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Im Vorort Edmundsbury, dem neuen Zufluchtsort der hippen Londoner, toben die Auseinandersetzungen einer ach so schönen neuen Welt: Wie wollen wir wohnen und arbeiten? Und was wollen wir mit niemandem teilen? Sam Byers entwirft das Panorama einer Gesellschaft nach dem Brexit, deren Verwerfungen auch die persönlichsten Beziehungen erschüttern.
Das kleine Edmundsbury ist derart angesagt, dass es als das neue London gilt. Alle, die etwas auf sich halten, sind schon dort oder wollen hin. Doch unter der Oberfläche ist nicht alles nur schön. Der Vorort wird von einer Technologiefirma namens Green
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Produktbeschreibung
Im Vorort Edmundsbury, dem neuen Zufluchtsort der hippen Londoner, toben die Auseinandersetzungen einer ach so schönen neuen Welt: Wie wollen wir wohnen und arbeiten? Und was wollen wir mit niemandem teilen? Sam Byers entwirft das Panorama einer Gesellschaft nach dem Brexit, deren Verwerfungen auch die persönlichsten Beziehungen erschüttern.

Das kleine Edmundsbury ist derart angesagt, dass es als das neue London gilt. Alle, die etwas auf sich halten, sind schon dort oder wollen hin. Doch unter der Oberfläche ist nicht alles nur schön. Der Vorort wird von einer Technologiefirma namens Green beherrscht, in deren inneren Machtbereich nur wenige vordringen. Und plötzlich kippt der trügerische Frieden: Ein Bauunternehmer beschließt, ein soziales Wohnprojekt zur Luxusanlage umzugestalten. Ein rechter Politiker erhält immer mehr Zuspruch. Und eine Aktivistengruppe droht, die Browserverläufe sämtlicher Einwohner nach und nach im Internet zu veröffentlichen. In seiner hochintelligenten Gesellschaftssatire treibt Sam Byers die zwingenden Fragen der Gegenwart auf die Spitze und konfrontiert seine Figuren mit den Ängsten, die unter der hippen Oberfläche lauern.
  • Produktdetails
  • Verlag: Tropen
  • Originaltitel: Perfidious Albion
  • Seitenzahl: 509
  • Erscheinungstermin: 24. August 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 156mm x 38mm
  • Gewicht: 699g
  • ISBN-13: 9783608504149
  • ISBN-10: 3608504141
  • Artikelnr.: 56148609
Autorenporträt
Sam Byers, geboren 1979, studierte Creative Writing an der University of East Anglia. Sein bei Klett-Cotta veröffentlichter Roman »Idiopathie « erschien in neun Ländern und stand auf der Waterstones Liste der besten Debüts des Jahres. Byers' Arbeiten erschienen außerdem im Granta Magazine, in der New York Times, im Spectator und in der Literaturbeilage der Times.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.10.2019

Turmgesellschaft ohne Aussicht

Sam Byers' Roman über ein visionsloses, erregungsbereites Post-Brexit-England.

Von Oliver Jungen

Auch Dystopien sind smart geworden. Weil in eine Gesellschaft der fluiden Identitäten, die sich selbst nur als digital vernetzte Community denken kann, Überwachung immer schon eingebaut ist, kann Sam Byers auf beinahe alles verzichten, was Aldous Huxley 1932 für konstitutiv für den totalitären Weltstaat hielt: Konditionierung, Kastenordnung, Betäubung des Widerstandsgeists durch Drogen, Konsum und Sex. Das Einzige, was in dieser von politischer Erschöpfung geprägten Post-Brexit-Dystopie noch zählt, ist der - eigentümlich leere - Drang nach Aufmerksamkeit.

Wenn man sich nicht daran stört, fünfhundert Seiten mit zynisch-nihilistischen Neo-Intellektuellen zuzubringen, lässt sich "Schönes Neues England" mit einigem Genuss als düstere Satire auf die um sich selbst kreisende politisch-publizistische Sphäre zwischen Meinungsegoismus, Storytelling und Shitstorms lesen, ein Karneval der Redundanz mit freilich sehr realen Auswirkungen.

Die Arbeit in dieser Nahzukunft ist maximal entfremdet, was sich "gamifiziertes Microtasking" nennt. Prekäre Jobber lösen Aufgaben im Wettstreit, um höhere Level - und in unendlicher Ferne einen Arbeitsvertrag - zu erlangen. Zugleich haben wir eine Laborsituation vor uns, denn ein disruptives Ereignis versetzt die dekadente Ruhe der angesagten Kleinstadt Edmundsbury in Aufruhr. Eine Gruppe von Hackern droht damit, sämtliche Informationen aller Einwohner für alle sichtbar zu machen - der kommunikative Nuklearschlag -, sofern nicht eine Person sich opfere und komplett preisgebe. Jetzt bricht alle Etikette zusammen. Kräftig angefeuert von klickversessenen Redaktionen, haben die in der Netzöffentlichkeit stehenden Personen einander bald so sehr mit Schmutz überzogen, dass man am Rande eines Bürgerkriegs zu stehen scheint. Seit der Radikalisierung rund um den Brexit kann das kaum mehr als übertrieben gelten.

Ins Rollen kommen die Dinge durch eine Gentrifizierungsreportage über eine heruntergekommene Siedlung, in der ein Messie-Rentner Widerstand gegen seine Entmietung leistet. Robert, ein Berufsblogger, den wir durch die Augen seiner ihn verachtenden Freundin Jess kennenlernen, nimmt sich des Rentners an. Die Kolumne gerät ihm jedoch zu einer Verteidigung des alten weißen Mannes. Plötzlich gefeiert von der Gefolgschaft des Rechtspopulisten Hugo Bennington, lässt sich Robert zu immer weiteren Eskalationen hinreißen. Als zudem der Scherz einer jungen Schwarzen zur Kriegserklärung gegen weiße Männer umgelogen wird, liegt das atavistische Gender-Rasse-Schlachtfeld offen da.

Dass im Hintergrund ein mächtiges Kartell aus Immobilientrust und maliziöser Technologiefirma die Fäden zieht, merkt Robert nicht. Es ist freilich auch nicht Byers' originellster Einfall, zumal der hinter flapsigen Dialogen verborgene, raunende Ernst dieser Passagen nur schwer mit der flockigen Persiflage auf prinzipienlose B-Journalisten oder auf den korrupten Nigel-Farage-Klon Bennington zusammenpasst. Irgendwann geht der dialogisch schlagfertigen Erzählung die Luft aus. Sie verpasst dramaturgisch den Absprung und verliert sich in langatmigen Erklärorgien über ein digital-kybernetisches System der Gesellschaftssteuerung.

Trotzdem ist der Roman, dessen grandiose Covergestaltung uns das hochmütige Glasfront-London als neues Babel präsentiert, mehr als eine billige Abrechnung mit der schönen neuen Online-Hölle, denn Byers kann tatsächlich exemplarisch zeigen, wie das Scheitern des Partizipationsversprechens der virtuellen Weltrevolution zum Kollaps der Debattenkultur führte. Der entscheidende Satz lautet: "Seine Ansichten waren selbst Ereignisse geworden, die ihre Gegenstücke und Vorbilder aus der wirklichen Welt verdrängten." Wie gruselig, dass Robert dies als positive Leistung versteht.

Sam Byers: "Schönes Neues England". Roman.

Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2019. 509 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Mehr als nur ein Brexitroman ist "Schönes Neues England" auch ein Statement zur Social-Media-Allmacht und ihrer Nebenwirkung."
Julian Weber, TAZ, 26.10.2019

"Ein pointierter, vielschichtiger und im besten Sinn zeitgenössischer Roman."
Thomas Edlinger, Falter, 09.10.2019

"Eine köstliche Satire auf das Nach-Brexit-England."
Daniel Arnet, SonntagsBlick-Magazin, 06.10.2019
Turmgesellschaft ohne Aussicht

Sam Byers' Roman über ein visionsloses, erregungsbereites Post-Brexit-England.

Von Oliver Jungen

Auch Dystopien sind smart geworden. Weil in eine Gesellschaft der fluiden Identitäten, die sich selbst nur als digital vernetzte Community denken kann, Überwachung immer schon eingebaut ist, kann Sam Byers auf beinahe alles verzichten, was Aldous Huxley 1932 für konstitutiv für den totalitären Weltstaat hielt: Konditionierung, Kastenordnung, Betäubung des Widerstandsgeists durch Drogen, Konsum und Sex. Das Einzige, was in dieser von politischer Erschöpfung geprägten Post-Brexit-Dystopie noch zählt, ist der - eigentümlich leere - Drang nach Aufmerksamkeit.

Wenn man sich nicht daran stört, fünfhundert Seiten mit zynisch-nihilistischen Neo-Intellektuellen zuzubringen, lässt sich "Schönes Neues England" mit einigem Genuss als düstere Satire auf die um sich selbst kreisende politisch-publizistische Sphäre zwischen Meinungsegoismus, Storytelling und Shitstorms lesen, ein Karneval der Redundanz mit freilich sehr realen Auswirkungen.

Die Arbeit in dieser Nahzukunft ist maximal entfremdet, was sich "gamifiziertes Microtasking" nennt. Prekäre Jobber lösen Aufgaben im Wettstreit, um höhere Level - und in unendlicher Ferne einen Arbeitsvertrag - zu erlangen. Zugleich haben wir eine Laborsituation vor uns, denn ein disruptives Ereignis versetzt die dekadente Ruhe der angesagten Kleinstadt Edmundsbury in Aufruhr. Eine Gruppe von Hackern droht damit, sämtliche Informationen aller Einwohner für alle sichtbar zu machen - der kommunikative Nuklearschlag -, sofern nicht eine Person sich opfere und komplett preisgebe. Jetzt bricht alle Etikette zusammen. Kräftig angefeuert von klickversessenen Redaktionen, haben die in der Netzöffentlichkeit stehenden Personen einander bald so sehr mit Schmutz überzogen, dass man am Rande eines Bürgerkriegs zu stehen scheint. Seit der Radikalisierung rund um den Brexit kann das kaum mehr als übertrieben gelten.

Ins Rollen kommen die Dinge durch eine Gentrifizierungsreportage über eine heruntergekommene Siedlung, in der ein Messie-Rentner Widerstand gegen seine Entmietung leistet. Robert, ein Berufsblogger, den wir durch die Augen seiner ihn verachtenden Freundin Jess kennenlernen, nimmt sich des Rentners an. Die Kolumne gerät ihm jedoch zu einer Verteidigung des alten weißen Mannes. Plötzlich gefeiert von der Gefolgschaft des Rechtspopulisten Hugo Bennington, lässt sich Robert zu immer weiteren Eskalationen hinreißen. Als zudem der Scherz einer jungen Schwarzen zur Kriegserklärung gegen weiße Männer umgelogen wird, liegt das atavistische Gender-Rasse-Schlachtfeld offen da.

Dass im Hintergrund ein mächtiges Kartell aus Immobilientrust und maliziöser Technologiefirma die Fäden zieht, merkt Robert nicht. Es ist freilich auch nicht Byers' originellster Einfall, zumal der hinter flapsigen Dialogen verborgene, raunende Ernst dieser Passagen nur schwer mit der flockigen Persiflage auf prinzipienlose B-Journalisten oder auf den korrupten Nigel-Farage-Klon Bennington zusammenpasst. Irgendwann geht der dialogisch schlagfertigen Erzählung die Luft aus. Sie verpasst dramaturgisch den Absprung und verliert sich in langatmigen Erklärorgien über ein digital-kybernetisches System der Gesellschaftssteuerung.

Trotzdem ist der Roman, dessen grandiose Covergestaltung uns das hochmütige Glasfront-London als neues Babel präsentiert, mehr als eine billige Abrechnung mit der schönen neuen Online-Hölle, denn Byers kann tatsächlich exemplarisch zeigen, wie das Scheitern des Partizipationsversprechens der virtuellen Weltrevolution zum Kollaps der Debattenkultur führte. Der entscheidende Satz lautet: "Seine Ansichten waren selbst Ereignisse geworden, die ihre Gegenstücke und Vorbilder aus der wirklichen Welt verdrängten." Wie gruselig, dass Robert dies als positive Leistung versteht.

Sam Byers: "Schönes Neues England". Roman.

Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2019. 509 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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