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"Wie heiß wird er sein, der Herbst 1983? Wird er erträglich sein? Gefährlich? Oder am Ende gar produktiv?" So fragte Walter Dirks im Sommer desselben Jahres in den Frankfurter Heften. Im Rückblick wissen wir, dass der Herbst 1983 für die Auseinandersetzungen um den NATO-Nachrüstungsbeschluss Höhe- und Wendepunkt zugleich war. Einerseits brachten die Proteste noch einmal zahlreiche Bürger auf die Straße und damit die Argumente gegen eine Nachrüstung zu Gehör, andererseits ebbte die öffentliche Unterstützung mit der Stationierung der Mittelstreckenraketen nicht abrupt, aber doch nach und nach…mehr

Produktbeschreibung
"Wie heiß wird er sein, der Herbst 1983? Wird er erträglich sein? Gefährlich? Oder am Ende gar produktiv?" So fragte Walter Dirks im Sommer desselben Jahres in den Frankfurter Heften. Im Rückblick wissen wir, dass der Herbst 1983 für die Auseinandersetzungen um den NATO-Nachrüstungsbeschluss Höhe- und Wendepunkt zugleich war. Einerseits brachten die Proteste noch einmal zahlreiche Bürger auf die Straße und damit die Argumente gegen eine Nachrüstung zu Gehör, andererseits ebbte die öffentliche Unterstützung mit der Stationierung der Mittelstreckenraketen nicht abrupt, aber doch nach und nach ab. Konsequenterweise fanden auch Diskussionen um Krieg und Frieden 1983 kein unvermitteltes Ende. Dennoch bildete das Jahr eine Zäsur, insofern die öffentliche Relevanz des Themas nachweislich zurückging. Insbesondere die Gefahren der nuklearen Rüstung gerieten zusehends aus dem Blickfeld, zumal mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986 vermehrt die sogenannte "friedliche Nutzung der Kernenergie" im Mittelpunkt der Kritik stand und das Ende des Ost-West-Konflikts 1989/90 schließlich öffentliche Debatten um Nuklearwaffen auf ein Minimum reduzierte. Das Jahr 1983 markiert dementsprechend einen geeigneten Schlusspunkt für meine Studie katholischer Friedensdialoge. Im Folgenden werden abschließend die zentralen Transformationsebenen akzentuiert, welche die Untersuchung zutage gebracht hat.

Erstens ließen sich weitreichende und dauerhafte, inhaltliche Umcodierungen offenlegen, die allerdings weder homogen noch linear vonstattengingen. Hierbei fällt als Erstes ins Auge, wie stark sich Inhalt und Stellung der traditionellen katholischen Lehre vom Gerechten Krieg im Zuge des atomaren Wettrüstens wandelten. Unter Pius XII. bemühte sich das kirchliche Lehramt zunächst vehement, die Lehre zeitgemäß umzuformulieren, indem es das Recht auf staatliche Selbstverteidigung herausstellte. Anhand des westdeutschen Beispiels konnte allerdings veranschaulicht werden, dass dieser Wandel auf nationaler Ebene zunächst nur eingeschränkt nachvollzogen wurde. Während der sechziger Jahre trat das Konzept des Gerechten Krieges in katholischen Äußerungen zu Krieg und Frieden dann generell in den Hintergrund, ohne dass es - wie das Konzilsdekret Gaudium et Spes beispielhaft belegt - freilich aufgegeben wurde. Vielmehr behielt die Vorstellung eines staatlichen Selbstverteidigungsrechts unter möglicher Verwendung nuklearer Waffen im katholischen Raum seine Bedeutung. Das ließ sich unter anderem anhand der Aussagen von Nachrüstungsbefürwortern und -gegner der frühen achtziger Jahre belegen. Es wurde jedoch vermieden, diese Auffassung als "Lehre vom Gerechten Krieg" zu bezeichnen.

Im Gegenzug trat verstärkt ein erweitertes und dynamisches Friedensverständnis in den Vordergrund. Es verstand Frieden nicht länger ausschließlich als Nicht-Krieg, der einzig durch militärische Maßnahmen zu sichern sei. Frieden galt in wachsendem Maße vielmehr als die fortdauernde Aufgabe, sich für eine gerechtere und sozialere Welt zu engagieren. Solche Friedensvorstellungen konnten vereinzelt bereits für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nachgewiesen werden, eine weitreichende Schwerpunktverschiebung vollzog allerdings erst Papst Johannes XXIII. Er betonte in seinen Schriften, insbesondere in der Enzyklika Pacem in Terris von 1963, die Bedeutung von friedensfördernden Maßnahmen wie die Durchsetzung von Menschenrechten und die Intensivierung von Entwicklungshilfe und -politik. Das Zweite Vatikanische Konzil schloss sich diesem Friedensverständnis an und versuchte, es mit der Lehre vom Gerechten Krieg in Einklang zu bringen. Die Würzburger Synode, welche die Beschlüsse des Konzils in die pastorale Praxis der Bundesrepublik übertragen sollte, schrieb dieses Spannungsverhältnis Mitte der siebziger Jahre für den katholischen Raum Westdeutschlands fest.

Mit der geschilderten konzeptionellen Entwicklung korrespondierte ein grundlegender Wandel der katholischen Friedenspraxis, der im vorliegenden Buch auf mehreren Ebenen nachgezeichnet werden konnte. Am deutlichsten trat er in der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit zutage, deren stark missionarischer Charakter seit den fünfziger Jahren zunehmender Kritik ausgesetzt war und die während der sechziger und siebziger Jahre eine weitreichende institutionelle und inhaltliche Umgestaltung erfuhr. Darüber hinaus wurde im Zusammenhang mit der Arbeit der Friedensgruppe Pax Christi auf die herausragende Bedeutung der Versöhnungsarbeit verwiesen, die westdeutsche Katholiken zunächst gegenüber Frankreich und später gegenüber Polen praktizierten. Im Kontext der katholischen Jugendarbeit erlangte ferner der Einsatz für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einen überragenden Stellenwert. Beide Entwicklungen wurden begleitet von einer Verwissenschaftlichung katholischer Friedensarbeit, die sich seit Ende der sechziger Jahre beispielsweise in den Äußerungen des Bensberger Kreises nachweisen ließ. Insbesondere im Kontext des Vietnamkriegs kam es schließlich, wie weiter unten noch eingehender diskutiert wird, zur Politisierung katholischer Friedensvorstellungen in einzelnen Studentengemeinden, linkskatholischen Gruppen und Teilen von Pax Christi.

Die Diskussionen und Proteste der frühen achtziger Jahre bestätigten letztlich die umfassenden Umcodierungen katholischer Kriegs- und Friedensvorstellungen. So lag sämtlichen Diskursbeiträgen ein erweitertes und dynamisches Friedensverständnis zugrunde, ohne dass freilich im Sinne eines radikalen Pazifismus ein staatliches Selbstverteidigungsrecht gänzlich aufgegeben worden wäre. Innerhalb des gemeinsamen diskursiven Rahmens waren jedoch divergierende Einstellungen darüber zu finden, wie die katholischen Friedensvorstellungen in eine konkrete politische Praxis umzusetzen seien. Diese Gegensätze korrespondierten weitgehend mit Spannungen im zeitgenössischen Sicherheitsverständnis, wurden jedoch öffentlich als grundlegende Meinungsverschiedenheiten unter den westdeutschen Katholiken wahrgenommen. Tatsächlich fußte die anhaltende Pluralität katholischer Friedensbeiträge jedoch auf einem gemeinsamen Fundament, von dem es, wie die Widerstands- und Pazifismusdiskussionen des Jahres 1983 gezeigt hatten, nur in geringem Maße grundlegende Abweichungen gab.


Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in D, A ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Campus Verlag
  • Seitenzahl: 375
  • Erscheinungstermin: 08.10.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783593418384
  • Artikelnr.: 37176249
Autorenporträt
Daniel Gerster, Dr. phil., promovierte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Seit 2012 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centrum für Religion und Moderne der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Inhaltsangabe
Inhalt

1. Einleitung 7

1.1 Fragestellung: Umcodierungen, Umstrukturierungen, Grenzverschiebungen 7

1.2 Analytische Rahmenbedingungen: Diskurse, Methoden, Quellen 12

1.3 Forschungsrelevanz: Religion, Politik, Kalter Krieg 22

2. Zögerliche Aufbrüche: Katholiken und die Kontroversen um Atomwaffen, 1957-1965 31

2.1 "Verteidigung allerhöchster Güter": Öffentliche Zurückhaltung westdeutscher Katholiken ungeachtet moraltheologischer Diskurssetzung 32

2.2 "Katholisches Gewissen": Kritik an der Atombewaffnung als Bestandteil kirchenkritischer Gegendiskurse 56

2.3 "Christi Frieden im Reich Christi": Wallfahren für den Frieden statt Protestieren gegen Atomwaffen 76

2.4 "Frieden auf Erden": Die Transnationalisierung katholischer Friedensdialoge im Umfeld des Zweiten

Vatikanischen Konzils 100

3. Zahlreiche Umbrüche: Friedensdialoge um Vietnamkonflikt, Befreiungstheologie und Terrorismus, 1965-1977 125

3.1 "Testfall für die Glaubwürdigkeit": Politisierungsschübe westdeutscher katholischer Friedensgruppen durch

den Vietnamkrieg? 126

3.2 "Heilsdenken ignoriert die Belange dieser Welt":

Der Beitrag des Vietnamkriegs zur Transformation der katholischen Studentenschaft 150

3.3 "Entwicklung, der neue Name für Frieden": Verflechtungen von Diskurswandel und institutioneller Transformation während

der "langen sechziger Jahre" 172

3.4 "Dem Terrorismus eine tragfähige Alternative entgegensetzen": Verhaltene Resonanz der Gewaltfrage im katholischen Raum 194

4. Zaghafte Ausbrüche: Katholisches Friedensengagement und der NATO-Doppelbeschluss, 1977-1983 220

4.1 "Kehrt um - Entrüstet Euch": Katholiken und ihre

Zurückhaltung gegenüber den Protestaktionen

der Friedensbewegung 221

4.2 "Verzicht auf Sicherheitsdenken": Umcodierungen katholischer Friedensvorstellungen während der frühen achtziger Jahre 245

4.3 "Sicherung des Friedens in Freiheit": Defensiven und Angriffe katholischer Nachrüstungsbefürworter in den Friedensdiskussionen 267

4.4 "Gerechtigkeit schafftFrieden": Die katholischen

Friedensdebatten ab 1983 zwischen Konsenssuche und Pluralisierung 290

5. Fazit 315

Dank 326

Abkürzungen 328

Quellen und Literatur 331

Personen- und Sachregister 367
Rezensionen
"Daniel Gerster hat eine (...) sehr überzeugende Arbeit vorgelegt, die jedem vorbehaltlos zu empfehlen ist, der sich für den Wandel katholischer Friedenskonzepte interessiert." (H-Soz-u-Kult, 20.02.2013)
"Mit der Geschichte der katholischen Friedensdialoge in der Bundesrepublik ist es Daniel Gerster gelungen, eine tiefgehende und zugleich konzise sowie angenehm lesbare Untersuchung der Diskussion um Krieg und Frieden vorzulegen.", sehepunkte.de, 15.05.2013 "Daniel Gerster hat eine (...) sehr überzeugende Arbeit vorgelegt, die jedem vorbehaltlos zu empfehlen ist, der sich für den Wandel katholischer Friedenskonzepte interessiert.", H-Soz-u-Kult, 20.02.2013