Der namenlose Tag / Jakob Franck Bd.1 (eBook, ePUB) - Ani, Friedrich
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Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand und glaubt nun, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können. Vor zwanzig Jahren hatte er sieben Stunden, ohne ein Wort zu sagen, der Mutter einer toten Siebzehnjährigen beigestanden. Jetzt wird der Kommissar von dieser Konstellation eingeholt: Ludwig Winther tritt mit ihm in Kontakt; er ist der Vater des jungen Mädchens, das sich umgebracht haben soll, und Ehemann jener Frau, der Franck so viel Aufmerksamkeit widmete. Zwanzig Jahre sind vergangen, und Ludwig Winther glaubt noch immer nicht an den Selbstmord seiner…mehr

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Produktbeschreibung
Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand und glaubt nun, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können. Vor zwanzig Jahren hatte er sieben Stunden, ohne ein Wort zu sagen, der Mutter einer toten Siebzehnjährigen beigestanden. Jetzt wird der Kommissar von dieser Konstellation eingeholt: Ludwig Winther tritt mit ihm in Kontakt; er ist der Vater des jungen Mädchens, das sich umgebracht haben soll, und Ehemann jener Frau, der Franck so viel Aufmerksamkeit widmete. Zwanzig Jahre sind vergangen, und Ludwig Winther glaubt noch immer nicht an den Selbstmord seiner Tochter. Er ist überzeugt, dass sie ermordet wurde. Ex-Kommissar Jakob Franck macht sich also daran, die näheren Umstände ihres Todes aufzuklären, »einen toten Fall zum Leben zu erwecken «. Jakob Franck folgt dabei seiner ureigenen Methode, der »Gedankenfühligkeit «: Diese ist unnachahmlich und unübertroffen bei der Lösung der kompliziertesten und überraschendsten Fälle. Friedrich Ani und seine Kunst der Konstruktion gewöhnlich-außergewöhnlicher Kriminalistikrätsel; Friedrich Ani und seine Sprache, die vom Tod auf das Leben melancholisch gelöste Perspektiven wirft - Friedrich Ani und seine Kunst erreichen in seinem neuen Roman unvorhersehbare Dimensionen.


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  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp Verlag AG
  • Seitenzahl: 301
  • Erscheinungstermin: 08.08.2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518741764
  • Artikelnr.: 42765025
Autorenporträt

"Mineralwasser wird überschätzt und außerdem ist ja auch Wasser im Bier." - Das ist so eine typische Friedrich-Ani-Antwort auf die Frage, ob eine seiner Figuren, nämlich der legendäre Vermissten-Detektiv Tabor Süden, nicht zu viel Tegernseer Hell trinken würde. Feinsinnig und nah am Leben, bodenständig und philosophisch zugleich wirkt dieser sympathische und vielseitige Autor. Der bekennende FC-Bayern-Fan lebt in München, wuchs in Kochel am See als Sohn einer Südschlesierin und eines Syrers auf und sagt heute, dass er keine Berge mehr sehen kann, sie ihn melancholisch machen. So hat er die Insel Sylt ab und an als "Ausweich-Ort" für sich entdeckt, liebt die Weite dort, das Licht und auch die Stille, bei der er in sich hineinhören kann. Nur wer das kann, schafft es schließlich, so überzeugend über andere Leben zu schreiben, andere Schicksale, andere Abgründe. Und diese Abgründe interessierten Ani besonders - ihn und seine Figuren wie Tabor Süden, den blinden Kommissar Jonas Vogel oder Hauptkommissar Polonius Fischer, einen ehemaligen Mönch.



Ja, auch Anis Geschichten drehen sich um Leben und Tod, aber sie kommen ohne "gehäckselte Leichen" aus. Er schreibt, sensibel und sprachgewaltig, oft über innere Zustände und Seelenlagen, das "Kippen" normaler Leben - falls es so etwas wie normale Leben überhaupt gibt -, das Straucheln und Scheitern. Gern schreibt er auch über die sogenannten "kleinen Leute", nicht über das "Adabei"-München und schätzt an dem Genre Krimi, dass er seine Geschichten hier so erzählen kann, wie er es will. Für seine Romane erhielt Friedrich Ani schon zahlreiche Preise. Als bisher einziger Autor bekam er den Deutschen Krimi Preis in einem Jahr für drei Süden-Titel gleichzeitig. Es folgten u. a. der Adolf-Grimme-Preis für das Drehbuch nach seinem Roman "Süden und der Luftgitarrist", der Deutsche Krimipreis für "Süden" oder der Bayerische Fernsehpreis für das Drehbuch "Das unsichtbare Mädchen".



Die meisten Leser kennen und liebenvor allem Anis "Süden"-Reihe, doch dass er auch wunderbare Gedichte, herrliche Kinderbücher, Drehbücher, Hörspiele oder Kurzgeschichten schreibt, wissen schon weniger. Diese Vielseitigkeit und Offenheit für die Welt und insbesondere die Literatur zeichnen Ani aus. Dieses den Menschen Zuschauen- und Zuhörenkönnen - das liebt Ani; ob in einem Gasthaus in seinem Viertel Giesing sitzend oder am Hauptbahnhof, wo er gern hingeht, um unter "Verreisern" zu sein, Abschiede und Ankommen zu erleben. Er selbst, so sagt er, sein kein "Verreiser" - außer von München nach Sylt. Das mag, was die äußeren Reisen angeht, auch stimmen. Innerlich aber ist Friedrich Ani ein erfahrener Reisender - und von den höchsten Höhen in die tiefsten Abgründe unterwegs.

Rezensionen
"Voller Zärtlichkeit und Mitleid - Ein Spitzentitel. Ohne Zweifel."
Elmar Krekeler, DIE WELT 01.08.2015

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 31.08.2015

Gefangen im Lebenszimmer
Friedrich Ani schickt einen neuen Ermittler ins Rennen

Sieben Stunden lang hat er sie umarmt. Sieben Stunden lang hat er mit der Frau erst im Flur, dann in der Küche gestanden, schweigend, unterbrochen nur von ihrem zwei- oder dreimal wiederholten Satz: "Sagen Sie, dass es nicht wahr ist." Sieben Stunden lang, nachdem er der Frau die Nachricht vom Selbstmord ihrer siebzehnjährigen Tochter überbracht hatte. Zwanzig Jahre ist das her, die Frau hat ein Jahr nach der Tochter ihrem Leben ein Ende gesetzt, und Jakob Franck, der ehemalige Kommissar, hat nie mit jemandem über diese Nacht gesprochen.

Er ist seit zwei Monaten im Ruhestand, als der Roman einsetzt, und er wird an diese Nacht und die Todesfälle erinnert, weil der Vater und Ehemann plötzlich bei ihm auftaucht. Ein gebrochener Mann, der Winther heißt, "in dessen Namen es unaufhörlich schneit", ein Verzweifelter, der Franck davon überzeugen will, dass seine Tochter damals umgebracht worden sei. Er kommt einem vor wie ein Gespenst, wie jene Geister aus alten Fällen, die Franck regelmäßig heimsuchen. Er bietet ihnen dann Kekse an.

Jakob Franck ist ein neuer Held im Werk von Friedrich Ani. Wer sich für Kriminalromane interessiert, dem muss man nicht erklären, wer Ani ist. Einer der produktivsten Autoren, der mehr als ein Dutzend Mal den Kommissar Tabor Süden vermisst gemeldete Menschen hat suchen lassen, der zahlreiche Drehbücher geschrieben hat, unter anderem für Dominik Graf, dazu Lyrik, Hörspiele, Jugendromane. Ani, inzwischen sechsundfünfzig Jahre alt, hat, im Gegensatz zu vielen seiner Genre-Kollegen, einen eigenen Stil, man erkennt ihn sofort inmitten der besseren Gebrauchsanweisungsprosa an dem leichten Mundarteinschlag, an dem Klang, welcher an gesprochene Sprache erinnert, ohne sie einfach nachzuahmen.

Ani versteht den Kriminalroman auch nicht als Plotmaschine, sondern als eine Perspektive, als ein seismographisches Instrument, mit dessen Hilfe sich etwas über die Gegenwart erfahren lässt, über "das Drama des in seinem Lebenszimmer gefangenen Menschen". Sein Erzähltempo ist deshalb auch eher verhalten, bisweilen schleppend, weniger fixiert auf den straffen Spannungsbogen. Er folgt den Um- und Abwegen seiner Figuren, den Sackgassen, in die sie geraten, den Ideen, in die sie sich verrennen. Jakob Franck, der uns nun in "Der namenlose Tag" zum ersten Mal begegnet, muss man als einen zutiefst weltlichen Seelsorger bezeichnen. Bereits als aktiver Polizist war er es, der den Angehörigen die Todesnachricht überbrachte, und sein Impuls, die Trauernden in den Arm zu nehmen, hat sich im Ruhestand nicht verflüchtigt.

Er ahnt, dass seine Umarmungen kein Ausdruck reinsten Altruismus sind, dass er selbst Trost und Nähe sucht, nicht erst, seit seine Ehe gescheitert ist. "Er betrat nicht nur ihr Weltall der Verlorenheit, er kehrt in seines heim", schreibt Ani, der mitunter mit etwas zu viel Pedal arbeitet und dem die Lebensumstände seiner Figuren dann fast zu Chiffren einer existentiellen Obdachlosigkeit werden.

Weil Franck nicht anders kann, rollt er den Selbstmordfall von Esther Winther noch einmal auf, spricht mit altgewordenen Freunden von damals, mit Menschen, die Esther kannten, und taucht so ein in das ganz alltägliche Unglück von Familien, in verkorkste Lebensläufe, in die kleine Vorstadtwelt, wo München gar nicht schick und südlich ist. Weil er beharrlich ist, findet Franck auch etwas heraus. Man sollte das nur nicht mit der Lösung eines Falles verwechseln. Es ist eine Geschichte von Schuld und Schweigen, von Gleichgültigkeit, Aufbegehren, Verdrängung und von einer Schwermut, die unter den Figuren grassiert wie ein Virus.

Es ist vielleicht gut, ein solches Buch im Hochsommer zu lesen. Wenn man es beiseitelegt, dann scheint draußen wenigstens die Sonne.

PETER KÖRTE.

Friedrich Ani: "Der namenlose Tag". Ein Fall für Jakob Franck. Roman.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 301 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 08.08.2015

Vom Ausgraben
der Wahrheit
Friedrich Anis Roman „Der namenlose Tag“
Friedrich Ani, der mit einem Zyklus von Kriminalromanen rund um den Ermittler Tabor Süden bekannt wurde, hat nicht nur einen neuen Verlag, Suhrkamp; er, der schon längst zum Erfolg und einer erfolgreichen Figur gefunden hat, hat auch den Mut, wieder einen neuen Suchenden zu erschaffen: den pensionierten Kriminalhauptkommissar Jakob Franck.
  Was – nämlich dessen tödliches, närrisches, überflüssiges und existenzielles Geschäft der Sucherei nach Wahrheit – am Ende dazu führt, dass sich der Autor Ani jenseits der „Tatort“-Drehbücher und seiner vielen Krimis findet. Wiederfindet. Denn sein Krimi, der viel mehr ist als das, nämlich große Literatur, aber eine, die sich trotzdem wie ein Krimi lesen lässt,gelingt meisterlich. „Sie können gehen, Meister.“ Das sagt ein abstoßend verächtlicher Mann, dem man zunächst unter einem Sofa und mitten im Horror begegnet, zu Franck, der ihn in den Arm nehmen wird. Der betrunkene, schwankende, dumme Mann, Patrick, herausgewachsen aus dem Winkel hinter und unter dem Sofa, nie aber entflohen dem Horror, der sich dort, also überall im Reich der Eigenheime und Immobilienkreditratenparadiese zwischen Baumarkt und Gartencenter befindet, bringt Klarheit ins Raunen.
  Es ist ein Satz vom Ende der Ermittlung im Reich jener Toten, die fast alle leben. Nun wird endlich klar, warum die 17-jährige Esther Winther zu Tode kam vor zwanzig Jahren. Das „Wie“ weiß man ja. Aber es ist das „Warum“, das einen nicht loslässt. Am Ende klappt man ein Buch zu, das man in einem Zug zerlesen, verschlungen hat, um sich vor Ani zu verbeugen und Franck in den Arm zu nehmen.
  Gute Literaten müssen immer auch gute Ermittler sein. Und gute Magier sowieso: Selten konnte man sich mit etwas so abgrundtief Traurigem, wie es dieses Buch und das Leben bieten, so einverstanden erklären. Der Ermittler ermittelt nicht nur, dass unsere Welt aus schwärzester Schwärze, stillem Schweigen und verlogenen Lügen besteht; sondern auch aus dem winzigen Stück Glück, das einen einfach weitermachen lässt. Es sei denn, man erhängt sich wie Esther Winther, die 17 ist, ein hübsches Mädchen, mit guten Noten, lieben Eltern, vielen Freunden – also ein Mensch, der in der Lage ist, uns zu Tode zu erschrecken, indem sie „auf der Generalprobe für ihr neues Leben“ stirbt.
  Der Ex- oder Kann-nicht-anders-Ermittler Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand, vormals Dezernat 11 und Besoldungsgruppe A12. Er lebt im Osten von München, „im Land der Zwischenstadt“. Er ist geschieden, kinderlos und seltsam, dazu „angemessen einsam“ und im Besitz eines fünfzehn Jahre alten Fords, eines Telefons „im Flur“ und einer Art-déco-Leuchte im Arbeitszimmer, „das nie ein Kinderzimmer war“. Die Leuchte hat er zum vierzigsten Geburtstag von Marion geschenkt bekommen. Aber das Dunkel der späteren Scheidung konnte sie schon nicht mehr erhellen. Für Todesfälle reicht es, für das Leben nicht. Franck ist ein „beziehungsloser Hausmann“ am Rande des Lebens geworden. Irgendwann, heißt es einmal im Buch, habe er die Fähigkeit verloren, sich auf den Frühling zu freuen.
  Aber das ist nur einer der Gründe, warum er, wenn schon nicht den Frühling, so doch Ludwig Winther in sein Leben treten lässt, den Vater von Esther, die sich vor langer Zeit im Park erhängt hat. Gefolgt von ihrer Mutter, Ludwigs Frau Doris, die es ihr gleichtut. Sie erhängt sich ein Jahr nach Esthers Tod, von dem der Vater immer noch glaubt, es sei ein Mord gewesen. Ludwig Winther, ehemals emsiger Hosenverkäufer, dann Vater einer toten Tochter, dann Witwer einer toten Frau, dann Alkoholiker, jetzt Minijobber und Mann, der abends aus dem Fenster guckt, auf der Suche nach Wahrheit, bittet den Ex-Ermittler um Hilfe. Franck soll den Freitod, der vielleicht kein Freitod war, aufklären. Es war Franck, der damals Esthers Mutter die „Nachricht“ überbrachte.
  Damals sank sie in seine Arme. Sieben Stunden hielt sie der Kommissar im Arm. Es ist eine Geschichte, die einen einholt. Eine Geschichte über die Vergangenheit, die nicht ruht, weil uns die lebenden Toten daran erinnern. Und eine Geschichte über die Einsamkeit und das Schweigen. Für dieses Schweigen findet Ani viele Worte. Da „bestraft sie ihren Mann mit Schweigen“ und „verstummt“. Oder: „Er wollte etwas erwidern, aber die Worte gelangen ihm nicht.“ Und Esther, die Tote, die auch eine Vergewaltigte, eine Missbrauchte, eine Gemordete sein könnte, „erbt die Stummheit ihrer Vorfahren . . . sie haust in einer Welt der schalldichten Träume.“
  Ani beziehungsweise Franck ist deshalb Pygmalion, der das Steinernstumme zum Leben erwecken, einen Fall reanimieren und die Menschen zum Sprechen bringen muss. Oft hat er es mit einer Hand zu tun, „bleich und leblos“ oder mit Blicken, die „gefrieren“. Pygmalion muss ihnen Leben einhauchen – indem er sie umarmt.
  An einer entscheidenden Stelle heißt es: „Polizeiarbeit war auch eine Art Leichenfledderei . . . Was Franck meinte, war sein ureigenes, professionelles, wenn nötig rücksichtsloses Zerstückeln der Umstände, das Ausgraben halb verwester Wahrheiten, das Offenlegen . . . Die Aufklärung eines Mordes oder zwielichtigen Todes bedeutete, dass ein Kommissar das Recht hatte, die Welt des Menschen, der gewaltsam gestorben war, von Grund auf zu erschüttern.“ Es ist als würde der Ermittler Franck den Autor Ani beschreiben, der ein Künstler ist unter den Zerstücklern.
  Weshalb er auch die Gabe besitzt, die Menschen zu berühren. Ständig muss Franck, der Todesbote, der es nicht lassen kann, an den Dingen zu rühren, jemanden, der in anderen Krimis in die Mangel genommen würde, in den Arm nehmen. Scheinbar tröstet er die Menschen, aber tatsächlich begleitet er sie durch die Katakomben und Verliese ihrer Lebenslügen, um auch selbst ans Licht zu kommen.
  Ani hat in einer wunderbaren, oft poetischen, selten überambitionierten, vielleicht ja auch hie und da von Suhrkamp beflügelten Sprache, bildmächtig jedenfalls wie immer, ein ökonomisches Buch geschrieben, dessen Tragwerk funktional genug ist und dessen Spannungsbögen durchdacht genug sind, um sich gelegentliches Ornamentieren zu leisten: Dann schreibt sich Winther eben mit „th“, Franck mit „ck“ und: „Richtig. Adriana Waldt, mit d-t. Die meisten Leute vergessen das t beim Schreiben.“ Doch das spielt keine Rolle. Das Buch erzählt vom Glück unendlicher Traurigkeit. Kein kleiner Krimi, nur ein großes Buch über die Verstrickungen des Lebens.
GERHARD MATZIG
  
Friedrich Ani: Der namenlose Tag. Ein Fall für Jakob Franck. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2015, 301 Seiten, 19,95 Euro. E-Book 16,99 Euro.
Ein guter Schriftsteller
muss immer auch ein guter
Ermittler sein
Friedrich Ani,
geboren 1959, wurde mit den Tabor-Süden-Krimis bekannt.
Foto: Alessandra Schellnegger
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