12 Years a Slave - Chiwetel Ejiofor,Michael Fassbender,Sarah...
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Unerbittliche und doch zutiefst menschliche Verfilmung von Solomon Northups Autobiographie aus dem Jahr 1853, der zwölf Jahre in Sklaverei überlebt hat.
Solomon Northup ist 30 Jahre alt und ein angesehener Bürger, als er von zwei Männern, die sich als fahrendes Zirkusvolk ausgeben, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus seinem Haus im Staat New York nach Washington gelockt und unter Drogen gesetzt wird. Als er wieder erwacht, befindet sich Northup, bislang ein freier Mann, in der Gewalt von Sklaventreibern, die ihn mit anderen Leidensgenossen in den Süden verschleppen. Seine…mehr

Produktbeschreibung
Unerbittliche und doch zutiefst menschliche Verfilmung von Solomon Northups Autobiographie aus dem Jahr 1853, der zwölf Jahre in Sklaverei überlebt hat.

Solomon Northup ist 30 Jahre alt und ein angesehener Bürger, als er von zwei Männern, die sich als fahrendes Zirkusvolk ausgeben, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus seinem Haus im Staat New York nach Washington gelockt und unter Drogen gesetzt wird. Als er wieder erwacht, befindet sich Northup, bislang ein freier Mann, in der Gewalt von Sklaventreibern, die ihn mit anderen Leidensgenossen in den Süden verschleppen. Seine zwölfjährige Tortur in den Händen weißen Plantagenbesitzer, einer schlimmer und abstoßender als der andere, bildete den Inhalt seiner 1853 erschienenen Autobiographie "12 Years a Slave", eines der ersten Bücher über Sklaverei, das entscheidenden Anteil daran hatte, dass die Bemühungen um deren Abschaffung schließlich von Erfolg gekrönt waren.

Die Adaption des britischen Künstlers und Turner-Prize-Gewinners Steve McQueen ist so unerbittlich und kompromisslos, wie es ein Film über Sklaverei sein muss. Und er hat in Chiwetel Ejiofor einen so erschütternd guten Hauptdarsteller, dass kein Auspeitschen, keine Prügel, keine noch so inhumane Strafe dem Film seine Menschlichkeit austreiben kann. Das Motiv vom Mann in Ketten mag die Brücke zu McQueens vorangegangenen Filmen "Hunger" und "Shame" schlagen, und doch gibt es in diesem amerikanischen Überlebensepos kaum einen Moment, in dem sich der Regisseur in den Vordergrund spielt, um zu zeigen, was er drauf hat: Mit Ausnahme einiger virtuoser Sprünge zwischen den Zeitebenen und einer quälend langen, in einer Einstellung gedrehten Szene, in der Northup von seinem "Master" gezwungen wird, eine andere Sklavin auszupeitschen, verschwindet McQueen komplett hinter der Geschichte, die John Ridley mit beneidenswerter Geradlinigkeit zu Papier gebracht hat. Da gibt es kein Vertun oder eingebaute Meta-Ebenen: Hier geht es um eine Leidensgeschichte, in der Solomon Northup herumgereicht wird wie ein Vieh, wiederholt den Besitzer wechselt und immer hilflos einem Schicksal ausgeliefert ist, über das er keinerlei Kontrolle hat.

Denn was man hier - wie letztlich auch in "Django Unchained" - lernt, ist die Erkenntnis, dass Grausamkeit und Ungerechtigkeit reiner Willkür unterworfen sind: Weder Fleiß oder Anbiedern sind Garantien dafür, dass man von Gewalt verschont bleibt, noch die Strategie, den Kopf eingezogen zu halten und nicht aufzufallen. Michael Fassbender ist phänomenal als sadistischer Plantagenbesitzer, der seine eigenen Unsicherheiten und Schuldgefühle immer an denen auslebt, die ihm hilflos ausgeliefert sind, und seine Handlungen vor sich selbst stets mit dem Argument rechtfertigt, mit seinem Eigentum könne er anstellen, was er will - als würde jemand absichtlich einem Tisch oder einem Auto Schaden zufügen. Und trotzdem ist dieses innerlich zerrissene Monster nicht das schlimmste Scheusal der Geschichte. Um diesen Titel kämpfen Paul Giamattis blasierter Sklavengroßhändler und Paul Danos unberechenbarer Unter-Master, der einfach Spaß daran hat, andere Menschen leiden zu sehen. Wie er Solomon beinahe aufknüpft und dieser auch dann noch nach seiner Rettung stundenlang auf Zehenspitzen balancieren muss, um nicht erwürgt zu werden, während um ihn herum der Alltag seinen Lauf nimmt, ist einer der schrecklichsten Momente dieses Films, der nie die Augen verschließt oder verschämt wegblendet, weil er weiß, dass er seiner Hauptfigur damit schrecklich Unrecht tun würde.

Hier gibt es keinen Moment, in dem man sich in Sicherheit wiegen kann. Stets muss sich der tragische Held der Geschichte genau überlegen, wem er sich anvertraut, wen er bittet, sich seiner Sache anzunehmen: Denn helfen kann ihm nur ein Weißer, weil Flucht in den Sümpfen von Louisiana undenkbar ist. Wer dieser Hölle entrinnen will, muss Glück haben. Und als es Solomon Northup, diesem belesenen und bescheidenen Mann gelingt, weiß er doch, dass er alle anderen zurücklassen muss. Wenn er schließlich erstmals seiner Familie wieder gegenüber tritt, ist es für ihn auch ein Moment der Scham und der Schande. Dass es unmöglich ist, dies in diesem Moment als Zuschauer nicht auch zu empfinden, macht "12 Years of Slave" zu einem so nachhaltigen Filmerlebnis, dass man vielleicht nicht zweimal haben will, aber mindestens einmal gehabt haben sollte. ts.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Making of, Featurettes, Trailer
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 DVD
  • Hersteller: Tobis
  • Gesamtlaufzeit: 130 Min.
  • Erscheinungstermin: 16. Mai 2014
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:2, 40/16:9
  • Tonformat: dts HD 5.1
  • EAN: 5050582965711
  • Artikelnr.: 40218117
Rezensionen
Besprechung von 14.01.2014
Die Klischeebildkette brechen

Wie kann das Kino von der Sklaverei erzählen, ohne in den Standardsituationen, die "Roots" gesetzt hat, festzusitzen? Steve McQueen zeigt in seinem Film "12 Years a Slave" eine Möglichkeit.

Anweisungen, wie Zuckerrohr zu schneiden sei, gebrüllt aus dem Off, dazu das Bild einer Gruppe von Sklaven, die uns anschauen, dort dann einer, der heraussticht, der Mann, dessen Geschichte wir gleich sehen werden, Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor). Mit diesem Bild eröffnet einer der aufsehenerregendsten Filme des vergangenen Jahres: "12 Years a Slave". Der Sklaverei mit den Mitteln des Kinos ins Auge zu blicken, das ist sein Ziel. Ein Menschheitsverbrechen, das nie genügend Aufmerksamkeit erhielt, auf die große Leinwand zu bringen sein Anliegen. In dieser Woche, die mit einem Golden Globe als "Bester Film" für den mit Preisen bereits überhäuften Film beginnt, kommt er endlich am Donnerstag auch in unsere Kinos.

Steve McQueen, der britische Künstler aus Amsterdam, hat zuvor fürs Kino "Hunger" gedreht und "Shame", zwei formal radikale Filme, die in ihrer reduzierten Ästhetik gleichsam als Versuchsanordnung mit einem Körper (jeweils Michael Fassbender) inszeniert waren. Jetzt legt er mit "12 Years a Slave" zum ersten Mal einen Film vor, der den Regeln des Erzählkinos in größerem historischen Rahmen folgt, indem er seine wahre, unfassliche Geschichte vor uns ausbreitet - die Geschichte eben von Solomon Northup, einem freien schwarzen Mann aus Saratoga im Staat New York (wo die Sklaverei bereits verboten war), der im Jahr 1841 in Washington D.C. (der Schauplatz schenkt uns einen leichten Schwenk hin zum Kapitol) gekidnappt und nach einer langen Überfahrt als Sklave nach Louisiana verkauft wird. Sein erster Besitzer, William Ford (Benedict Cumberbatch), versucht eine Weile, ihn zu beschützen, muss ihn dann als Schuldendienst aber weitergeben an Edwin Epps (Michael Fassbender), auf dessen Plantage ein Klima von Willkür und Sadismus herrscht.

Deren Opfer ist vor allem Patsey (Lupita Nyong'o), eine Schönheit von einiger Intelligenz und Widerstandskraft, die von Epps, dieser angetrieben von Lust und Alkohol, in unkontrollierbarer Weise begehrt wird, wofür er sie bestraft und misstrauisch verfolgt, während seine Frau (Sarah Paulson) ihrerseits Patsey immer wieder besonders erniedrigt.

Zwei Schlüsselszenen: In der ersten erwacht Solomon, nachdem er in der Nacht zuvor betrunken gemacht worden war, ohne Kleider in einem kahlen kalten Raum und wird dort zu dem Mann, der alles verloren hat, zuallererst seine Familie, die nicht weiß, wo er geblieben ist, und seine Freiheit; und er wird zu einem, der seine Fähigkeiten als gebildeter Mann der Mittelklasse verstecken muss, um zu überleben. Der vorgeben muss, ungebildet und affektgetrieben zu sein. Es ist eine Pointe gerade der Geschichte von Solomon Northup, dass sein Besitzer Epps derjenige ist, der seine Triebe nicht zügeln kann, der eine schwarze Frau vergewaltigt und nachhaltig begehrt, es aber nicht wagen würde, wie sein Nachbar es tat, sie auch zur Frau zu nehmen, wäre er nicht verheiratet. Wie Patsey und Pat (so Solomons Sklavenname) ist Epps ebenfalls ein Gefangener der Institution Sklaverei, die Opfer und Ungeheuer hervorbringt.

Wenn wir an "Django Unchained" zurückdenken, an den Spaß an dieser schwarzen Rachephantasie, die sich ein Weißer ausgedacht hat, ist dies im Rückblick dann doch problematisch - dass dort ein Schwarzer all seinen Affekten, seiner Grausamkeit, seiner Lust am Töten nachgeben soll, gerade so, wie es die schrecklichsten Ängste der Weißen immer phantasierten: Die Schwarzen kämen über sie wie die wilden Tiere. Solomon Northup hat sich nicht gerächt. Er hat ein Buch geschrieben! Sublimiert. Und damit den unwiderlegbaren Beweis der Kulturfähigkeit jener Menschen geliefert, die kulturfähig auf keinen Fall sein sollten.

Solomon wurde damals von einem Mann befreit, den Brad Pitt in einer seiner weniger überzeugenden Rollen spielt (er ist einer der Produzenten) - wie überhaupt die Rollen, die sich etwas vom Zentrum um Solomon und Epps entfernt bewegen, ein wenig mehr Aufmerksamkeit von Drehbuchautor (John Ridley) und Regisseur verdient hätten.

Brad Pitt also ist der weiße Retter, eine Figur, die in "Django Unchained" eine so herausragende Rolle spielt. Hier bleibt er Randfigur, nur skizziert, vielleicht gerade weil "der weiße Retter" ein solches Klischee ist.

Damals ist es tatsächlich so geschehen, das erzählt jedenfalls Solomon Northup in seinem Buch. Darin hat er seine Geschichte und auch, darauf wies gerade wieder die Historikerin Natalie Zemon Davis hin, die Geschichte zweier Frauen festgehalten - die von Eliza (Adepero Oduye) nämlich, die auf dem Sklavenmarkt von ihren Kindern getrennt wird, und von Patsey.

McQueen rückt diese Geschichten als eigene fast aus dem Blickfeld. Er bleibt bei Solomon, möglicherweise ist das, wie auch die saftige Musik von Hans Zimmer, ein Kompromiss mit den Konventionen des Erzählens im Kino.

Immer wieder hat McQueen in Gesprächen auf den Umstand hingewiesen, wie wenig (er sagte oft auch: keine) Filme es über die Sklaverei gebe, und das ist so. "Amistad" (1997, Regie Steven Spielberg) und "Menschenkind" (1998, Regie Jonathan Demme) fallen einem ein, und als jüngster Quentin Tarantinos "Django Unchained". Außerdem kommt die Sklaverei am Rande und in sentimentaler Verklärung natürlich auch in "Vom Winde verweht" und anderen Südstaatenepen vor und als großes, unsichtbares Hintergrundpanorama in Steven Spielbergs "Lincoln". Aber "12 Years a Slave" ist all diesen Filmen überlegen. Sein Held ist ein freier Mann. Und als solcher macht er die Erfahrung, versklavt zu werden. Das macht ihn außergewöhnlich. Das erlaubt ihm den aufgeklärten Blick auf eine Institution, deren Perfidie kaum bis ins Letzte ausgeleuchtet ist.

Die zweite Schlüsselszene: Epps verlangt von Solomon, Patsey auszupeitschen. Eine grausame Variation der an sich schon grausamen Standardsituation, wenn es um Sklaverei geht. In einer qualvollen Plansequenz, die ewig lang zu dauern scheint, fängt die Handkamera (Sean Bobbitt) die dreißig Peitschenhiebe auf den nackten Rücken von Patsey ein, die an einen Baum gefesselt ist, erst aus der Sicht von Solomon, der schlägt, dann aus der Perspektive der Umstehenden, schließlich mit dem neugierigen Blick des Voyeurs auf das zerfetzte Fleisch.

"12 Years a Slave" öffnet sich mit diesem Blick, der McQueen nicht einfach unterlaufen sein kann, der Frage, die er für sich selbst zuvor längst beantwortet hat: Müssen wir im Zusammenhang der Sklaverei nicht dieselbe Diskussion führen, die nach Claude Lanzmanns "Shoah" immer wieder im Hinblick auf die filmische Darstellung des Holocaust geführt worden ist? Ob nämlich die nachgestellten Bilder, die dramaturgischen Notwendigkeiten unterworfene Inszenierung, die gestellten Reaktionen in den Gesichtern von Schauspielern, die wir aus ganz anderen Kontexten kennen, ob all dies überhaupt eine angemessene Darstellungsform eines historischen Menschheitsverbrechens sein kann. Oder ob andere Formen, andere Bilder, andere Darstellungsweisen den Opfern gegenüber respektvoller wären.

Seit der Fernsehserie "Roots" (1977) gibt es im Kino einen Fundus an Bildern, die zum Thema gehören - die Auspeitschung gehört dazu, aber doch nicht so grausam. Das solidarische Zusammensein der Sklaven gehört dazu, das auch Northup beschreibt, vielleicht hat McQueen das deshalb großenteils weggelassen. Eine Liebe gehört dazu, die McQueen hier nur als physische Notlage inszeniert. Er wollte einen Film mit neuen Bildern. Und er hat ihn gedreht.

VERENA LUEKEN

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Nach den 1853 erschienenen Aufzeichnungen von Solomon Northup über seine Erlebnisse als Sklave realisierte Steve McQueen seinen dritten Film, in dem nach "Hunger" und "Shame" abermals ein Mann in Ketten im Mittelpunkt steht. Es ist ein unerbittliches Epos über eines der finstersten Kapitel der amerikanischen Geschichte, hart an der Schmerzgrenze, aber doch erträglich gemacht von der Darstellung von Chiwetel Ejiofor, der als Solomon dessen nicht zu brechende Hoffnung einfängt. Oscar für den besten Film des Jahres 2013.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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