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Jurko Banzai, Biologiestudent aus Lemberg, kommt als Referendar an ein College in der kleinen Karpatenstadt Midni Buky. Lebensgefährliche Experimente mit selbstgezüchteten Sporenarten liegen hinter ihm, die Neugier auf die Nachtseite der Realität ist geblieben. In seiner Dachwohnung, die er aus Geldmangel mit den Orchesternoten von Wagners Fliegendem Holländer tapezieren mußte, raucht er Wasserpfeife, hört Peter Hammill und übt sich in der Kunst des luziden Träumens, die ihn in die Bibliothek von Babel entführt. Zu seinem Schrecken verliebt er sich in eine Schülerin: Daria Borghes, lese- und…mehr

Produktbeschreibung
Jurko Banzai, Biologiestudent aus Lemberg, kommt als Referendar an ein College in der kleinen Karpatenstadt Midni Buky. Lebensgefährliche Experimente mit selbstgezüchteten Sporenarten liegen hinter ihm, die Neugier auf die Nachtseite der Realität ist geblieben. In seiner Dachwohnung, die er aus Geldmangel mit den Orchesternoten von Wagners Fliegendem Holländer tapezieren mußte, raucht er Wasserpfeife, hört Peter Hammill und übt sich in der Kunst des luziden Träumens, die ihn in die Bibliothek von Babel entführt. Zu seinem Schrecken verliebt er sich in eine Schülerin: Daria Borghes, lese- und erfahrungshungrig wie er selbst. Je intensiver sie füreinander zu fühlen beginnen, um so unbegreiflicher und beängstigender wird die Wirklichkeit. Bis sie erkennen, daß sie in den Machtbereich des geheimnisvollen Roman Korij und seiner »unaussprechlichen Kulte« geraten sind.

Als der Roman des damals knapp 17jährigen Autors erschien, glaubte man an eine Mystifikation bekannter galizischer Schriftsteller wie Juri Andruchowytsch und anderer, so virtuos wird hier mit Elementen aus Popkultur, Underground, Esoterik und Weltliteratur gespielt. Inzwischen ist erwiesen, daß dieses unglaublich witzige, lebendige Buch von einem erzählerischen Originaltalent verfaßt wurde, das sich bescheiden als Schüler von Stephen King und H. P. Lovecraft bezeichnet.

  • Produktdetails
  • Edition Suhrkamp Nr.2449
  • Verlag: SUHRKAMP
  • Artikelnr. des Verlages: 12449
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 259
  • Erscheinungstermin: 3. Oktober 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 108mm x 20mm
  • Gewicht: 173g
  • ISBN-13: 9783518124499
  • ISBN-10: 3518124498
  • Artikelnr.: 14104231
Autorenporträt
Deresch, Ljubko
Ljubko Deresch, geboren 1984, gilt neben Jury Andruchowytsch und Serhij Zhadan als einer der prominentesten Vertreter der postsowjetischen ukrainischen Literatur. In seinen Romanen Kult und Die Anbetung der Eidechse beschreibt er das Leben in der fiktiven Karpatenstadt Midni Buky, die Kämpfe zwischen rivalisierenden Jugendgangs, Drogenexzesse und das Vordringen der westlichen Popkultur. Deresch greift also die Themen der anspruchsvollen »Popliteratur« auf, für die in Deutschland Autoren wie Rainald Goetz, Thomas Meinecke und Andreas Neumeister stehen. Allerdings kombiniert er diese Motive mit Elementen des phantastischen Romans.Viele Rezensenten sehen in ihm daher einen literarischen Erben von H.P. Lovecraft, Ambrose Bierce oder Edgar Allen Poe. Über Kult schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Immer spannender wird die Geschichte bis zum Showdown im Schulkeller, immer irrwitziger der Mix aus literarischen und popkulturellen Versatzstücken, immer atemberaubender die Kühnheit, mit der Deresch Bildungszitate mit Esoterik, Trash und Splatter-Elementen zu einem großen literarischen Synkretismus verschmilzt."

Durkot, Juri
Juri Durkot, 1965 geboren, studierte Germanistik in Lemberg und Wien. Seit 2007 übersetzt er gemeinsam mit Sabine Stöhr das Romanwerk von Serhij Zhadan.

Stöhr, Sabine
Sabine Stöhr, 1968 geboren, studierte Slawistik in Mainz und Simferopol. Seit 2004 übersetzt sie aus dem Ukrainischen, v.a. die Werke von Juri Andruchowytsch und, gemeinsam mit Juri Durkot, das Romanwerk von Serhij Zhadan. 2014 wurde sie mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung ausgezeichnet. Ebenfalls 2014 erhielt sie, gemeinsam mit Juri Durkot und dem Autor, den Brückepreis Berlin für Die Erfindung des Jazz im Donbass von Serhij Zhadan. 2018 wurde Sabine Stöhr und Juri Durkot der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen für ihre Übersetzung des Romans Internat von Serhij Zhadan.
Rezensionen
Besprechung von 01.10.2005
Mit siebzehn hat man noch Träume
Auf dem Horrortrip: Der ukrainische Literaturstar Ljubko Deresch macht die Schulbank zum Schlachtfeld des letzten Gefechts

Im Osten Europas gehen die Uhren anders. Die Rasanz der sozialen Veränderungen dort scheint auch den Verlauf literarischer Karrieren zu beeinflussen: In Polen wirbelte zunächst die 1982 geborene Dorota Maslowska, dann der noch einmal zwei Jahre jüngere Miroslaw Nahacz die Literaturszene durcheinander. Auch die jüngste deutsche Debütantin in diesem Herbst, Susanne Heinrich, gerade zwanzig, kommt nicht zufällig aus Ostdeuschland. Es ist der rasante Autoritätsverlust ihrer Eltern und Lehrer, der die in der Nachwendezeit aufgewachsenen Autoren so früh reifen und eigene Wege suchen ließ: Das Alte taugte nicht einmal mehr ernsthaft zur Reibungsfläche.

Der Ukrainer Ljubko Deresch ist noch so ein Wunderkind dieser "Generation Nichts", wie sie in Polen heißt. Der 1984 geborene Autor war siebzehn, als sein Roman "Kult" erschien. An ihm könnte man die These von einem mangels Gegner ausgefallenen Generationenkonflikt besonders gut veranschaulichen, spielt er doch an einem Ort, wo gemeinhin der Aufstand gegen die Väter geprobt wird: der Schule. Schauplatz der Handlung ist ein Internat, ein "College", in der Kleinstadt Midni Buky, zweieinhalb Stunden Zugfahrt von Lemberg entfernt, am Rande der Karpaten. Dort soll der Biologiestudent Jurko Banzai ein Lehramtspraktikum absolvieren. Doch ihm wird bald klar, daß er von diesem aus lauter Sonderlingen bestehenden Kollegium - ein verkrachter Dichter, eine manische Sammlerin von Kunstpostkarten, ein kiffender, der Esoterik verfallener Psychologe, ein erotomaner Direktor - kaum etwas zu lernen hat. Freilich auch nicht viel zu befürchten, denn die auf ihre "unkonventionellen Konventionen" stolze Anstalt nimmt auch wenig Anstoß an Jurkos einziger Leidenschaft: dem Züchten und Konsumieren bewußtseinserweiternder Pilze, die ihn schon mehrfach auf die Intensivstation gebracht haben. Als er sich in seine Schülerin Daria verliebt und bald gemeinsam mit ihr an der Wasserpfeife nuckelt, wird Banzai endgültig klar, daß er auf der anderen Seite steht.

Könnte man aus den Büchern auf den realen Drogenkonsum osteuropäischer Jugendlicher schließen, so müßten die Haschischwolken hinter den Karpaten noch bei uns zu riechen sein. Doch nur anfangs gibt sich der Roman als ein weiteres ernüchterndes Porträt einer orientierungslosen und von allen guten Geistern verlassenen Jugend, die sich fleißig ins Nirwana kifft und trinkt, psychedelische Musik hört und die siebziger Jahre wie einen schlechten Trip noch einmal durchlebt: ein nachgestelltes Hippietum abzüglich Optimismus. Außer zu einer satirischen Typologie jugendlicher Subkulturen - von den "Hopniks" bis zu den "Synthetikern" - nutzt Deresch die Form des Internatsromans vor allem zur Abrechnung mit dem Mythos einer autonomen ukrainischen Nationalkultur und erinnert in seinen besten Momenten an Witold Gombrowiczs "Ferdydurke".

Schon bald aber verdichten sich die Anzeichen, daß das College nicht nur Opfer des üblichen Schlendrians, sondern jenseitiger, dämonischer Kräfte ist: Schüler verschwinden; Botschaften in unverständlicher Sprache finden sich auf dem Schulklo; die Drogentrips vermischen sich mit grausigen Visionen, in deren Mittelpunkt stets der unheimliche Schulpförtner Korij steht. Daria und Banzai müssen feststellen, daß eine fremde Macht die Kontrolle über ihre Träume gewinnt, die immer schwerer von der Realität zu unterscheiden sind.

In dem Maße, wie die "Kult"-Handlung Fahrt aufnimmt, moduliert Deresch die Atmosphäre seines Romans zur gothic novel. Was bis dahin lediglich wie eine galizische "Burg Schreckenstein" mit Drogenfreigabe erschien, wird zum anspielungsreichen Horrorthriller, der sich offen vor Stephen King und dem Altmeister des Genres H. P. Lovecraft verbeugt. Das verschlafene Karpaten-College bildet das Einfallstor jener "Götter aus grauer Vorzeit", um die Lovecrafts "Cthulhu"-Erzählungen kreisen: Yog-Sothoth, der letzte übriggebliebene "Große Alte", hat den sadistischen Korij mit unbegrenzter Macht versehen, um seine Wiederkehr vorzubereiten und die Menschheit zu vernichten. Ausgerechnet der antriebsschwache Neohippie Banzai wurde von den guten Mächten auserwählt, um dem Bösen den Weg in die Welt zu versperren.

Immer spannender wird die Geschichte bis zum Showdown im Schulkeller, immer irrwitziger der Mix aus literarischen und popkulturellen Versatzstücken, immer atemraubender die Kühnheit, mit der Deresch Bildungszitate mit Esoterik, Trash und Splatter-Elementen zu einem großen literarischen Synkretismus verschmilzt. Das hat etwas Naiv-Ungestümes, ähnlich wie in den Werken von Tobias O. Meißner, dem begabtesten Mythenrecycler der jungen Deutschen, und geht mitunter über die Ekelgrenze, zeugt aber von einer großen, kaum kanalisierten Energie, die sich eben in jene narrativen Formen ergießt, die ihrem Lebensgefühl am nächsten liegen.

Übrigens hat sich ja Suhrkamp seinerzeit in der "Phantastischen Bibliothek" um Lovecrafts Werk verdient gemacht, und daher ist die Aufnahme Ljubko Dereschs in die arg renovierungsbedürftige Edition durchaus konsequent. Man muß nun nicht gleich wie die Verlagswerbung mit einem knallorangefarbenen Retro-Cover den Geist der jüngsten ukrainischen Revolution beschwören: Daß eine Welt verkrusteter Institutionen dem Untergang geweiht ist und destruktiven, "bösen" Kräften ein leichtes Spiel bietet, ist eine realistische Lesart des Romans, die keineswegs auf den Osten beschränkt wäre. Die diffuse, ungreifbare Angst, von der Dereschs "Kult" zeugt, ist längst hierzulande angekommen.

Ljubko Deresch: "Kult". Roman. Aus dem Ukrainischen übersetzt von Juri Durkot und Sabine Stöhr. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 262 S., br., 10,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 22.11.2005
Hier knallt es, und bunt ist es auch
In der Ukraine, behauptet der Romancier Ljubko Deresch, gebe es die westlichen Gegenkulturen der vergangenen Jahrzehnte ein zweites Mal: Im Schnelldurchlauf, ohne Politik, als Vorspiel zu einer Gruselgeschichte von kosmischen Ausmaßen
Von Ijoma Mangold
Viele Seiten dieses Buches sind sehr mühsam zu lesen. Andere sehr grell. Manche grell und mühsam zugleich - was zumindest keine selbstverständliche Kombination ist. Und doch zwingt man sich, dieses Buch zu Ende zu bringen, weil man den Verdacht nicht los wird, hier heiße Nachrichten aus dem wilden Osten zu erhalten.
„Alles auf der Welt, sogar die Materie, ist Energie”, heißt es einmal in dem Roman „Kult”, den der Ukrainer Ljubko Deresch geschrieben hat. Auch sein Buch ist vor allem dies: Energie. Nicht immer sinnvoll kanalisierte Energie, meist eher eine, die wahllos alles und nichts in Bewegung hält und für beständige mittlere Explosionen sorgt. Eine Energie, von der man weniger voran- als hochgerissen wird, und bei der man sich fragt, was man da eigentlich spürt: sich selbst, die anderen oder doch kosmische Strahlungen?
Wir würden uns eher die Zunge abbeißen, als dieses Buch „schräg” zu nennen, und doch läge man mit diesem Attribut nicht falsch. Das Buch folgt der Ästhetik und Dramaturgie eines Drogentripps. Weil Drogentripps in ihrer Abwegigkeit so erwartbar sind, ist dieses Buch zwar ziemlich grell, aber ohne deshalb radikal zu sein. Wenn man das Buch am Ende ganz überblickt, muss man zugeben, dass es doch nicht so schlecht, sondern durchaus begabt und irgendwie auch interessant ist.
„Kult” erzählt von dem Biologiestudenten Jurko Banzai, der in der fiktiven Stadt Midni Buky in der Nähe von Lemberg seine erste Stelle an einem College antritt. Dort ist er mit einem Kollegium konfrontiert, bei dessen Anblick man nur verzweifeln kann. Alle haben einen neurotischen Knall. Im besten Fall sind sie liebenswert, meist nervig und penetrant. Völlig verständlich, dass Jurko sich da lieber an seine Schüler hält.
Die sind eigenwillig - aber auf eine sehr konformistische Weise: Da gibt es auf der einen Seite die Hopniks, auf der anderen die Freaks. Beide sind sich überhaupt nicht grün. Die Hopniks tragen Springerstiefel und suchen die Auseinandersetzung mit dem „politischen Gegner”, die Freaks sind wiederauferstandene Hippies und haben lieber ihre Ruhe. Dann gibt es noch die Synthetiker. Es wäre nun völlig verkehrt, diesen Fraktionen so etwas wie ideologische Programme zuordnen zu wollen.
„Kult” spielt in der postsowjetischen Ukraine. Von den Synthetikern heißt es, dass sie nur synthetische Musik hören, „sich dem Kult des Inline-Skatens verschrieben haben und ausschließlich bei McDonald’s essen”. Sie glauben außerdem an einen allmächtigen Synthetiker, der sie alle „aus dem Nichts synthetisiert”. Wie synthetisiert aus sämtlichen Jugendkulturen, Esoterikritualen und avantgardistischen Kunstmanifesten eines halben Jahrhunderts wirken alle Personen, die in „Kult” auftreten. Bunt und trostlos-depressiv zugleich erscheinen sie. Als würde alles, was der Eiserne Vorhang über fünfzig Jahre vom Osten ferngehalten hat, nun in einer ideologisch völlig entkernten Art ein eklektizistisches Revival feiern.
Jurko Banzai interessiert sich für zwei Dinge: Für bewusstseinserweiternde Pilze und seine Schülerin Daria. Wie zart und unangestrengt Deresch diese Liebesgeschichte aufschreibt, gehört übrigens zum Besten des Romans. So könnte also der Schnee durch das öde Midni Buky wehen (dem im Winter regelmäßig der Strom abgestellt wird), während die Kids in ihrer Rockothek abtanzen und Jurko mit Daria an seiner Wasserpfeife saugt. Doch dann bricht das Grauen ein. Eine apokalyptische Beklemmung erfasst alle. Es herrscht eine unbestimmte Angst. Schüler verschwinden. Und übersinnliche Mächte ergreifen von den Sterblichen Besitz. Plötzlich hebt das Buch auf den Schwingen von H.P. Lovecraft ab zu einer wilden - und nun endlich auch spannenden - Fahrt durch die kosmische Gruselliteratur, wo es die Übernahme der Welt durch böse Kräfte abzuwehren gilt. Jurko und Daria schlagen sich wacker, müssen aber trotzdem sterben, bekommen dafür zum Schluss den Weg gewiesen nach Utopia, das nur dreißig Kilometer, aber in einer anderen Welt, entfernt ist. Das alles ist eigentlich viel zu abgedreht, um als Sinnstiftung gelesen werden zu können (worin eben sein Charme liegt). Und doch.
Sagen wir so: Käme das Buch nicht aus dem wilden Osten, sondern aus dem saturierten Westen, würden wir es für bemüht, gewollt und epigonal halten. So lesen wir es als authentischen Ausdruck der geistigen Situation der Ukraine nach dem Zerfall des Sowjetimperiums. Denn der Osten ist dabei, zur Projektionsfläche unserer eigenen, nicht ausgelebten Radikalismusphantasien zu werden. Viktor Pelewins „Generation P” lässt grüßen. Doch was macht uns so sicher, dass wir in diesem Buch die Signatur der Zeit und nicht die Idiosynkrasie eines Autors lesen? „Kult” kommt schließlich ganz ohne jeden Deutungsanspruch daher. Vielleicht dies: Dass „Kult” in der Ukraine tatsächlich ein Kultbuch wurde, als es 2001 erschien. Und dass sein Verfasser da erst 16 Jahre alt war. Ein Deresch aus der Ukraine aber ist eindeutig aufregender als ein Benjamin Lebert aus Deutschland.
Ljubko Deresch
Kult
Roman. Aus dem Ukrainischen von Jurs Durkot und Sabine Stöhr. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005. 260 Seiten, 10 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

16 Jahre alt war Ljubko Deresch, als er "Kult" schrieb, ein Buch, das Christoph Schröder "nicht unbedingt" für ein gutes hält, aber dessen Verfasser er "echtes literarisches Talent" bescheinigt. Vor allem die Liebesszenen in dem ansonsten eher schrillen Buch findet er gelungen. Schrill sei die Zusammensetzung des Soziotops, das Deresch beschreibt, ein Dorf und ein College in den abgelegenen Karpaten, wo sich Paranoiker, Esoteriker, Drogenkonsumenten, Erleuchtete tummeln, die jede Art von Kulten ausprobieren. Eine Mischung, schreibt Schröder, aus westlichem Trash und postkommunistischer Depressionsliteratur. Sei der Text im ersten Teil noch einigermaßen geordnet, so ufere die Geschichte im zweiten völlig aus, wandle auf halluzinatorischen Pfaden und ruft beim Rezensenten Erinnerungen an Geschichten von H.P. Lovecraft und Stephen King hoch. Das sei einerseits "gekonnt", meint Schröder, andererseits auch ziemlich "pubertär" und "ungeheuer anstrengend".

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