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Ein kleines norwegisches Dorf nördlich des Polarkreises. An diesem Rand der Welt lebt Kathrine. Sie ist achtundzwanzig, hat aus erster Ehe ein Kind und unterbricht nur selten das Einerlei ihrer Tage. Sie lernt Thomas kennen und heiratet ihn. Er ist das, was man eine gute Partie nennt, er gibt ihr Halt. "Sein Leben war ein Strich durch die ungefähre Landschaft ihres Lebens." Doch dann macht Kathrine eine Entdeckung, die sie tief verletzt.
"Ungefähre Landschaft" ist der zweite Roman des Autors von "Agnes" und "Sieben Jahre". Das Porträt einer jungen Frau, erzählt mit schwebender Leichtigkeit.
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Produktbeschreibung
Ein kleines norwegisches Dorf nördlich des Polarkreises. An diesem Rand der Welt lebt Kathrine. Sie ist achtundzwanzig, hat aus erster Ehe ein Kind und unterbricht nur selten das Einerlei ihrer Tage. Sie lernt Thomas kennen und heiratet ihn. Er ist das, was man eine gute Partie nennt, er gibt ihr Halt. "Sein Leben war ein Strich durch die ungefähre Landschaft ihres Lebens." Doch dann macht Kathrine eine Entdeckung, die sie tief verletzt.

"Ungefähre Landschaft" ist der zweite Roman des Autors von "Agnes" und "Sieben Jahre". Das Porträt einer jungen Frau, erzählt mit schwebender Leichtigkeit.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.18824
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 5., Neuausg.
  • Seitenzahl: 192
  • Erscheinungstermin: 8. November 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm
  • Gewicht: 194g
  • ISBN-13: 9783596188246
  • ISBN-10: 3596188245
  • Artikelnr.: 29908626
Autorenporträt
Stamm, Peter
Peter Stamm, geboren 1963, studierte einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie und übte verschiedene Berufe aus, u.a. in Paris und New York. Er lebt in der Schweiz. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor. Er schrieb mehr als ein Dutzend Hörspiele. Seit seinem Romandebüt »Agnes« 1998 erschienen sechs weitere Romane, fünf Erzählungssammlungen und ein Band mit Theaterstücken, zuletzt die Romane »Weit über das Land« und »Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt« sowie unter dem Titel »Die Vertreibung aus dem Paradies« seine Bamberger Poetikvorlesungen. »Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt« wurde ausgezeichnet mit dem Schweizer Buchpreis 2018.Literaturpreise:Rheingau Literatur Preis 2000Bodensee-Literaturpreis 2012Friedrich-Hölderlin-Preis 2014Cotta Literaturpreis 2017ZKB-Schillerpreis 2017Solothurner Literaturpreis 2018Schweizer Buchpreis 2018
Rezensionen
Besprechung von 15.09.2001
Schlangenlinie am Himmel
Peter Stamm liest die nordische Landschaft · Von Friedmar Apel

Jede Landschaft, so meinte einst ein Genfer Melancholiker, sei ein Zustand der Seele, und wer in beiden lese, sei erstaunt, die Ähnlichkeit in jeder Einzelheit wiederzufinden. In den Gegenden jenseits des Polarkreises ist es aber nicht immer leicht, Einzelheiten wahrzunehmen. Die Weite, das Licht, der Schnee, die Dunkelheit verwischen die Unterschiede zwischen den Dingen. Der Erzähler von Peter Stamms drittem Roman liest diese "ungefähre Landschaft" wie beiläufig. In scheinbar absichtsloser Symbolik nimmt er mit der Spur durch die Landschaft den Lebensweg seiner Heldin in den Blick: "Später, als sie schon wieder unterwegs war, bildete sich leichter Dunst, eine Art Nebel, und der Himmel verlor seine Bläue und wurde immer blasser. Aber sie kannte den Weg, sie war schon oft beim Leuchtturm gewesen, und auch als die Sonne endlich nicht mehr zu sehen und das Licht so diffus war, daß alles verschwamm, lief sie weiter und hatte keine Angst, sich zu verlaufen."

Geschrieben steht hier die Landschaft um ein Dorf im nördlichen Norwegen. Dort gibt es einen Hafen, einen Leuchtturm, eine Fischfabrik, einen Supermarkt, ein Fischerheim und ein Wirtshaus. Das Leben ist eintönig, besonders im Winter, wenn es die ganze Zeit dunkel ist. Da trinkt der eine zuviel, ein anderer denkt sich sein Leben aus, wieder ein anderer versucht, einen Sinn zu vermitteln, an den er selbst nicht glaubt. Dumm, spießig und scheinheilig sind die meisten. Kathrine ist Zöllnerin, sie muß russische Schiffe nach geschmuggeltem Wodka durchsuchen. Das hat keinen Sinn. Sie hat ein Kind, ist geschieden und heiratet noch einmal. Das hat auch keinen Sinn. Kathrine haßt die Dunkelheit, im Winter ist ihr, "als lebe sie nicht". Kathrine lacht viel, wie die anderen auch. Später wird sie nur lachen, "um sich lachen zu hören", noch später viel weinen. Ihr Erzähler läßt sie dasein wie die Landschaft, wie von ungefähr. Er stochert nicht in ihrer Seele, sondern reiht Bilder und Sätze des äußeren Lebens aneinander. Bei der Perspektive mogelt er manchmal ein bißchen, und manchmal scheint er vergessen zu haben, was er schon erzählt hat. Das stört den Leser nicht. Kathrine schließt er schnell ins Herz und wünscht ihr Sinn und Glück. Sie aber will gar nichts aus sich machen.

Die wunderliche Person erwacht aus ihrer wunschlosen Verlorenheit, als ihr die Menschen einen geraden Strich durch ihre Seelenlandschaft machen. Sie reist nach Süden, nach Frankreich. Aber sie findet kein anderes Leben, denn sie nimmt sich selbst mit und ihren traurigen Blick. Auch in der anderen Landschaft findet sie nur die Gestalt ihrer Seele. "Das Meer war gelbgrün und der Himmel von bläulichem Grau. Sie ging am Strand entlang und dachte, daß es dasselbe Meer war, das Tausende von Kilometern weiter im Norden an die Felsen schlug. Es war das Meer, an dem sie so oft gesessen hatte, wenn sie unglücklich war . . ."  Wäre sie in Frankreich aufgewachsen, wäre ihr Leben nicht anders verlaufen. "Bestimmt stand da auch eine Kathrine, eine Cathérine mit einem Kind und einem Mann und einem Liebhaber. Sie stand da jeden Morgen, fuhr zur Arbeit, kochte Kaffee, aß mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu Mittag und fuhr wieder nach Hause."

Aber dann geschieht während der Reise doch noch allerlei, wenn auch nichts Erfreuliches, und es ändert sich etwas in Kathrines Seelenverfassung. In lakonischer Nüchternheit wird ihr das eigene Leben bewußt. "Kathrine zählte. Helge, Thomas, Christian, Morten. Dreitausend Kronen auf dem Konto, ein paar Bücher, ein paar Kleider, ein paar Küchenmaschinen. Ein Laptop. Ein Kind."  In der Bilanz gewinnt sie erst ein Verhältnis zu sich, eine Gelassenheit im Selbstsein, an der die Schlechtigkeit der Welt ganz unspektakulär zuschanden geht: "Ich laufe nicht noch einmal davon."  Für einen Moment blitzt in ihrer Landschaft sogar etwas wie eine Ekstase des Glücks auf: das Nordlicht. "Wie ein feiner Vorhang zog es sich von Horizont zu Horizont. Plötzlich war es nur noch ein dünner Streifen, eine zuckende grüne Linie, eine Schlange, die sich wild am Himmel wand." In der Veränderung bleibt sie, wie sie war: wahrhaftig auch im Lügen.

In einem an Johann Peter Hebel erinnernden Stil artistischer Kunstlosigkeit erzählt Peter Stamm von den Wunderlichkeiten des normalen Lebens. Die rührende Solidarität des Erzählers mit seiner Figur rechtfertigt die Welt nicht und enthält sich jedes Glücksversprechens. Glück ist für Kathrine allenfalls Treue zu sich selbst, Standhaftigkeit in der Vermeidung des falschen Lebens. Dennoch scheint im erzählten Verhältnis von Individuum und Landschaft in der Ferne die Idee der Versöhnung auf, und der Leser fühlt sich am Ende milde getröstet. Wie leichter Dunst über einer Landschaft schwebt ein Hauch von Kitsch über dieser bitterschönen Ballade des alltäglichen Lebens. Gerade das aber schreibt Stamms Bild einer Landschaft mit Kathrine inmitten der vielen aussagestarken Gedächtnisromane dieses Herbstes das Signum der Unverwechselbarkeit ein.

Peter Stamm: "Ungefähre Landschaft". Roman. Arche Verlag, Zürich und Hamburg 2001. 192 S., geb., 36,- DM.

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Mehr Lob als Kritik erteilt Reto Sorg dem Schriftsteller Peter Stamm für seinen neuen Roman "Ungefähre Landschaft", dessen Protagonistin Kathrine dem Rezensenten wie eine Wiedergängerin der Protagonistin Agnes aus "Blitzeis", dem Romandebüt des Autors, erscheint. Auch hier ist die Geschichte im ewigen Eis angesiedelt, auch Kathrine verlässt den Mann und begibt sich in die Kälte, allerdings nicht, um zu sterben, sondern um einen Kompromiss für das verpfuschte Leben zu finden, referiert der Rezensent den Inhalt. Die Geschichte ist für Sorg eher eine Novelle als ein Roman: Die Handlung sei einfach, werde aber bestechend in faszinierende Landschaftsbeschreibungen, Stimmungsbilder und atmosphärische Momentaufnahmen gebettet. Auch die leichte, nüchterne Sprache Stamms hat dem Rezensenten gefallen. Nur die sprachliche, für Sorg symbolisch überfrachtete Beschwörung des Zwielichts hat ihm missfallen und seine Lesespannung beeinträchtigt. Trotzdem - der neue Roman von Peter Stamm sei ein Kabinettstück, in dem der Autor Vielsagendes und Nichtssagendes poetisch reizvoll verdichtet habe.

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