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Sie kiffen, klauen, hängen ab. Der Anführer Zarco, der allen Angst einjagt, die verführerische Tere mit den grausam grünen Augen, und all die anderen, die kein Zuhause haben. Als Ignacio dazustößt, werden aus Kleinkriminellen bewaffnete Gangster. Banküberfälle, Nutten und harte Drogen sind jetzt ihr Alltag. Dann gibt es den ersten Toten, und Ignacio weiß: wenn er leben will, muss er aussteigen, auch wenn er die schöne Tere nie wiedersehen wird. Jahre später treffen sie sich vor Gericht wieder: Zarco als Angeklagter und Ignacio als Strafverteidiger. Aufwühlend und sehr einfühlsam erzählt Javier…mehr

Produktbeschreibung
Sie kiffen, klauen, hängen ab. Der Anführer Zarco, der allen Angst einjagt, die verführerische Tere mit den grausam grünen Augen, und all die anderen, die kein Zuhause haben. Als Ignacio dazustößt, werden aus Kleinkriminellen bewaffnete Gangster. Banküberfälle, Nutten und harte Drogen sind jetzt ihr Alltag. Dann gibt es den ersten Toten, und Ignacio weiß: wenn er leben will, muss er aussteigen, auch wenn er die schöne Tere nie wiedersehen wird. Jahre später treffen sie sich vor Gericht wieder: Zarco als Angeklagter und Ignacio als Strafverteidiger. Aufwühlend und sehr einfühlsam erzählt Javier Cercas von den zerrissenen Freundschaften einer verlorenen Jugend in Spanien.
  • Produktdetails
  • Literatur (international)
  • Verlag: S. Fischer
  • Originaltitel: Las leyes de la frontera
  • Artikelnr. des Verlages: 1018531
  • Seitenzahl: 506
  • Erscheinungstermin: 24. April 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 139mm x 45mm
  • Gewicht: 627g
  • ISBN-13: 9783100105103
  • ISBN-10: 3100105109
  • Artikelnr.: 39977943
Autorenporträt
Cercas, Javier
Javier Cercas, geboren 1962 in Ibahernando in der spanischen Extremadura, lebt als Schriftsteller, Publizist und Universitätsdozent in Girona. Mit seinem Roman 'Soldaten von Salamis' wurde er international bekannt. Heute ist sein Werk in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Für 'Der falsche Überlebende' (S. Fischer 2017), erhielt er u.a. den Prix du livre européen 2016 und den chinesischen Taofen-Preis 2015 für das beste ausländische Buch.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.05.2014

Es gibt wichtigere Dinge als die Wahrheit
Autos, Drogen, das große Besäufnis, Rebellenmythos und die Sehnsucht nach Freiheit: Javier Cercas erzählt in seiner vertrackten
Gangstersaga „Outlaws“ von Jugendlichen in Spanien nach Franco
VON RALPH HAMMERTHALER
Zarco hat viele krumme Dinger gedreht, Autos geklaut, Wohnungen ausgeraubt, Banken überfallen. Und im Gefängnis hat er Häftlinge zu einer Revolte aufgewiegelt. Im Ganzen hätte er nicht weniger als hundertfünfzig Jahre abzusitzen. Einmal, als Freigänger, plündert er in Barcelona ein Juweliergeschäft. Das kommt nicht so gut an – alles Vertrauen verspielt. Trotzdem versucht der Anwalt, ihn Schritt für Schritt zu resozialisieren, um am Ende seine Freilassung zu erwirken. Zarco soll tätige Reue zeigen, richtig zerknirscht und mit Schuld belastet, und er soll eine unbedarfte Frau heiraten, die ihn seit Langem anhimmelt. Aber er spielt nur halbherzig mit, später nicht mal mehr das. Hiervon handelt der zweite Teil des neuen Romans von Javier Cercas, „Outlaws“, eine schwungvoll erzählte, vertrackte Gangstersaga.
Der erste Teil spielt zwanzig Jahre früher, im Sommer 1978 in der katalanischen Stadt Girona. Dort trifft sich die Bande des jungen Zarco im Rotlichtviertel, ehe sie, meistens spontan, zuschlägt. Irgendwann stößt Ignacio dazu, sechzehn Jahr alt und von allen Brillenschlange genannt. Er ist schüchtern, aber abenteuerlustig, das Kind einer bessergestellten Familie. Die anderen kommen von jenseits des Flusses, aus schmutzigen Behelfsunterkünften. Prompt verknallt er sich in Tere, Zarcos grünäugige Komplizin, die so gut aussieht, dass er sie mindestens mit einem Banküberfall beeindrucken muss. In einer starken, wortkargen Szene – Leuchtturm im Rücken, Blick aufs Meer, dann ein Joint – rüttelt ihn Zarco aus den Träumen: Du bist nicht wie wir. Lass es ein. Offenbar angeschwärzt, wird die Bande nach einem Überfall geschnappt, nur Ignacio entkommt. Er studiert Jura, macht Karriere als Anwalt. Eines Tages, zwanzig Jahre später, sitzt Tere in der Kanzlei und bittet ihn, Zarcos Verteidigung zu übernehmen. Dieser Grünäugigen kann Ignacio nichts abschlagen.
Nach „Anatomie eines Augenblicks“, seinem großen Roman-Doku über den
23. Februar 1981, als rechte Uniformierte das spanische Parlament stürmten, stellt Javier Cercas nun in „Outlaws“ die Fakten, auch wenn es nur Romanfakten sind, immer wieder auf den Kopf. Letztlich weiß man nie so genau, welcher Figur man glauben darf und welcher nicht. Durchtrieben, wie er ist, hat Cercas diese Methode auf einen nur vermeintlich erhellenden Nenner gebracht: „Wenn man nicht begreift, dass es wichtigere Dinge gibt als die Wahrheit, begreift man nicht, wie wichtig die Wahrheit ist.“ So buchstabiert er das Spannungsgenre vollkommen neu und hält einen dadurch fünfhundert Seiten lang in Atem. Dabei sieht es anfangs gar nicht danach aus, weil er einen Erzähltrick anwendet: Indem er einen künftigen Romanautor immer wieder Fragen stellen lässt, einschließlich Ermunterungen, „nur zu“, „Darf ich zwischendrin etwas fragen?“, „Darf ich noch ein letzte Frage stellen?“, bringt er eine Geschichte ins Rollen, die ohne das ewige Einhaken viel schneller rollen würde. Aber das muss man schlucken, sonst entginge einem der Genuss des großen Ganzen.
Befragt wird besonders Ignacio über das, was er erlebt hat mit Zarco, erst als bebrillter Teenager, dann als bebrillter Anwalt. Im ersten Teil wechseln seine Erinnerungen kapitelweise mit denen von Inspektor Cuenca. 1978 hätte man nicht von ihm verhört werden wollen, denn er sagt: „Francos Tod war zwar schon drei Jahre her, aber auf dem Kommissariat machten wir weiterhin, was wir wollten.“
  Im zweiten Teil erzählt Ignacio im Wechsel mit Gefängnisdirektor Requena. Sowohl Cuenca als auch Requena sind für Ignacio Gegenspieler, nie durch billigen Groll beschädigt. Direktor Requena etwa misstraut einer Resozialisierung Zarcos, und er sagt es dem Anwalt auch auf den Kopf zu. Nur, er hat einen Vorgesetzten, den Generaldirektor der katalanischen Knäste, und es hilft ihm wenig, dass er ihn durchschaut: „Vor allem aber war er überzeugt, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Ein gefährlicher Typ, kurz gesagt.“
Mit der Zeit wird Zarco zu einer öffentlichen Figur, ja, zu einem Mythos. Er bringt seine Gangster-Memoiren heraus. Und ein Regisseur dreht mehrere Filme über sein Leben. Romantisch verklärt, erscheint er Journalisten und sogar Historikern als heldenhafter Rebell, der „beispielhaft die Sehnsucht nach Freiheit und die gescheiterten Hoffnungen der um nichts weniger heldenhaften Jahre des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie in Spanien verkörpert“. Also eine Art Robin Hood der Transición? Nein, eher nicht. Von dem, was er und seine Bande erbeuten, haben andere, gar Erniedrigte und Beleidigte, nichts. Alles wird sogleich auf den Putz gehauen, großes Besäufnis, geile Drogen, geile Nutten. Aber einem Mythos kann das wurscht sein.
Der Name Zarco klingt nicht nur von fern nach Zucco, ohne dass Cercas das letzte Theaterstück von Bernard-Marie Koltès in seiner Anmerkung erwähnt. Keine Quelle, die ihn inspiriert hat. Uraufgeführt wurde „Roberto Zucco“ durch Peter Stein an der Berliner Schaubühne, aber erst die französische Erstaufführung löste einen Skandal aus. Das Stück folgt der Geschichte des Killers Roberto Succo, den Koltès für das reine, zweckfreie Töten in Interviews bewunderte. Obgleich viel brutaler als Zarco, ist auch Succo zu einem Mythos geworden. In der Presse wurde er als „Junge mit blauen Augen und Engelsgesicht“ beschrieben. Jung, kaputt, verzweifelt nahm er sich in seiner Zelle das Leben, indem er sich eine Plastiktüte über den Kopf zog.
Zarco dagegen stirbt nicht jung und schön. Mit jedem Jahr, das er älter wird, sieht er seinen Mythos verblassen. Obwohl ihm Cercas die blauen Succo-Augen gibt, besteht Zarco am Ende nur noch aus Haut und Knochen – „hinter seinem Gesicht mit den eingesunkenen Augen, fleischlosen Wangen und schwarzen Zähnen zeichnete sich deutlich sein Schädel ab“. Zarco ist heroinabhängig, noch dazu HIV-positiv. Anders als Koltès, der mit sprachlicher Wucht seinen Outlaw feierte, zeigt Javier Cercas auch die banale, elende, bittere Rückseite. Er hat ein menschliches Buch geschrieben. Mehr ist schwer vorstellbar.
„Franco war schon Jahre tot, aber
auf dem Kommissariat machten
wir weiterhin, was wir wollten.“
Zarco stirbt nicht jung und
schön, er wird älter und sieht
seinen Mythos verblassen
„Deprisa, deprisa“ (Los, Tempo!) hieß Carlos Sauras Film über jugendliche Kriminelle in Spanien (1980).
Foto: Verlag
  
  
  
  
Javier Cercas: Outlaws. Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen.
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2014. 512 Seiten, 24,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Die Menschlichkeit dieses Buches erstaunt Ralph Hammerthaler. Der Held Zarco, ein Outlaw der spanischen Transición nach Francos Tod, einen kleinen Gangster , der sein ganzes Leben lang nicht aus dem Milieu rauskommt und den die Vergangenheit einholt, scheint dem Rezensenten, wie auch die anderen Figuren im Buch, zwar durchaus unzuverlässig, aber umso spannungsfördernder und in seiner Banalität genau gezeichnet. Schwungvoll findet er die Gangstersaga von Javier Cercas entworfen, wortkarge Szenen scheinen ihm stark, die Lektüre als Ganzes genussvoll. Bitter auch: Von den beutezügen des jungen Zarco und seiner Bande haben weder er noch andere etwas. Alles werde gleich auf den Kopf gehauen: "Großes Besäufnis, geile Drogen, geile Nutten."

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 24.05.2014

Böse Buben für die schönsten Mädchen

Leben am Limit: Javier Cercas zeichnet in seinem Roman "Outlaws" ein düsteres Sittenbild Spaniens vom Postfranquismus bis zur Gegenwart.

Was machen die Spanier nur besser als wir? Ihre Wirtschaft steckt seit Jahren in einer kratertiefen Krise, ihre Wohnungen werden zu Zehntausenden zwangsversteigert, ihr Land leidet unter apokalyptischer Jugendarbeitslosigkeit, und trotzdem lassen sie sich ihre Laune nicht verderben. Diese Gelassenheit wirkt nur aus der Distanz verblüffend und erklärt sich aus der Innenansicht des Landes: Die Spanier haben vor nicht allzu langer, noch längst nicht historischer Zeit, nach dem Tod des faschistischen Diktators Franco 1975, viel Schlimmeres erlebt als heute. Und der Schrecken jener existentiellen Krise steckt noch immer vielen Menschen in Köpfen und Knochen. Damals ging eine gefühlte halbe Generation in den postfranquistischen Wirren verloren, die eben nicht nur aus dem Partyleben der berühmten "movida" bestand, sondern auch aus Drogen, Gewalt, Kriminalität und Aids.

Dieser verlorenen Generation hat Javier Cercas seinen neuen Roman gewidmet, der im Deutschen den etwas irreführenden Cowboy-Filmtitel "Outlaws" trägt und im Original deutlich passender, wenn auch wesentlich sperriger "Die Gesetze der Grenze" heißt. An der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, Hoffnung und Fatalismus, Liebe und Verrat leben die drei Protagonisten des Buches: der Gangster Zarco, seine Freundin Tere und Ignacio, genannt Gafitas, die Brillenschlange, drei Jugendliche aus Cercas' Heimatstadt Girona, die sich im Sommer 1978 kennenlernen, obwohl sie aus diametralen Welten kommen. Zarco und Tere sind in den anarchistischen Slums der katalanischen Stadt aufgewachsen, in denen die Arbeitsimmigranten aus dem Süden wie menschlicher Abfall hausen, während Ignacio aus einem besseren Viertel und einer bürgerlichen Familie stammt. Er schließt sich Zarcos Bande an, die sich nicht lange mit Kleinkriminalität aufhält, sondern bald ins Erpressungsgeschäft einsteigt, en gros mit Drogen handelt und Banken ausraubt. Bei einem solchen Überfall wird Zarco geschnappt, womit seine Karriere als Schwerverbrecher zementiert ist. Ignacio aber kann wundersamerweise entkommen und einen anderen Lebensweg einschlagen.

Jahrzehnte vergehen, die Zarco weitgehend im Gefängnis oder auf der Flucht verbringt und darüber zum berüchtigsten Verbrecher Spaniens wird, während Ignacio zum bekanntesten Anwalt Gironas aufsteigt. Als Tere, die große, unerreichte Liebe seines Lebens, sich wieder bei ihm meldet, versucht Ignacio alles, um Zarco aus dem Zuchthaus zu holen oder ihm zumindest Freigang zu verschaffen. Schließlich gelingt es ihm, doch für ein Happy End ist es nicht nur in Zarcos Leben längst zu spät.

Javier Cercas erzählt die drei Lebensgeschichten aus den Perspektiven des Anwalts Ignacio, eines damals ermittelnden Polizeiinspektors und eines ehemaligen Gefängnisdirektors, die wiederum viele Jahre nach den Geschehnissen von einem Journalisten befragt werden - und stellt sich mit dieser Interview-Konstruktion selbst eine Falle. Denn zum einen erreicht er dank der Dialoge zwar große sprachliche Lebendigkeit, muss dafür aber eine ebenso große und keineswegs nur zeitliche Distanz zu seinen Figuren in Kauf nehmen.

Cercas gelingt es, dank der Rückschauen seiner Protagonisten das Girona der achtziger Jahre mit all seinem erzkatholischen Muff und seinem bigotten Bürgertum, seiner Ungerechtigkeit und seiner Verlogenheit, seiner Schizophrenie aus franquistischer Glaubenstreue und ungläubigem Taumeln in die neue Zeit der Demokratie wieder zum Leben zu erwecken. Gleichzeitig aber bleiben der Schwerverbrecher Zarco, die sterbensschöne Tere und selbst der innerlich zerrissene Ignacio, der Hauptzeuge der Geschichte, blass und blutleer, Schimären in der prallen Kulisse, als wären sie nur Gespenster der Erinnerung. Es wird immer nur gesagt, was geschah, nie erlebt man es mit, alles ist Rekonstruktion, nichts Aktion. Und es wird - allein schon wegen der Verdreifachung der Perspektive - so oft gesagt, dass man ein ums andere Mal in einen zähen Nebel aus erzählerischen Redundanzen gerät und auch selten in scharfsinnigen Erkenntnissen der Beteiligten Trost findet. Ganz im Gegenteil: Während man als Leser schon nach ein paar Seiten das falsche Spiel von Tere mit Ignacio durchschaut, begreift dieser erst auf den letzten achtzig Seiten, dass er von seiner großen Liebe nur ausgenutzt und nie geliebt wurde. "So sind die Frauen schließlich: Sie verwandeln ihre Absichten in Gefühle. Das haben sie schon immer getan."

Hätte Javier Cercas genau dasselbe getan wie die schöne Tere und seine gute Absicht, den schmerzvollen Übergang Spaniens von der Diktatur zur Demokratie packender, mitreißender, emotionaler beschrieben, wäre ihm ein ganz großes Buch gelungen. So ist es nur ein ziemlich gutes.

JAKOB STROBEL Y SERRA

Javier Cercas: "Outlaws". Roman.

Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2014. 508 S., geb., 24,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Der spanische Autor Javier Cercas hat einen großen Roman über die Macht der Illusion geschrieben. Paul Ingendaay Deutschlandfunk 20150714