14,99 €
versandkostenfrei*


inkl. MwSt.
Versandfertig in 2-4 Wochen
Verlängertes Rückgaberecht bis zum 10.01.2020
7 °P sammeln

Andere Kunden interessierten sich auch für
Produktdetails
  • Verlag: RIVERHEAD
  • Seitenzahl: 480
  • Altersempfehlung: ab 18 Jahre
  • Erscheinungstermin: 2. Februar 2016
  • Englisch
  • Abmessung: 203mm x 128mm x 35mm
  • Gewicht: 371g
  • ISBN-13: 9781101983355
  • ISBN-10: 1101983353
  • Artikelnr.: 44146182
Autorenporträt
Nick Hornby, 1957 geboren, studierte in Cambridge und arbeitete als Lehrer. Nach dem Erfolg von "Fever Pitch" konnte er sich ganz dem Schreiben widmen. Mit seinen Romanen - "Fever Pitch" und "High Fidelity" - die beide verfilmt wurden, feierte er sensationelle Erfolge. Nick Hornby lebt im Norden Londons. Er schreibt für die 'Sunday Times', 'Time Out' und das 'Times Literary Supplement'.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.12.2014

Ein Spiegel kann so
grausam sein
Nick Hornby stürzt sich ins London der Swinging Sixties
Komik entsteht oft in Momenten der Selbstentblößung, wenn sich ernsthafte Menschen zum Narren machen. Der englische Schriftsteller Nick Hornby weiß sehr gut, wie wunderbar es sein kann, wenn sich seine Figuren nach Kräften blamieren, und seine Leser erwarten auch genau das von ihm: den warmherzigen Humor, der am Ende die leise Melancholie von Büchern wie „High Fidelity“ oder „About a Boy“ überstrahlt.
  In seinem neuen Roman „Miss Blackpool“ gibt es wieder so einen Befreiungsschlag: Als der Fernsehproduzent Dennis auf den Dichter und Literaturkritiker Vernon Whitfield trifft. Es sind die Sechzigerjahre in „Swinging London“, das Fernsehen erlebt gerade eine goldene Ära. Dennis zählt zu den Machern der Erfolgs-Sitcom „Barbara (und Jim)“ – nun hat er endlich die Chance, den bornierten Schöngeist Vernon in der Talksendung der BBC in die Schranken zu weisen.
  Im verrauchten Nachtstudio tobt nicht nur ein Kulturkampf zwischen Hochkultur und leichter Unterhaltung. Vernon Whitfield hat seinem Widersacher die Ehefrau ausgespannt, deshalb ist die Atmosphäre besonders giftig. Dennis drängt den eitlen Akademiker mit einem Trick in die Enge: Er vergleicht die populären Sitcoms mit Shakespeare-Komödien, was den schwitzenden Bildungsbürger planmäßig provoziert. Im Eifer des Gefechts fällt Vernon leider kein passendes Shakespeare-Zitat ein, sondern lediglich ein Fäkalausdruck: Und schon ist der Skandal da, weil die moralische Fernsehanstalt das Wort „Scheiße“ auf keinen Fall dulden kann.
  „Miss Blackpool“ ist fast so etwas wie ein historischer Roman, ein Roman über die Macht des Fernsehens, das in seinen besten Zeiten nahezu uneingeschränkt über die Phantasie der Zuschauer herrschte. Es ist auch ein Buch, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Realität nahezu vollständig verwischt werden. Barbara spielt dabei die Hauptrolle – in der Sitcom und im richtigen Leben. Eine junge Frau, die gerade zur Schönheitskönigin gewählt worden ist, verlässt die Tristesse der nordenglischen Provinzstadt: „Es herrschte überall dieselbe Muffigkeit, dasselbe Gefühl, dass alles Gute in diesem Land, alles, was die Leute schätzten, schon vor langer Zeit geschehen war, lange vor ihrer Geburt.“
  Das Abenteuer heißt London, die Stadt der Popstars und der Lebenskünstler, die Metropole des Aufbruchs. Barbara hat vor allem die richtige Figur, die passende Haarfarbe und eine riesige Portion Humor, weshalb sie sich in die Herzen des Publikums spielt, an der Seite eines attraktiven, aber etwas beschränkten Schauspielpartners, mit dem sie fortan als britisches Vorzeigepaar auftreten muss, das erst nach der vierten Staffel und einer gescheiterten Ehetherapie getrennte Wege geht.
  Der Roman als Alltagssimulation, als Endlos-Dialog: Bei Hornby, der viel von Unterhaltung versteht, hat das Format. Natürlich ist es pure Ironie, dass die beiden Drehbuchautoren der Comedy-Serie „Barbara (und Jim)“ ein sich bekennender und ein verkappter Homosexueller sind – auch in Großbritannien stehen praktizierende Schwule zu dieser Zeit noch mit einem Bein im Gefängnis. Bill und Tony sind ein verrücktes Autorenpaar, das sich beim Schreiben gegenseitig zu Höchstleistungen antreibt und doch nie ganz zufrieden ist mit der Seifenoper, die irgendwann einen schalen Beigeschmack bekommt. Das Schreiben kann eine peinigende Erfahrung sein. Nichts ist schwieriger, als ständig lustig und leicht sein zu müssen. Die Drehbuchautoren wissen, warum sie scheitern, und sie leiden darunter – so wie im Übrigen auch der Autor Nick Hornby bei dem Versuch scheitert, seiner sympathischen Hauptfigur richtige Konturen und mehr Persönlichkeit zu verleihen. Der Konflikt mit der Mutter, die schon früh die Familie für einen anderen Mann verlassen hat und irgendwann die Nähe der prominenten Tochter sucht, bleibt eine schwächliche Episode, sie endet allzu beiläufig.
  Als Chronist einer untergangenen Fernsehwelt ist Hornby dagegen sehr überzeugend. Barbara, die unbedarfte Quotenkönigin, trifft irgendwann bei einem Set-Termin ihr Jugendidol, die alternde US-Schauspielerin Lucille Ball. Zum ersten Mal erkennt sie, wie schrecklich es ist, in einer Rolle gefangen zu sein. Lucy Ball muss als lebendes Gespenst, als geliftete Diva für die Öffentlichkeit weiterleben, ohne dass sie ihre Umwelt noch wahrnimmt: Auch diese Begegnung ist, wie vieles bei Nick Hornby, von grotesker Schönheit. Ein Spiegel kann grausam sein, und ein Idol wird irgendwann zur Statue, wenn es sich nicht rechtzeitig infrage stellt.
  Es sollte übrigens nicht verwundern, wenn dieser dialogreiche Roman bald auch als TV-Serie zu sehen ist: Im Grunde hat der Autor das Drehbuch gleich schon mitgeliefert.
CHRISTIAN MAYER
      
  
Nick Hornby: Miss Blackpool. Roman. Aus dem Englischen von Isabel Bogdan und Ingo Herzke. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014.
432 Seiten, 19,99 Euro. E-Book 17,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
Beautifully captures the thrill of youthful success and of discovering your own talent Daily Telegraph