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Es ist der Höhepunkt in der Karriere eines Mannes, als am 17. Oktober 2007 der erste große Durchstich des längsten Tunnels der Welt, des Gotthard-Basistunnels, gefeiert wird. Aber dieser Tag ist zugleich ihr Ende. Ein packender Gesellschafts- und Entwicklungsroman.

Produktbeschreibung
Es ist der Höhepunkt in der Karriere eines Mannes, als am 17. Oktober 2007 der erste große Durchstich des längsten Tunnels der Welt, des Gotthard-Basistunnels, gefeiert wird. Aber dieser Tag ist zugleich ihr Ende. Ein packender Gesellschafts- und Entwicklungsroman.
  • Produktdetails
  • detebe Diogenes Taschenbücher 24092
  • Verlag: Diogenes
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 375
  • Erscheinungstermin: Februar 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 113mm x 22mm
  • Gewicht: 286g
  • ISBN-13: 9783257240924
  • ISBN-10: 3257240929
  • Artikelnr.: 33371339
Autorenporträt
Rolf Dobelli, geboren 1966 in Luzern, studierte Philosophie und Betriebswirtschaft, arbeitete bei der Swissair, gründete ein Unternehmen und lebte in Australien, Hongkong, England und in den USA. Bei Diogenes erschienen sieben Bücher, zuletzt 'Fragen an das Leben', im Carl Hanser Verlag seine beiden Sachbuchbestseller 'Die Kunst des klaren Denkens' und 'Die Kunst des klugen Handelns'. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Rolf Dobelli lebt mit seiner Familie in Bern.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 24.06.2011

Verbohrt in der Fremde
Rolf Dobelli mutet Einwanderern viel zu

Viele Jahre investiert der Bauunternehmer Massimo Marini in die Vorbereitung dieses Tages, an dem endlich der Durchstoß im Felsmassiv des Gotthard gelingt: "Die Tunnelbohrmaschine von Norden hatte sich durch das letzte Felshäutchen geschrammt." Eine Art Entjungferung also, wenn auch nicht die erste für den Berg. Bereits der Straßentunnel und der alte Gotthard-Scheiteltunnel aus dem späten 19. Jahrhundert verbinden den nördlichen mit dem südlichen Teil des Landes bis hinunter nach Italien.

Schweizerisch-italienische Beziehungen sind der Treibstoff für Rolf Dobellis Roman "Massimo Marini". Massimos Eltern arbeiteten in Wirtschaftswunderzeiten als Saisonarbeiter in der Schweiz, sie sind strengsten Auflagen und ständigen Hänseleien unterworfen. Der Sohn, als Säugling in einem Koffer illegal in die Schweiz geschmuggelt, wird dennoch an die Universität geschickt, um Architektur zu studieren. Massimo allerdings ist die Zielstrebigkeit seiner Eltern fremd - er engagiert sich lieber bei linken Studentenprotesten.

Nach dem Tod des Vaters muss Massimo den elterlichen Betrieb übernehmen. Auch das gelingt ihm - mit Hilfe der Praktikantin Monika, die bald seine Frau wird. Er wandelt sich vom Revolutionär zum Unternehmer, steigt in die Zürcher Oberschicht auf und brettert mit einem Motorboot über den See, während sein Vater noch in Süditalien als Fischer aufgewachsen ist. Es scheint, als gelinge ihm alles.

Konflikte stellen sich in Gestalt der Cellistin Julia Bodmer ein. Während das Bergmassiv sich einigermaßen bereitwillig entjungfern lässt, gerät genau dieses Vorhaben bei Julia zur Geduldsprobe. Dass man ihm einen derartigen Widerstand entgegensetzt, das ist Massimo nicht gewohnt.

"Und nun gab mir Massimo einen ersten Einblick in das komplizierte Verhältnis der Kräfte, die ihn zu dem gemacht hatten, was man bei einem Mann seines Alters Charakter nennt, in den tosenden, verworrenen, gesetzlosen Maschinenraum einer Seele, einen Einblick, der mich zu dem dummen, selbstgefälligen, zeitverschlingenden und ökonomisch vollkommen sinnlosen Vorhaben trieb, diesen Bericht zu schreiben." So begründet es reichlich blumig Massimos Anwalt Wyss - und das ist auch die Autorenfiktion, die dem Roman zugrunde liegt. Und die als Fiktion nicht recht glaubhaft ist: Für einen Geschäfts- und bestenfalls Familienfreund weiß Wyss erstaunlich viel.

Ansonsten nutzt Dobelli die Geschichte des Einwanderersohnes zwar für Streiflichter auf historische Hintergründe - Stichworte Gastarbeiter, Tunnelbau, Studentenrevolte -, aber die Herkunft der Marinis, das süditalienische Otranto, bleibt seltsam fern und unbeschrieben. Es gibt keinen einzigen der üblichen Heimaturlaube, keine Besuche der Sippe zu besonderen Anlässen wie Kommunion oder Firmung. Der Kontakt reißt ab, obwohl der Vater das Meer vermisst, für das er siebzehn Wörter hat. Massimo hingegen ist Rom südlich genug, die Herkunft seiner Familie interessiert ihn wenig.

Was hier an biographischer Grundierung fehlt, ist ein Versäumnis nicht nur für die Hauptfigur, sondern auch für den Roman. Was bleibt, ist eine Räuberpistole. Die Beteiligten schlafen in den abwegigsten Konstellationen miteinander, oder eben nicht, es kommt zu einer vermeintlichen Entführung und gipfelt schließlich im Mord. Dies alles hat nur wenig mit der Darstellung eines Migrantenschicksals zu tun, die der Roman in Aussicht stellt.

ANDREA DIENER

Rolf Dobelli: "Massimo Marini". Roman.

Diogenes Verlag, Zürich 2010. 379 S., geb., 21,90 [Euro].

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