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Ein Mann lässt alles hinter sich: seine Stadt, sein Land, sein bisheriges Leben. Mit nicht viel mehr als einer Hängematte und ein paar Schreibheften im Gepäck steigt er in einen Zug Richtung Süden: Andalusien. Der Name zieht ihn an.
Der Zufall bringt ihn nach Cabo de Gata, ein Fischerdorf an der Mittelmeerküste. Die Landschaft ist öde; ein kalter Wind weht. Kein Ort zum Bleiben. Und doch bleibt er, als einziger Gast in der Pension der alten Wirtin, die ihm unerklärlich feindselig erscheint, so abweisend wie alles hier.
Es ist, als hätten sie etwas zu verbergen: die Frau mit dem
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Produktbeschreibung
Ein Mann lässt alles hinter sich: seine Stadt, sein Land, sein bisheriges Leben. Mit nicht viel mehr als einer Hängematte und ein paar Schreibheften im Gepäck steigt er in einen Zug Richtung Süden: Andalusien. Der Name zieht ihn an.
Der Zufall bringt ihn nach Cabo de Gata, ein Fischerdorf an der Mittelmeerküste. Die Landschaft ist öde; ein kalter Wind weht. Kein Ort zum Bleiben. Und doch bleibt er, als einziger Gast in der Pension der alten Wirtin, die ihm unerklärlich feindselig erscheint, so abweisend wie alles hier.
Es ist, als hätten sie etwas zu verbergen: die Frau mit dem Gipsbein, der Fischer, der ständig sein Boot repariert, die beiden alten Männer im Pyjama, die sich jeden Morgen auf der Promenade anschreien. Das einzige Wesen, zu dem der Reisende schließlich Kontakt findet, ist - eine Katze. Und plötzlich glaubt er zu begreifen, dass sie ihm etwas sagen will.
Eugen Ruge erzählt vom Scheitern einer Sehnsucht und von dem Glück, sich dem Unbekannten zu überlassen; er erzählt von Flucht, aber auch vom Ankommen. Cabo de Gata ist ein Glanzstück novellistischer Prosa. Im Wechselspiel von Erfindung und Erfahrung liegt seine Wahrhaftigkeit - und auch seine Kunst. Manche Geschichten muss man erfinden, um zu erzählen, wie es war.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 07.06.2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783644029712
  • Artikelnr.: 38513900
Autorenporträt
Ruge, EugenEugen Ruge wurde 1954 in Soswa (Ural) geboren. Der diplomierte Mathematiker begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Theaterstücken und Hörspielen. Für "In Zeiten des abnehmenden Lichts" wurde er unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Bände "Theaterstücke" und "Annäherung" sowie die Romane "Cabo de Gata" und "Follower".
Rezensionen
"Eugen Ruge ist ein Erzähler von einer Virtuosität, von einer sprachlichen Finesse, von einer erzähltechnischen Genauigkeit wie man sie nicht alle Tage antrifft ... Meisterlich." -- Andreas Isenschmid, 3SAT-KULTURZEIT

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Kristina Maidt-Zinke hält Eugen Ruges zweites Buch, das sie lieber als Novelle denn als Roman bezeichnet, für gelungen. Die autobiografisch gefärbte Geschichte eines krisengebeutelten Schriftstellers auf dem Selbstfindungstrip findet sie authentisch, die im Buch geschilderte enttäuschende Spanienreise, vermutet sie, hat der Autor wohl selber erlebt, ebenso die traurige Begebenheit mit der Katze. Obgleich die Rezensentin den Text nicht als humoristisch bezeichnen würde, spürt sie den Versuch Ruges, die eigentlich bedrückende Geschichte mit einer gewissen Leichtigkeit auszustatten und der Lakonie des Tons Ironie hinzuzufügen. Ein geglückter Kunstgriff, konstatiert Maidt-Zinke erleichtert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 08.06.2013

Die andalusische Katze

Erinnern und erfinden: Seinem epischen Abgesang auf die DDR lässt Eugen Ruge eine Novelle folgen - "Cabo de Gata" erzählt von einem Schriftsteller in der Krise

Luis Buñuel ist schuld, dass der Mann bis in die späten neunziger Jahre nicht wusste, dass Andalusien wirklich existiert. Einige Jahre zuvor hatte er in Ostberlin, noch zu DDR-Zeiten, "Ein andalusischer Hund" gesehen. An den Inhalt konnte er sich kaum erinnern, zumal die Umstände der Aufführung in einem halb legalen, eiskalten Kino mit einer Kopie, die dauernd riss, kaum weniger surrealistisch anmuteten als der Film selbst. Was den Erzähler aber beeindruckte, war der Titel, der sich ihm vielleicht gerade deshalb einprägte, weil er ihn nicht ganz verstand: "Ich brachte das Wort andalusisch in keiner Weise mit Geographie in Verbindung, sondern hielt es für eine Art Phantasie-Adjektiv, dessen Bedeutung ich in der Nähe von ,wunderbar' oder ,zauberhaft' wähnte."

So erinnert sich der Held in Eugen Ruges neuem Roman, oder zumindest meint er, sich so zu erinnern, denn er weiß natürlich, dass das Gedächtnis alle Vergegenwärtigung immer wieder neu erfindet. Von dieser Spannung zwischen Erinnern und Erfinden, dem Wechselspiel literarischer Konstruktion und dem Vortäuschen vermeintlicher Authentizität handelt diese gleichnishafte Erzählung.

Andalusien, das klang nicht nur fremd wie die Namen all der Orte, die unerreichbar hinter dem Eisernen Vorhang lagen, es musste vielmehr "ein Märchenort" sein. Und dann entdeckt unser Erzähler eines Tages per Zufall in einem Reiseführer, dass es die Landschaft wirklich gibt. Da er sich ohnehin gerade in Barcelona aufhält, ohne zu wissen, was er in dieser Stadt mit ihrem "steingewordenen Wahn" will, steigt er in den Nachtbus nach Andalusien, Richtung Cabo de Gata, das vom Reiseführer als romantisches Fischerdorf gerühmt wird.

Der Erzähler, der uns die Geschichte der folgenden vier Monate aus dem Abstand von fünfzehn Jahren erzählt, ohne auf Hilfsmittel wie Internet oder Literatur zurückgreifen zu wollen (weshalb Sätze oft mit "Ich erinnere mich, dass. . ." beginnen), ist zu diesem Zeitpunkt längst kein Mathematiker mehr, sondern Autor, leider erfolglos, und auch die DDR gibt es nicht mehr, und Cabo de Gata entpuppt sich, wen wundert's, als äußerst unbehaglich.

Geschichten erzählen heißt Erfahrungen weitergeben, hat Eugen Ruge einmal gesagt. Seinem neuen Roman, der, benannt nach besagtem "Cabo de Gata", dieser Tage erscheint, stellt er eine Widmung voran, die ganz ähnlich klingt: "Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war." Das Verfahren hat Eugen Ruge bereits in seinem gefeierten Debüt "In Zeiten des abnehmenden Lichts" angewandt, das der Mathematiker und spätere Dramatiker mit Mitte fünfzig vorlegte, wofür er 2011 den Deutschen Buchpreis bekam. Darin erzählt er die Geschichte seiner Familie zwischen der DDR, dem Ural und Mexiko, zwischen Anpassung und Widerspruch, zwischen 1950 und 2001.

Knapp zwei Jahre später folgt sein zweiter Roman. Das kann eine Hürde sein, und vielleicht hat Ruge deshalb diesmal alles anders gemacht, zumindest auf den ersten Blick. Dem damals weit gespannten Bogen über mehrere Kontinente und Jahrzehnte folgt nun eine Novelle, die, kaum halb so lang, aus der Perspektive eines namenlosen Ich-Erzählers geschrieben, sich in Zeit und Raum begrenzt. Es ist nicht die Geschichte einer stolzen Familie und ihres Niedergangs, sondern umgekehrt die eines Mannes, der, pleite, geschieden und erfolglos, sich auf den Weg macht, etwas Neues zu finden. Obwohl seine finanzielle Lage schon in Berlin so prekär ist, dass er bei jeder Tasse Kaffee überlegen muss, ob er sie sich leisten kann, sagt er sich von seinen Möbeln, seinem Telefonanschluss und seinen Versicherungen los und verlässt an einem Neujahrsmorgen die Stadt, das Land und sein bisheriges Leben. Er will nichts festhalten, was ihm nicht mehr zusteht, er bricht einfach auf. Das allerdings ist leichter gedacht als getan, und was wie eine erborgte Männerphantasie mit Risiken und Nebenwirkungen wirkt, erweist sich in Eugen Ruges lakonischer und genau beobachtender Erzählung als derart realitätsorientiert, dass man meint, er habe diesen Aufbruch und diese Reise so erlebt. Und war der Autor vor Jahren nicht tatsächlich selbst in Spanien?

Doch wie weit trägt die Frage nach dem Wahrheitsgehalt? Denn auch wenn Ruge mit dem autobiographischen Hintergrund spielt, geht es hier doch viel weniger darum, ob sich etwas so zugetragen hat. Die Frage ist, ob es sich so zugetragen haben könnte.

Dass die Ankunft des Erzählers in Cabo de Gata nüchtern ausfällt, kann niemanden wundern. Kein "Hauch von Afrika", nirgends, statt dessen Müllhalden links und rechts der Straßen, dazu Bauschutt, zerbrochene Fliesen und Scherben wohin man blickt. "Das letzte Paradies in Europa" steht auf einem Schild am Wegesrand dieser Geisterstadt, deren Häuser entlang der Promenade sich in einem Stadium "zwischen noch ausstehender Vollendung und beginnendem Verfall" befinden.

Und doch, man begreift auch dies, kommt der Erzähler, ein durchaus verschlossener verkopfter Typ, der unter seiner zwanghaften Pedanterie selbst am allermeisten leidet, aus dem Nest nicht wieder fort. Im Gegenteil: Er fühlt sich in der schäbigen Pension mit einer Wirtin, die ihm fast feindselig gesinnt ist, zunehmend wohl. Vielleicht gelingt es hier, so seine Hoffnung, das Werk, den unvollendeten Roman zu beenden?

Einhundertdreiundzwanzig Tage harrt er aus, die Schreibblockade gerät mehr und mehr zur Komödie, wenn er vormittags erste Sätze schreibt, die er nachmittags wieder herausreißt, so lange, bis sein blaues Ringbuch keine Seiten mehr hat. Statt eines Plots entwickelt der Schriftsteller Marotten. Er wandert durchs Dorf, sammelt Muscheln für alle Frauen, die es in seinem Leben je gegeben hat, liest täglich "El País", allerdings immer dieselbe Ausgabe, und freundet sich schließlich mit einer rot getigerten Katze an. Darauf kommt es dann auch nicht mehr an.

Das eigentliche Wunder dieses Buches ist, wie unaufgeregt, ja fast heiter Ruge von diesem Scheitern erzählt, von all den missglückten Rettungsversuchen und dem Versuch, sich der Fremde anzuvertrauen: Noch nie habe er so gefroren wie hier im Süden, gesteht der Erzähler, "und noch nie hatte ich der Sonne gegenüber so etwas empfunden wie - Dankbarkeit". Der Roman wird auch nach vier Monaten nicht geschrieben sein, aber Rettung hält die Katzenbucht, wie sich der Erzähler den Ortsnamen Cabo de Gata schließlich übersetzt, doch bereit: Sie liegt im Aufbruch und in der Erkenntnis, dass er vergeblich hier ist. Weil das, worauf er hofft, nicht eintreten kann - und zwar gerade weil er darauf hofft.

Eugen Ruge notiert am Ende, dass der Text zwischen November 2011 und August 2012 entstanden ist, also kurz nachdem er den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Dass er sich im Augenblick des Triumphs an das Gefühl von Niederlage erinnert, ist eine hübsche Volte. Aber wem sind wir hier begegnet? Einem Erzähler, der scheitert, weil er den eigenen Ton nicht findet? Oder einem Schriftsteller, der im Begriff ist, sich aus seiner Verschalung zu befreien?

Einmal beschreibt der Autor, wie er am Hafen zwischen den Booten umhergeht. Ein früher Morgen, das Licht wirft harte Schatten. Man feilscht um Mengen und Preise. Fische werden gewogen und in Plastiktüten verpackt. "An all das erinnere ich mich allerdings nur vage, und so, als wäre es ohne Ton abgelaufen". Jetzt gibt es auch den Ton zur Erinnerung, und er stimmt.

SANDRA KEGEL

Eugen Ruge: "Cabo de Gata".

Roman.

Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2013. 208 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.06.2013

Am Kap der Katze
Eugen Ruges novellistischer Roman „Cabo de Gata“ erzählt mit einiger Komik von der Schreibkrise eines Autors
– und davon, wie einer seine Mitte wiederfindet, indem er sich an die Peripherie begibt
VON KRISTINA MAIDT-ZINKE
Mit seinem Prosadebüt, das dann ein Welterfolg wurde, hatte der 1952 geborene Mathematiker und Dramatiker Eugen Ruge lange gezögert. Umso beherzter hat er das berüchtigte „Zweitbuch“ angepackt: Nachdem sein Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ im Herbst 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden war, begann der Autor unverzüglich mit der Niederschrift von „Cabo de Gata“, einer Geschichte, die ebenfalls als Roman deklariert wurde, in Wahrheit aber eine Novelle ist. Dem Epos über den Niedergang einer Familie vor dem Hintergrund der sterbenden DDR lässt Ruge die kaum halb so lange Episode aus dem Leben eines Schriftstellers folgen, der dem Verfasser ähnelt und doch nicht gleicht, eines Einzelgängers, der sich an eine fast zwei Jahrzehnte zurückliegende Lebens- und Schaffenskrise erinnert.
  Über das Verhältnis von Autobiografie und Fiktion ließe sich aus diesem Anlass so lang wie breit theoretisieren. Ruge aber hat seinem Text die kluge Bemerkung vorangestellt: „Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“ Es war, das ist unübersehbar, für ihn eine schwierige Zeit; die Schilderung der Schreibkrise klingt sehr authentisch. Auch dürfte er irgendwann eine enttäuschende Spanienreise gemacht haben. Und mit ziemlicher Sicherheit hatte er einmal ein trauriges Erlebnis mit einer Katze. Die Erzählung, die diese Erfahrungen zusammenbindet und dabei mit der Wechselbeziehung von Erinnertem und Erfundenem spielt, ist zwar nicht gerade humoristisch geraten, doch es schwingt in ihr die Sehnsucht nach Leichtigkeit mit und der Wunsch, im Bedrückenden und Bedrängenden von damals auch das Komische zu sehen.
  Dass es bei dem geradezu schüchtern anmutenden Versuch bleibt, gehört zum Porträt: Der Mann, der nicht aus seiner Haut kann, der Schriftsteller, der seinen Ton nicht findet, rückt uns in seiner befangenen, verkopften Selbstwahrnehmung fast unbehaglich nahe. Ruges lakonische, gelassen realistische Prosa mit ihren leisen Anflügen von Ironie bringt ihn wieder auf Distanz und verschafft damit sowohl ihm als auch dem Leser so etwas wie Erleichterung und Befreiung. Das ist ein unspektakulärer, aber geglückter Kunstgriff.
  Indessen gibt es auch genuin komische Momente. Einer davon ist die Reminiszenz an einen unbeheizten, halblegalen Klubkeller in Ost-Berlin, in dem Buñuels Film „Der andalusische Hund“ gezeigt wurde, mit vielen filmrissbedingten Unterbrechungen. Die Bemerkung des Erzählers, er sei nicht nur von den Pausen und der Kälte, sondern auch von der „schwerfälligen, auf die Umerziehung des Publikums zielenden Ästhetik“ entnervt gewesen, erheitert ebenso wie sein Bekenntnis, er habe das Wort „andalusisch“ damals nicht mit einer Region in Verbindung gebracht, sondern es für eine Art Phantasie-Adjektiv mit der Bedeutung „wunderbar“ oder „zauberhaft“ gehalten. Wenn das nicht wahr ist, so ist es doch sehr hübsch erfunden.
  Und es ist insofern der Angelpunkt der Geschichte, als der schreibgehemmte Held nun, Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs, zufällig auf der Wetterkarte einer spanischen Zeitung das real existierende Andalusien entdeckt und sich aufmacht, um seiner Märchenort-Utopie zu folgen. Beruflich und privat gründlich gescheitert, nachdem er aus der Wissenschaftlerlaufbahn ausgeschert ist, um Schriftsteller zu werden, hat er seine Wohnung im Prenzlauer Berg gekündigt, aber auch Versicherungen und andere Verträge, die ihn in „die Gesellschaft, das System“ verstricken. Er hat seinen Vater besucht (in dem man Züge von Eugen Ruges Vater Wolfgang erkennt), hat mit seiner Tochter Silvester gefeiert und ist in den Zug nach Barcelona gestiegen. Dass er die Stadt nur von ihrer abstoßenden Seite erlebt, was ja nicht ganz einfach ist, beseitigt jeden Zweifel an seiner inneren Gestimmtheit. Wenn er dann, nach zermürbender Busreise, im vermüllten Nationalpark von Cabo de Gata ankommt, der sich als „letztes Paradies Europas“ verkaufen will, und im gleichnamigen, öden Küstenort, den Reiseführerlügen als „das letzte romantische Fischerdorf Andalusiens“ besäuseln, dann gemahnt der Kontrast zwischen Erwartung und Wirklichkeit beinahe an die gnadenlosen Reisenotizen Robert Gernhardts – mit dem Unterschied, dass Ruges Erzähler sich nicht mit satirischem Schwung aus seiner Melancholie zu befreien vermag.
  Er lässt sich vielmehr genüsslich von ihr überwältigen, mietet ein Zimmer ohne Heizung und Warmwasser, liest im Bett mit klammen Fingern Henry Miller und erkundet am nächsten Morgen den winterlich verlassenen Strand, wo ihm die Begegnung mit einem Einsiedlerkrebs und mit einer besonders zielstrebigen Spezies kleiner Wasservögel zu einem Entschluss verhilft: Er wird an dem unwirtlichen Ort bleiben und versuchen, seine Schreibblockade zu überwinden.
  Wie er den folgenden einhundertdreiundzwanzig Tagen eine zunehmende innere Ruhe abgewinnt und sich schließlich sogar verliebt, nämlich in eine rotgetigerte, streunende Katze – das wird so spröde wie einleuchtend, so anrührend wie unsentimental erzählt. Richtig komisch wird es spätestens wieder dann, wenn der Berliner Aussteiger sich einer englischen Zufallsbekanntschaft als „Handke. Peter Handke“ vorstellt. Denn die vier Monate in dieser Niemandsbucht, am Kap der Katze, verhelfen ihm keineswegs zum Durchbruch des Schreibflusses – dafür aber zu Einsichten, die ihn von dem Drang erlösen, sein eigenes Leben ständig auf „Stofftauglichkeit“ zu prüfen. Der große Entwurf und der rechte Tonfall, erkennt er, werden sich erst dann einstellen, wenn das „absolute Gleichmaß“ erreicht ist.
  Als Eugen Ruge diese Gedanken aufschrieb, war ihm gerade die Erfahrung zuteil geworden, dass er (oder sein Alter Ego) die „wahre Botschaft der Katze“ damals richtig gedeutet hatte. Ganz zart spielt er darauf an, wenn er in die Beschreibung des wenig einladenden Restaurants an der Strandpromenade, das ihm zu einer Art Heimat wird, den Satz einfügt: „In der Tiefe des Raums nimmt das Licht ab.“
Eugen Ruge: Cabo de Gata. Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek 2013. 203 Seiten, 19,95 Euro.
Das vermeintliche Paradies
entpuppt sich Einöde, passend
zur trüben Stimmung des Helden
Die streunende andalusische Katze hat dem schreibgehemmte Autor Glück gebracht: 2012 gelang ihm ein Welterfolg.
FOTO: REGINA SCHMEKEN
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Für «In Zeiten des abnehmenden Lichts» bekam Eugen Ruge 2011 den Deutschen Buchpreis. Dieser kleine Roman bestätigt die Auszeichnung. Die Zeit