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"Bei weitem die beste einbändige Gesamtdarstellung des Mittelalters." Paul Freedman, Yale University
1000 Jahre europäisches Mittelalter: Souverän schildert und deutet Chris Wickham eine der bedeutendsten weltgeschichtlichen Epochen neu. Eine ebenso präzise wie grandiose Darstellung eines Jahrtausends, das uns bis heute prägt.
Zwischen dem Zusammenbruch des weströmischen Reichs und der Reformation liegt eine 1000-jährige Periode gewaltiger Umwälzungen. In einer elegant geschriebenen, umfassenden Darstellung präsentiert Chris Wickham das europäische Mittelalter als eine Epoche gewaltigen
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Produktbeschreibung
"Bei weitem die beste einbändige Gesamtdarstellung des Mittelalters."
Paul Freedman, Yale University

1000 Jahre europäisches Mittelalter: Souverän schildert und deutet Chris Wickham eine der bedeutendsten weltgeschichtlichen Epochen neu. Eine ebenso präzise wie grandiose Darstellung eines Jahrtausends, das uns bis heute prägt.

Zwischen dem Zusammenbruch des weströmischen Reichs und der Reformation liegt eine 1000-jährige Periode gewaltiger Umwälzungen. In einer elegant geschriebenen, umfassenden Darstellung präsentiert Chris Wickham das europäische Mittelalter als eine Epoche gewaltigen Tatendrangs und tiefgreifenden Wandels. Stilsicher und klar erklärt er die wichtigsten Veränderungen in den einzelnen Jahrhunderten, zu denen so zentrale Krisen und Ereignisse wie der Untergang des weströmischen Reichs, die Reformen Karls des Großen, die feudale Revolution, die Zerstörung des byzantinischen Reichs, und das entsetzliche Wüten der Pest gehören. Mit erhellenden Momentaufnahmen unterstreicht Wickham, wie sich die verändernden sozialen, ökonomischen und politischen Umstände auf das Alltagsleben der Menschen und auf internationale Ereignisse auswirkten. Der Autor bietet sowohl eine neue Interpretation des europäischen Mittelalters als auch eine provokative neue These, inwiefern und warum das Mittelalter bis in unsere Gegenwart hineinwirkt. Eine der fesselndsten Darstellungen des mittelalterlichen Europa seit Jahrzehnten und ein intellektuelles Abenteuer.

"Das ist genau das Mittelalter, das wir im 21. Jahrhundert kennenlernen müssen."
John Arnold, University of Cambridge
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seitenzahl: 506
  • Erscheinungstermin: April 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 159mm x 40mm
  • Gewicht: 865g
  • ISBN-13: 9783608962086
  • ISBN-10: 3608962085
  • Artikelnr.: 49789136
Autorenporträt
Chris Wickham, geboren 1950, ist »Clichele Professor of Medieval History« und »Fellow of All Souls College« in Oxford. Zuvor lehrte und forschte er von 1997 bis 2005 als »Professor of Early Medieval History« an der Universität von Birmingham. Er zählt weltweit zu den renommiertesten Mediävisten. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen: u.a. 2005 der Wolfson History Prize, 2006 The Deutscher Memorial Prize, 2007 der James Henry Breasted Prize der American Historical Association.
Rezensionen
Besprechung von 06.04.2018
Was hat das Mittelalter eigentlich mit uns zu tun?
Tausend Jahre in Bewegung: Für Chris Wickham ist der historische Wandel die entscheidende Kategorie in seiner Darstellung Europas

Die Geschichte Europas im Mittelalter sieht Chris Wickham, in Oxford lehrender Experte für Italien und dessen Geschichte im Mittelalter, durch eine Reihe chronologisch gestaffelter Wendepunkte bestimmt: den Untergang des Römischen Reiches im Westen; die Krise des Reiches im Osten durch die Eroberungen des islamischen Kalifats; das Experiment einer moralisierenden Regierung im Reich der Karolinger; die Verbreitung des Christentums nach dem Norden und Osten Europas; die "radikale Dezentralisierung politischer Macht im Westen im elften Jahrhundert"; das demographische und ökonomische Wachstum zwischen dem zehnten und dreizehnten Jahrhundert; den "Wiederaufbau politischer und religiöser Macht im Westen" im hohen Mittelalter bei gleichzeitigem "Schwinden der Macht von Byzanz"; die Pestwelle um 1350 und die "Herausbildung von Staatsgefügen"; sowie "das Aufkommen des Engagements breiter Bevölkerungsschichten" mit einer Entstehung von Öffentlichkeit im späten vierzehnten und im fünfzehnten Jahrhundert.

Wie man sieht, erstrecken sich die Phänomene des Wandels fast immer nur auf einen Teil des Kontinents; eine umfassende Periodisierung des europäischen Mittelalters scheint unmöglich zu sein, und dieser Befund würde sich noch verschärfen, wenn Wickham stärker die muslimischen Gebiete Europas einbezogen hätte.

Europa bildete also keine Einheit, aber die Vielfalt der Erscheinungen lässt sich durch historische Vergleiche bändigen. Wickham unterscheidet eine Reihe übergreifender Strukturen, die er als Leitmotive seiner Darstellung verwendet. Zu diesen gehören die Formen "öffentlicher Machtausübung" sowie materielle Mittel, besonders Steuererträge aus Landbesitz, die auch im Hinblick auf das Mittelalter die Rede von "Staaten" rechtfertigen sollen. Wie im antiken Rom habe es in den frühmittelalterlichen Reichen eine Unterscheidung von "öffentlich" und "privat" gegeben, die sich allerdings nicht mehr auf ein umfassendes Steuersystem, sondern auf die Vorstellung stützte, dass Öffentlichkeit durch königliche Macht hergestellt wurde.

Bei den Franken und anderen Staaten nach der Völkerwanderung habe sich das völlig neuartige Konzept der öffentlichen Versammlung ausgebildet, das dem Herrscher zur Legitimation, Rechtsprechung, Beratung und Beschlussfassung diente und durch das die Aristokraten an der königlichen Macht partizipierten. Keiner der Staaten habe hingegen um 700 noch nennenswerte Steuern erhoben. Ihre Einkünfte beruhten auf Landbesitz, teilweise auch auf Zöllen, sowie auf Einnahmen von Silberminen, die im ostfränkisch-deutschen Reich seit etwa 960 bei Goslar betrieben wurden. Die Adligen konnten zwar verschiedene Rechte akkumulieren, aber keine stabilen eigenen Machtstützpunkte errichten. Die öffentliche Welt der Könige schwächte sich seit der Jahrtausendwende ab; während zuvor Herrscher, aber auch Herzöge, Grafen und Bischöfe von oben nach unten regiert und die von Rom übernommene Vorstellungswelt öffentlicher Macht durch ihre Versammlungspolitik genutzt hatten, verlagerte sich die Öffentlichkeit in lokale Strukturen. Französische Historiker fassten die Prozesse als "feudale Revolution" zusammen, während Wickham von der Ausbildung einer "lokalen zellularen Machtstruktur" spricht. Diese sei die Grundlage für die spätmittelalterliche Staatengeschichte gewesen.

Auch wenn es im ganzen Okzident, nicht in Byzanz, Burgen als Kristallisationskerne solcher "Zellen" gab, entwickelten sich die Verhältnisse nicht überall analog zu Frankreich. So ist in England eine Öffentlichkeits- und Politikstruktur, die sich nach karolingischem Muster im späten zehnten Jahrhundert ausgeformt hatte, mit Erfolg beibehalten worden. Auch im römisch-deutschen Reich habe der Kaiser-König seine Versammlungspolitik bis in die vierziger Jahre des dreizehnten Jahrhunderts behauptet, bevor die regionalen Herrschaften deutlich voneinander geschieden hervortraten. Anderswo, vor allem in Italien, bildeten Stadtkommunen entsprechende Einheiten.

Bis 1300 setzten allenthalben neue Bestrebungen zur Konzentration politischer Macht beim Herrscher ein, das Steuerwesen, das zunehmend der Finanzierung von Kriegen und Söldnerarmeen dienen sollte, blühte erneut auf. Bausteine der Staaten waren aber, im Unterschied zum Frühmittelalter, zellulare Einheiten, nämlich kleinere und größere, "extrem ausbeuterische" Herrschaften, denen städtische und ländliche Gemeinden zur Seite standen. Seit 1350 nahm die Bedeutung von Parlamenten zu, die bei allen Unterschieden von Land zu Land ihre Autorität bei der Steuererhebung zur Geltung brachten. Damit bildeten sich zugleich Stätten einer neuen politischen Diskussionskultur und Öffentlichkeit.

Gleiches gilt für die "Gemeinwesen vor Ort", die sich durch die regionale Parzellierung in der westlichen Welt ausgebildet hatten. Abgesehen von der Besteuerung setzte sich Öffentlichkeit zunehmend in der Rechtspraxis durch. In Städten und wohl auch in den diesbezüglich noch zu wenig erforschten Dörfern entwickelte sich ein bewusstes Verhalten bei politischen Problemlösungen. So beförderten die seit dem hohen Mittelalter geschaffenen politischen Systeme das Engagement immer breiterer sozialer Gruppen, die sich auch auf eine zunehmende Lese- und Schreibkompetenz der Laien stützen konnten. Dieses Engagement sei "eines der wichtigsten Elemente, die die Zeit des Mittelalters an zukünftige Generationen weiterreichte".

So aufgeklärt-optimistisch dieser Satz am Ende seines Buches Wickhams Leser stimmen könnte: Der Autor dementiert mit ihm selbst, was er am Beginn programmatisch zum Ausdruck gebracht hatte. Geschichte des europäischen Mittelalters solle man demnach gerade nicht unter teleologischem Aspekt betreiben; keineswegs könne man sagen, dass die Ursprünge der Moderne im Mittelalter lägen. Zu Recht wendet er sich auch gegen eine entwicklungsgeschichtliche Betrachtung der Zeit, um dafür den historischen Wandel zur Leitkategorie seiner Interpretation zu erklären. Der Begriff stammt aus der Sozialgeschichtsforschung der achtziger Jahre; er hat sich analytisch zweifellos bewährt, aber da sich Geschichte unentwegt wandelt, kann man Historiographie mit ihm keine Richtung geben und nur deskriptiv betreiben. Wer es ablehnt, Geschichte des Mittelalters auf die Gegenwart zulaufen zu lassen, muss aber gar nicht darauf verzichten, Probleme seiner Zeit zum Ausgangspunkt zu nehmen. Ein solches Problem könnte etwa die Auswirkung kultureller Diversität sein, die unsere Lebenswelt anscheinend besonders bestimmt.

Entgegen solcher Anmutungen von Aktualität versichert Wickham schon auf der ersten Seite seines Buches, für die Geschichte des Mittelalters solle man sich interessieren, weil sie "an und für sich interessant" ist. Diese Motivation ist nicht nur dünn, sie hat seine Darstellung auch beschädigt. Ohne Finalisierung und Problemorientierung zerfällt Wickhams Erzählung in Einzelstudien, die der Autor mit zahllosen Querverweisen und Regiebemerkungen zusammenhalten muss.

Nichts ergibt sich hier zwanglos aus dem vorher Gesagten, immer neue Resümees müssen eingeschoben werden, in denen nicht selten Fragen, die nie gestellt wurden, ihre Antwort finden. Der Mangel an gedanklicher Klarheit und narrativem Talent macht die Lektüre dieses Buches bei allen wertvollen Einsichten im Detail mühsam und wenig erfreulich.

MICHAEL BORGOLTE

Chris Wickham:

"Das Mittelalter".

Europa von 500 bis 1500.

Aus dem Englischen von

Susanne Held.

Klett-Cotta Verlag,

Stuttgart 2018.

550 S., Abb., geb., 35,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Scott weiß fesselnd zu erzählen. Anregend sind auch die Vergleiche zwischen Ost und West, zum Beispiel in Fragen der Herrschaftsorganisation.« Damals, 08.2018 »Wer die 13 eindrucksvollen Kapitel gelesen hat, wird das Schimpfwort "mittelalterliche Zustände" nicht mehr benutzen. Er hat dann nämlich eine ganz andere Welt kennengelernt.« Bernd Scheidmüller, damals, 07.2018 »Sein Mittelalter ist nichteinfach eine dunkle Phase von Willkürherrschaft, Gewalt und Aberglaube. [...] Wickham fokussiert auf die Phasen des Wandels. Mit feiner Klinge seziert er die Zeit von 500 bis 1500.« NZZ Geschichte, 06.2018 »Eine fundierte Analyse des europäischen Mittelalters – ein sehr lesenswertes Buch.« Andreas Gebbink, Neue Rhein Zeitung, 15.05.2018 »Wickhams Blick auf die Ereignisse ist nicht bloß einer des großen Überblicks, sondern er möchte sich verändernden Macht- und Lebensstrukturen dieser Epoche darstellen. Und das ist ihm auf ganzer Linie gelungen. Man versteht die Konstanten und den steten Wandel der mittelalterlichen Weltordnung nach der Lektüre sicherlich besser ¬- und damit einen wichtigen Teil unserer abendländischen Kultur.« Andreas Puff-Trojan, SWR, 21.06.2018