entwicklung gegensteuern kann. Berthold stellt ein Konzept vor, das er schon 1988 mit Kollegen am Radolfzeller Max-Planck-Institut entwickelt hat: eine Renaturierung von Lebensräumen, die nur wenig attraktiv für landwirtschaftliche Bewirtschaftung sind. Es geht ihm nicht um die Vernetzung bestehender Biotope, sondern um die Wiederherstellung hochwertiger Lebensräume auf 10 bis 15 Prozent der Fläche der Bundesrepublik.

Das Denken in der Ökologie über das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft bewegt sich zwischen zwei Polen: Manche Wissenschaftler erhoffen sich von einer allgemeinen De-Intensivierung der Landwirtschaft eine Erholung von Artenbeständen, andere akzeptieren, dass eine intensive - aber möglichst nachhaltige - Landwirtschaft notwendig ist, und plädieren dafür, wenig produktive Flächen der Bewirtschaftung zu entziehen und zu denaturieren. Berthold zählt zum letzteren Lager, fand zuerst für seine Idee kaum politische Unterstützung. Doch seit 2017 läuft in acht Bundesländern das Projekt "Jeder Gemeinde ihr Biotop". Der Autor gibt denn auch konkrete Hinweise und Tipps, was getan werden kann: zur Gestaltung und Erhaltung von Biotopen, zur Anlage von Gärten und zur Vogelfütterung. Sie können Gartenbesitzern Ansporn sein, einige Rezepte Bertholds auszuprobieren, um den genialen Fliegern, deren Fähigkeiten Jennifer Ackermann beschreibt, beizuspringen.

THOMAS WEBER

Jennifer Ackermann: "Die Genies der Lüfte." Die erstaunlichen Talente der Vögel.

Aus dem Englischen von Christel Dormagen.

Rowohlt Verlag, Reinbek 2017. 448 S., geb., 24,95 [Euro].

Peter Berthold: "Unsere Vögel". Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können.

Ullstein Verlag, Berlin 2017. 331 S., geb., 24,- [Euro].

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