Das russische Zarenreich - Blom, Philipp; Buckley, Veronica
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Die Geschichte Russlands in spektakulären frühen Farbfotografien Mit Texten und Kommentaren des bekannten Historikers Philipp Blom Reise in eine faszinierend fremde Welt voller Gegensätze
SEIT MONATEN BLICKT die Welt sorgenvoll auf Russland. Die zunehmende Abschottung des Landes, die politischen Wirren - es fällt uns schwer, dieses Land zu begreifen. Einen Blick in die Vergangenheit, der für die gegenwärtige Situation erhellend ist, liefert dieses faszinierende Buch: Zwischen 1860, dem Beginn der Fotografie, und 1918, dem Ende des russischen Zarenreichs, bedeckte Russland ein Sechstel der…mehr

Produktbeschreibung
Die Geschichte Russlands in spektakulären frühen Farbfotografien Mit Texten und Kommentaren des bekannten Historikers Philipp Blom Reise in eine faszinierend fremde Welt voller Gegensätze

SEIT MONATEN BLICKT die Welt sorgenvoll auf Russland. Die zunehmende Abschottung des Landes, die politischen Wirren - es fällt uns schwer, dieses Land zu begreifen. Einen Blick in die Vergangenheit, der für die gegenwärtige Situation erhellend ist, liefert dieses faszinierende Buch: Zwischen 1860, dem Beginn der Fotografie, und 1918, dem Ende des russischen Zarenreichs, bedeckte Russland ein Sechstel der Erdoberfläche. Es reichte von Polen bis nach Japan, vom arktischen Meer bis an die Grenzen der Türkei, den Himalaya und China.
Die Autoren unternehmen eine Reise durch dieses Riesenreich. Ihre Reisebegleiter sind zeitgenössische Fotografen, aber auch Schriftsteller wie Andrejew, Tschechow und anonyme Zeugen. Durch ihre Augen entdecken wir eine enorm vielseitige Welt zwischen extremer Armut und immensem Reichtum, archaischer Brutalität und überraschender Modernität.
Die vielen, hier erstmals veröffentlichten Farbfotografien stammen von Sergej Prokudin-Gorski, der ungemein lebendige Bilder dieser faszinierenden Welt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Brandstätter
  • Seitenzahl: 248
  • Erscheinungstermin: 26. Oktober 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 299mm x 253mm x 30mm
  • Gewicht: 1742g
  • ISBN-13: 9783902510716
  • ISBN-10: 3902510714
  • Artikelnr.: 35574266
Autorenporträt
Philipp Blom studierte Philosophie, Judaistik und moderne Geschichte in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien. Zu seinen Veröffentlichungen zählen "Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie" (2005) sowie "Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914" (2009) und "Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung" (2011). Veronica Buckley studierte Sprachen, Musik und Geschichte in ihrem Heimatland Neuseeland sowie in London und Oxford. Sie lebt als Autorin, Journalistin und Übersetzerin in Wien. Ihre jüngstes Buch "Madame de Maintenon: Die geheime Frau Ludwigs XIV." erschien 2012 bei Suhrkamp Insel.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.01.2013

Unheimlich nah
Wenn man die Farbfotos des Russen Sergei Prokudin-Gorski aus den Jahren 1905-1915 anschaut, bekommt man nicht nur einen
seltenen Blick in das zerfallende Zarenreich – die Bilder verblüffen, weil sie den optischen Zeitsprung in die Gegenwart ignorieren
VON TIM NESHITOV
Würde man heute einen begabten Fotografen losschicken und zehn Jahre lang Russland von Wladiwostok bis Pskow ablichten lassen, die Gesichter, die Häuser, die Kirchen, dann käme ein interessanter Bildband dabei heraus. Erstens weil heute kaum ein Fotograf zehn Jahre lang am Stück ein Land bereist. Zweitens weil Russland immer noch ein sehr großes Land ist mit einer Vielfalt an Gesichtern und Geschichten, die verblüfft.
  Vor hundert Jahren, beim Aufbruch ins industrielle Zeitalter und kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, war Russlands geografische und ethnische Vielfalt jedoch schier unübersichtlich. Für Ausländer galt das sowieso, aber auch für Russlands Bewohner inklusive des Zaren selbst. 1905 schickte Nikolaus II. deswegen einen 46 Jahre alten Adligen namens Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski auf eine Dokumentationsreise durch das Reich.
  Der Mann war mit der Tochter eines Industriellen verheiratet und musste zeit seines Lebens dessen Metallfabrik in Sankt Petersburg leiten. Doch eigentlich tat Prokudin-Gorski nichts lieber als zu fotografieren. Er hatte Chemie, Malerei und Musik studiert und bei Adolf Miethe in Berlin Dreifarbenfotografie gelernt. Der Chemiker Miethe war ein Pionier der Fototechnik, sein russischer Schüler entwickelte später seine eigene Kamera, mit der er Farbfotos machte. Die ersten in Russland.
  Dazu verwendete Prokudin-Gorski drei Linsen mit Farbfiltern und nahm auf jeweils einer Glasplatte das rote, gelbe und blaue Farbspektrum auf. Eine vierte Linse fing die Szene in schwarz-weiß ein. Der Fotograf musste die Platten in rascher Abfolge austauschen und insgesamt viermal auf den Auslöser drücken. Die Menschen, die er fotografierte, hatten die ganze Zeit still zu halten. Da man Farbfotos noch nicht auf Papier drucken konnte, zeigte Prokudin-Gorski seine Bilder mit einem extra dafür konstruierten Projektor.
  Der Zar war selbst ein Amateurfotograf, und stellte Prokudin-Gorski einen Sonderzug mit Dunkelkammer zur Verfügung, dazu Boote, Autos und Einreisegenehmigungen für Sperrgebiete. Von seiner Reise brachte Prokudin-Gorski mehr als zehntausend Farbbilder auf Glasplatten mit. Nonnen eines Klosters bei Sankt Petersburg bei der Heuernte, Kurgäste in Georgien, die Tischlerei einer Schwertklingenfabrik am Ural, stille Holzhäuser am Wasser, kirgisische Nomadenkinder, leere Fischersiedlungen in Karelien. Die meisten dieser Bilder sind derart scharf, dass man sie für Aufnahmen aus einem spätsowjetischen Fotoalbum halten könnte, manche gar für nachgestellte Bilder aus jüngster Zeit.
  Die Bauernmädchen mit Beeren etwa, eines von Prokudin-Gorskis berühmtesten Fotos von 1909, strahlen eine unheimliche Retro-Ästhetik aus. Es ist schwer, das Bild zeitlich einzuordnen, die heute allgegenwärtige Instagram-Romantik überlagert im Kopf des Betrachters die Zeitläufte. Das liegt nicht nur an der Farbfotografie, etwas, was man kaum mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Verbindung bringt. Es liegt an den Gesichtsausdrücken. Die Mädchen wirken sehr gegenwärtig, als hätte man sie schon mal in der U-Bahn gesehen. Gesichter ändern sich nicht unbedingt, auch wenn sich Kleidung, Technik oder politische Ordnungen ändern. Daran erinnern Prokudin-Gorskis Bilder.
  Bis vor Kurzem waren sie ein Geheimtipp. Man konnte sie auf der Internetseite der Library of Congress sehen. Nun sind sie erstmals in einem deutschsprachigen Bildband erschienen („Das russische Zarenreich“, Brandstätter-Verlag 2012). Das Buch ist eine fotografische Zeitreise von 1855 bis 1918, und neben den Farbfotos Prokudin-Gorskis bietet es Schwarz-Weiß-Aufnahmen russischer und ausländischer Fotografen, die im Zarenreich arbeiteten, beginnend mit dem Krimkrieg (1853-1856). Man sieht auch Bilder, die Nikolaus II. selbst von seiner Familie machte, und Fotos, die Anton Tschechow von seiner Reise zur fernöstlichen Insel Sachalin 1890 mitbrachte: einen Gottesdienst in einem Eisenbahnwaggon auf einem Abstellgleis, die zerfurchte Hauptstraße der sibirischen Stadt Mariinsk.
  Ohne Prokudin-Gorskis Bilder wäre der Bildband eine spannende Geschichtsstunde. Mit ihnen ist er eine Freude. Nach der Oktoberrevolution 1917 boten sogar die Bolschewiken dem adligen Fotografen eine Professur an. Prokudin-Gorski lehnte ab. Er wanderte nach Paris aus und nahm 22 Holzkisten voller Glasplatten und Alben mit schwarz-weißen Abzügen mit. In Paris starb er 1944. Sein Sohn verkaufte die Platten an die Library of Congress in Washington, wo sie bis heute aufbewahrt werden. Von den zehntausend Aufnahmen sind knapp zweitausend erhalten geblieben.
Das russische Zarenreich, 1855-1918. Hrsg. Philipp Blom und Veronica Buckley. Christian Brandstätter Verlag, Wien-München. 248 Seiten, 49,90 Euro.
Bilder aus einer untergegangenen Welt: Bauernmädchen mit Schüsseln voller Beeren, Dorf Kirillow am Nördlichen Dwina-Kanal. Drei-Farben-Fotografie von Sergei Prokudin-Gorski, 1909.
FOTO: LIBRARY OF CONGRESS
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Bisher waren die Fotos des russischen Fotografen Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski ein Geheimtipp, den man in den Tiefen der Internetseite der Library of Congress konnte, verrät der Rezensent Tim Neshitov. 1905 hatte der Zar Nikolaus II Prokudin-Gorski den Auftrag gegeben, mit der Kamera einen Überblick über das ethnische, geografische und kulturelle Chaos des damaligen Russland zu schaffen, berichtet der Rezensent. Dafür verwendete der Fotograf eine eigens entwickelte Kamera, die es erlaubte, durch das schnelle Wechseln von Filtern Farbfotos zu machen. Zehn Jahre war er mit einem Zug (inklusive Dunkelkammer) unterwegs und brachte am Ende seiner Reise etwa zehntausend Fotografien auf Glasplatten mit nach Hause. Jetzt sind einige dieser Fotos in dem Bildband "Das russische Zarenreich" erschienen, berichtet Neshitov. Auch ohne die Prokudin-Gorski-Bilder wäre dieser Band eine nette Geschichtsstunde gewesen - mit ihnen ist er für den Rezensenten eine Freude. Besonders beeindrucken ihn die Farbfotos, die nicht nur anachronistisch wirken, sondern eine ganz eigene Wirkung entfalten. Sie erinnern Neshitov daran, dass Gesichter sich selten mit "Kleidung, Technik oder politischer Ordnungen ändern".

© Perlentaucher Medien GmbH
Russland - ein Kontinent zwischen Ost und West, Mittelalter und Neuzeit. Auch wer schon verschiedene Bücher über diese disparate Welt gelesen hat, wird von dem grossartigen Bildband "Das russische Zarenreich. Eine fotografische Reise 1855-1918" überrascht sein. Es gibt da so viel zu sehen, was man noch nicht gesehen hat, dass man gebannt blättert. Tages-Anzeiger "Herausragend sind die extrem plastisch wirkenden 3-Farben-Fotografien von Sergei Prokudin-Gorski, die einen poetischen Blick auf eine untergegangene Epoche werfen." Profil "Melancholisch und klassisch, vielseitig und schön. Verstörend archaisch und betörend. Spasiba!" Der Standard "Wenn man die Farbfotos des Russen Sergei Prokudin-Gorski aus den Jahren 1905-1915 anschaut, bekommt man nicht nur einen seltenen Blick in das zerfallene Zarenreich - die Bilder verblüffen, weil sie den optischen Zeitsprung in die Gegenwart ignorieren." Süddeutsche Zeitung
"Melancholisch und klassisch, vielseitig und schön. Verstörend archaisch und betörend. Spasiba!" -- Der Standard

"Wenn man die Farbfotos des Russen Sergei Prokudin-Gorski aus den Jahren 1905-1915 anschaut, bekommt man nicht nur einen seltenen Blick in das zerfallene Zarenreich - die Bilder verblüffen, weil sie den optischen Zeitsprung in die Gegenwart ignorieren." -- Süddeutsche Zeitung

"Russland - ein Kontinent zwischen Ost und West, Mittelalter und Neuzeit. Auch wer schon verschiedene Bücher über diese disparate Welt gelesen hat, wird von dem grossartigen Bildband "Das russische Zarenreich. Eine fotografische Reise 1855-1918" überrascht sein. Es gibt da so viel zu sehen, was man noch nicht gesehen hat, dass man gebannt blättert." -- Tages-Anzeiger

"Herausragend sind die extrem plastisch wirkenden 3-Farben-Fotografien von Sergei Prokudin-Gorski, die einen poetischen Blick auf eine untergegangene Epoche werfen." -- Profil