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Etwa 500.000 Helferinnen standen im Zweiten Weltkrieg im Einsatz bei der Wehrmacht: Stabs- und Nachrichtenhelferinnen halfen im Büro und am Klappenschrank bei der Verwaltung der besetzten Gebiete, Flakhelferinnen kämpften an der Luftkriegsfront im Deutschen Reich. Ihr Einsatz unterscheidet sich von den Bildern, die das kollektive Gedächtnis über die Frauengeschichte des Nationalsozialismus gespeichert hat: Die jungen Frauen erlebten Militär und Gewalt hautnah und hatten aktiv Anteil an der deutschen Kriegführung. Der militärische Masseneinsatz von Frauen war historisch traditionslos. Dennoch…mehr

Produktbeschreibung
Etwa 500.000 Helferinnen standen im Zweiten Weltkrieg im Einsatz bei der Wehrmacht: Stabs- und Nachrichtenhelferinnen halfen im Büro und am Klappenschrank bei der Verwaltung der besetzten Gebiete, Flakhelferinnen kämpften an der Luftkriegsfront im Deutschen Reich. Ihr Einsatz unterscheidet sich von den Bildern, die das kollektive Gedächtnis über die Frauengeschichte des Nationalsozialismus gespeichert hat: Die jungen Frauen erlebten Militär und Gewalt hautnah und hatten aktiv Anteil an der deutschen Kriegführung. Der militärische Masseneinsatz von Frauen war historisch traditionslos. Dennoch hielten viele im buchstäblichen wie übertragenen Sinne die Stellung. Franka Maubach untersucht die Kriegserfahrungen, die Vorprägungen und die Nachwirkungen nach 1945 und rekonstruiert so das kriegsgeprägte biographische Profil dieser Frauengeneration.
  • Produktdetails
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • 1. Auflage 2009
  • Seitenzahl: 349
  • Erscheinungstermin: 30. April 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 238mm x 165mm x 30mm
  • Gewicht: 695g
  • ISBN-13: 9783525361672
  • ISBN-10: 352536167X
  • Artikelnr.: 25548584
Autorenporträt
Dr. Franka Maubach ist Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena.
Rezensionen
Besprechung von 08.08.2009
Mit Sorge
Wehrmachthelferinnen

Zu Hunderttausenden kamen im Zweiten Weltkrieg junge Frauen im Dienst der Wehrmacht zum Einsatz. Aber so gut wie nie wurden später ihre Geschichten erzählt. Die massenhafte weibliche Kriegshilfe wurde nach 1945 im öffentlichen Gedächtnis beschwiegen, während die Betroffenen im Privaten ihre "Kameradschaften" oft ein Leben lang pflegten. Franka Maubachs Studie ist hier doppelt verdienstvoll: Zum einen lässt sie die mittlerweile betagten Frauen zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen in Hitlers Wehrmacht erzählen. Dabei unterstreicht die wörtliche Wiedergabe zentraler Interviewpassagen, noch dazu phonetisch originalgetreu bei einigen im Idiom des Bergischen Landes, die ungeheure Gegenwart des vor langer Zeit Erlebten. Zum anderen nutzt die Autorin die Erzählungen nach allen Regeln einer methodologisch versierten Oral History als Quellenmaterial, um die Geschichte dieser jungen Frauen, die sich schlichten Opfer-Täter-Zuschreibungen entziehen, im Kontext zu rekonstruieren. Sie sucht eine Antwort auf die beunruhigende Frage, aus welchen Antriebskräften sich der weibliche Willen speiste, bis zuletzt die "Stellung zu halten" - bis in den Untergang hinein.

Die Autorin macht zwei Grundmotive überzeugend sichtbar: Sie betont die für die betroffene Generation prägende Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der als Schmach der Väter und Versagen der Mütter fortwirkte, hatten doch die deutschen Frauen damals, laut erweiterter "Dolchstoßlegende", durch die offen geäußerte Sorge um ihre Männer und Söhne die Kampfmoral der Soldaten im Feld unterminiert. Für die nachfolgende Generation ergab sich daraus ein Imperativ zur "Wiedergutmachung" durch besonderes Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen. Den zweiten Motivkomplex erkennt Frau Maubach in der Anziehungskraft eines Dienstes, der soziale Integration bot, aber auch mit der Verheißung attraktiver Freiräume lockte, jenseits tradierter weiblicher Rollenmuster und nationaler Grenzen. Das erinnernde Bewusstsein der Beteiligten, dass diese Grenzen im Rahmen eines Eroberungs- und Vernichtungskriegs überschritten wurden, arbeitet die Verfasserin dank ihres souveränen Zusammenspiels aus Einfühlungsvermögen und Beobachterdistanz eindrucksvoll heraus.

CHRISTIANE LIERMANN

Franka Maubach: Die Stellung halten. Kriegserfahrungen und Lebensgeschichten von Wehrmachthelferinnen. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009. 360 S., 46,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rundum überzeugend findet Rezensentin Christiane Liermann diese Studie über "Kriegserfahrungen und Lebensgeschichten von Wehrmachthelferinnen", die Franka Maubach vorgelegt hat. Die Studie hat für sie zwei große Verdienste: zum einen lasse die Autorin die inzwischen betagten Frauen mit ihren Erfahrungen in Hitlers Wehrmacht zu Wort kommen, zum anderen rekonstruiere sie die Geschichte dieser Frauen im historischen Kontext. Lierbach bescheinigt Maubach nicht nur eine methodologisch überaus souveräne Oral History, sondern lobt auch das Zusammenspiel von Einfühlungsvermögen und Beobachterdistanz. Sie hebt die Grundmotive für das Wehrmachtsengagement hervor, die die Autorin herausarbeitet: die prägende Erfahrung des Ersten Weltkriegs, soziale Integration, aber auch die Verheißung von Freiräumen jenseits tradierter weiblicher Rollenmuster.

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