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Augenzwinkernd und ausgesprochen witzig erzählt Capus - nach sorgfältigem Quellenstudium - von skurrilen Helden und abenteuerlichen Wechselfällen eidgenössischer Geschichte. Im Stil alter Chroniken erzählt Capus, distanziert und leise belustigt, von kauzigen Patrioten, freundlichen Spinnern und glücklosen Erfindern, von mutigen Auswanderern, rauflustigen Söldnern und liebenswerten Betrügern - radikale Individualisten allesamt, deren Widerstand gegen jede Form der Fremdherrschaft sich in höchst unterschiedlichen unerhörten Begebenheiten ausdrückt.
Ein Blick in den Anhang des Buches zeigt:
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Produktbeschreibung
Augenzwinkernd und ausgesprochen witzig erzählt Capus - nach sorgfältigem Quellenstudium - von skurrilen Helden und abenteuerlichen Wechselfällen eidgenössischer Geschichte.
Im Stil alter Chroniken erzählt Capus, distanziert und leise belustigt, von kauzigen Patrioten, freundlichen Spinnern und glücklosen Erfindern, von mutigen Auswanderern, rauflustigen Söldnern und liebenswerten Betrügern - radikale Individualisten allesamt, deren Widerstand gegen jede Form der Fremdherrschaft sich in höchst unterschiedlichen unerhörten Begebenheiten ausdrückt.

Ein Blick in den Anhang des Buches zeigt: all diese skurrilen Geschichten scheinen wahr zu sein. Auf der Basis von Dokumentationen, akademischen Untersuchungen und Zeitzeugenberichten entwirft Capus seine historischen Miniaturen - Episode um Episode entsteht so eine Art Anti-Hausbuch von vierhundert Jahren schweizerischer (Kultur-) Geschichte: mit anachronistischem Gestus wird landläufiger Patriotismus gegen den Strich gebürstet, mit frohlockender Lust am zivilen Ungehorsam seiner Helden stellt Capus sich in die Tradition Gottfried Kellers, der vor hundert Jahren mit seinen Zürcher Novellen dem Biedersinn seiner Landsleute schon einmal einen kritischen Spiegel vorgehalten hat. Und gleichzeitig führt er uns vor Augen, an welch ungewöhnlichen Schicksalen Menschen wachsen oder zugrunde gehen.

Inhalt:

- Ein Schweizer Rasputin in Teheran

- Der Spuk von Stans

- Der ungehorsame Soldat Max Waibel

- Abenteuer Nova Friburgo

- Der Verrat von Novara

- Goldrausch in Solothurn

- Géo Chavez - Der erste Mensch über den Alpen

- Gottes Zorn im Bündnerland

- Das schnelle Leben des Louis Chevrolet

- Die Wasserfallenbahn

- Die böse Fasnacht zu Basel

- Die drei Tellen
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.13470
  • Verlag: Dtv
  • 9. Aufl.
  • Seitenzahl: 173
  • Erscheinungstermin: 1. Juli 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 120mm x 17mm
  • Gewicht: 188g
  • ISBN-13: 9783423134705
  • ISBN-10: 3423134704
  • Artikelnr.: 20769299
Autorenporträt
Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 veröffentlichte Alex Capus seinen ersten Erzählband, dem seitdem neun weitere Bücher mit Kurzgeschichten, historischen Reportagen und Romanen folgten. Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise. Daneben hat Capus auch als kongenialer Übersetzer von Romanen des US-amerikanischen Autors John Fante gewirkt. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten/Schweiz.
Rezensionen
"Das Leben schreibt die besten Geschichten, nur erzählen kann es sie nicht so gut."
Basler Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.11.2004

Der erste Alpenüberflieger
Kauzige Patrioten: Alex Capus erzählt wahre Geschichten

Freundschaften gehen manchmal seltsame Wege. Ausgerechnet ein ungebildeter und hinkender Gärtnergehilfe freundete sich im Genfer Internat mit dem künftigen Schah von Persien an und wurde später, zur Verblüffung der Hofgesellschaft, zum einflußreichen Ratgeber des Monarchen. Von dieser ungewöhnlichen Verbindung und ihrem traurigen Ende erzählt Alex Capus im ersten Kapitel seines jüngsten Buches.

Seit längerem hat der Schweizer Autor die Faszination der Historie für sein Erzählen entdeckt. Dem Roman "Fast ein bißchen Frühling" (2002) legte er das authentische Schicksal zweier abenteuerlustiger junger Männer zugrunde, die 1933 zu Bankräubern wurden, um das nationalsozialistische Deutschland zu verlassen. Die Flucht sollte sie bis nach Indien führen, die Liebe zu einer Schallplattenverkäuferin setzte ihr aber in Basel ein vorzeitiges Ende. Historische Faktentreue und Lust am Fabulieren vermengten sich zu einer realistischen Erzählung, die geschickt die Balance zwischen Dokumentation und Fiktion hielt.

Nun hat sich der Dreiundvierzigjährige ganz für das Reale entschieden. "Wahr", wie es der Titel völlig unironisch verheißt, sind die dreizehn Geschichten dieses Bandes allesamt, das bezeugt der ausführliche Anhang, der historische Dokumentationen, akademische Untersuchungen, Zeitungsartikel und Interviews mit Zeitzeugen auflistet. Aus ihnen hat Capus, der selbst Geschichte studiert hat, Material für seine historischen Miniaturen geschöpft, die ein eigenwilliges Panorama der Schweizer Geschichte vom vierzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart entfalten.

Die großen Ereignisse, von denen die offiziellen Geschichtsbücher berichten, spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Im Zentrum stehen vielmehr zumeist unbekannte Personen, deren Spuren Capus in Zeitungsarchiven und alten Chroniken aufgestöbert hat. Es sind seltsame Helden, von denen hier erzählt wird: kauzige Patrioten und glücklose Erfinder sind darunter, mutige Auswanderer, rauflustige Söldner und liebenswerte Betrüger, freundliche Spinner und immer wieder unbeugsame Individualisten, streitbar gegenüber jeder Form der Fremdherrschaft. Zu ihnen gehören die "drei Tellen", die in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts den Schultheißen von Luzern erschießen wollten, und der Uhrmachersohn Louis Chevrolet, der 1910 die berühmte Automarke erfand.

Aus solchem Stoff hat Gottfried Keller vor über hundert Jahren seine "Zürcher Novellen" geschaffen, um seinen Zeitgenossen einen kritischen Spiegel für ihre Biederkeit vorzuhalten. Doch was damals zeitgemäß war, gerät heute schnell in die Nähe des Künstlichen und Manierierten. Capus ist zweifellos ein versierter Stilist, der geschickt die Erzählweise alter Chroniken und Kalender nachahmt: "Das ist die Geschichte des Millionärssohns und Himmelsstürmers Jorge Chavez, der im September 1910 als erster Mensch die Alpen überflog, weil er etwas Wichtiges und Großes vollbringen wollte im Leben." So geht es weiter, von Episode zu Episode, im sicheren Vertrauen auf die Kraft des allmächtigen Erzählers, der gelassen im "großen Buch der Menschheitsgeschichte" blättert und unberührt von allen Strömungen der literarischen Moderne und Postmoderne über das Schicksal seiner Figuren verfügt.

Aus diesem anachronistischen Gestus entsteht ein Hausbuch der schweizerischen Geschichte, das den Patrioten unserer Tage viele Angebote zur Identifikation mit ihren unbeugsamen Vorgängern eröffnen kann. Denn wer möchte nicht gern so charakterfest sein wie der Major Max Waibel, der 1945 unerlaubt mit den Alliierten verhandelte und damit Oberitalien zu einem Waffenstillstand zwei Wochen vor Kriegsende verhalf? Und wer kann jenen Basler Bürgern den Respekt versagen, die im Jahr 1376 die Gefolgsleute des jungen Habsburgers Leopold III. verprügelten?

Capus behält sein behaglich-distanziertes Erzählen auch dort bei, wo er von problematischeren Abschnitten der helvetischen Geschichte erzählt. Selbst der Bericht über den berüchtigten "Italienerkrawall", bei dem Zürcher Arbeiter 1896 tagelang eine regelrechte Hetzjagd auf ihre italienischen Kollegen veranstalteten, wandelt sich bei ihm unterderhand zur historischen Novelle, in der von den sozialen Umbrüchen infolge der beginnenden Industrialisierung kaum noch die Rede ist. Das versöhnliche Ende suggeriert vielmehr eine heitere Kontinuität der Geschichte, wenn es über die Tochter eines zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Italieners heißt: "Ihre Nachfahren bewohnen den Großraum Zürich bis auf den heutigen Tag in großer Zahl." Der Verweis auf Kleists Erzählung "Michael Kohlhaas", die mit einer ähnlichen Wendung endet, mag ein hübsches literarisches Vexierspiel sein. Aber auch das macht aus einem geschickten Stimmenimitator und Sammler historischer Kuriosa noch keinen Erzähler, der über das Anekdotische hinaus etwas über die Conditio humana zu sagen hätte.

SABINE DOERING

Alex Capus: "13 wahre Geschichten". Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien/Frankfurt am Main 2004. 200 S., geb., 17,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.11.2004

Nah beim Schah
Alex Capus erzählt „13 wahre Geschichten” aus der Schweiz
Eine Stunde hielt sich der schwule Schweizer jeden Morgen im Schlafzimmer des Schahs auf. Was dort geschah, wusste niemand, auch nicht Kaiserin Soraya. Wurde die politische Großwetterlage besprochen? Hielt sich der Herrscher über die Vorgänge an seinem Hof auf dem Laufenden? Oder waren die zwei Freunde etwa ein Liebespaar?
Reza Pahlewi war Ernest Perron 1931, während seiner Internatszeit am Genfer See, begegnet. In Teheran sollte der zehn Jahre ältere Gärtnergehilfe zu seinem intimsten Vertrauten aufsteigen. Vor allem während des Zweiten Weltkrieges bewährte sich Perron als Kontaktmann zu den alliierten Diplomaten und Geheimdienstlern. Nachdem er 1954 aus unbekannten Gründen die Gunst des Schahs verloren hatte, wandte er sich intensiv dem Katholizismus zu. Er starb 1961. Bei seiner Beerdigung in Beatenberg nahe Bern sang ergreifend der Männerchor der örtlichen Bibelschule. Die umfangreiche Autobiografie Pahlewis erwähnt ihn mit keinem Wort.
Eine unglaubliche Geschichte? Sie ist nicht erfunden, sondern wahr. Alex Capus hat die Schweizer Historie der letzten 600 Jahre durchstöbert und 13 Histörchen zu Tage gefördert: Schicksale und Vorfälle, die kein Schriftsteller sich kurioser oder schauerlicher hätte ausdenken können. Ähnlich exzentrisch wie Monsieur Perron war zum Beispiel Veronika Gut, eine höchst energische und fanatisch religiöse Bauernwitwe aus Nidwalden, die 1798 der französischen Besatzung den unerbittlichen Kampf ansagte. Mehr Respekt verdient aus Sicht der Nachwelt sicherlich der Luzerner Offizier Max Waibel, der im Frühjahr 1945 bewusst gegen die Neutralitätspolitik seines Staates verstieß und in privat geführten Verhandlungen die Kapitulation der deutschen Heeresgruppe C in Italien herbeiführte. So rettete er vielen tausend Soldaten auf beiden Seiten der Front das Leben.
Im Anhang führt Capus seine Quellen auf: Akten und Annalen, Chroniken und wissenschaftliche Werke. Historiografischen Ehrgeiz besitzt er freilich nicht. Ihn interessiert der Zauber des farbigen Stoffes, nicht dessen Spektralanalyse. Capus, geboren 1961, ist alles andere als ein alter Mann, aber um sein Buch scheint dennoch ein unsichtbarer Rauschebart zu wehen: Die „13 wahren Geschichten” sind eine Anekdotensammlung, wie sie in ähnlicher Form schon unsere Großväter amüsiert haben könnte.
Dieser Retro-Effekt besitzt einen gewissen Charme. Der Autor hätte jedoch nicht unbedingt versuchen müssen, ihn durch eine mitunter allzu antiquierte Ausdrucksweise - der Zürichsee, „über dem an schönen Tagen in weitem Rund die Alpen thronen” - zu steigern. Zum anstrengungsfreien Vertreiben von drei Stunden Langeweile eignet sich das Buch allerdings vorzüglich - und auch zum Auffüllen des Small Talk-Reservoirs vor dem nächsten Besuch bei Oberstudienrats.
CHRISTOPH HAAS
ALEX CAPUS: 13 wahre Geschichten. Deuticke Verlag, Wien 2004. 199 Seiten, 17,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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'... eine ernsthafte, hinreißende Liebesgeschichte ...' Der Spiegel, Volker Hage, über Glaubst du, daß es Liebe war?

'... ein Lesevergnügen ...' FAZ, Wolfgang Schneider, über Glaubst du, daß es Liebe war?

'Alex Capus' Roman zeugt von einer atmosphärischen, literarischen und zeitgeschichtlichen Stimmigkeit, wie man sie heute sehr selten in deutschen Gegenwartsromanen findet.' Die Welt, Hajo Steinert, über Fast ein bißchen Frühling

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Kein Schriftsteller hätte sich die 13 Geschichten, die Alex Capus aus 600 Jahren Schweizer Historie herausgefiltert hat, "kurioser oder schauerlicher" erfinden können, meint Rezensent Christoph Haas. Allesamt wahr, erzählen die "Histörchen" Schicksale und Vorfälle - den Kampf einer religiös-fanatischen Bauernwitwe gegen die französische Besatzung 1789 zum Beispiel oder die Verstöße eines Luzerner Offiziers gegen die Neutralitätspolitik der Schweiz, so der Rezensent. Ihm gefällt dabei, dass Capus sich für den "Zauber des farbigen Stoffes" begeistert und keinen historiografischen "Ehrgeiz" an den Tag legt. Nur so habe er eine Anekdotensammlung schreiben können, die schon unsere Großväter "amüsiert" hätte. Und wenngleich die Sprache Capus' mitunter allzu "antiquiert" daherkommt - drei Stunden Langeweile vertreibt das Buch allemal, meint Haas.

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