The Blair Witch Project
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Diese heiße Hexe kann nach ihrem furiosen Gastspiel in Sundance auch hierzulande das Blut gefrieren lassen, wird doch diese Low-Budget- Pseudodokumentation über eine mysteriöse übernatürliche Kreatur ihrem, massiv auch über das Internet verbreiteten Ruf, als Studie in Terror in jeder Hinsicht gerecht. Auch ohne Prominenz kann sich dieses originelle Regiedebüt auf seinen Ruf und seine Gruselqualitäten verlassen.
Bereits ein halbes Jahr nach Sundance sind die Geschichte, aber auch die Realisierung dieses ganz auf die Schrecken der menschlichen Fantasie setzenden Horrorfilms ein Mythos. Die
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Produktbeschreibung
Diese heiße Hexe kann nach ihrem furiosen Gastspiel in Sundance auch hierzulande das Blut gefrieren lassen, wird doch diese Low-Budget- Pseudodokumentation über eine mysteriöse übernatürliche Kreatur ihrem, massiv auch über das Internet verbreiteten Ruf, als Studie in Terror in jeder Hinsicht gerecht. Auch ohne Prominenz kann sich dieses originelle Regiedebüt auf seinen Ruf und seine Gruselqualitäten verlassen.

Bereits ein halbes Jahr nach Sundance sind die Geschichte, aber auch die Realisierung dieses ganz auf die Schrecken der menschlichen Fantasie setzenden Horrorfilms ein Mythos. Die Regiedebütanten Daniel Myrick und Edward Sanchez, die auch als Autoren und Cutter verantwortlich zeichnen, schickten drei Jungschauspieler mit Satellitenreceiver und Drehbuchnotizen für acht Tage in die Wälder von Maryland, um von den Darstellern, die jede Nacht neue Anweisungen erhielten und die Kameras (Video 8 und 16mm) selbst führten, möglichst authentische Reaktionen einzufangen. Das mit den Handkameras Panik und Klaustrophobie unverfälscht nachzeichnende Ergebnis rechtfertigt das Experiment, läßt die Simulation eines Dokumentarfilms über die Hexe von Blair wie ein schockierendes Testament erscheinen. Denn eine einführende Schrifttafel informiert über das Verschwinden dreier Studenten 1994 in den Wäldern von Burkittsville, deren gefundene Videoaufzeichnungen dann die Basis des Films bilden. Trotz einiger Warnungen dringen Heather, Michael und Josh mit zwei Kameras in die Wildnis vor, um dem Mythos auf den Grund zu gehen. Schon in der zweiten Nacht im Zelt sorgen unerklärliche, aus der Tiefe des nächtlichen Schwarzes kommende Geräusche für Verstörung. Als sich das Trio am dritten Tag verirrt und auf ominöse Zeichen stößt, macht sich auch beim Zuschauer Panik breit. Unschärfen und verwackelte Bilder fördern die zunehmende, verstörende Desorientierung, die schließlich die drei Figuren an den Rand des Wahnsinns bringt. Anders als etwa in Sam Raimis "Tanz der Teufel" wird der Horror nie gegenständlich. Subjektive Kamera, Schreie und eine im uneinsehbaren Ambiente fast wahrzunehmende eisige Präsenz ersetzen traditionelle Schockmethoden. Ob die Hexe real ist, die Ereignisse von diabolischen Rednecks oder einem umgekippten Verstand ausgelöst werden, darf nach dem Abschlußbild diskutiert werden. Zuvor, wenn die großartige Heather Donahue in der letzten Nacht unter Tränen gesteht, daß sie so Angst habe, die Augen zu schließen, gibt es auch für den Zuschauer kein Entrinnen. kob.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Audiokommentar, Trailer, Dokumentation "Curse of the Blair Witch", "Newly Discovered Footage", DVD-ROM-Teil
  • Produktdetails
  • EAN: 4006680018379
  • Best.Nr.: 20116876
  • Artikeltyp: Film
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 07.05.2000
  • Hersteller: AVU
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:1, 33
  • Tonformat: Dolby Digital 5.1
  • Gesamtlaufzeit: 78 Min.
Rezensionen
Besprechung von 11.08.1999
Wir spielen Authentizität
Jugend forscht in der dunklen Vorgeschichte der Provinz: "The Blair Witch Project"

Es ist die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolgs: Ein Film, dem man bestenfalls einen Ehrenplatz unter den Off-Produktionen der Gattung Horror zugetraut hätte, wurde in den letzten Wochen zum Kassenschlager Nummer zwei des amerikanischen Kinos. "The Blair Witch Project" von Daniel Myrick und Eduardo Sanchez hat an einem Wochenende knapp dreißig Millionen Dollar eingespielt. Ein Märchen aus Maryland: Drei junge Leute gehen auf einem alten Trampelpfad in den Wald, sie verlaufen sich, es wird dunkel, und der Schrecken ergreift Besitz von ihnen, ohne Übereilung, und die Sache geht, anders als im Märchen, böse aus. So einfach ist die Geschichte. Ungewöhnlich aber ist die Machart des Films. Er will als Dokumentation erscheinen: Es handle sich, heißt es, um Aufnahmen der Studenten Heather Donahue, Michael Williams und Joshua Leonard bei ihrer Wanderung, die am 21. Oktober 1994 begann. Sie kehren nicht zurück.

Deshalb die wackelnde Kamera, die verschwommenen Einstellungen, das bemüht Authentische der Interviews mit Leuten aus der Gegend. Auch das Dunkel ist keine mondbeglänzte oder "amerikanische" Nacht, sondern minutenlang bleibt die Leinwand grauschwarz. Heather, Joshua und Michael tragen im Film ihre wirklichen Namen. Dem Zuschauer bleibt nichts übrig: Er muss sich mit ihrem Blick begnügen und wird in ihr Erschrecken vor den dumpfen, entfernten Stimmen hineingezogen.

Der Film kommt mit einem Minimum an Requisiten aus: Der Wald spielt sich selbst, zu rätselhaften Zeichen verwickelte Äste und wie Land-Art aufgehäufte Steine lassen an einen grausigen Natur-Altar denken. Später folgt ein wenig Schleim, den Josh eines Morgens auf seinem Rucksack entdeckt: gezeichnet als erstes Opfer.

Eine ländliche Gemeinde, so wird erzählt, hat eine bis ins achtzehnte Jahrhundert zurückreichende Vorgeschichte von Verschwundenen und Gefolterten, der die drei Studenten des Montgomery College mit ihrer kleinen Expedition auf den Grund gehen wollen. Von einem alten Buch ist die Rede, "The Blair Witch Cult", Anfang des neunzehnten Jahrhunderts verfasst - die Bibliothek meldet es inzwischen als verschwunden -, in dem von dem Fluch berichtet wird, der auf dem Dorf liegt. Wenn der Kommunitarismus die Theorie ist, in der sich die amerikanische Provinz ein idealisiertes Selbstbild entworfen hat, so wird hier das Negativ dazu gezeichnet. Keine Gemeinde ohne üble Momente einer nicht vergehenden Vergangenheit.

Aber dies alles, der Dilettantismus, die fingierte Kunstlosigkeit, ist nur die eine Seite des Erfolgs. "The Blair Witch Project" ist zu einem Medienereignis geworden, das seinesgleichen sucht. Im Internet werden Dutzende von Web-Seiten angeboten, auf denen der Liebhaber alles zur "Mythologie" des Films finden kann, dazu Fanseiten, Poster und den Soundtrack. Eine Gesamtvermarktung der raffiniertesten Sorte begleitet dieses Underground-Produkt. Aus dem Kinopublikum wird das Alterssegment der Achtzehn- bis Neunundzwanzigjährigen anvisiert, das sich mit den neuen, unverbrauchten Gesichtern von Heather und ihren Freunden identifizieren kann. Der perfekt simulierte künstlerische Dilettantismus besitzt den Reiz des Anfangs, der sich mit einer neuen Generation verbindet. Wie "Robinson Crusoe" das ideale Kinderbuch ist, weil Robinson nichts anderes tut als die Kinder selbst, indem er jeden Tag aufs Neue entdeckt und lernt, so ist für eine Altersgruppe der jungen Erwachsenen der unvollkommene, aber vielversprechende professionelle Anfang charakteristisch. Dass es eine Zukunft gibt, ist der unausgesprochene, immer wieder neue Reiz der Low-Budget-Produktionen.

Nicht zu unterschätzen bleibt der Film als psychologische Studie vor allem dank seiner Hauptdarstellerin. Heather ist die Alpha-Wölfin, die das Ziel vorgibt. Langsam aber entgleitet ihr die Kontrolle, die Nervosität setzt ein. Die Karte, nach der sie immer unsicherer den Weg diktierte, ist eines Morgens verschwunden - Michael hat sie enttäuscht in den kleinen Bergbach geworfen. Nach dem erhitzten, gewalttätigen Streit schlägt die Stimmung in hysterisches Lachen um, das in ausweglose Verzweiflung mündet. Ein langer, aggressiver Blick fällt auf Heathers Gesicht, die leer zur Seite starrt. Der Schrecken zersetzt die Gruppe. Ein letzter Ausbruchsversuch führt an dieselbe Stelle, von der sie aufgebrochen war. Das Ende kommt unerwartet: In einem verfallenen Haus, das sie bei Nacht erkunden, stürzt Heather. Die Kamera liegt surrend am Boden, die leere Wand im Visier. Niemals zeigt das Böse sein Gesicht: die Erfolgsformel dieses Films. Er ist eine Hommage an die neue Generation, die beim Gang in das Archiv des Waldes und der Zeichen im Holz vom namenlosen Horror gepackt wird.

LORENZ JÄGER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Mit ihrem für lächerliche 40.000 Dollar realisierten Erstling gelang den Nachwuchs-Filmemachern Daniel Myrick und Eduardo Sanchez der Coup des letzte Jahres. Gute Mundpropaganda, die Zauberkraft des Internet und eine kluge, hervorragend umgesetzte Grundidee stehen hinter dem gigantischen Erfolg dieses Werks. Das Ergebnis ist ein Horrorfilm, der vorgibt, live aufgezeichnet worden zu sein, höchst authentische Videokamera-Aufnahmen, die mehr verbergen als zeigen, und ein Angsterlebnis, das fast ausschließlich im Kopf des Zuschauers stattfindet. Dieser "Hexen-Trip" hat die Top Five fest im Visier.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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