Der Schwarm - Schätzing, Frank
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Das Meer schlägt zurück - in Frank Schätzings meisterhaftem Thriller erwächst der Menschheit eine unvorstellbare Bedrohung aus den Ozeanen.
Frank Schätzing inszeniert die weltweite Auflehnung der Natur gegen den Menschen. Ein globales Katastrophenszenario zwischen Norwegen, Kanada, Japan und Deutschland, und ein Roman voller psychologischer und politischer Dramen mit einem atemberaubenden Schluss. Ein Fischer verschwindet vor Peru, spurlos. Ölbohrexperten stoßen in der norwegischen See auf merkwürdige Organismen, die hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben.…mehr

Produktbeschreibung
Das Meer schlägt zurück - in Frank Schätzings meisterhaftem Thriller erwächst der Menschheit eine unvorstellbare Bedrohung aus den Ozeanen.

Frank Schätzing inszeniert die weltweite Auflehnung der Natur gegen den Menschen. Ein globales Katastrophenszenario zwischen Norwegen, Kanada, Japan und Deutschland, und ein Roman voller psychologischer und politischer Dramen mit einem atemberaubenden Schluss.
Ein Fischer verschwindet vor Peru, spurlos. Ölbohrexperten stoßen in der norwegischen See auf merkwürdige Organismen, die hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor.
Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, norwegischer Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu einer beunruhigenden Erkenntnis: Eine Katastrophe bahnt sich an. Doch wer oder was löst sie aus?
Während die Welt an den Abgrund gerät, kommen die Wissenschaftler zusammen mit der britischen Journalistin Karen Weaver einer ungeheuerlichen Wahrheit auf die Spur. Das globale Katastrophenszenario, das Frank Schätzing Schritt für Schritt mit beklemmender Logik entfaltet, ist von erschreckender Wahrscheinlichkeit. Es basiert auf so genauen naturwissenschaftlichen und ökologischen Recherchen, dass dieser Roman weit mehr ist als ein großartig geschriebener, spannungsgeladener Thriller. Das Buch stellt mit großer Dringlichkeit die Frage nach der Rolle des Menschen in der Schöpfung.

Mit »Der Schwarm«, seinem sechsten Buch, hat sich der Kölner Bestsellerautor Frank Schätzing in die erste Reihe großer internationaler Thriller-Autoren geschrieben. Ein seltenes Ereignis in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

  • Produktdetails
  • Verlag: KIEPENHEUER & WITSCH
  • Artikelnr. des Verlages: 4000425
  • 35. Aufl.
  • Seitenzahl: 1000
  • Erscheinungstermin: 17. Februar 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 148mm x 57mm
  • Gewicht: 1168g
  • ISBN-13: 9783462033748
  • ISBN-10: 3462033743
  • Artikelnr.: 12421491
Autorenporträt
Schätzing, Frank§Frank Schätzing, geboren 1957 in Köln, veröffentlichte 1995 den historischen Roman »Tod und Teufel«, der zunächst regional, später bundesweit zum Bestseller avancierte. Nach zwei weiteren Romanen und einem Band mit Erzählungen sowie dem Thriller »Lautlos« erschien im Frühjahr 2004 der Roman »Der Schwarm«, der seit Erscheinen eine Gesamtauflage von 4,5 Millionen Exemplaren erreicht hat und weltweit in 27 Sprachen übersetzt wurde. Es folgten die internationalen Bestseller »Limit« (2009) und »Breaking News« (2014). Im Frühjahr 2018 erschien Frank Schätzings letzter Thriller »Die Tyrannei des Schmetterlings«. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.10.2007

"Al Gore bleibt die Lösungswege schuldig"

Trotz voller Terminkalender brauchen gerade Wirtschaftsführer Zeit, um neue Ideen aufzunehmen. Ein Weg dazu ist die Lektüre von Büchern. Vorstandsvorsitzende haben verraten, welches Buch sie im vergangenen Jahr beeindruckt hat. (geg.)

Wulf Bernotat.

Vorstandsvorsitzender der Eon AG, Düsseldorf.

Al Gores eindrucksvoller Dokumentarfilm "An Inconvenient Truth" war nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa zu Recht sehr erfolgreich. Das dazugehörige Buch bietet die Fakten dahinter, zum Nachlesen und für die Diskussion. Es ist mehr als das übliche "Buch zum Film", nicht zuletzt deshalb, weil der Leser einen Eindruck von Al Gores persönlichem Engagement gegen den Klimawandel erhält. Das verleiht seiner Arbeit Nachdruck und Glaubwürdigkeit. Wie der Film bleibt zwar auch das Buch überwiegend die Lösungswege schuldig. Ich empfehle das Buch trotzdem allen, die immer noch nicht wahrhaben wollen, dass wir schnell, vor allem aber unideologisch und pragmatisch gegen den Klimawandel handeln müssen.

Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer: Eine unbequeme Wahrheit. Riemann I. Bertelsmann, München 2006, 328 Seiten, 19,95 Euro.

Thomas Middelhoff.

Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG (vormals Karstadt-Quelle AG), Essen.

Dieses Buch nimmt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gefangen. Es ist brillant geschrieben, außergewöhnlich gut recherchiert (der Autor hat fünf Jahre an dem Buch gearbeitet und praktisch alle verfügbaren Quellen erschlossen); es ist spannend, und es macht den Leser nachdenklich. Im Mittelpunkt stehen vier Menschen, deren Lebenswege auf schicksalhafte Weise verknüpft sind. Für den FBI-Terrorspezialisten O'Neill endet es mit dem Tod am 11. September in den Trümmern des World Trade Center. Die "taz" (Tageszeitung) hat recht: Es ist das Standardwerk über die Vorgeschichte des 11. September. Mich hat lange nicht mehr ein Buch so fasziniert wie dieses. Für mich das Sachbuch des Jahres.

Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al Qaida und der Weg zum 11. September. DVA/Spiegel Buchverlag, München 2007, 542 Seiten, 24,95 Euro.

Harry Roels.

Bis September Vorstandsvorsitzender der RWE AG, Essen.

Ich lese gerne Romane mit einem philosophischen Thema. Merciers Bücher drehen sich um etwas, das mich persönlich schon seit vielen Jahren beschäftigt, nämlich die Schwierigkeit, gegen alle Erwartungen von anderen und auch gegen gewisse soziale Verpflichtungen das eigene Leben zu gestalten. Dies ist für Topmanager ein sehr relevantes Thema. Merciers essentielle Frage lautet immer wieder: Wie erreiche ich innere Freiheit und innere Unabhängigkeit? Seine Antwort: authentisch sein und vor allen Dingen in der Gegenwart zu leben. Ich sehe das auch so.

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon. Hanser Verlag, München 2004, 495 Seiten, 24,95 Euro (als btb-Taschenbuch 9,50 Euro).

Bernhard Schreier.

Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG, Heidelberg.

Hermann Simon hatte mir vor einiger Zeit erste Thesen seines in Arbeit befindlichen Buches "Hidden Champions", das jetzt im Campus-Verlag erschienen ist, erläutert. Irgendwie hatte ich dabei den Eindruck, als würden dabei auch Werte, Verhaltensweisen und Prozesse bei uns, den Heidelberger Druckmaschinen, auf den Prüfstand gestellt und recherchiert. Ganz gespannt habe ich mich jetzt ans Werk gemacht und gelesen. Vom praktischen Menschenverstand und davon, viele kleine Dinge etwas besser zu machen, dies zielgerichtet, kontinuierlich und mit Ausdauer und Fokussierung. Wer mir solche Kost anbietet, den lese ich auch in einem Zug bis zum Ende. "Die Summe kleiner Überlegenheiten führt letztlich zum Erfolg." Das Buch von Hermann Simon über die Hidden Champions tut dies unaufgeregt und überzeugend.

Hermann Simon: Hidden Champions des 21. Jahrhunderts. Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus-Verlag, Frankfurt 2007, 452 Seiten, 39,90 Euro.

Herbert Lütkestratkötter.

Vorstandsvorsitzender der Hochtief AG, Essen.

Die misshandelte Natur schlägt zurück. Eine unbekannte Macht in den Tiefen der Ozeane steuert die verschwenderische Vielfalt des Lebens im Meer gegen die Menschheit. Ein Thriller für Langstreckenreisen. 1000 intensive Seiten Sciencefiction mal anders: Die intelligenten Wesen nicht im Weltraum, sondern in der Tiefsee, ein faszinierendes Ökosystem in Aufruhr. Vernunftstreben und Machtwille, Verantwortung und tradierte Egoismen erweisen sich auch angesichts der globalen Bedrohung als unvereinbar. Die vielen Details wirken realistisch, der spannende Plot gibt wertvolle Denkanstöße. Die Neigung, zu glauben, alles sei verstanden und Härte des Handelns genüge, erscheint nur allzu bekannt . . .

Frank Schätzing: Der Schwarm. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2004, 1000 Seiten, 24,90 Euro (als Fischer-Taschenbuch 9,95 Euro).

Manfred Wennemer.

Vorstandsvorsitzender der Continental AG, Hannover.

Apolte räumt in seinem Buch wissenswert und detailliert mit manchem Vorurteil in Sachen Globalisierung auf: Er zeigt aus Sicht eines Volkswirtschaftlers sachlich, aber mit großem Engagement die Schwächen der Argumentation von Kritikern nachvollziehbar auf und beschreibt, warum sie ein Gewinn für alle Beteiligten bedeutet. Ihm gelingt das Kunststück, teilweise sogar emotional erkennbar klar Position für die Globalisierung zu beziehen, ohne dabei den Boden sachlicher Argumente zu verlassen. Er schafft es mehrfach, auch dem Leser derart gekonnt einen Spiegel vorzuhalten, dass man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Gleichzeitig streitet Apolte vehement für Neoliberalismus - aber für Neoliberalismus im ursprünglichen Wortsinne von individueller Freiheit. Seine Verknüpfung volkswirtschaftlicher Erkenntnisse mit philosophischen Ansätzen ist überaus anregend.

Thomas Apolte: Wohlstand durch Globalisierung. Warum wir offene Grenzen brauchen. Verlag Beck im dtv, München 2006, 167 Seiten, 14,00 Euro.

Jürgen Hambrecht.

Vorstandsvorsitzender der BASF AG, Ludwigshafen.

Wanzl, Gerriets, Scherdel. Sagen Ihnen diese Namen etwas? Vermutlich nicht und falls doch, sind Sie ein ausgefuchster Kenner der Wirtschaft im deutschsprachigen Raum. Die Genannten sind die Namen von Unternehmen, die bei aller Verschiedenheit eine wesentliche Gemeinsamkeit verbindet: Alle vier sind Weltmarktführer auf ihrem Gebiet. Davon gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile mehr als 1000. Sie bauen Gepäckkarren für Flughäfen, stellen Theatervorhänge für die Met her oder entwerfen Kolbenfedern für Rennwagen. Es ist faszinierend zu lesen, welche innovativen Geschäftsideen von diesen Firmen entwickelt wurden, wie sie ihre Märkte erobern und zugleich Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen haben. Das Buch macht Mut auf Zukunft.

Hermann Simon: Hidden Champions des 21. Jahrhunderts, Campus-Verlag, Frankfurt 2007, 452 Seiten, 39,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.03.2004

Die Rache des Killerschleims
Mit „Der Schwarm” hebt Frank Schätzing den deutschen Spannungsroman auf internationales Niveau
Nachdem das Wunder von Bern die Last der „Wann-sind-wir-endlich-wieder-wer?”-Frage von den Deutschen genommen hatte, begannen sie, sich die viel schwerer zu beantwortende „Warum-sind-wir-immer-noch-wir?”-Frage zu stellen, die gern verkleidet als „Warum-können-wir-das-nicht-auch?”-Frage auftritt. Warum hat Deutschland keinen Buchmarkt nach angloamerikanischem Vorbild mit seinen tollen Megasellern? Warum sind die Bestsellerautorinnen der Deutschen ältere Amerikanerinnen, die in Venedig leben und in der Schweiz verlegt werden? Warum können wir das nicht auch, damit das Geld im Lande bleibt?
Im Kampf um eine profitable deutsche Nationalkultur tritt nun der Kölner Frank Schätzing, der seit seinem Roman „Tod und Teufel” (1995) vor allem im Rheinland eine bekannte Größe ist, mit dem Bio-Thriller „Der Schwarm” in den Ring. Das Buch müsste eigentlich „Der Schleim” heißen. Es handelt von einem lernfähigen Glibberwesen aus Einzellern, das vom Grund der Tiefsee aus die Menschheit ausrotten will, weil sie gemein zum Meer und all seinen Bewohnern war. Wir hätten auf Greenpeace hören sollen! Nun programmiert das Glibberwesen Wale und Muscheln zum Schiffeversenken um und hetzt Heerscharen vergifteter Krebse auf New York, das deshalb leider geschlossen werden muss.
Die kleine Gruppe überlebender Wissenschaftler und Militärs, die von einem amerikanischen Flugzeugträger aus die Welt retten will, eint der Traum, das pulsierende Herz des Urschleims in einem Raketen-U-Boot zu penetrieren. Aber zu welchem Ende? Um ihn zu beherrschen, zu zerstören, oder um ihn zu einem paradiesischen Frieden zu bekehren? Da denken die fiesen Militärs dieses Genres seit jeher anders als die naiven Wissenschaftler, was nach vielen hundert Seiten zum Höhepunkt führt.
Der klassische Spannungsroman von Hailey bis Chrichton ist ein US-produzierter Literaturersatz für Technokraten. Er protzt mit wissenschaftlichen Fakten, arbeitet im Spannungsfeld von Urangst und Technikglaube und bedient sich der Klischeefiguren des Melodrams, um die Ängste der Leser in einer mechanisch heraufbeschworenen Katastrophe aufzuheben. Handlung und Figurenzeichnung sind schematisch, damit der Spielcharakter des Unternehmens offensichtlich bleibt. Die Inszenierung des allumfassenden Kontrollverlusts macht die Ängste im Spiel letztendlich wieder beherrschbar; darin liegt der Reiz des Genres. Wer so ein Ventil konstruieren kann, wird verständlicherweise gut bezahlt.
All das scheint der Werbefachmann und Musikproduzent Schätzing zu wissen. Jedenfalls beherrscht er sein grausames Handwerk, das ihn oftmals zwingt, uns Figuren nur zu dem einzigen Zweck nahezubringen, um sie zum Beispiel in einer besonders prächtigen Flutwelle ersaufen zu lassen (Würmer knabbern den Kontinentalschelf ab, was zu Erschütterungen führt). Das Menschenopfer des Spannungsromans erinnert uns an den kultischen Ursprung unserer Kultur. Andere Figuren sollen uns rühren, erregen oder erheitern, jede hat ihre Funktion im großen Räderwerk, das mit unserer Hoffnung auf Erlösung spielt.
Denn der Grundton des Buches ist eindeutig religiös, aller religions- und sogar wissenschaftskritischen Anwandlungen und Pflichtbekenntnisse zum Trotz. Dies wäre kein deutsches Buch, wenn es nicht von den allerletzten Dingen handelte. Der Autor hat das gesamte Katastrophenpotential der Weltmeere ausgeschöpft. Wie ein Bastler, der den Kölner Dom aus Streichhölzern nachbauen will, leimt er Information an Information, seitenlange, kathedralenartig sich auftürmende Traktate, von zahlreichen Bischöfen, pardon: Professoren beglaubigt.
Ganz brav hinterfragt Schätzing seine Methode, lässt die Figuren jene Katastrophenfilme zitieren, von denen er sich absetzen will. Nur zum Schein, so wie wissenschaftlicher Rationalismus in diesem Buch auch nur zum Schein verfochten wird, als apartes Deko-Element. Einmal weist die Alien-Forscherin Samantha Crowe, eine Art Urmutter der heldenhaften Wissenschaftler-Horde, ihren Trupp darauf hin, dass man die Vorstellungen der Menschen von Außerirdischen immer als „ins Groteske übersteigerten Ausdruck menschlicher Hoffnungen und Ängste” verstehen müsse, und entlarvt so die Art des Umgangs, die der Autor mit dem rachsüchtigen Glibber pflegt.
Und ein paar Seiten nach diesem Anfall von aufklärerischer Vernunft wird ein hymnischer neuer Öko-Pantheismus propagiert, und uns wird empfohlen, vom allumfassenden Schleim zu lernen, dass wir alle der Regenwald sind, ein demütiger Einzeller im Gesamtgebilde der geschändeten Mutter Natur.
Am Ende hat eine kleine Handvoll guter Menschen überlebt, und die Welt liegt in Trümmern, reif für ein neues, ökologisch korrektes Frühchristentum. Aber das alles ist ja nur Spiel und Spaß, und man muss anerkennen, dass die philosophische Grundierung des Buches gründlich ausgeführt worden ist und eigentlich nichts zu wünschen übrig lässt. Wir müssen also respektvoll melden: Im Genre des Spannungsromans ist die Qualitätsmutation gelungen. Schätzings deutsches Öko-Weltgenesungswesen genügt endlich internationalen Thriller-Standards und bleibt doch ganz „wir”, was den Roman in einem Epilog an metaphysischen Sandbänken stranden lässt. Das Buch ist in seinen deutlich zur Schau getragenen Grenzen genau das, was es sein will: spannend. Ein Fall von Edelschrott, den man nicht verachten soll, ein Qualitätsprodukt der Kulturindustrie, wie es der Rest der deutschen Industrie schon lange nicht mehr zustande bringt, das passende Sommerferiengeschenk für alle Studenten der naturwissenschaftlichen Fakultäten an den deutschen Elite-Universitäten.
Dem Vernehmen nach arbeitet Schätzing bereits an einem Roman für angehende Juristen über das Drama von Toll Collect. Titel: „Das Konsortium”. Vertrags-Urschleim im Angriff auf das Bundesverkehrsministerium! Kann die großbusige Staatssekretärin (alleinerziehende Mutter) den guten alten Kirchen- und Geheimdienstmann retten, bevor die Staatsverschuldung uns alle in die Tiefe reißt?
ROBIN DETJE
FRANK SCHÄTZING: Der Schwarm. Roman. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2004. 1001 Seiten, 22,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Die Presse über Frank Schätzing:

"Hinreißende Dialoge! Schätzing entwirft Figuren, die den Leser in ihren Bann ziehen." Dresdner Neueste Nachrichten

"Ein Kölner Autor schickt sich an, den großen Namen im Thriller-Genre Konkurrenz zu machen." Kölner Stadt-Anzeiger

"Faszinierende Mischung aus Realität und wirklichkeitsnaher Spekulation. Selbst Autoren wie Grisham und Turow schreiben nicht besser als Schätzing." Berliner Morgenpost

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Der Rezensent Tobias Rapp kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Zunächst mal darüber, dass ausgerechnet Kiepenheuer & Witsch eine solche Thriller-Schwarte herausbringt und groß bewirbt. Fast noch mehr aber darüber, dass das Buch auch noch gelungen, ja, in weiten Teilen "großartig" ist. Der Autor ist im Hauptberuf ein erfolgreicher Werbeunternehmer aus Köln, aber schreiben, daran lässt Rapp keinen Zweifel, kann er auch. "Der Schwarm" ist die Geschichte mysteriöser Geschehnisse auf dem tiefsten Grund des Meeres, die allerdings recht schnell auch aufs Land und seine Bewohner übergreifen. Es wird dabei, soviel verrät die Rezension, halb Nordeuropa von einem Tsunami geschluckt. Einen Wermutstropfen allerdings gibt es leider doch: Das Ende kann nicht überzeugen, weil es, so Rapp, in seinem Antiamerikanismus zu simpel gestrickt ist - simpler auch als der Rest des heftig gepriesenen Buches.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Dieses Buch kommt wie ein Tsunami daher [...] vermag den Leser von Beginn an zu faszinieren.« Der Spiegel
"Hinreißende Dialoge! Schätzing entwirft Figuren, die den Leser in ihren Bann ziehen." (Dresdner Neueste Nachrichten)

Ein Erdbeben ist immer nur der Anfang
Angriff der Einzeller: Im Roman "Der Schwarm" sucht Frank Schätzing die Gefahr in der Tiefsee

Wenn es mit der Welt zu Ende geht, dann blühen Literatur und Kino erst richtig auf. Unter den vielen Arten, sich die Apokalypse auszumalen, haben seit dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts die Naturkatastrophen die Außerirdischen und den Nuklearschlag verdrängt, und unter den Naturkatastrophen wiederum sind Erdbeben oder Monstermutanten Klimakollaps, Bakterien und anderen Mikroorganismen gewichen. "Feldzug der Natur gegen den Menschen": so lautet der Köder, den der Verlag ausgelegt hat. Wer Michael Crichtons Roman "Beute" gelesen hat, der weiß, daß er ebensogut auch "Der Schwarm" hätte heißen können, weil die Nanopartikel sich zu einem solchen organisieren. Frank Schätzings Roman "Der Schwarm" hat allerdings mehr zu bieten als Crichtons lokal begrenzter Thriller. Die Gefahr kommt aus der Tiefsee, und sie ist global - da hätte es die Werbung, dieses sei das dickste Buch der Verlagsgeschichte, gar nicht gebraucht. Man liest es nicht, weil, sondern obwohl es tausend Seiten hat.

"Der Schwarm" ist eines jener Bücher, welche die Gemeinde der Dichter und Denker lange ignoriert hat und die erst in den letzten Jahren wie Außerirdische auf den Radarschirmen des Literaturbetriebs aufgetaucht sind. Das kann einem ziemlich egal sein, denn der sechsundvierzigjährige Schätzing, der nicht nur Romane schreibt, sondern auch Musiker und Kreativchef einer Werbeagentur ist, arbeitet mit anderen Ressourcen. Im Interview mit dieser Zeitung hat er gesagt: "Ich habe immer einen Spielfilm im Kopf und schreibe stets das, was ich gerne im Kino sähe." Was er schreibt, das sähe man auch gern im Kino, wobei das Budget dafür schon aus Hollywood kommen müßte, wo der gebürtige Schwabe Roland Emmerich gerade "The Day After Tomorrow" fertiggestellt hat, in dem es um die Klimakatastrophe, um Tornados, eine Flutwelle und anschließende Blitzeiszeit geht.

Das Thema liegt also in der Luft, genauer gesagt: im Meer. Schätzing hat mit vielen Experten gesprochen, er hat sich enorme Kenntnisse nicht nur der Meeresbiologie angeeignet, und soweit man das als Laie beurteilen kann, macht er souveränen Gebrauch davon. Sein Roman beginnt mit dem Charme eines B-Movies: Man glaubt das Tickergeräusch zu hören, mit dem auf der Leinwand Buchstaben erscheinen, welche einen neuen Schauplatz ankündigen: Peru, Trondheim, Vancouver Island, ein Dreissternerestaurant im französischen Roanne, Kiel, der Kontinentalabhang vor der norwegischen Küste. Ein mutierter Wurm in Methanhydraten taucht auf, Wale, die Menschen attackieren, Ölfirmen, die nach Möglichkeiten suchen, Methanhydrat als neue Energiequelle auszubeuten. Lauter kleine Anomalien treffen zusammen, und weil heute niemand mehr an den Zufall glaubt, muß eine Theorie her.

Nachdem ein Tsunami, eine haushohe Flutwelle, in den Anrainerstaaten der Nordsee für Verwüstungen gesorgt hat, versammeln sich Forscher unter Leitung des amerikanischen Militärs. Die Weltwissenschaftlerelite tagt in einem Hotel, das sich "Chateau Disaster" nennt, dann auf dem umgerüsteten Flugzeugträger "USS Independence". Und sie entwickelt die Hypothese, daß eine hochentwickelte Intelligenz hinter den Anomalien steckt. "Yrr", so taufen sie die Forscher, das sind Milliarden von Einzellern, die sich organisieren, Gallertmassen, eine bläuliche Biolumineszenz, eine denkende DNS - lauter biotechnologisch gestützte Entwicklungen oder, wie es einmal mit dem Willen zur Poesie heißt: "der sich seiner selbst bewußt gewordene Ozean".

Schätzing hat dabei die alte Hollywood-Regel befolgt, die empfiehlt, mit einem Erdbeben zu beginnen und sich dann langsam zu steigern. Wie er nach gut vierhundert Seiten im Detail die Zerstörung Stavangers und Trondheims beschreibt, das läßt ahnen, daß alles noch schlimmer kommen könnte und womöglich kommen wird. Das knappe Dutzend Charaktere, das den "Yrr" und der Apokalypse ins Gesicht schaut, zeichnet das Buch mit unterschiedlicher Präzision. Manchen läßt es zuviel Raum wie dem Inuit und Walforscher Leon Anawka, manche wirken etwas zu feinziseliert wie der Meeresbiologe Sigur Johanson oder zu schematisch wie der zynische CIA-Mann oder die karrieregeile Chefin des Krisenstabs. Doch insgesamt ist Schätzings erzählerische Ökonomie intakt: Sie hält die Balance zwischen Plot und Personal, sie läßt die divergierenden Interessen von Politik, Militär und Wissenschaft zum Vorteil der Spannung kollidieren und enthält eine diskrete ökologische Botschaft, die mit dem Anthropozentrismus ins Gericht geht.

Wie bei Freud Tagesreste in die Träume eingehen, so finden sich in solchen Science-fiction-Romanen die Erkenntnisse der Wissenschaft in einem neuen Koordinatensystem wieder. Es sind nur kleine Eingriffe und Verschiebungen, die für große Wirkungen sorgen: Wer sich sachkundig gemacht hat, der kann Albträume aussehen lassen wie wissenschaftliche Hochrechnungen. Die Fiktion generalisiert, wo die Naturwissenschaften auf den begrenzten Geltungsansprüchen ihrer Erkenntnisse beharren müssen. Sie tauscht den Indikativ gegen die Möglichkeitsform ein, welche mal wie ein Potentialis und mal wie ein Irrealis erscheinen kann, aber immer im Rahmen des Denkmöglichen bleibt. In Romanen wie "Der Schwarm" wird daher daher so etwas wie der Umriß jener "Dritten Kultur" sichtbar, die das alte Schisma zwischen Natur- und Geisteswissenschaften aufhebt. Über die fossilen Restbestände wie den penetranten Antiamerikanismus des Buches kann man dabei leicht hinwegsehen. Diese Haltung ist Teil einer Abgrenzungsstrategie in einer literarischen Gattung, die seit langem von amerikanischen Autoren dominiert wird; und sie ist im übrigen ziemlich widersprüchlich, weil Schätzings leicht entflammbare Phantasie ganz unverkennbar von Hollywoods Desasterszenarien befeuert ist.

Am Ende gerät der Roman dann allerdings kurzfristig ins Rutschen, wenn auch nicht so heftig wie der nordeuropäische Kontinentalabhang. Weil er unbedingt Tiefe suggerieren will, wechselt der Ton, ein merkwürdiges kosmisches Pathos breitet sich aus, wenn die Wissenschaftsjournalistin Kate zu den "Yrr" hinabtaucht. Das Kapitel heißt kaum zufällig "Contact" - genau wie jener Film mit Jodie Foster, der sich am Ende mehr ausmalt, als ihm guttut. Ernsthaften Schaden im Biotop der Erzählung richtet diese unheimliche Begegnung nicht an. Schätzing schafft es, seine Geschichte ohne das enervierende Happy-Ending der meisten Weltendefiktionen ins Ziel zu bringen. "Die Welt zerfällt", heißt es lapidar, und wer die wissenschaftliche Basis des Buches ernst nimmt, der weiß, daß der Zeitraum nach einer Katastrophe nur die Atempause vor dem nächsten Desaster ist. Frank Schätzing ist mit seinem neuen Roman zu einer Art Roland Emmerich der deutschen Literatur geworden.

Frank Schätzing: "Der Schwarm". Roman. Verlag Kiepenheuer&Witsch, Köln 2004. 1000 S., geb., 24,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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