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Roger Willemsen hatte das Glück, einigen großen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte an einem Wendepunkt ihres Lebens zu begegnen und manchmal Tage, sogar Wochen mit ihnen zu verbringen, bisweilen an erstaunlichen Orten. In den literarischen Porträts, die nach diesen Begegnungen entstanden sind, ist die Sicht auf jene "überlebensgroßen" Menschen immer persönlich, zuweilen intim, manchmal sogar innig, und schließlich schält sich aus der Summe der Beobachtungen, Gespräche und Gedanken fast ein Gesamtbild vom Menschen - seinen Möglichkeiten und Grenzen. Die hier beschriebenen Persönlichkeiten -…mehr

Produktbeschreibung
Roger Willemsen hatte das Glück, einigen großen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte an einem Wendepunkt ihres Lebens zu begegnen und manchmal Tage, sogar Wochen mit ihnen zu verbringen, bisweilen an erstaunlichen Orten.
In den literarischen Porträts, die nach diesen Begegnungen entstanden sind, ist die Sicht auf jene "überlebensgroßen" Menschen immer persönlich, zuweilen intim, manchmal sogar innig, und schließlich schält sich aus der Summe der Beobachtungen, Gespräche und Gedanken fast ein Gesamtbild vom Menschen - seinen Möglichkeiten und Grenzen.
Die hier beschriebenen Persönlichkeiten - Popstars und Politiker, Wissenschaftler, Schauspieler und andere - vereint, dass sie das Menschenmögliche neu gefasst und ihre Rolle in der Öffentlichkeit einzigartig interpretiert haben. Willemsens Porträts wiederum verbindet die Gabe ihres Autors, tiefer zu sehen und Erkenntnisse zu fördern, die oft genug selbst seine Gesprächspartner überraschen.

In Arafats Badezimmer - In einem Kloster mit dem Dalai Lama - In der Badewanne von John le Carré - Mit John Malkovich auf der Burg des Marquis de Sade - In den Gemächern Margaret Thatchers - Auf der Verbannungsinsel von Mikis Theodorakis - Im Dschungel unterwegs mit einem Orang-Utan - In der Harald Schmidt Show - Mit einem japanischen Konzernchef in der Geisha Bar - In Vivienne Westwoods Werkstatt - Auf der Suche nach Jean Seberg in Paris - Sinead O'Connor mit Elbblick - Mit Tina Turner an der Côte d'Azur - In einem Boot mit Michel Piccoli - Bei Jane Birkin daheim - In der Bar von Henry Millers letzter Frau - Mittagessen mit einem "Kannibalen" - Am Sterbebett von Timothy Leary - Im Gespräch mit zwei Kosmonauten im Weltraum - Vor einem "Monster" in der Berliner Charité.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.16520
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 13. Aufl.
  • Seitenzahl: 416
  • Erscheinungstermin: 1. Februar 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 126mm x 34mm
  • Gewicht: 396g
  • ISBN-13: 9783596165209
  • ISBN-10: 3596165202
  • Artikelnr.: 14078454
Autorenporträt
Roger Willemsen, geboren 1955, veröffentlichte sein erstes Buch 1984 und arbeitete danach als Dozent, Herausgeber, Übersetzer, Essayist und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Er erhielt u.a. den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis in Gold. Sein Roman 'Kleine Lichter' wurde mit Franka Potente in der Hauptrolle verfilmt, sein Film über den Jazzpianisten Michel Petrucciani in vielen Ländern gezeigt. Willemsen war 'amnesty'-Botschafter, Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins und Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin. 2011 wurde er mit dem Julius-Campe-Preis ausgezeichnet. Roger Willemsen verstarb im Februar 2016.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.02.2005

Madonnen im Portemonnaie
Melancholisch in einer ungerührten Welt: Roger Willemsens Reisen

Irgendwo im Dschungel Borneos lebt vielleicht heute noch ein Orang-Utan namens Roger. Den Namen verdankt er seinem Retter. Roger Willemsen erzählt davon in der ersten von dreizehn in einem Band versammelten Begegnungen mit "Extremisten" sehr verschiedener Provenienz und Profession. Den kleinen kranken Menschenaffen hatte er mitgenommen auf einer Reise durch den tropischen Regenwald, er verschafft ihm Zugang zu der zurückgezogen lebenden Primatenforscherin Biruté Galdikas. Monate später erhält er einen Zeitungsausschnitt, der den gesundeten "Little Roger" zeigt: "Auf dem Foto sah man in die Augen eines geretteten, aber offenbar unheilbaren Melancholikers", schließt Willemsen seinen Bericht, und man ist geneigt, hier einen Moment des Wiedererkennens zu vermuten.

Auch Big Roger begegnet uns, auf seinen Weltreisen zu den freien Radikalen unter den Zeitgenossen, zu Madonna und Margaret Thatcher, zu Dame Edna und dem Dalai Lama, als Melancholiker. Dabei spielt er noch einmal die Sprachmusik der großen Bildungsreisenden, draußen in der weiten Welt fällt ihm ein, was "Oken 1877" über den Pongo pygmaeus schreibt; in der Modeschöpferin Vivienne Westwood erkennt er "eine genaue Leserin der ,Dialektik der Aufklärung'"; und als er sich dem "Froschkopf" im "Pathologisch-Anatomischen Cabinet" der Berliner Charité nähert, zieht er Paracelsus und Joseph Vogl zu Rate. "Agent als Metapher", schießt es ihm in John le Carrés Landhaus durch den Kopf, und: "Hat nicht auch Robert Musil seinen ,Mann ohne Eigenschaften' eine Zeitlang ,Der Spion' nennen wollen?"

So begegnet der Leser in diesen Porträts dem Porträtierenden: ein souveräner Reisender zwischen Leben, Literatur und Glamour-Tratsch. Alles erscheint wie ein einziges großes Gespräch, mit den gedruckten Autoritäten der Wissenschaft wie mit den Stars des neuzeitlichen Medienbetriebs. Quincy Jones "verriet mir mal überraschend", daß Mick Jagger sein Leben lang Tina Turner sein wollte. "Als ich Eichinger auf Jean Seberg anspreche, wird er sofort weich." Eichinger wird weich, Peter Fonda aber bleibt cool, "als ich ihn später einmal nach der Szene frage" - wie Fonda nämlich der Seberg wegen Warren Beatty Prügel angedroht haben soll. Das alles ist eitel, aber nicht der Kern der Sache, sondern vielleicht bloß Ausdruck des Erstaunens, wie einer aus dem "Habitat" (ein Lieblingswort Willemsens) seiner Bücherstube so offenbar umstandslos in Gedankenaustausch mit echten Weltstars geraten kann, dem Fernsehen sei Dank. Es ist unbedingt amüsant, dem Interviewer dabei über die Schulter zu sehen, wie er Madonna in Verlegenheit bringt ("Haben Sie auch eine Botschaft an die Impotenten?"), man freut sich über funkelnde Vergleiche: "Da saß sie" - Margaret Thatcher - "streng und starr, wie einer Russenpuppe von Barbara Cartland entstiegen." Sehr komisch ist auch der Bericht von einer erotischen Bedrängnis, der sich der Tokio-Tourist in einer Hostess-Bar in Shinjuku nur entziehen kann, indem er ein Madonnenbildchen aus dem Portemonnaie zückt: "My girlfriend!".

Gern zeigt sich Willemsen den Zuschauern als Schiffbrüchiger, und bisweilen scheitert er nicht einmal grandios. Einem Melancholiker mag es nicht schwerfallen, davon zu erzählen. Denn letztlich geht es um anderes. "Dies ist die Geschichte einer Rührung", beginnt Willemsens Spurensuche im Fall der unglücklichen Jean Seberg. Harald Schmidts zeitweiliger Ausstieg aus dem Fernsehen sei von "nationaler Rührung begleitet" gewesen. Und im Gespräch mit dem bewunderten Michel Piccoli berührt er den Punkt, an dem vielleicht die Nervenbahnen dieses Buches zusammenlaufen: Der Schauspieler beklagt eine "Entwicklung von Kultur insgesamt, in der Rührung oder die Fähigkeit zu rühren immer schwächer wird". Manchmal, vor allem im Angesicht schöner Frauen, droht unseren Reisenden die Rührung auch zu übermannen: "Sie waren authentisch!" ruft er der Sängerin Sinead O'Connor zu, und in der Vergangenheitsform solch eines kühnen Satzes vibriert das begeisterte Bedauern des unrettbaren Melancholikers. Im Dschungel des Medienbetriebs ist er auf der Suche nach den letzten Rührungen der Kultur.

HOLGER NOLTZE

Roger Willemsen: "Gute Tage". Begegnungen mit Menschen und Orten. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004. 416 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.10.2004

Die Kunst des Entblätterns
Von Arafat bis Westwood: Roger Willemsens Interviews
Ein Mann und eine Frau sitzen einander gegenüber, die Frau mit ihrem mauvefarbenen Haar hat von weitem Ähnlichkeit mit Dame Edna, nicht von nah, zu vogelhaft ist das Profil, zu scharf der Blick, die Mundpartie hart. Der Mann ist groß und schlank und sieht seriös aus. Was ihn aber besonders auszeichnet, ist seine Eloquenz, auch im Englischen. Die Frau reicht dem Mann ihre weiße Hand Die beiden sehen gemeinsam aus dem Fester und unterhalten sich ein wenig über moderne Architektur, dann kommen sie, bei einer Tasse Tee, auf die Politik zu sprechen. Später wird der Mann notieren, was er gesehen, gehört und sich gedacht hat, und es, unaufdringlich klug und ohne Besserwisserei in den weltpolitischen Kosmos der achtziger Jahre einordnen: „Die Lady. Ich frage, sie antwortet, oder besser, ich mache das Geräusch des Fragens, sie räsoniert, und von all dem bleibt nicht mehr übrig als eine Person, die man verliert, weil sie sich aus welch multiplen Gründen auch immer partiell außerhalb der kausalen Welt befindet, in einer Art Paralleluniversum, aus dem man sie nicht mehr vertreiben kann, und in dem jede meiner möglichen Entlarvungsfragen nur noch grotesk klänge.”
Die Frau ist Margaret Thatcher, langjährige, unbeeinflussbare britische Premierministerin, die mit der Handtasche. Der Mann ist Roger Willemsen, deutscher Journalist, Autor, Literaturwissenschaftler und Fernsehmoderator. Das Gespräch mit der eisernen Lady ist eines von fast einem Dutzend, nachzulesen in der soeben erschienenen Sammlung von Begegnungen mit Menschen und Orten, die schon 1997 in einem anderen Verlag erschienen ist, jetzt aktualisiert, poliert und noch einmal aufgelegt wurde.
Roger Willemsen muss einer sein, dem sich die Türen öffnen, auch die, hinter denen sich prominente Menschen verschanzen, aus gespielter oder echter Furcht vor der Öffentlichkeit. Wie sonst hätte er mit so unterschiedlichen Figuren wie Arafat, Thatcher oder dem Dalai Lama in ein vertrauensvolles Gespräch kommen können. Er hat das Talent, die Leute zum Reden zu bringen, er vermag eine Atmosphäre von Intimität aufzubauen, die Gesprächspartner fühlen sich wohl. Das entgegengebrachte Vertrauen ist bei ihm in guten Händen, der Ton niemals schneidend und effekthascherisch, mit kritischen Anmerkungen hält er sich eher zurück. Seine Stärke ist der sanfte Umgang mit Leuten, die es gewohnt sind, lästige Frager abzuwehren. Dabei folgt Willemsen seinen eigenen Regeln, nach denen er seine Gesprächspartner abtastet und sie versichert, dass es ihm nicht um platte Enthüllung geht. Er beherrscht die Kunst des behutsamen Entblätterns und mischt das, was er dabei entdeckt, geschickt mit biografisch Erzähltem.
Die Dämonen des Issei Sagawa
Mit wacher Intellektualität und Stilsicherheit im Auftreten nähert er sich auch jenen, die sich rühmen, keine Journalisten an sich heranzulassen. Er stellt arglistig naive Fragen, versteht oder versteht nicht, macht sich seinen Reim. Ein psychologischer Feinmechaniker, der auseinander nimmt und wieder zusammensetzt, niemals aggressiv, im Gegenteil: voller Empathie für sein Gegenüber, was ihm die Arbeit erleichtert. Seine Fragen lassen, über die profane Neugier hinaus, echtes Interesse vermuten, für das äußere und das innere Leben, die so genannte Persönlichkeitsstruktur derer, die er uns unter die Lupe legt: den Schauspieler John Malkovich, der schläfrig erscheint, wenn er am aufmerksamsten ist, oder Michel Piccoli, der das Interview als Form öffentlichen Denkens versteht, John le Carré, der als alter Geheimdienstler den Begriff der absoluten, humorlosen Treue erläutert oder Issei Sagawa, den kleinen, dünnen japanischen Germanistikprofessor, der eine holländische Studentin ermordete und scheibchenweise verspeiste. Das Dämonische, Schicksalhafte seiner Veranlagung, gegen die sich das mickrige Männchen nicht wehren konnte, stellte eine psychische Katastrophe dar, die wir zusammen mit dem Autor zu verstehen versuchen.
Dr. Timothy Learys Todeseuphorie fasziniert auf befremdliche Weise, Jean Sebergs Traurigkeit ist anrührend, von Jane Birkins egozentrischem Liebeskitsch lässt Willemsen sich allerdings, vorübergehend von allen kritischen Geistern verlassen, einseifen. Besser kommt er zurecht mit Tina Turners Bodenhaftung, Madonnas verblasster Sexualhysterie oder Vivienne Westwoods Diskurs über den guten Geschmack - manches ahnten wir schon, vieles wussten wir, einiges ist neu, in kompakter Form, elegant geschrieben, handwerklich solide, mit gebildeten Kommentaren.
Auf diese Weise angeleitet, haben wir Erbarmen mit den Extremisten, so nämlich nennt Willemsen seine Interviewpartner im Vorwort. Das Extreme verbindet diese ansonsten sehr unterschiedlichen Berühmtheiten miteinander, extrem sind sie alle: in ihrer Lebensführung, ihrem Ehrgeiz, ihrer selbst gewählten Herausforderung. Ob Schauspieler, Popstar, Modeschöpferin, Staatsführer oder Staatsfeind, Provokateur oder Wirtschaftsmagnat, Mönch oder Drogenpapst, Schriftsteller oder Kannibale, irgendwann hat jeder von ihnen seinen Traum von Unabhängigkeit und Freiheit geträumt, und mancher hat ihn vielleicht sogar verwirklicht. Aber das ist jetzt wirklich zu intim!
FRANZISKA SPERR
ROGER WILLEMSEN: Gute Tage. Begegnungen mit Menschen und Orten. S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004. 416 Seiten, 19,90 Euro.
„Es geht nichts darüber, ein Mädchen stehenzulassen, das Katz und Maus mit einem gespielt hat.”
Foto: Regina Schmeken
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Voll des Lobs ist Rezensentin Franziska Speer für diesen Interview-Band von Roger Willemsen, der knapp ein Dutzend Gespräche mit so unterschiedlichen Prominenten wie Arafat, Thatcher, dem Dalai Lama, John Malkovich oder Madonna versammelt. Speer bescheinigt Willemsen nicht nur das Talent, die Leute zum Reden zu bringen, und eine Atmosphäre der Intimität aufzubauen. Er beherrsche auch die "Kunst des behutsamen Entblätterns", wobei er das, was er entdecke, geschickt mit biografisch Erzähltem mische. Aber das ist noch nicht alles: Speer schwärmt im weiteren von Willemsens "wacher Intellektualität", seiner "Stilsicherheit im Auftreten" und seiner Empathie für sein Gegenüber. Zudem lassen Willemsens Fragen nach Ansicht Speers über die bloße Neugier hinaus ein "echtes Interesse" für das äußere und das innere Leben der Befragten vermuten. Klar, dass er dabei nicht immer nur Neues zu Tage fördern konnte. "Manches", so die Rezensentin resümierend, "ahnten wir schon, vieles wussten wir, einiges ist neu, in kompakter Form, elegant geschrieben, handwerklich solide, mit gebildeten Kommentaren."

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