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"Absolut unglaublich, ehrlich und herzzerreißend!" Angie Thomas, Autorin von «The Hate U Give» Justyce McAllister ist einer der Besten seiner Klasse, Captain des Debattierclubs und Anwärter auf einen Studienplatz in Yale - doch all das interessiert den Polizisten, der Justyce die Handschellen umlegt, nur wenig. Der Grund für seine Verhaftung: Justyce ist schwarz. Und er lebt in den USA im Jahr 2017. Mit Briefen an sein großes Vorbild Martin Luther King Jr. versucht Justyce, dem alltäglichen Rassismus etwas entgegenzusetzen. Und dann ist da noch Sarah-Jane, seine kluge, schöne - und weiße -…mehr

Produktbeschreibung
"Absolut unglaublich, ehrlich und herzzerreißend!"
Angie Thomas, Autorin von «The Hate U Give»
Justyce McAllister ist einer der Besten seiner Klasse, Captain des Debattierclubs und Anwärter auf einen Studienplatz in Yale - doch all das interessiert den Polizisten, der Justyce die Handschellen umlegt, nur wenig. Der Grund für seine Verhaftung: Justyce ist schwarz. Und er lebt in den USA im Jahr 2017.
Mit Briefen an sein großes Vorbild Martin Luther King Jr. versucht Justyce, dem alltäglichen Rassismus etwas entgegenzusetzen. Und dann ist da noch Sarah-Jane, seine kluge, schöne - und weiße - Debattierpartnerin. Als jedoch sein bester Freund Manny erschossen wird, scheint es, als ob selbst Martin Luther King Jr. keine Antwort mehr für Justyce bereithält.
Autorenporträt
Nic Stone wuchs in einem Vorort von Atlanta auf. Nach dem Abschluss am Spelman College arbeitete sie in der Jugendberatung und lebte einige Jahre in Israel, bevor sie in die USA zurückkehrte, um zu schreiben. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Atlanta.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.09.2018

Sein Name ist Justyce
Zwischen Leben und Tod: Die Erfahrungen eines afroamerikanischen
Schülers, der die brutale Realität des Alltags erlebt
VON KIM MAURUS
Wer an Waffen und die USA denkt, der denkt vermutlich an die Amokläufe an amerikanischen Highschools in den vergangenen Monaten, an Donald Trump und an die Waffenlobby NRA. Vielleicht aber auch an Menschen wie Jordan Davis, Michael Brown oder Jordan Edwards, die mit vielen anderen Opfern eines gemeinsam haben: Sie waren schwarz, minderjährig, unbewaffnet und sie wurden in unserem Jahrhundert von einem weißen Polizisten auf offener Straße erschossen.
Einen Roman über die US-amerikanische Polizeigewalt und Racial Profiling zu schreiben ist wichtig. Und Nic Stone, eine junge afro-amerikanische Schriftstellerin aus Atlanta, tut es mit einem so verqueren Geschick, dass man danach mehr zu diesem so fundamentalen wie fundamental schrecklichen Thema lesen möchte.
Der Protagonist heißt Justyce, dessen Name „wie Justice, Gerechtigkeit“ ausgesprochen wird, wie er selbst erklärt. Er ist schwarz, er gehört zu den Besten seiner Schulklasse und er hat eine Zusage für die Elite-Universität Yale. Das alles interessiert den weißen Polizisten herzlich wenig, der ihm mitten in der Nacht Handschellen anlegt, weil Justyce seine betrunkene Freundin in deren Auto bugsiert. Weil es für den Polizisten so aussah, als klaue er das Auto. Oder weil der Polizist das so sehen wollte. So wirft das Buch einen in die Lebensrealität eines 17-Jährigen, für den nach diesem Zwischenfall eine Welt zusammenbricht und eine neue entsteht, voller verständnisloser Macht und Ungerechtigkeit, die ja schon allein mit Justyces Namen nicht vereinbar ist. Und die ihn dazu bringt, in regelmäßigen Abständen Briefe an Martin Luther King Jr. zu schreiben und seine Irritation darin kundzutun.
Vieles an dem Buch ist zunächst verwirrend. Die Briefe in anderer Schriftart scheinen nur dazu zu dienen, die Geschichte irgendwie weiterzuspinnen. Die Diskussionen, die Justyce im Schulunterricht mit seinen Klassenkameraden führt, fließen lediglich als Transkript ein; mit Ausdrücken, die nur schwer an Highschool-Kids erinnern, was vermutlich der Übersetzung ins Deutsche geschuldet ist. Genauso sind immer mal wieder schräg formulierte Artikel der örtlichen Berichterstattung zwischen den Kapiteln eingefügt. All das wirkt ein wenig gezwungen und abstrakt, bis man begreift: Die Hautfarbe zum Gegenstand von Klassenraumdiskussionen zu machen, dazu muss man sich zwingen, das ist für viele abstrakt. Und überlange, detaillierte Briefe an einen bedeutenden verstorbenen Bürgerrechtler geben einem da vielleicht Halt und vor allem Glauben an die eigene Würde.
Deswegen gelingt Nic Stone ihr Romandebüt, weil sie nicht politisch schreibt oder der Verbitterung über die soziale Realität Raum gibt, sondern den Alltag eines afro-amerikanischen Jugendlichen ablichtet und nüchtern demonstriert, dass die Hautfarbe auch im Jahr 2018 noch zwischen Leben und Tod entscheidet. Und spätestens dann, wenn es zu jenem tragischen Vorfall kommt, der Justyce den Boden unter den Füßen wegzieht, der eindeutige Parallelen zu den echten Vorfällen in den USA hat, ist das keine Fiktion mehr oder einfach nur spannende Dramaturgie. Dann ist das blanke und schonungslose Realität, Folge der aktuellen Politik. (ab 13 Jahre)
Nic Stone: Dear Martin. Aus dem Englischen von Karsten Singelmann. Rowohlt Rotfuchs, Reinbek 2018. 256 Seiten, 17,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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«Dear Martin» bringt den kleinen alltäglichen Rassismus gekonnt ans Licht. (...) Die Spannung trägt die Geschichte, so dass man einfach nur noch weiterlesen will. jugendbuchtipps.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 01.05.2022

10 zensierte Bücher

Gewalt, Race, Gender: In Amerika lassen Konservative immer mehr Bücher aus Bibliotheken entfernen. Ein Überblick.

Von Adrian Daub

Seit 1990 sammelt die American Library Association (ALA) Daten zu "challenged books", also Büchern, deren Zensur in einer Bibliothek entweder verlangt wurde oder tatsächlich erfolgte. Seit dem Jahr 2000 veröffentlicht sie jährlich Listen. Im Jahr 2021 umfasste diese Liste mehr als 1597 Bücher, wie die Organisation mitteilt, "die höchste Zahl seit Beginn der Zählung".

Die meisten solcher "Challenges" (39 Prozent) kommen von Eltern, gerade einmal ein Prozent vonseiten der Schüler. Besonders viele haben mit afroamerikanischen Themen und Homosexualität zu tun - von einem Kinderbuch wie "Heather Has Two Mommies" bis hin zu Toni Morrisons Erstling "The Bluest Eye" oder Alison Bechdels Comic-Klassiker "Fun Home".

Obwohl der Stein des Anstoßes oft vordergründig einfach die Erwähnung von Sex ist, handelt es sich dabei häufig um ein Feigenblatt für Unbehagen mit Fragen von Race und alternativer Sexualität. So wurde "The Bluest Eye" zwar nominell wegen sexueller Inhalte zum Ziel der Zensoren, aber als die Initiatorin eines solchen Verbots im Bundesstaat Virginia, Victoria Manning, von Fox News interviewt wurde, war von angeblichen "pornographischen Inhalten" nicht mehr viel zu hören. Das Problem sei vielmehr, dass "unseren Schülern und Lehrern beigebracht wird, dass unser Land von Natur aus rassistisch ist". Es war nicht der Sex, es war der Vorwurf der "Wokeness". Der Jugendroman "The Hate U Give", in dem eine junge Schülerin Zeugin eines Gewaltakts von Polizisten wird, kam auf eine Streichungsliste, weil, wie die ALA schreibt, "angenommen wurde, dass er eine Anti-Polizei-Botschaft enthält".

In der Tat scheinen sich die Verbote dieser Tage zu häufen. "Challenges" bedeuten nicht unbedingt, dass das beanstandete Buch auch wirklich aus den Bibliotheken und Curricula verschwindet. Aber eine Welle von Gesetzen in Bundesstaaten wie Texas, Florida und Virginia soll genau diesen Prozess erleichtern. Gingen Verbote früher vor allem von den in jedem Distrikt eigens gewählten School Boards aus und kamen somit aus der Lokalpolitik, sind sie heute längst nicht mehr reine Provinzpossen. Frau Manning aus Virginia Beach etwa wurde von ziemlich weit oben erhört. Nachdem der Republikaner Glenn Younkin 2021 die Gouverneurswahl in Virginia gewonnen hatte, ordnete er als erste Amtshandlung eine Überprüfung aller Curricula und Unterrichtsmaterialien an. In Florida haben die School Boards bereits eine solche Überprüfung begonnen - Gouverneur Ron DeSantis hatte dies per Gesetz erleichtert.

In diesem Kontext ist es immer wieder bemerkenswert, wie stark der deutsche Blick auf die Meinungsfreiheit in den USA auf angebliche Lese-und Denkverbote unter linken Studierenden fixiert ist und wie selten auf die sehr expliziten und von staatlicher Macht unterstützten Verbote. Im Namen "der Kinder" und der "Freiheit" der Eltern wird in den USA seit Jahrhunderten aufs Munterste zensiert, während alle wie gebannt auf angeblich zensurwütige Campus schielen. Universitätsbibliotheken machten übrigens 2021 ein Prozent der Bibliotheken aus, an denen "Challenges" stattfanden.

Allerdings muss man auch bei diesem konservativen Kulturkampf konstatieren: Die Aufstellung der ALA legt zwar nahe, dass derzeit eine neue Welle der Panik und der Verbote anrollt, befeuert vom Backlash gegen Black Lives Matter und einer durch QAnon begünstigten neuen Homophobie. Man muss die nachvollziehbare Angst vor solchen Zensurversuchen allerdings zusammendenken mit der Tatsache, dass solche Versuche in den USA Tradition haben und dass sie häufig vor Gericht scheitern.

Tatsächlich haben zwei Schüler bereits einen Schuldistrikt in Missouri verklagt, der "All Boys Aren't Blue" (Platz drei auf der Jahresliste der ALA) aus allen Schulbibliotheken entfernen ließ. Die Brooklyn Public Library hat bekannt gegeben, dass sie Kindern und Teenagern im ganzen Land Bibliotheksausweise ausstellen und die verbannten Bücher per E-Books für alle zugänglich machen wird. Und nachdem das Comicbuch "Maus" von Art Spiegelman in einem Schulbezirk in Tennessee zensiert worden war, stiegen sofort die Verkaufszahlen des Klassikers. Auch der sogenannte "Streisand-Effekt," nach dem Zensurversuche das Interesse am Zensierten nur stärken, ist in Zeiten von Amazon und E-Readern wohl mächtiger denn je.

Der Autor ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Stanford.

1 Maus (1980).

Die Graphic Novel, in der Art Spiegelman die Erlebnisse seiner Eltern während der Schoah und den Selbstmord seiner Mutter verhandelt, gilt in den USA als Standardwerk, um junge Menschen über den Holocaust aufzuklären. In Form einer Fabel zeichnet Spiegelman die Nationalsozialisten als anthropomorphe Katzen, die Juden als Mäuse. Spiegelman wurde als erster und bislang einziger Comiczeichner mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Im Januar 2022 beschloss die Schulbehörde von McMinn County, Tennessee, "Maus" aus dem Lehrplan der achten Klassen zu streichen. Als Begründung werden "die unnötige Verwendung von Profanitäten und Nacktheit" sowie die Darstellung des Selbstmords von Spiegelmans Mutter aufgeführt. Ein Mitglied des School Boards bezeichnete den Inhalt als "vulgär und unangebracht" und nannte als Beispiele die Worte "bitch" und "god damn". Die Entscheidung hat einen unbeabsichtigten Nebeneffekt: "Maus" klettert mehr als 40 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes wieder an die Spitze der Bestsellerlisten.

2 To Kill a Mockingbird (1960).

Harper Lees Roman über den Anwalt Atticus Finch, der in den Südstaaten der Dreißigerjahre die Verteidigung des wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen Tom Robinson übernimmt, zählt längst zu den modernen Klassikern der amerikanischen Literatur. Wegen Finchs Darstellung als "White Saviour" und der Verwendung des N-Wortes entfernte die Schulbehörde von Burbank, Kalifornien, den Roman im September 2020 gemeinsam mit einigen anderen Büchern vorläufig von der Liste der Pflichtlektüren. Als das Komitee keine einstimmige Entscheidung treffen konnte, beschloss man, "Wer die Nachtigall stört" in den Büchereien zu belassen. Schüler haben prinzipiell Zugriff darauf, müssen es jedoch nicht mehr verpflichtend im Unterricht behandeln. Zusätzlich fasste das Komitee einen Beschluss, der den Gebrauch des N-Wortes, ungeachtet des Kontextes, verbietet. Zudem sollen die Leselisten regelmäßig aktualisiert werden, um Werke von Schwarzen und indigenen Autoren aufzunehmen. In zwei weiteren Bundesstaaten entfernten Schulbehörden "Wer die Nachtigall stört" aus Klassenzimmern und Bibliotheken.

3 Gender Queer: A Memoir (2019).

Die autobiographische Graphic Novel erzählt die Geschichte der Autorin Maia Kobabe auf ihrem Weg zur Nichtbinarität. An einem Punkt stellt die Erzählerin fest: "Ich will kein Mädchen sein, aber auch kein Junge. Ich will einfach Ich sein." PEN America nennt in den vergangenen zehn Monaten 29 Fälle, unter anderem in Texas und Florida, in denen das Buch aus öffentlichen oder Schulbibliotheken entfernt wurde. Damit ist "Gender Queer" das am häufigsten beanstandete Buch im Jahr 2021. In zwei Fällen versuchten Eltern erfolglos, die Schulen wegen der Verbreitung von "pornographischem Material und Pädophilie" strafrechtlich verfolgen zu lassen. Nachdem die rechtskonservative Aktivistinnengruppe "Moms for Liberty" das Buch in Orange County, Florida, zunächst erfolgreich wegen "obszöner und sexueller Inhalte" hatte entfernen lassen, beschloss die Schulbehörde im Februar 2022 einstimmig, "Gender Queer" und zwei weitere Bücher, die sich mit Homosexualität und Rassismus befassen, wieder in die Bibliotheken aufzunehmen.

4 Heather Has Two Mommies (1989).

Das Kinderbuch von Lesléa Newman erzählt die Geschichte von Heather, die bei dem lesbischen Paar Jane und Kate aufwächst. Das Bilderbuch erklärt kindgerecht verschiedene Familienmodelle. Der Pennridge Schulbezirk in Pennsylvania entfernte "Heather Has Two Mommies" im Dezember 2021 aus seinen Grundschulbüchereien, nachdem er im August bereits alle Diversity-und Inklusionsinitiativen eingestellt hatte. In einer E-Mail wurden die Grundschulen aufgefordert, "Bücher mit Inhalten zur Geschlechtsidentität zu entfernen", um sie auf "sensible Themen wie vulgäre Sprache, Gewalt, Geschlechtsidentität oder sexuelle Inhalte" zu überprüfen. Eine neue Richtlinie legt zudem den Umgang der Schulen mit LGBTQ-Themen fest, beispielsweise den Wechsel von Namen und Pronomen. Für die Grundschulen steht dort: "Wir diskutieren oder benutzen keine Begriffe, die mit LGBTQ zu tun haben."

5 The Hate U Give (2017).

Der Roman erzählt die Geschichte der afroamerikanischen Schülerin Starr, deren bester Freund Khalil von einem weißen Polizisten erschossen wird. Die Autorin Angie Thomas, die für das Buch den Coretta Scott King Award erhielt, verarbeitet darin ihre Kindheit, in der sie Zeugin einer Schießerei wurde. Seit Juli 2021 wurde das Buch in mindestens neun Fällen aus Schulbibliotheken entfernt, in drei Fällen dauerhaft. Im DuBois Schulbezirk in Pennsylvania kann "The Hate U Give" nur noch ausgeliehen werden, wenn eine Erlaubnis der Eltern vorliegt. Die American Library Association führt "The Hate U Give" im Jahr 2021 in einer Liste als eines der zehn am häufigsten angegriffenen Bücher, unter anderem wegen "polizeifeindlicher Rhetorik", der Erwähnung von Drogenkonsum und Flüchen.

6 All Boys Aren't Blue: A Memoir-Manifesto (2020).

George M. Johnson schildert sein eigenes Erwachsenwerden. Dabei beschreibt er detailliert auch Erfahrungen mit Rassismus und die Suche nach seiner Identität und Sexualität. Das Buch richtet sich an junge Erwachsene, die Erzählung reicht von der Kindheit bis in die Collegezeit. Seit Juli 2021 wurde "All Boys Aren't Blue" in mindestens 21 Fällen aus (Schul-)Bibliotheken entweder vollständig oder für eine Überprüfung entfernt. In Flagler County, Florida, forderte ein Mitglied der Schulbehörde im November 2021 strafrechtliche Konsequenzen für die "Verbreitung von Pornographie an Kindern" und nannte das Buch ein "Verbrechen", in dem "Masturbation, Oralsex und Sodomie" dargestellt würden. Das Sheriff's Office überwies die Entscheidung zurück an die Schulbehörde, die das Buch als "altersangemessen" einstufte, aber dennoch aus den Bibliotheken entfernen ließ.

7 Dear Martin (2017).

Der Roman der Autorin Nic Stone entstand als Reaktion auf rassistische Polizeigewalt und die Ermordung Michael Browns durch einen weißen Polizisten. Er erzählt die Geschichte des jungen Afroamerikaners Justyce McAllister, der selbst Opfer von rassistischer Diskriminierung durch einen Polizisten wird. Justyce beginnt daraufhin, Briefe an Dr. Martin Luther King zu schreiben, in denen er seine Erlebnisse verarbeitet. PEN America nennt vier Fälle, in denen "Dear Martin" aus Bibliotheken entfernt wurde. In Saint Cloud, Minnesota, sollte "Dear Martin" eigentlich im vergangenen Januar den Literaturklassiker "Wer die Nachtigall stört" auf dem Lehrplan ersetzen. Eltern kritisierten jedoch das Vorhaben unter anderem wegen der "einseitigen Darstellung von Polizeigewalt" und der "Normalisierung von sexualisiertem Verhalten". Statt "Dear Martin" aus dem Curriculum zu streichen, können Schüler nun alternativ einen weiteren Klassiker lesen: "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury.

8 The Bluest Eye (1970).

Der Debütroman der Nobelpreisgewinnerin Toni Morrison erzählt mit autobiographischen Anteilen die Geschichte des schwarzen Mädchens Pecola, das in den Vierzigerjahren in Ohio bei Pflegeeltern aufwächst, nachdem ihr Vater betrunken das Haus der Familie in Brand gesetzt hat. Der Roman enthält Darstellungen häuslicher und explizit sexueller Gewalt, etwa wenn Pecolas Vater sie betrunken vergewaltigt. Die titelgebenden blauen Augen entstammen Pecolas Wunsch, dem Schönheitsideal ihrer mehrheitlich weißen Mitmenschen zu entsprechen. Bereits seit seinem ersten Erscheinen 1970 ist "The Bluest Eye" (auf Deutsch "Sehr blaue Augen") Gegenstand von Protesten und Verbotsdebatten. PEN America listet allein für die vergangenen zehn Monate zwölf Fälle auf, in denen das Buch ganz oder zeitweise aus Büchereien entfernt wurde. Der Wentzville School District in Missouri hat den Roman erst im Januar dieses Jahres aus seinen Büchereien entfernen lassen. Nachdem zwei Schüler gemeinsam mit der Bürgerrechtsorganisation ACLU Klage gegen den Schuldistrikt eingereicht hatten, wurde die Entscheidung revidiert. Sechs weitere Titel, die gemeinsam mit "The Bluest Eye" entfernt wurden, sind jedoch bis heute nicht wieder verfügbar.

9 Out of Darkness (2015).

Der historische Roman von Ashley Hope Pérez erzählt die Geschichte der beiden Teenager Naomi und Wash. Pérez verwebt die Liebesgeschichte mit den realen Ereignissen einer Gasexplosion an der Schule von New London im Jahre 1937, für die ein fiktionaler Charakter namens Wash verantwortlich gemacht wird. Kritiken loben den Roman vor allem für seine sensible Darstellung von Segregation, häuslicher Gewalt und Rassismus. Seit Juli 2021 wurde "Out of Darkness" in mindestens 16 Fällen aus Schulen und Bibliotheken entfernt, davon neun Mal dauerhaft. Die Beschwerden richteten sich zumeist gegen "pornographische" Inhalte. Eine Mutter in Lake Travis, Texas, las während eines Meetings der Schulbehörde einzelne Passagen des Buches vor und beschuldigte die Schulen, Kindern Anleitungen für Analsex zur Verfügung zu stellen, ehe ihr Mikrofon abgestellt wurde. Der Leiter der Schulbehörde von Washington County, Utah, gab als Grund für das Verbot an, das Buch habe ihn beim Lesen "deprimiert".

10 Sea Horse: The Shyest Fish in the Sea (2006).

Das illustrierte Kinderbuch von Chris Butterworth handelt - wie der Titel erkennen lässt - von Seepferdchen. Es enthält Illustrationen verschiedener Arten, erklärt, wie Seepferdchen sich fortbewegen, sich verstecken und sich fortpflanzen. Letzteres führte im Juni 2021 in Williamson County, Tennessee, zu einer Beschwerde durch die rechtskonservative Aktivistinnengruppe "Moms for Liberty". Bei einer Versammlung der Schulbehörde hielt eine Aktivistin ein Plakat mit Illustrationen aus dem Buch in die Luft, während eine weitere Aktivistin beklagte, dass die Erstklässler in Williamson County nicht alt genug seien, um etwas über "Seepferdchen-Sexpositionen" zu lernen. In den sozialen Medien attackierte die Gruppierung das Buch wegen seiner Erwähnung von Gender-Fluidität. Es sei der Versuch einer "genderverrückten, transbesessenen" Minderheit, Kinder zu indoktrinieren und die Schwangerschaft von Männern zu normalisieren. Aufgrund der Beschwerde darf das Buch in Williamson County zwar noch vorgelesen, die Seiten 12 und 13, auf denen die Paarung von Seepferdchen zu sehen ist, dürfen aber nicht mehr gezeigt werden.

Recherche und Texte Sophia Rockenmaier

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