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Alex trägt lieber Schwarz als Lila, ihr Vater schweigt die meiste Zeit, und ein Papagei soll ihre Mutter ersetzen. Das Beste von allem ist ihre Freundschaft mit Paul und Ratte; mit ihnen kann man auf die Zukunft und das Leben warten. Doch dann taucht plötzlich Johnny Spitzing auf, der junge Referendar. Und auf der Klassenfahrt nach Polen küsst Alex von lauter Gefühlen überrannt Paul - am unpassendsten Ort der Welt, in Auschwitz. Jemand fotografiert sie, das Bild geistert durchs Netz, und dann reden alle über Alex und die Jugend von heute, der Papagei entfliegt, und Alex erkennt: Jetzt ist das Leben da, und zwar mit voller Wucht.…mehr

Produktbeschreibung
Alex trägt lieber Schwarz als Lila, ihr Vater schweigt die meiste Zeit, und ein Papagei soll ihre Mutter ersetzen. Das Beste von allem ist ihre Freundschaft mit Paul und Ratte; mit ihnen kann man auf die Zukunft und das Leben warten. Doch dann taucht plötzlich Johnny Spitzing auf, der junge Referendar. Und auf der Klassenfahrt nach Polen küsst Alex von lauter Gefühlen überrannt Paul - am unpassendsten Ort der Welt, in Auschwitz. Jemand fotografiert sie, das Bild geistert durchs Netz, und dann reden alle über Alex und die Jugend von heute, der Papagei entfliegt, und Alex erkennt: Jetzt ist das Leben da, und zwar mit voller Wucht.
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher .21834
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Seitenzahl: 250
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: 19. September 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 123mm x 25mm
  • Gewicht: 282g
  • ISBN-13: 9783499218347
  • ISBN-10: 3499218348
  • Artikelnr.: 52473479
Autorenporträt
Gorelik, Lena
Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Mit ihrem Debütroman «Meine weißen Nächte» (2004) wurde sie als Entdeckung gefeiert, mit «Hochzeit in Jerusalem» (2007) war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Ihr Roman «Die Listensammlerin» (2013) wurde mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet. 2015 erschien «Null bis unendlich», die «Welt am Sonntag» schrieb: «Ein starkes, ein emotionales Buch, das durch seine reduzierte Sprache große Gefühle offenlegt.»
Rezensionen
Lena Gorelik ist brillant. Süddeutsche Zeitung

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.03.2017

Spiel mit
Risiko
Lena Gorelik erzählt in ihrem
Roman „Mehr Schwarz als Lila“
von Grenzüberschreitungen
VON ANTJE WEBER
Ohne Spiele halten sie es einfach nicht aus. Die Langeweile wäre sonst unerträglich, in der Schule, im Leben überhaupt. Alex, Ratte und Paul haben deshalb Spiele erfunden wie „Du wirst dich doch trauen“ oder „Stell dir mal vor“: Stell dir mal vor, du musst morgen nackt in den Unterricht. Stell dir vor, du musst mit jemandem aus der Klasse vögeln – wen nimmst du? Sie spielen das immer wieder, sie sind süchtig danach. „Da war etwas in uns, es war wie an eine Klippe zu gehen, ganz nah an den Abgrund, aber nicht zu springen.“ Mit dem Wissen, „man könnte auch jederzeit schubsen“.
Alex hat irgendwann geschubst. Sie hat ihre Freunde verraten, Grenzen überschritten, sich vor aller Welt zum Gespött gemacht. In der Rückschau erzählt die 17-jährige Ich-Erzählerin in Lena Goreliks Coming-of-Age-Roman „Mehr Schwarz als Lila“, wie es so weit kommen konnte. Dass die Spiele entgleist und die Freundschaften vereist sind. Dass Alex bei einer Klassenfahrt nach Auschwitz ihre allerbeste Freundin Ratte gekränkt hat, unentschuldbar. Und am nächsten Tag mitten im ehemaligen Konzentrationslager ihren allerbesten Freund Paul abgeknutscht hat, unentschuldbar besonders dies. Es gibt davon ein Foto: ein Mädchen, ein Junge, dahinter der Galgen. Zehntausende haben das Foto gesehen, in Zeitungen, bei Facebook und Twitter, empörend.
Wie es zu diesem Tabubruch kam, erzählt Gorelik im für sie typischen Stil: kurze, lakonische Sätze, die sich mit leichter Variation wiederholen, eine langsam kreisende Vorwärtsbewegung. Das passt in diesem Fall gut zu den ebenso kreisenden, sich nur langsam klärenden Gedanken der verstörten Protagonistin. Mit ihr zusammen verstehen auch die Leser allmählich, unter welchem Druck sich die Dinge entwickelt haben. Grundsätzlich ist natürlich die Pubertät mit ihren überbordenden Gefühlen schuld; eine unangenehme Phase des Lebens, in der Eifersucht und Wut besonders hochschießen können und erste Liebe völlig überfordern kann. Verstärkt wird das bei Alex von einer schwierigen Familiensituation: Ihre Mutter starb, als sie ein Kind war, jetzt warten zu Hause nur ein rührend bemühter Papa und der Vogel Astrid. Vielleicht liebt das hochintelligente Mädchen wegen dieser großen Leerstelle das Stilmittel der Ellipse so sehr. Und ganz sicher liebt es deshalb ausschließlich die Farbe Schwarz.
Außerdem liebt Alex ihren Lehrer, und das ist dann doch ein eher außergewöhnliches Problem. Vor allem ist dieser Referendar selbst das wohl größte Problem: Er ist jung und unkonventionell, er macht einen demokratischeren Unterricht als alle anderen, verwischt die Unterschiede zu den Schülern, überschreitet also selbst demonstrativ Grenzen. Darf sich ein Lehrer mit seinen Schülern gemein machen, darf er sich gar mit einem besonders ungewöhnlichen Trio anfreunden, nämlich mit Ratte, Paul und Alex? Das ist nur eine von vielen Fragen, die dieser thematisch provozierende und psychologisch fein gesponnene Roman aufwirft. Ein paar andere wären, ähnlich wie in Juli Zehs „Spieltrieb“: Wie funktioniert Schule, wie Gruppendynamik? Was kann der Rausch der Macht mit einem Menschen machen? Hat wirklich jede Grenzüberschreitung Grenzen, wie der Lehrer behauptet? Eine seiner Erkenntnisse immerhin ist nicht falsch: „Jedes Spiel hat ein Ende.“ (ab 14 Jahre)
Lena Gorelik: Mehr Schwarz als Lila. Rowohlt Verlag, Berlin 2017. 251 Seiten, 19,95 Euro.
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