Die Tischgesellschaft
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Erscheint vorauss. November 2019
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Die Beiträge in diesem Band richten philosophische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das facettenreiche Phänomen des Essens. Damit wird für den deutschsprachigen Raum erstmals ein Buch präsentiert, das die menschliche Tischgesellschaft in ihren historischen, sozialen, politischen, ästhetischen, performativen, kulinarischen und ethischen Dimensionen erschließt. Während das vorherrschende Dispositiv die Ernährung auf die biologischen Funktionen der Nährstoffzufuhr reduziert, vermitteln die hier versammelten Aufsätze den kulturellen Überschuss unserer alltäglichsten Handlung.…mehr

Produktbeschreibung
Die Beiträge in diesem Band richten philosophische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das facettenreiche Phänomen des Essens. Damit wird für den deutschsprachigen Raum erstmals ein Buch präsentiert, das die menschliche Tischgesellschaft in ihren historischen, sozialen, politischen, ästhetischen, performativen, kulinarischen und ethischen Dimensionen erschließt. Während das vorherrschende Dispositiv die Ernährung auf die biologischen Funktionen der Nährstoffzufuhr reduziert, vermitteln die hier versammelten Aufsätze den kulturellen Überschuss unserer alltäglichsten Handlung.
  • Produktdetails
  • Edition Moderne Postmoderne
  • Verlag: Transcript
  • Seitenzahl: 244
  • Erscheinungstermin: Oktober 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 228mm x 149mm x 20mm
  • Gewicht: 390g
  • ISBN-13: 9783899426946
  • ISBN-10: 3899426940
  • Artikelnr.: 22810491
Autorenporträt
Iris Därmann (Dr. phil. habil.) lehrt Philosophie und Kulturwissenschaft an der Universität Lüneburg. Ihre derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind Theorien der Fremderfahrung und Politische Philosophie. Harald Lemke (apl. Prof. Dr.), geb. 1965, freischaffender Philosoph, ist Direktor des Internationalen Forums Gastrosophie und Autor zahlreicher Bücher zu Politik, Ethik, Ästhetik und Anthropologie. Er lehrt an der Universität Salzburg und der Slow Food Universität in Pollenzo und hatte Gastprofessuren an der Kyoto Universität sowie der East China Normal University Shanghai inne, er ist Fellow der Studienstiftung des Deutschen Volkes, der deutschen Bundesumweltstiftung und der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seine Forschungsschwerpunkte sind Ethik, Politik, Ästhetik, Alltagskultur sowie eine kritische Theorie des guten Lebens.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 24.06.2008

Mahl-Zeit
Einverleibte Atmosphäre: Das gute Leben und das Slow Food in Kyoto
15 Minuten verweilt der Mensch durchschnittlich in einem McDonald’s. Dann ist er satt. Das ist beklagenswert, aber behaupten wir ruhig, dass das Hamburgerverschlingen der menschlichen Natur mehr entspricht als eine zwölfgängige Mahlzeit in nobler Umgebung, die sich über drei Stunden hinzieht. Zweifellos ist ein solches Mahl genussvoll und gesund, mehr noch, es macht den Menschen so recht zum Menschen, es ist ein bedeutender kultureller Akt. Stellt sich nur die simple Frage: Unter welchen Bedingungen kann der Mensch überhaupt so langsam essen?
Tadashi Ogawa hat sich diese Frage gestellt. Ogawa lehrt Philosophie in Kyoto. Fast Food gibt es auch dort, aber McDonald’s musste sein grelles Rot durch ein dezentes Braun ersetzen: In der alten japanischen Kaiserstadt legt man Wert auf atmosphärische Stimmigkeit. „Essen und Atmosphäre” heißt der Essay von Ogawa – er erläutert diesen Zusammenhang an der klassischen Gastronomie seiner Stadt (in: Die Tischgesellschaft. Philosophische und kulturelle Annäherungen, hrsg. von Iris Därmann und Harald Lemke, Transcript Verlag, Bielefeld 2008).
Bildteller, Blumengestecke und Hängerollen mit Kalligraphien, deren Entzifferung Zeit braucht: In den Cha-kaiseki-Restaurants soll der Gast den Raum und seine Einrichtung betrachten. Eine etwas vorschnelle Beantwortung der Frage, wie der Mensch so langsam essen kann, könnte also lauten: Indem man alles tut, um ihn vom Essen abzulenken. Das ist insofern nicht falsch, als beim Slow Food das Ziel des Essens, die Nahrungsaufnahme, zugunsten des „Prozesses des Essens” in den Hintergrund tritt. Wenn ein Menü nicht selten aus zwölf Gängen besteht, so habe dieses den Sinn, beim Genuss zu „verweilen”. In einer Mahl-Zeit soll man letzten Endes die Zeit selbst genießen.
Nun ist aber doch nicht gleichgültig, was gegessen wird. Im Herbst bevölkern beispielsweise die Kiefernpilze die Karte: Die Kyoto-Küche achtet auf Saisonalität. „Ihre Kulinarik entspricht dem jahreszeitlichen Rhythmus.” Besonders freut sich Kyoto auf den Frühling; die Stadt liegt in einem Kessel, der den Winter kalt und trocken macht. Zum ersehnten Kirschblütenfest stecken dann natürlich Kirschblütensprösslinge in den Vasen. Das Essen wird so zum Teil einer Gesamtatmosphäre, die sich der Gast buchstäblich einverleiben soll. Im Begriff der Atmosphäre schwingt ja nicht nur Klimatisches mit, auch Landschaftliches. Die alten Küchenhäuser seien mit ihrer Umgebung wie verschmolzen, schreibt Ogawa. Das Saami-Restaurant etwa, das sich auf dem Berg des Maruyama-Parkes befindet, wäre „auf der Reeperbahn schwer vorstellbar”.
Vergleichbare Atmosphärenverpflanzungen gibt es hierzulande freilich schon. Viele verfehlen ihren Zweck. Zu fragen wäre also, welches die Bedingungen der Möglichkeiten für langsames Essen in unserer Kultur sind. Wer so fragt, fragt ethisch, er fragt nach dem „guten Leben”. Dennoch hat die Philosophie das Essen offenbar von alters her vernachlässigt. Das rächt sich nun: „In Platons metaphysischer Geringschätzung des Essens steckt gewissermaßen die Grundidee eines Fast-Food-Denkens”, klagt der Gastrosoph Harald Lemke im Vorwort zu dem Sammelband, welchem der hier vorgestellte Aufsatz entnommen ist. MICHAEL ANGELE
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