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Ein spannendes Jahr an einem traditionsreichen Ort: Als Stipendiat der Villa Massimo macht sich Feridun Zaimoglu auf, Rom zu erkunden und die Römer kennenzulernen. Erstaunliche Begegnungen sind die Folge, brillante Texte das Ergebnis. Ein Jahr in wöchentlichen Geschichten.
Es ist eine große Auszeichnung und gleichzeitig eine schwere Bürde: als deutschsprachiger Autor ein Jahr in Rom zu verbringen, dort zu leben und zu arbeiten - erst recht, wenn man dort als Deutschtürke ganz besonders auffällt.
Feridun Zaimoglu lässt sich nicht beirren, stürzt sich ins Geschehen, lernt Italienisch nach
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Produktbeschreibung
Ein spannendes Jahr an einem traditionsreichen Ort: Als Stipendiat der Villa Massimo macht sich Feridun Zaimoglu auf, Rom zu erkunden und die Römer kennenzulernen. Erstaunliche Begegnungen sind die Folge, brillante Texte das Ergebnis. Ein Jahr in wöchentlichen Geschichten.

Es ist eine große Auszeichnung und gleichzeitig eine schwere Bürde: als deutschsprachiger Autor ein Jahr in Rom zu verbringen, dort zu leben und zu arbeiten - erst recht, wenn man dort als Deutschtürke ganz besonders auffällt.

Feridun Zaimoglu lässt sich nicht beirren, stürzt sich ins Geschehen, lernt Italienisch nach Maßgabe seiner Bedürfnisse ("Una spremuta d'arrancia, per favore" ist sein erster Satz), meidet die Touristenspots und treibt sich lieber auf Trödelmärkten und unter Fremdländern herum. So wird Sergej, der geheimnisvolle Mann aus der Ukraine, sein unerschrockener Begleiter und die ewige Stadt allmählich sein Revier. Zeitweilig ist der Petersplatz sein bevorzugter Ort, denn Erkrankung und Tod von Johannes Paul II. und die Wahl von Benedikt XVI. halten die Stadt in Atem. Und auch der Campo dei Fiori steigt in seiner Gunst, denn das Leben auf und um diesen Platz herum bietet reichlich Anschauungsmaterial. So entstehen ethnographische Studien, literarische Phantasien und immer wieder handfester Kontakt auch auf der obligatorischen Urlaubsreise während des Ferragosto.

Feridun Zaimoglu gelingt es, unbelastet von deutsch-romantischer Italophilie das Bezaubernde dieser Stadt ganz neu zu entdecken: Mit äußerst wacher Beobachtungsgabe und großem sprachlichen Feingefühl sowie dem untrüglichen Gespür für überraschende Wendungen zeigt er uns sein Rom und lässt dabei die eine Frage immer offen - hat es sich wirklich so zugetragen?

Ein Buch für alle, die Rom kennen und lieben, und für die, die es noch kennenlernen wollen.
  • Produktdetails
  • KiWi Taschenbücher Bd.983
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Artikelnr. des Verlages: 4000719
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 255
  • Erscheinungstermin: 13. März 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 126mm x 17mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9783462037890
  • ISBN-10: 3462037897
  • Artikelnr.: 22501688
Autorenporträt
Zaimoglu, Feridun
Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im anatolischen Bolu, lebt seit seinem sechsten Lebensmonat in Deutschland. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel und schreibt für Die Welt, die Frankfurter Rundschau, Die Zeit und die FAZ. 2002 erhielt er den Hebbel-Preis, 2003 den Preis der Jury beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und 2005 den Adelbert-von Chamisso-Preis. Im Jahr 2005 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Zahlreiche weitere Preise folgten, u.a. der Grimmelshausen-Preis (2007), der Corine-Preis (2008), der Jakob-Wassermann Literaturpreis (2010) sowie der Preis der Literaturhäuser (2012). 2016 erhielt er den Berliner Literaturpreis sowie die Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein. Nach »Leyla«, »Liebesbrand« und »Siebentürmeviertel« erschien zuletzt sein großer Luther-Roman »Evangelio«.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.08.2007

Ruine im Kopf
Dokumentenecht: Feridun Zaimoglu über sein Jahr in Rom

Schon Rolf Dieter Brinkmann hatte sich Rom keineswegs als Bildungsbürger genähert. "Umbrien! Tumbrien! Kackien! Alles Ruinen! (Auch im Kopf!)!" fügte er seinerzeit einer Postkarte an. Sein wütendes Bild-Text-Konvolut "Rom, Blicke" erlangte Kultstatus, die Antike und überhaupt alles kommt darin eher als Heimsuchung vor, die Ekel erzeugt. Ein Jahr Leben und Arbeiten in der Villa Massimo - das muss man ertragen können. Auch Feridun Zaimoglu hat sich während seines einjährigen Aufenthalts zur Wehr gesetzt und produziert. "Rom intensiv" titelt er mit leichter Hand seine gesammelten Tages-Skizzen, die auch ein bisschen aggressiv sein wollen. Im "Nahkampfparka" schleicht er über die Kieswege im Park, hat Angst vor im Maulwurfshügel versteckten Gärtnern, die ihn brüllend anfallen könnten, und beäugt ratlos wie einst Brinkmann ("vor diesem Brunnen stand ich & fand ihn lächerlich") die Fontana di Trevi. "Irgendeine antike Szene wird hier wiedergegeben, denke ich, schade nur, dass ich nicht den geringsten Schimmer von den Mythen des Altertums habe."

Doch "ich, Studio 10" - in diesem legendären Studio wohnten auch Brinkmann und viele andere - hat auf jeden Fall eine große Portion Neugier mitgebracht. Tapfer konfrontiert sich der Stipendiat mit Spanischer Treppe, Quirinale und Vatikanischer Grotte, wo religiöse Hysterikerinnen zusammenbrechen. Die Sehenswürdigkeiten Roms bilden einen Parcours, an dem sich Zaimoglus Blicke brechen. Was er darüber hinaus sieht - drängelnde Touristen, fotografierende Japanerinnen, falsche Sarazenen -, liest sich häppchenweise gut und will ja auch nicht mehr sein als "Mein Jahr in der ewigen Stadt", so der (hoffentlich ironisch gemeinte) Untertitel. Ob aber die Sofortumwandlung von Tageseindrücken in literarische Prosa, die als wöchentliche Kolumne in den "Kieler Nachrichten" erschien und dort sicher richtig am Platz war, immer gleich buchverdächtig ist?

Sieht man einmal davon ab, dass nicht ein sorgender Wille zur Gestaltung und Auswahl die Feder führte, sondern eher die Materialanhäufung den Ton angab, lässt sich "Rom intensiv" passagenweise sogar als alternativer Reiseführer verwenden und enthält auch darüber hinaus poetische Beobachtungen, die einer beispielhaften Offenheit geschuldet sind. In Italien werden Zaimoglus Urthemen - die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und die Dauerverwunderung, als ein anderer wahrgenommen zu werden und auch selber von sich ständig überrascht zu werden - ungleich schärfer ausgetragen als in seinen früheren Texten. Schon auf der ersten Seite muss der Erzähler im Pocketwörterbuch "Verwechslung" nachschlagen. Nach ersten unsicheren Schritten in der Stadt ordnet er seine Welt im Groben, stellt sich möglichst gut mit Pförtner und Gärtner im Villapark und verlässt nur allzu gerne das Terrain der gebuchten Ästheten, das Brinkmann als "abgewrackten Tierpark" bezeichnete. Souverän begegnet er Anfeindungen deutscher Touristen, die das Schlangestehen unwirsch macht. Rechtzeitig weicht er aus, bevor es eskaliert, und muss sich dann von seiner Mutter aus der Türkei durchs Telefon ins Ohr kreischen lassen, er sei nicht lebenstauglich.

Sich so ständig beiseiteschubsen zu lassen - das eröffnet neben bekanntem Romrepertoire auch unschuldige Bilder, die Zaimoglu mit Fabulierlust und der ihm eigenen sprachlichen Plastizität weiterspinnt. Vieles verliert sich aber im reflexiven Begleitgeräusch literarischer Aufenthaltsnotizen, die unentschieden lassen, ob sie mehr sein wollen.

ANJA HIRSCH.

Feridun Zaimoglu: "Rom intensiv". Mein Jahr in der ewigen Stadt. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2007. 256 S., br., 7,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Dieses Buch ist aus den Kolumnen hervorgegangen, die Feridun Zaimoglu von seinem Aufenthalt im italienischen Künstlerrefugium Villa Massimo an die "Kieler Nachrichten" geschickt hat. Die Rezensentin Dorothea Dieckmann sieht hier einen Autor mit "erfrischender Antihaltung", der nicht - wie einst Rolf Dieter Brinkmann in Rom - an der "Zerrüttung der Zivilisation" verzweifelt, sondern ihr mit "sympathisch schlampiger Nonchalance" begegnet. Zaimoglu lässt sich beschimpfen, von römischen Vespa-Fahren umnieten und in Neapel abzocken. Wenn hier ein Film liefe, würde die Rezensentin also eher auf Buster Keaton als auf Federico Fellini tippen. Während ihr jedoch anfangs noch der beherzte "Trottel", den Zaimoglu hier gibt, sympathisch ist, geht er ihr zunehmend auf die Nerven. In einer wöchentlichen Kolumne lässt sie sich einen solchen Comicstrip gern gefallen, in einem Buch langweilt er sie mit der Zeit.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Herzerfrischend komisch und wunderbar leicht erzählt kommen die kurzen Geschichten daher. ...So witzig war Zaimoglu noch nie." Märkische Allgemeine