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In welchem Dilemma steckte die Beauty-Redakteurin Alexandra Kaspari am Abend vor ihrem Tod? War sie in Intrigen verwickelt, in Korruption, gab es ein persönliches Motiv? Starfrisör Tomas Prinz fühlt sich persönlich herausgefordert, denn abgesehen vom Mörder war er der Letzte, mit dem Alexandra plauderte.…mehr

Produktbeschreibung
In welchem Dilemma steckte die Beauty-Redakteurin Alexandra Kaspari am Abend vor ihrem Tod? War sie in Intrigen verwickelt, in Korruption, gab es ein persönliches Motiv? Starfrisör Tomas Prinz fühlt sich persönlich herausgefordert, denn abgesehen vom Mörder war er der Letzte, mit dem Alexandra plauderte.
  • Produktdetails
  • detebe Diogenes Taschenbücher Nr.23509
  • Verlag: Diogenes
  • 7. Aufl.
  • Seitenzahl: 256
  • Erscheinungstermin: März 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 113mm x 16mm
  • Gewicht: 217g
  • ISBN-13: 9783257235098
  • ISBN-10: 3257235097
  • Artikelnr.: 14417405
Autorenporträt
Christian Schünemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und schreibt auch als Storyliner und Drehbuchautor. 'Die Studentin' reiht sich ein in die Krimiserie um Starfrisör Tomas Prinz. Es erschienen bislang außerdem 'Der Frisör', 'Der Bruder' und 'Daily Soap'. Christian Schünemann lebt in Berlin.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.09.2004

Färben, Schneiden, Kräutertee
Christian Schünemanns eleganter Krimi „Der Frisör”
„. . .erst mal locker durchstufen. . .”
Man soll das Stoffliche in der Literatur nicht unterschätzen. Jeder gute Krimi erzählt dem Leser etwas über einen bestimmten, scharf umrissenen Ausschnitt der Welt: Eine Branche, ein Milieu, einen Ort, dem entweder der Täter oder sein Opfer oder der Ermittler angehören (oder natürlich alle drei). Je genauer und stimmiger der Autor die Realien vor dem Leser ausbreitet, desto plausibler, zwingender, ja organischer wird sowohl die Tat als auch ihre Aufklärung. Aber nicht nur, um das ,Whodunit‘ überzeugend zu konstruieren, ist Milieugenauigkeit ein hoher Wert: Wenn der Autor die empirische Seite seines Plots beherrscht, kann schon dies für den Leser ein Vergnügen ganz eigenen Rechts sein: Wie ein kurzer Schnupperkurs in die Gesetzmäßigkeiten, Rhythmen und Schönheiten anderer Lebenswelten und Daseinsweisen.
„. . .ich achtete darauf, die Spitzen auf verschiedene Längen zu zerschneiden, der Fall ist dann schöner. . .”
Es ist im Leben ja so, dass der Mensch sich quasi für alles interessieren kann, so er sich nur näher damit beschäftigt und tiefer in die Materie eindringt. Es kann dann im Kleinsten das Größte aufscheinen. Christian Schünemann, Jahrgang 1968, hat sich für sein Debüt die Welt des Haareschneidens ausgewählt. Sein wunderbarer Krimi „Der Frisör” erzählt von Haarbeschaffenheit, Schneidetechniken und Kopfmassagen so anschaulich und zugleich im Tonfall so unaufdringlich, dass man meint, während man eigentlich über den Mörder nachsinnt, sich eine neue Dimension der Sinnlichkeit erschlossen zu haben. Haare - da steckt ja wirklich Musik drin.
„. . .ich kämmte jetzt weit über den Scheitel rüber, um die Länge im Deckhaar zu behalten. . .”
Dass Tomas Prinz, Schünemanns Protagonist, der zum Amateurdetektiv wird, Frisör ist, hat auch erzählökonomisch einen großen Vorteil. Denn jeder Roman, aber ganz besonders Krimis müssen ja ständig beschreiben, wie Menschen aussehen, was für Klamotten sie tragen, ob sie gut rasiert sind oder unangenehm riechen. Oft geraten solche Beschreibungsabschnitte zu unbeholfenen, freudlosen Pflichtübungen. Wie anders, wenn der Ich-Erzähler ein Frisör ist: Es ist sein Naturell und seine Profession, Menschen unter dem Aspekt feinster Äußerlichkeiten zu scannen. Und auch dass jedem Outfit, jedem neuen Look ein seelischer Zustand und ein psychologischer Effekt korrespondieren, ist einem Frisör völlig selbstverständlich. Wenn Tomas Prinz in seine Kartei schaut, in der alle Frisur-Tatbestände seiner Kunden genauestens festgehalten sind, findet er ein Meer von möglichen Hinweisen auf Motivlagen und Verhaltensauffälligkeiten.
„. . .ihre Haare fühlten sich gesund an, nur ein wenig trocken. Sie benutzte zu viel Gel und Haarfestiger. . .”
Und noch einen Vorteil bringt dieses Sujet mit sich: Für die Branche ist eine spezielle Balance zwischen Nähe und Distanz, Intimität und Diskretion charakteristisch. Der Frisör ist immer sehr nah an seinen Kunden. Wenn Tomas der Schauspielerin Franziska Körting hinter die Ohren fasst, spürt er dort zwei feine Narben, die von einem Lifting zeugen. Aber er bleibt ein Außenstehender. Seit dem „Barbier von Sevilla” laufen alle Informationen beim Frisör, diesem Walzwerk für Tratsch und Klatsch, zusammen, ohne dass er selber notwendig in die Geschichten, um die er weiß, involviert wäre. Ideale Ermittlungsvoraussetzungen.
„. . .ich beschloss, einen pflegenden Farbconditioner aufzutragen, um eine Natürlichkeit zu kreieren, die das Haar in Wirklichkeit nicht besitzt. . .”
Tomas Prinz ist ein sogenannter Starfrisör (an reale Vorbilder darf gedacht werden, bringt aber nicht viel). Seine berühmtesten Frisuren der letzten fünfzehn Jahre hat er schon einmal auf einer Ausstellung in London vorgeführt. Seinen Salon hat er im Münchner Glockenbach Viertel. Viele seiner Kundinnen sind Redakteurinnen von Frauen- und Beautymagazinen. Da wäscht dann oft eine Hand die andere, denn während er den Journalistinnen die Haare stylt und sie kostenlos mit Proben seiner Kosmetiklinie versorgt, preisen diese wiederum Tomas’ Produkte in ihren Gazetten.
„. . .ich kämmte vom Mittelscheitel hoch und begann, von hinten zu begradigen. . .”
Auch Alexandra ist Beauty-Journalistin. Nachdem sie sich von Tomas weißblond färben ließ, kehrt sie in die Redaktion von Vamp zurück und wird dort mit einem spitzen Gegenstand ermordet. Der schwule Frisör und die oberflächliche Modezeitschriften-Zicke in einem stylishen Dunst aus Glamour und Depression - was für eine Einladung zur Klischeeproduktion könnte das sein. Aber Christian Schünemann ist mit seiner eleganten, unprätentiös-perlenden Sprache und seiner großen Begabung der Figurenzeichnung vollständig gegen diese Versuchung gefeit. Schünemann hat wie nur je ein Frisör Geschmack.
„. . .ich mag keine Haarschnitte, die genial sein wollen, dabei aber nur ungenau sind. . .”
Wie Schünemann München zur literarischen Kulisse macht und wie er die soziologischen Milieus beschreibt, das ist sehr geschickt. Aber vor allem erzeugt er eine Stimmung, an der man sofort durch den Besuch eines Friseursalons partizipieren möchte: „Ich war glücklich, ich war ein sehr glücklicher Frisör.”
IJOMA MANGOLD
CHRISTIAN SCHÜNEMANN: Der Frisör. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2004. 253 Seiten, 18,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Ijoma Mangold fühlt sich nach der Lektüre des "wunderbaren" Krimis "Der Frisör" sehr zum "Besuch" eines solchen angeregt. So hat er in der Anschaulichkeit, mit der Autor Christian Schünemann hier über "Haarbeschaffenheit, Schneidetechniken und Kopfmassagen" schreibt, einen "neue Dimension der Sinnlichkeit" entdeckt. Doch auch "erzählökonomisch" ist die Wahl eines Frisörs als Protagonisten laut Mangold von "großem Vorteil". Da nämlich ein Krimi das Äußere der Figuren "ständig beschreiben" müsse, sei der Blick auf "Frisuren-Tatbestände" sehr erhellend. Zur Handlung: Starfrisör Tomas Prinz betreibt einen Salon in München, eine seiner Kundinnen, die Beauty-Journalistin Alexandra, wird ermordet, Prinz stellt auf eigene Faust Ermittlungen in der High-Society an. Für Rezensent Mangolds Geschmack hätte dieser Plot eine glatte "Einladung zur Klischeeproduktion" werden können - um so mehr lobt er, dass Schünemann dies "geschickt" umgangen hat. Stattdessen glänze er nämlich durch "unprätentiös-perlende Sprache" und seine "große Begabung zur Figurenzeichnung". "Haare", so jauchzt Mangold auf, "da steckt wirklich Musik drin".

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