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Zwischen Kneipe und Lotterbett / zerren sie an dir herum / die zehn Pferde des Sprichworts / aber du weichst nicht . In Jägersbergs Gedichten findet bitteres Weh über ein verschwundenes Fahrrad ebenso Platz wie das Lob der Stampfkartoffeln, die Einsicht, dass Fußball hilft, ebenso wie die Warnung davor, was passiert, wenn man die falschen Frauen küsst. Ein poetischer Kosmos voller Konkretheit, Wehmut und Witz.…mehr

Produktbeschreibung
Zwischen Kneipe und Lotterbett / zerren sie an dir herum / die zehn Pferde des Sprichworts / aber du weichst nicht . In Jägersbergs Gedichten findet bitteres Weh über ein verschwundenes Fahrrad ebenso Platz wie das Lob der Stampfkartoffeln, die Einsicht, dass Fußball hilft, ebenso wie die Warnung davor, was passiert, wenn man die falschen Frauen küsst. Ein poetischer Kosmos voller Konkretheit, Wehmut und Witz.
  • Produktdetails
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 128
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 208 S. 210 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 139mm x 20mm
  • Gewicht: 305g
  • ISBN-13: 9783257069228
  • ISBN-10: 3257069227
  • Artikelnr.: 41759492
Autorenporträt
Otto Jägersberg, geboren 1942 in Hiltrup in Westfalen, hat sich als ein scharf beobachtender und die Trivialität des alltäglichen Lebens boshaft sezierender Erzähler profilierte, der Randgruppen und Randzonen der bundesdeutschen Wirklichkeit analysiert.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Seit langem schon schätzt Rezensent Oliver Jungen Otto Jägersbergs lyrisch-lakonische Sittengemälde des Münsterlandes und ist entsprechend erfreut, dass mit "Keine zehn Pferde" nun ein neuer Gedichtband mit ebenso zarten wie witzigen Lebensbetrachtungen vorliegt. So streift der Kritiker mit dem Dichter durchs Westfälische zwischen Schweinemast und "Droste-Gemütlichkeit", lernt die Besonderheit von Stampfkartoffeln kennen und amüsiert sich darüber, wie Jägersberg einzelne Pilze mit den Beatles vergleicht. Hintergründig komische und wunderbar unverstellte Texte, die dem Leser das Gestern im Heute aufzeigen, schließt der eingenommene Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 24.10.2015
Vorwiegend festkochend
Otto Jägersberg besingt die westfälische Provinz

Exzentrisch darf man diese Gedankenflüge wohl nennen, wenn man es so genau mit den Worten nimmt wie Otto Jägersberg selbst. Fern der großen Zentren mit ihrem internationalen Ironiestil hebt dieser Ballon ab, unten die erdige Provinz. Geboren wurde Jägersberg vor über siebzig Jahren in Hiltrup, dort wo Münster bereits auslappt ins Feldhasige zwischen Schweinemast und Droste-Gemütlichkeit, zwischen Arkadien und Langeweile ("Dauernd konnte was passieren / aber es passierte nichts"). Bis heute gibt es hier fast keinen Handyempfang, dafür eine solide Apfelkuchen-Mentalität.

Ein lakonisches Sittengemälde des Münsterlands war schon Jägersbergs Einstand als Autor vor einem halben Jahrhundert ("Weihrauch und Pumpernickel"). Und keine zehn Pferde bringen den Autor stilistisch aus dem Westfälischen fort, auch wenn er längst nicht mehr dort lebt, sondern in Berlin, Zürich, Baden-Baden.

Lakonisch und wortkarg geht es also in seinen jüngsten Lebensbetrachtungen zu, wortgeizig geradezu. Teuer ist hier nichts, schon gar nicht guter Rat: "Wer vor einer Portion Stampfkartoffeln / nicht in die Knie geht / den meide." Gestohlen bleiben kann dem Dichter-Ich das Unentschiedene, ins Westfälische übersetzt: die vorwiegend festkochende Kartoffel. "Die können Sie für alles nehmen, sagt sie / sowohl als auch / Sowohl als auch ess ich nicht, sage ich."

Hinterlistig ist diese Exzentrik. Wer das Ruppige, nicht restlos Wegzivilisierte in der Provinz erwartet, dem stimmt der Autor scheinbar zu, um es dann, fast beschämend, in Posen großer Zärtlichkeit umzubiegen: Die Liebe etwa wird mit Füßen getreten, allerdings "über Wiesen und Bäche / in die Wälder", bis ein Stacheldraht dem Liebesspiel - "pfffüt / Ball im Arsch" - ein jähes Ende setzt. Über die Liebe lässt sich in solchen Gefilden vielleicht sogar klarer nachdenken als sonst: "Du fragst mich was die Liebe sei / keine Ahnung / bin ja noch dabei / bin ich allein / fällts mir wieder ein."

So dient die Provinz als Brennglas, zeigt uns Zuneigung und Enttäuschung, Gier und Verlust in ihrer direktesten Form. Da kommen etwa - "mä mä bö bö" - hundert Schafe angebimmelt, hoffnungsvoll, weil sie die Wanderer für Hirten halten, die etwas bringen. Die Hoffnung trog: "Wir brachten nichts." In diesen Zeilen ist Platz für die gesamte Flüchtlingskrise der Gegenwart und noch viel mehr. Doch eine Anklage ist das nicht. Nirgends erhebt sich der Autor über seinen Gegenstand. Selbst das Kopfschütteln über ein Bismarck-Denkmal ("Das Schild am Sockel / preist dich als Friedensonkel an / Wie du da im Stein protzt / glaub ich nicht so dran") mündet in eine Heringseloge. Der Witz lauert hier überall, mildert jedes Urteil auf den ersten Blick (und härtet es auf den zweiten). Es ist kein Witz mit Ansage. Otto Jägersberg tappt vielmehr in ihn hinein wie Spaziergänger in Hundgemachtes.

Auch wenn man leere Nostalgie vergeblich sucht, ist der Autor durchaus ein "Yesterday-Man" (der mit dem Internet nichts anfangen kann), aber einer, der uns im Gestern das Heute zeigt. Es darf sich denn auch jeder aussuchen, welchem der Pilzköpfe er zuneigt, die hier in ihren feuchten Winkeln aufgespürt werden. Da haben wir auf der einen Seite den gutmütigen Steinpilz, nennen wir ihn John Lennon: "Ich bin nicht stark / Ich bin nicht schön / Ich kam empor / Nicht um zu siegen / Ihr sollt in mir das Kunstwerk lieben", und auf der anderen Seite den hinterlistigen Honiggelben Hallimasch, der sich - mehr Ringo als Paul - durch Unverdaulichkeit an seinen verfressenen Liebhabern rächt: "Nach einer weitren Stunde / Machte Hall im Arsch die Runde." Jägersbergs zärtliche, köstliche Poesie ist beides zugleich, entwaffnend unverstellt und wehrhaft mit Schmackes.

OLIVER JUNGEN

Otto Jägersberg:

"Keine zehn Pferde".

Gedichte.

Diogenes Verlag, Zürich 2015. 198 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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