Griechische und Römische Mosaiken - Pappalardo, Umberto; Ciardiello, Rosaria

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In griechischer und römischer Zeit waren Mosaiken außerordentlich beliebt. Sie zierten unzählige Quadratmeter Bodenfläche, Wände oder Brunnenbecken. Besonders reiche und mächtige Persönlichkeiten statteten komplette Räume damit aus oder leisteten sich sogar mobile Mosaiken: Julius Cäsar ließ auf Feldzügen einen Mosaik-Fußboden für sein Zelt mitführen.
Von Kieseln bis Gold Die alten Griechen begannen im Hellenismus, wichtige Bauten mit den aus Steinen zusammengesetzten Gemälden zu schmücken: Die Böden repräsentativer Villen, herrschaftlicher Häuser oder öffentlicher Bauten wurden mit
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Produktbeschreibung
In griechischer und römischer Zeit waren Mosaiken außerordentlich beliebt. Sie zierten unzählige Quadratmeter Bodenfläche, Wände oder Brunnenbecken. Besonders reiche und mächtige Persönlichkeiten statteten komplette Räume damit aus oder leisteten sich sogar mobile Mosaiken: Julius Cäsar ließ auf Feldzügen einen Mosaik-Fußboden für sein Zelt mitführen.

Von Kieseln bis Gold
Die alten Griechen begannen im Hellenismus, wichtige Bauten mit den aus Steinen zusammengesetzten Gemälden zu schmücken: Die Böden repräsentativer Villen, herrschaftlicher Häuser oder öffentlicher Bauten wurden mit Mosaiken verziert. Zunächst entstanden Muster und einfache Bilder aus hellen und dunklen Kieseln. Nach und nach wurden eigens zurechtgeschnittene, bunte Steine oder Glaswürfel verwendet. Das faszinierende Lichtspiel im Glas wurde manchmal sogar durch eingeschlossene Goldplättchen verstärkt. Unter enormem Aufwand entstanden aus kleinsten Elementen prächtige Kunstwerke - das weltberühmte Alexandermosaik aus Pompeji zum Beispiel ist aus mehreren Millionen Steinen zusammengesetzt. Das detailreiche Mosaik zeigt eine Schlachtszene: Alexander der Große kämpft gegen den Perserkönig Dareios III.
Diesem Höhepunkt der Mosaik-Geschichte widmet der Bildband ein eigenes Kapitel mit spannenden Hintergründen und ausführlichen Erläuterungen zum Motiv. Das Alexandermosaik ist als doppelseitige Gesamtaufnahme abgebildet. Zusätzlich vermitteln großformatige Nahaufnahmen einen Eindruck der zahllosen, höchst filigranen Details.

Mosaiken: alltägliche und mythologische Bildwelten
Die Motive der Mosaiken griffen vielfältige Themen aus verschiedensten Lebensbereichen auf: Mythologische Szenen, Stillleben, Landschaften, Tierszenen, Porträts und vieles mehr - die Gemälde geben heute einen beeindruckenden Einblick in die Bildwelt der damaligen Gesellschaft. Oft richteten sich die Motive der Mosaiken nach dem Ort, den sie schmückten: In Tempeln gab es mythologische Szenen, am Hauseingang war ein Hund abgebildet, im Brautgemach ein erotisches Gemälde. Die Mosaikkunst wetteiferte mit der Malerei: Oft kopierten die Künstler - sogenannte Mosaizisten - berühmte Gemälde, die heute verloren sind. In den Mosaiken blieben einige erhalten - ein Glücksfall für die moderne Wissenschaft.

Höhepunkte der Mosaikkunst von Pergamon bis Pompeji
Der Band Griechische und römische Mosaiken bietet einen eindrucksvollen Überblick über die Mosaiken der Antike und deren thematische Bandbreite. In mehr als 300 hochwertigen Gesamt- und Detailaufnahmen spannt er einen Bogen von den frühen griechischen Mosaiken des Hellenismus bis zur Spätantike. Spannende Texte namhafter Autoren erläutern unter anderem die stilistische Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte und widmen sich den wichtigsten Arbeiten aus Pergamon, Delos, Pompeji und Herculaneum. Berühmte Mosaiken wie das Alexandermosaik oder das Nilmosaik aus Palestrina werden ausführlich erläutert. Die Betrachtung spätantiker Mosaiken aus dem 6. Jahrhundert nach Christus rundet den 320 Seiten starken Prachtband ab.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hirmer
  • 1. Aufl.
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: September 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 350mm x 283mm x 43mm
  • Gewicht: 3306g
  • ISBN-13: 9783777437910
  • ISBN-10: 3777437913
  • Artikelnr.: 33390689
Rezensionen
Besprechung von 06.10.2012
Man sollte zur Bewunderung der Kieselsteine zurückkehren

Die in der Antike hochgeschätzten Mosaike waren Kunstwerke ersten Rangs, weil Rom ihre Raffinesse auf die Spitze trieb. Aber auch die Gegenspieler des Imperiums waren alles andere als Barbaren.

Von Dieter Bartetzko

Trotz vieler Quellen wissen wir wenig über die Geschichte der Antike, denn selbst vermeintlich unbezweifelbare Fakten werden immer wieder durch Zufallsfunde der Archäologie irrelevant. So galt zum Beispiel bisher der 24. August 79 nach Christus als der Tag, an dem der Untergang Pompejis begann. Garant war der Augenzeugenbericht Plinius des Jüngeren, eines Neffen des gleichnamigen berühmten Naturforschers, Historikers und Flottenadmirals, der in zwei Briefen die Katastrophe, die er als Achtzehnjähriger vom Cap Miseno aus beobachtet hatte, und den Tod seines Onkels während der Katastrophe beschrieb.

Irgendeinem mittelalterlichen Chronisten, so hat sich nun herausgestellt, muss beim Kopieren der Briefe ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sein. Denn beim Ausgraben der sogenannten Villa des Fabius Rufus in Pompeji fand man im Geldbeutel eines verschütteten Opfers eine Goldmünze, die erst im September 79 nach Christus geprägt worden war. So trifft also doch die lange gehegte Vermutung (Indizien waren junger Wein und frisch geerntete Herbstfrüchte in den Vorratslagern der Stadt) zu, dass Pompeji Mitte Oktober im Ascheregen versank.

Doch was ist diese Datenkorrektur beispielsweise gegen die Tatsache, dass wir verzweifelt geringe Kenntnis über die legendäre Malkunst der Griechen und Römer haben? Erhalten sind nur einige Grabmalereien, einige hundert Fresken aus Rom und den Vesuvstädten, gemalte Mumienporträts aus Fayum - und die schwärmerischen antiken Berichte über die griechischen und römischen Malergenies.

Plinius der Ältere hat der Malerei in seinen Abhandlungen mehrere Kapitel gewidmet. Ihm verdankt die Nachwelt auch eine knappe Geschichte des Mosaiks, jener Gattung, die heute oft als Randerscheinung wahrgenommen wird, in der Antike aber hochgeschätzt war. In ihrem überwältigend reich bestückten Bildband zitieren Rosaria Ciardiello und Umberto Pappalardo häufig die Aussagen des Plinius, auch seinen Hinweis, dass neuerdings - das heißt in den ersten Jahrzehnten nach der Zeitenwende - immer häufiger Steinchen aus Glaspaste verwendet würden, weil sie den Mosaiken mehr Glanz und Tiefe gäben. Als Beispiel zeigen die beiden Autoren ein Nymphäum, eine herrlich mosaizierte künstliche Quellengrotte aus der erwähnten Villa des Fabius Rufus, deren Garten sie zierte.

Doch die Schilderung der Nymphäen behandelt schon ein weit fortgeschrittenes Stadium der Mosaikkunst: Das schönste Beispiel stammt aus der sogenannten Villa di San Marco in Stabiae und zeigt, seidig glänzend, einen bekränzten nackten Faustkämpfer, athletisch und schön wie ein junger Apoll oder Hermes, umringt von scheinbar dreidimensionalen Säulen, zwischen denen Stillleben mit Feigen, Pinienzapfen und farbsprühenden Hähnen zu sehen sind. Entwickelt hat sie sich - Ausgrabungen haben die Berichte des Plinius bestätigt - aus den schlichten Anfängen schwarzweißer, in Kieselsteinen ausgeführter Fußböden in Griechenland, für die man erste Beispiele aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus kennt.

Welche Meisterschaft die Künstler bald darauf in der Behandlung des spröden Materials entwickelten, bezeugen die um 330 entstandenen Kiesel-Mosaike aus den fürstlichen Palästen der makedonischen Stadt Pella. Nach heutigem Maßstab raffinierte Historienbilder, zeigen sie den jungen Alexander den Großen und seinen Gefährten Hephaistion bei der Hirschjagd, den Mythos vom Raub der Helena, den Triumph des Dionysos. Es ist atemberaubend anzuschauen, wie auf schwarzem Grund mittels weißer, hellbrauner und einiger rötliche Steine kunstvoll sich überschneidende, vor Lebendigkeit vibrierende Figurengruppen agieren, deren delikate und präzise Linienführung in nichts hinter den feinsten griechischen Vasenzeichnungen zurücksteht. Wenn schon diese Böden derart grandios sind, welche Meisterwerke müssen erst die großformatigen Tafelgemälde gewesen sein, von denen die antiken Autoren schreiben!

Ist Pella die Keimzelle der Mosaikkunst? Oder Alexandria, wie nicht wenige Archäologen vermuten? Die zur Metropole und Stadt der Weltwunder (Pyramiden, Leuchtturm) aufgestiegene Gründung Alexanders des Großen am Nildelta war und blieb vernarrt in kostbare und immer raffiniertere Mosaike. Das berichtet beispielsweise Athenaios, ein griechisch-römischer Dichter des zweiten Jahrhunderts. Pappalardo und Ciardiello bieten als Beispiel ein 200 vor Christus entstandenes Rundmosaik, das die Ptolemäer-Königin Berenike II. mit Purpurmantel und einem Kopfputz in Form eines Schiffs wiedergibt. Was lächerlich oder grotesk hätte aussehen können, wird durch die Kunst der Mosaizisten zum Faszinosum: Die Königin mit jadegrünem Lidschatten, bannendem Blick und wirbelnden Locken, die unter dem Schiffsbug über ihrer Stirn hervorquellen, gleicht wechselnd einer Medusa, einem Feldherrn und einer verführerischen Göttin; genau dies war die Absicht ihres Sohnes, der sie postum in den Olymp hatte versetzen lassen und ihr Porträt in Auftrag gab, das in diesem Mosaik widerscheint.

Die dritte Metropole mit Anspruch darauf, Ursprung und Zentrum der Mosaikkunst gewesen zu sein, ist Pergamon. Betrachtet man das in der Antike unzählige Male kopierte Stillleben, auf dem sich gurrende Tauben, die am Rand eines kostbaren goldglänzenden Bronzekessels kauern, im darin befindlichen Wasser (oder Wein?) spiegeln, so möchte man daran glauben, dass dieser kultivierten Residenzstadt der höchste Rang zukommt.

Oder war Sizilien, das Paradies griechischer Kunst, deren Glanz noch im römischen mosaizierten Traumpalast von Piazza Armerina nachleuchtet, das El Dorado der Mosaikkunst? Die Autoren lassen die Frage offen und bieten stattdessen einen Rundblick über die Stätten der besterhaltenen Mosaike. Dabei nimmt selbstverständlich die Villa des Kaisers Hadrian in Tivoli bei Rom breiten Raum ein. Dort bildete eine Kopie des Taubenbilds das "Emblema" (Mittelbild) eines Bodenmosaiks, das den ungefegten Fußboden eines Speisesaals vortäuscht. Hühnerknochen, Fischgräten, ausgeschlürfte Austernschalen, abgelutschte Feigenspalten - was uns anmutet wie die groteske Grille eines Exzentrikers oder Neureichen, genoss im Altertum Ruhm wie heute die Mona Lisa. Dem Mosaizisten Sosos zugeschrieben, galt der täuschend echte "Ungefegte Fußboden" als Beginn der Mosaikkunst überhaupt.

Jeder griechische Nobelmann, dann jeder reiche Römer erstrebte eine Sosos-Kopie nebst anderen, berühmte Vorbilder nachahmenden Mosaiken. Auch Pompejis Oberschicht. So wurde die Casa del Fauno, weiträumiger als der Palast von Pella, zur Schatztruhe der Archäologen: Mosaizierte Stillleben, erotische Szenen, tragische Masken und ein zauberischer, auf einem Tiger reitender Dionysosknabe wurden dort 1831 ausgegraben. Sie alle verblassten neben dem "Alexandermosaik", der Wiedergabe eines vermutlich pergamenischen Kolossalgemäldes der Entscheidungsschlacht zwischen Alexander dem Großen und dem Perserkönig Dareios. Fanatismus, Panik und Trauer, Todesangst, Schmerz und Siegestollwut spiegeln sich in Gesichtern von bestürzender Wahrhaftigkeit, Leiber stürzender Krieger und ausbrechender Pferde bilden Knäuel.

Goethe, der Pompeji Jahrzehnte zuvor besucht und fortan die Ausgrabungen gespannt aus der Ferne verfolgt hatte, erhielt kurz vor seinem Tod eine Zeichnung des Neufunds. Er war begeistert. Die Nachwelt, so notierte er am 10. März 1832, werde "nach aufklärender Untersuchung immer wieder zur einfachen Bewunderung zurückkehren". Grenzenlose Bewunderung für diese Kunst steht auch am Ende der Lektüre. Bleibt als einziger Schwachpunkt anzumerken, dass die herrlichen Mosaike aus Zeugma und Allianoi, den Städten, die die Türkei unlängst in Stauseen versinken ließ, nur am Rande erwähnt werden.

Noch ein Wort zur Alexanderschlacht: Jeder Archäologe betont, dass dort der "Erzfeind", die Perser, als edle ebenbürtige Kämpfer dargestellt sind. Diese Anerkennung wurde einer anderen Großmacht, die jahrhundertelang Widerpart des römischen Imperiums gewesen ist, nie zuteil: Die Parther sind in den Chroniken Roms kriegslüsterne Barbaren schlechthin. Dies vage, bis heute tradierte Bild und das Staunen hiesiger Bildungstouristen beispielsweise über die parthisch inspirierte Riesenkuppel des Palasts von Kthesipon im Irak ausgenommen, sind die Parther, ihr einstiges Reich und ihre Kultur für unsereins Terra incognita.

Umso fassungsloser liest man, dass das "urdeutsche" Liebesdrama Tristan und Isolde zurückgeht auf ein parthisches Vorbild, die Geschichte von "Vis und Rämin", und dass die Vorbilder unserer Ritter die gepanzerten Reiterkrieger der parthischen Heere gewesen sein sollen. Die Archäologin Sylvia Winkelmann und der Numismatiker Uwe Ellerbrock nennen dafür, wie auch für die Verbreitung des Zoroastrismus und die der Hose zwischen Europa und Kleinasien, die "neue synkretistische parthische Kultur" verantwortlich. Grundlage dieses gigantisch anmutenden Kulturtransfers war 247 vor Christus die Eroberung der seleukidischen Satrapie Parthyene am Kaspischen Meer. Mit ihr begannen Feldzüge, an deren Ende Iran, Mesopotamien, Syrien, Armenien, Turkmenien und Teile Kleinasiens zum Partherreich zusammengeschlossen waren. Man übernahm das Beste aller eroberten Kulturen - die iranische Felsreliefkunst, die hellenistischen Künste der Großplastik, der Stuckverarbeitung, des Goldschmiedens und Webens kostbarer Stoffe. Für die Herrscher wurde eine ausgeklügelte Ikonographie entwickelt, für ihre Darstellung und die der Götter mischte man Übernahmen griechischer Typologien mit Eigenerfindungen, und die parthischen Architekten legten mit kühnen Kuppel- und Nischenkonstruktionen die Fundamente der nachfolgenden islamischen Baukunst.

Nicht nur der Krieg, sondern vor allem auch der Handel mit Seide und Gewürzen machte das parthische Imperium reich. Thematisch und chronologisch übersichtlich aufgliedernd, liefern die beiden Autoren einen hervorragenden Überblick über dieses Großreich, das fünfhundert Jahre lang blühte. Am Ende wartet auf den europäischen beziehungsweise deutschen Leser eine weitere Überraschung von einiger Sprengkraft: Die Weisen aus dem Morgenland des Neuen Testaments, so erfährt man, dürften nach heutiger Kenntnis aus dem Partherreich gekommen sein.

Uwe Ellerbrock/Sylvia Winkelmann: "Die Parther". Eine vergessene Großmacht.

Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt 2012. 284 S., geb., 29,99 [Euro].

Umberto Pappalardo und Rosaria Ciardiello: "Griechische und römische Mosaiken". Hirmer Verlag, München 2012. 318 S., zahlr. Abb., geb., 118,- [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Nur eine kurze Notiz in Form einer Bildunterschrift hat Rezensent Gottfried Knapp zu diesem Band verfasst. Ausgehend von "drei Grazien" aus Pompeiji, die heute im Nationalmuseum von Neapel präsentiert werden, erklärt er, wie raffiniert antike Mosaiken-Künstler mit ihren zu diesen Zwecken kaum geeigneten Steinsplittern, räumliche Wirkungen, raffinierte Plastitzität von Körpern und Farbnuanen und Verläufe herstellten. Nicht satt sehen kann sich Kapp an diesen "materialuntypischen Virtuoseneffekten", die der Band in einem Gesamtpanorama antiken Mosaikschaffens bis hin zur byzantinischen Mosaikkunst ausbreitet.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Der überwältigend reich bestückte Bildband ist atemberaubend anzuschauen. Grenzenlose Bewunderung steht am Ende der Lektüre." Frankfurter Allgemeine Zeitung